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Altgriechische Sprache
... weil die Person im Normalfall schon durch das Verb angegeben ist. In den übrigen Kasus wird zwischen den enklitischen unbetonten Formen (etwa με me) und …
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Einordnung und Bedeutung
Altgriechisch ist die antike Stufe der griechischen Sprache und gehört zur indogermanischen Sprachfamilie. Das Griechische bildet darin einen eigenen Zweig; möglicherweise gab es eine balkanindogermanische Zwischenstufe. Als Altgriechisch gelten Sprachformen und Dialekte von der Einführung der griechischen Schrift um 800 v. Chr. bis zum Beginn der hellenistischen Ära um 300 v. Chr.; in der Literatur blieb es bis etwa 600 n. Chr. in Gebrauch. Der ISO-639-Code für Alt- und Mittelgriechisch bis 1453 lautet grc.
Als Norm des klassischen Altgriechisch gilt das literarische Attisch des 5. und 4. Jahrhunderts v. Chr., etwa die Sprache von Sophokles, Platon und Demosthenes. Davor steht das mykenische Griechisch, das zwischen 1600 und 1100 v. Chr. belegt ist; danach folgen Mittelgriechisch beziehungsweise byzantinisches Griechisch (etwa 600–1453) und Neugriechisch. Neugriechisch hat sich kontinuierlich aus Alt- und Mittelgriechisch entwickelt.
Die Sprache ist für das Abendland besonders wichtig: Ihre Literatur prägte Philosophie, Naturwissenschaft, Geschichtsschreibung, Dichtung, Musik und Theater. Durch Latein als frühere Bildungssprache sowie durch das Neue Testament beeinflusste sie europäische Sprachen und viele Fachsprachen.
Entwicklung, Dialekte und Texte
Die ältesten Schriftzeugnisse sind Linear-B-Texte aus dem 14. Jahrhundert bis zum frühen 12. Jahrhundert v. Chr. Die darin verwendete Sprache heißt mykenisches Griechisch. Zwischen etwa 1200 und 800 v. Chr. sind keine griechischen Schriftquellen erhalten. Die vermutlich zwischen 850 und 700 v. Chr. entstandenen Homer-Epen sind die ersten literarischen Werke auf Altgriechisch; ihre Sprache ist eine künstliche Literatursprache mit vor allem ionischen und äolischen Elementen.
Es gibt vier Dialektgruppen: Ionisch-Attisch, Arkadisch-Kyprisch, Äolisch und Westgriechisch, zu dem dorische und nordwestgriechische Dialekte gehören. Neben regional gesprochenen Dialekten entstanden literarische Dialekte. In der Prosa setzte sich im 5. Jahrhundert v. Chr. das Attische durch und wurde zum klassischen Vorbild.
Mit den Poleis und ihren Kolonien wurde Griechisch im Mittelmeerraum zu einer Weltsprache. Die Zahl der Sprecher wird zu Beginn des 4. Jahrhunderts v. Chr. auf sieben Millionen, zur Zeit Alexanders des Großen auf neun Millionen geschätzt. Die Koine, etwa 300 v. Chr. bis 300 n. Chr., wurde zwischen Adria und Euphrat zur lingua franca; die Texte des Neuen Testaments sind ihre einflussreichsten Werke. Gleichzeitig orientierte sich die Bildungsschicht im Attizismus am Attisch um 400 v. Chr. Die deutliche Trennung dieser Literatursprache von der Alltagssprache heißt Diglossie.
Alphabet, Laute und Akzent
Das griechische Alphabet wurde vermutlich vom späten 9. bis mittleren 8. Jahrhundert v. Chr. aus dem phönizischen Alphabet abgeleitet. Das ionische oder milesische Alphabet setzte sich durch; Athen führte es 403 v. Chr. offiziell ein. Klassische Texte wurden zunächst ohne Wortzwischenräume und Satzzeichen geschrieben. Später schrieb man von links nach rechts. Das lateinische Alphabet geht dagegen auf ein westgriechisches Alphabet zurück.
