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1953
Im Jahr 1953 beginnt mit dem Tod Josef Stalins der Prozess der Entstalinisierung in der UdSSR. Sein Nachfolger Chruschtschow setzte angesichts der atomaren …
Inhalt5 Abschnitte
Überblick und weltpolitische Lage
1953 war vor allem durch Veränderungen im Kalten Krieg geprägt. Nach dem Tod des sowjetischen Machthabers Josef Stalin am 5. März begann in der UdSSR der Prozess der Entstalinisierung. Nikita Chruschtschow setzte sich schrittweise als Nachfolger durch und löste am 7. September Georgi Malenkow als Ersten Sekretär der KPdSU ab. Angesichts der atomaren Pattsituation und großer innenpolitischer Probleme verfolgte er einen Entspannungskurs.
In den USA wurde Dwight D. Eisenhower am 20. Januar als 34. Präsident vereidigt und löste Harry S. Truman ab. Der Koreakrieg endete am 27. Juli. Gleichzeitig verschärfte sich der atomare Rüstungswettlauf: Die Sowjetunion zündete am 12. August ihre erste Wasserstoffbombe und zog damit laut Artikel mit den USA gleich.
Weitere wichtige Entwicklungen waren die Ausrufung der Republik Ägypten am 18. Juni nach der Absetzung König Fu'āds II., der Sturz des iranischen Premierministers Mohammad Mossadegh und die Rückkehr von Schah Mohammad Reza Pahlavi am 22. August. Am 26. Juli begann mit Fidel Castros gescheitertem Angriff auf die Moncada-Kaserne in Santiago de Cuba die Kubanische Revolution.
Deutschland und Europa
In der DDR verschärften sich politische und wirtschaftliche Konflikte. Das Zentralkomitee der SED beschloss am 14. Mai eine Erhöhung der Arbeitsnormen um zehn Prozent. Dieser Unmut in der Arbeiterschaft wurde zu einem Keim des Volksaufstands vom 17. Juni 1953. Bereits am 11. Juni war der vom Politbüro beschlossene Neue Kurs verkündet worden. Im Zuge der damaligen Stalinverehrung erhielt ein Ort am 7. Mai den Namen Stalinstadt; nach der Entstalinisierung hieß er ab 1961 Eisenhüttenstadt. Chemnitz wurde am 10. Mai in Karl-Marx-Stadt umbenannt.
In der Bundesrepublik stimmte der Bundestag am 18. März dem Luxemburger Abkommen zur Wiedergutmachung mit Israel und der Jewish Claims Conference zu. Konrad Adenauer unternahm am 6. April seinen ersten Staatsbesuch in den USA und Kanada. Bei der Bundestagswahl am 6. September wurde die Union stärkste Fraktion; Adenauer blieb Bundeskanzler. Deutschland erleichterte außerdem den Reiseverkehr: Am 1. Juli entfiel der Visumzwang für Besucher aus Mitgliedstaaten des Europarates, am 14. Oktober zwischen Deutschland und den Niederlanden.
In Europa wurden am 27. Februar das Londoner Schuldenabkommen unterzeichnet und am 2. Juni Elisabeth II. in der Westminster Abbey zur Königin des Vereinigten Königreichs gekrönt. In Österreich wurde bei der Nationalratswahl am 22. Februar die SPÖ mit Adolf Schärf stimmenstärkste Partei.
Wirtschaft, Wissenschaft und Technik
Wirtschaftlich gehörten die Gründung der Bundesversicherungsanstalt für Angestellte am 1. August als Trägerin der gesetzlichen Rentenversicherung und die Eröffnung der ersten deutschen Fußgängerzone am 9. November in der Treppenstraße in Kassel zu den wichtigen Ereignissen. In Brasilien entstand am 3. Oktober das mit Monopolrechten ausgestattete Mineralölunternehmen Petrobras. In der DDR zielte die Aktion Rose ab dem 10. Februar auf die Verstaatlichung von Hotels, Taxi- und Dienstleistungsunternehmen an der Ostseeküste und auf Rügen.
