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Harry S. Truman

Truman begegnete dieser neuen Weltlage mit der Truman-Doktrin von 1947, die eine „Eindämmung“ des Kommunismus forderte (Containment-Politik). Ab 1948 …

Inhalt6 Abschnitte
  1. 1. Präsident in einer weltpolitischen Übergangszeit
  2. 2. Vom Farmer zum national bekannten Senator
  3. 3. Amtsübernahme und Ende des Weltkriegs
  4. 4. Innenpolitik, Fair Deal und Bürgerrechte
  5. 5. Kalter Krieg, Wiederwahl und Koreakrieg
  6. 6. Amtsende, Ruhestand und historische Bewertung

Präsident in einer weltpolitischen Übergangszeit

Harry S. Truman (* 8. Mai 1884 in Lamar, Missouri; † 26. Dezember 1972 in Kansas City, Missouri) war ein Politiker der Demokratischen Partei und von 1945 bis 1953 der 33. Präsident der Vereinigten Staaten. Zuvor vertrat er Missouri von 1935 bis 1945 im US-Senat und amtierte 1945 für 82 Tage als Vizepräsident.

Seine Präsidentschaft fiel in eine entscheidende Übergangszeit: Unter Truman endete der Zweite Weltkrieg, zugleich begann der Kalte Krieg zwischen den USA und der Sowjetunion. Seine Regierung entwickelte die Containment-Politik zur Eindämmung des Kommunismus, unterstützte den europäischen Wiederaufbau durch den Marshallplan, erkannte Israel an und führte die USA in den Koreakrieg. Innenpolitisch setzte Truman sich für Sozialreformen und die Rechte von Afroamerikanern ein, konnte aber nur einen Teil seines Programms verwirklichen.

Vom Farmer zum national bekannten Senator

Truman wuchs in einfachen Verhältnissen in Missouri auf und beendete 1901 die High School. Das „S“ in seinem Namen ist keine Abkürzung, sondern erinnert an seine Großväter Anderson Shipp Truman und Solomon Young. Nach Tätigkeiten als Bankangestellter und Farmer meldete er sich 1917 freiwillig zur US Army. Im Ersten Weltkrieg diente er in Europa als Artillerie-Offizier und schied 1919 als Hauptmann aus. Im selben Jahr heiratete er Bess Wallace; ihre Tochter Margaret wurde 1924 geboren. Ein gemeinsam mit Edward Jacobson eröffnetes Herrenbekleidungsgeschäft scheiterte 1922 und hinterließ 25.000 US-Dollar Schulden.

Unterstützt vom einflussreichen demokratischen Parteiführer Tom Pendergast begann Truman seine politische Laufbahn in Jackson County. Ab 1927 war er als Presiding Judge faktisch Leiter der County-Verwaltung und kümmerte sich besonders um Straßen, Brücken und das Abwassersystem. 1934 wurde er mit 59 Prozent der Stimmen in den US-Senat gewählt. Trotz des problematischen Rufes Pendergasts, der 1939 wegen Steuerhinterziehung verurteilt wurde, gewann Truman 1940 äußerst knapp die demokratische Vorwahl und anschließend mit 51,2 Prozent erneut das Senatsmandat.

Während des Zweiten Weltkriegs leitete Truman einen Senatsausschuss zur Kontrolle der Kriegsproduktion. Das nach ihm benannte Truman-Komitee deckte Ressourcenverschwendung auf und übte sachliche Kritik, wodurch Truman landesweit bekannt wurde. 1944 bestimmten ihn die Demokraten zum Vizepräsidentschaftskandidaten Franklin D. Roosevelts. Das Gespann gewann mit 53,4 Prozent der Stimmen und 432 von 531 Wahlmännerstimmen. Truman wurde am 20. Januar 1945 Vizepräsident, war aber nicht in Roosevelts engsten Machtzirkel eingebunden und wusste zunächst nichts vom geheimen Manhattan-Projekt zur Entwicklung der Atombombe.

Amtsübernahme und Ende des Weltkriegs

Nach Roosevelts Tod an einer Hirnblutung wurde Truman am 12. April 1945 als Präsident vereidigt. Das Vizepräsidentenamt blieb bis Januar 1949 unbesetzt, weil es damals keine gesetzliche Grundlage für eine Nachbesetzung gab. Am 8. Mai 1945, Trumans 61. Geburtstag, endete der Krieg in Europa mit der bedingungslosen Kapitulation des Deutschen Reiches. Truman unterstützte die Gründung der Vereinten Nationen und unterzeichnete im Juni 1945 deren Gründungsurkunde. Auf der Potsdamer Konferenz beriet er mit Josef Stalin und zunächst Winston Churchill, später Clement Attlee, über die Nachkriegsordnung; Deutschland wurde in vier Besatzungszonen aufgeteilt.