Altgriechisch besitzt sieben Vokale; ihre Länge kann bedeutungsunterscheidend sein. Da zwei Vokale nur lang vorkommen, gibt es insgesamt zwölf Vokalphoneme. Häufige Diphthonge enden auf [i̯] oder [u̯], etwa αι, οι, αυ und ευ. Bei den langen Diphthongen ᾳ, ῃ und ῳ war der i-Laut schon ungefähr in klassischer Zeit geschwunden; das Iota subscriptum kennzeichnet diese Herkunft später weiterhin.
Die Plosive bilden Reihen aus stimmlosen, stimmhaften und stimmlos-behauchten Lauten: π, τ, κ; β, δ, γ; φ [pʰ], θ [tʰ], χ [kʰ]. Erst nachklassisch wurden φ, θ und χ zu Frikativen wie [f], [θ] und [x]. Die genaue klassische Aussprache von ζ ist ungeklärt, sicher aber nicht [ts]; möglich sind [zd] oder [dz]. Ein Wort konnte nur auf einen Vokal, /n/, /r/ oder /s/ enden.
Der altgriechische Akzent war ein Tonhöhenakzent, nicht primär ein Lautstärkeakzent. Er stand auf einer der letzten drei Moren eines Wortes; eine lange Silbe enthält zwei Moren. Akut bezeichnet Hochton, Zirkumflex auf langen Silben einen ansteigenden und dann fallenden Ton. Zum Gravis gibt es unterschiedliche Deutungen: Nach Axel Schönberger (2016) war er kein eigener Akzent, sondern markierte den Verlust eines ursprünglichen Akzents im Satzverband. Die Versdichtung beruht auf Silbenlänge und nicht auf betonten und unbetonten Silben.
Formen der Nomina
Altgriechisch ist stark flektierend: Wortstämme verändern sich bei Deklination und Konjugation durch Vokalablaut und Konsonantenwandel. Dekliniert werden Substantive, Adjektive, Pronomina, der bestimmte Artikel und einige Zahlwörter. Nomina haben fünf Kasus: Nominativ, Genitiv, Dativ, Akkusativ und Vokativ; drei Numeri: Singular, Dual und Plural; sowie drei Genera: Maskulinum, Femininum und Neutrum. Einen unbestimmten Artikel gibt es nicht, aber den bestimmten Artikel ὁ, ἡ, τό („der, die, das“).
Der Nominativ bezeichnet vor allem Subjekt und Prädikatsnomen, der Akkusativ das direkte Objekt sowie unter anderem zeitliche oder räumliche Ausdehnung. Der Genitiv kann Zugehörigkeit, Teilmenge, Handelnden oder Handlungsziel und auch Herkunft beziehungsweise Trennung ausdrücken. Der Dativ kennzeichnet das indirekte Objekt, außerdem etwa Mittel, Ort, Zeit, Art und Grund. Der Vokativ dient der Anrede. Der selten gewordene Dual bezeichnet zwei Gegenstände oder Personen und wurde bereits vor dem 5. Jahrhundert v. Chr. zurückgedrängt. Bei neutralem Subjekt steht das Prädikat immer im Singular.
Es gibt drei grundlegende Deklinationsklassen: die a-Deklination, etwa δόξα („Ruhm, Ansicht“), die o-Deklination, etwa φίλος („Freund“) und τέκνον („Kind“), sowie die vielfältige dritte, konsonantische Deklination, etwa ῥήτωρ („Redner“). Adjektive folgen entweder der o/a- oder der dritten Deklination und stimmen mit ihrem Bezugswort überein. Sie können gesteigert werden, zum Beispiel σοφός, σοφώτερος, σοφώτατος („klug, klüger, am klügsten“). Der Superlativ kann auch einfach „sehr klug“ bedeuten. Adverbien werden oft mit -ως gebildet.
Bei Personalpronomina stehen betonte und unbetonte Formen nebeneinander. Für die dritte Person dienen im Nominativ Formen von οὗτος („dieser“), in anderen Kasus Formen von αὐτός („selbst“). Wichtige Demonstrativpronomina sind ὅδε („dieser“), οὗτος („dieser“) und ἐκεῖνος („jener“). τίς, τί bedeutet „wer, was“; das gleichlautende, aber enklitische τις, τι bedeutet „irgendjemand, irgendetwas“.