In den Naturwissenschaften veröffentlichten Francis Crick und James Watson am 25. April in Nature 171 die Entdeckung der Doppelhelixstruktur der DNA unter dem Titel „Molecular Structure of Nucleic Acids: A Structure for Deoxyribose Nucleic Acid“. Die DNA ist das Molekül, das Erbinformation trägt. George Emil Palade lieferte eine erste Beschreibung der Ribosomen, also Zellbestandteilen für die Eiweißherstellung. Eugene Aserinsky und Nathaniel Kleitman entdeckten den REM-Schlaf.
Medizinisch führte John Heysham Gibbon am 6. Mai die erste Operation mit einer Herz-Lungen-Maschine durch. In der Luftfahrt erreichte Albert Scott Crossfield am 20. November mit einer Douglas Skyrocket als erster Mensch Mach 2, also die zweifache Schallgeschwindigkeit. Chuck Yeager übertraf ihn am 12. Dezember mit der Bell X-1A und gemessenen Mach 2.44. Auguste und Jacques Piccard tauchten mit dem Bathyscaph Trieste am 30. September im Tyrrhenischen Meer bis 3.150 Meter tief. Das Britische Museum erklärte am 21. November die Knochenfunde des Piltdown-Menschen für Fälschungen.
Kultur, Religion und Sport
Kulturell wurden mehrere Werke uraufgeführt oder erstmals medial verbreitet: Samuel Becketts „Warten auf Godot“ hatte am 5. Januar in Paris Premiere, und am 20. Januar wurde die Augsburger Puppenkiste erstmals im Fernsehen ausgestrahlt. Am 19. März übertrug das Fernsehen die Oscar-Verleihung erstmals in den Vereinigten Staaten und Kanada. Warner Bros. brachte am 10. April mit „House of Wax“ seinen ersten 3D-Film in die Kinos. Am 27. Oktober wurde mit „Der Etappenhase“ aus dem Kölner Millowitsch-Theater erstmals eine Theateraufführung im Deutschen Fernsehen übertragen.
Im Bereich Musik entstanden im Studio für elektronische Musik in Köln erste dort produzierte Kompositionen von Robert Beyer und Herbert Eimert, die am 26. Mai beim Kölner Neuen Musikfest vorgestellt wurden. Nikolaus und Alice Harnoncourt gründeten Concentus Musicus Wien. Außerdem wurden das J. Paul Getty Museum eröffnet und die Neue Deutsche Biographie gegründet.
Papst Pius XII. würdigte am 24. Mai Bernhard von Clairvaux in der Enzyklika „Doctor mellifluus“ und kündigte am 8. September in „Fulgens corona“ für 1954 erstmals ein Marianisches Jahr an. Im Sport gelang Edmund Hillary und Tenzing Norgay am 29. Mai die Erstbesteigung des 8848 m hohen Mount Everest. Hermann Buhl bestieg am 3. Juli als Erster den Nanga Parbat. Der 1. FC Kaiserslautern wurde am 21. Juni Deutscher Fußballmeister; Alberto Ascari wurde am 13. September erster Doppelweltmeister der Formel-1-Geschichte.
Katastrophen und Auszeichnungen
Am 1. Februar verursachte die Hollandsturmflut im Mündungsgebiet von Rhein, Maas und Schelde sowie in Belgien und Großbritannien schwere Schäden. In den Niederlanden starben 1.835 Menschen, in Großbritannien weitere 307. Ein Tornado in Flint, Michigan, kostete am 8. Juni 115 Menschen das Leben und verletzte 844 Personen. Beim Erdbeben auf Kefalonia und Zakynthos am 12. August wurden beide Inseln fast völlig zerstört.
Die Nobelpreise gingen an Frits Zernike für Physik, Hermann Staudinger für Chemie sowie Hans Adolf Krebs und Fritz Albert Lipmann für Medizin. Den Literaturnobelpreis erhielt Winston Churchill, den Friedensnobelpreis George Catlett Marshall.
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