Verbsystem und Wortbildung
Die vielen grammatischen Bedeutungen werden meist durch Präfixe, Infixe und Endungen an einem Stamm ausgedrückt. Das Augment, meist ε-, zeigt im Indikativ Vergangenheit an. Reduplikation verdoppelt den Stammauslaut oder -anlaut, etwa θνῄσκω („ich liege im Sterben“) – τέθνηκα („ich bin tot“). Ein /s/ kann Aorist und Futur bilden, etwa βλέπω („ich sehe“) – ἔβλεψα („ich sah“) – βλέψομαι. Daher kann eine einzelne Verbform wie γραφήσομαι den deutschen Ausdruck „ich werde mir [etwas] schreiben lassen“ wiedergeben.
Entscheidend ist beim Verb vor allem der Aspekt, also die Sicht auf den Handlungsverlauf, nicht nur die Zeit. Der Präsensstamm ist imperfektiv und bezeichnet andauernde, wiederholte, gewohnheitsmäßige oder versuchte Handlungen. Sein Haupttempus ist das Präsens, sein vergangenes Nebentempus das Imperfekt. Der Aoriststamm bezeichnet den bloßen Vollzug einer Handlung, oft ihren Beginn oder Abschluss; der Aorist ist ein Vergangenheitstempus im Indikativ. Der Perfektstamm ist resultativ: τεθνηκέναι bedeutet „(gestorben und nun) tot sein“, und Νενικήκαμεν „Wir haben gesiegt“. Zu ihm gehören Perfekt und Plusquamperfekt. Der jüngere Futurstamm hat tatsächlich zeitliche Bedeutung und kein Nebentempus.
Es gibt vier Modi: Der Indikativ stellt einen Vorgang als wirklich dar. Der Imperativ drückt Befehl oder Aufforderung aus, der Konjunktiv Willen oder Erwartung, der Optativ Wunsch oder Möglichkeit. Die drei Diathesen sind Aktiv, Medium und Passiv. Das Medium zeigt eine besondere Beteiligung oder Betroffenheit des Subjekts; das Passiv beschreibt eine von außen auf das Subjekt wirkende Handlung. Außerhalb von Futur und Aorist hat das Passiv keine eigene Form und verwendet formal das Medium.
Die Verbendungen geben Person und Numerus an. Deshalb werden Personalpronomina als Subjekt meist weggelassen: Altgriechisch ist eine Pro-Drop-Sprache. Beim Verb gibt es Singular, Plural und einen schwindenden Dual, der nur in der 2. und 3. Person eigene Endungen besitzt. Beispielsweise heißt παιδεύεις „du erziehst“, παιδεύετον „ihr zwei erzieht“ und παιδεύετε „ihr erzieht“.
Gegenwärtige Rolle und Beispiel
Im deutschsprachigen Raum ist Altgriechisch neben Latein seit dem ausgehenden Mittelalter eine wichtige Bildungssprache. Unterricht findet vor allem an humanistischen Gymnasien statt, in Deutschland meist ab Klasse 8 oder 9; an Universitäten wird Gräzistik innerhalb der Klassischen Philologie gelehrt. Für Studiengänge wie Latinistik, Theologie, Klassische Archäologie, Alte Geschichte und Philosophie ist das Graecum häufig Voraussetzung. Schulgrundlage ist vor allem attisches Griechisch des 5. und 4. Jahrhunderts v. Chr.
Griechische Wortstämme prägen besonders das Fachvokabular von Geometrie, Naturwissenschaften, Medizin, Philosophie, Theologie, Rhetorik und Theaterwissenschaft. Im Neugriechischen werden antike Zitate und Redewendungen unübersetzt verwendet; Wortneubildungen und Zusammensetzungen werden direkt aus dem Altgriechischen abgeleitet.
Eine Textprobe aus Platons Symposion 212B lautet in Übersetzung: „Selbst überzeugt, versuche ich, auch die anderen zu überzeugen, dass man zur Erlangung dieses Guts einen besseren Helfer für die menschliche Natur als die Liebe schwerlich finden kann.“