Im Pazifik dauerte der Krieg gegen Japan an. Nach dem erfolgreichen Trinity-Test vom 16. Juli 1945 ordnete Truman die Atombombenabwürfe auf Hiroshima und Nagasaki an. Dabei starben insgesamt etwa 155.000 Menschen sofort und weitere 90.000 bis 140.000 an unmittelbaren Folgen; nach manchen Schätzungen starben bis 1950 etwa 200.000 Menschen infolge von Krebs und anderen Langzeitschäden. Japan kapitulierte nach dem zweiten Abwurf vom 9. August bedingungslos; die formelle Kapitulation erfolgte am 2. September 1945.

Die Entscheidung bleibt umstritten. Truman erklärte, die Bomben hätten den Krieg schneller beendet und das Leben amerikanischer Soldaten geschont, weil eine Invasion der japanischen Hauptinseln vermieden worden sei. Kritiker halten Japan dagegen für bereits kapitulationsbereit und sehen im Einsatz auch eine Machtdemonstration gegenüber der Sowjetunion. Andere Historiker argumentieren, eine Invasion hätte auf beiden Seiten noch mehr Opfer gefordert und den Krieg um Monate oder Jahre verlängert.

Innenpolitik, Fair Deal und Bürgerrechte

Nach dem Krieg musste die US-Wirtschaft von der Rüstungs- auf die zivile Produktion umgestellt werden. Entgegen verbreiteten Befürchtungen herrschte nahezu Vollbeschäftigung, und der Lebensstandard stieg. Zugleich erreichte das Haushaltsdefizit 1946 knapp 242 Milliarden US-Dollar. Truman senkte die Staatsausgaben bis 1948 um 19 Milliarden US-Dollar; die Verteidigungsausgaben wurden gegenüber ihrem Höchststand von 1945 innerhalb von zwei Jahren um 85 Prozent reduziert.

Eine Welle großer Streiks und eine starke Inflation belasteten Trumans Popularität. Nachdem die Republikaner 1946 beide Kammern des Kongresses gewonnen hatten, verabschiedeten sie 1947 das Taft-Hartley-Gesetz, das den Einfluss der Gewerkschaften einschränkte. Truman legte sein Veto ein, doch der Kongress überstimmte es mit einer Zweidrittelmehrheit.

Trumans Sozialprogramm hieß Fair Deal und sollte den New Deal Roosevelts fortsetzen. Er forderte unter anderem eine allgemeine Krankenversicherung, staatliche Hilfe für Bedürftige und ältere Menschen sowie die Rücknahme des Taft-Hartley-Gesetzes. Eine konservative Koalition aus Republikanern und Südstaaten-Demokraten blockierte den größten Teil dieser Vorhaben. Verwirklicht wurde der Housing Act of 1949, durch den der Bund den Bau von rund 800.000 Wohnungen unterstützte. Medicare und Medicaid entstanden erst 1965 unter Präsident Lyndon B. Johnson.

Besonders wichtig war Trumans Einsatz gegen Rassendiskriminierung. 1946 setzte er eine Bürgerrechtskommission ein, die 1947 den 178-seitigen Bericht To Secure These Rights vorlegte. Mit der Executive Order 9981 vom 26. Juli 1948 hob Truman die Rassentrennung in den Streitkräften auf. Weitergehende Gesetze scheiterten am Widerstand konservativer Politiker aus den Südstaaten. Dennoch gilt seine Politik als wichtiger Beginn der späteren bundesweiten Durchsetzung gleicher Bürgerrechte.

Kalter Krieg, Wiederwahl und Koreakrieg

Wachsende Spannungen mit der Sowjetunion führten zum Kalten Krieg. Am 12. März 1947 verkündete Truman die Truman-Doktrin: Die USA sollten „in ihrer Freiheit bedrohte freie Völker“, zunächst Griechenland und die Türkei, unterstützen. Diese Containment-Politik zielte auf die Eindämmung des Kommunismus. Der am 3. April 1948 gesetzlich beschlossene Marshallplan gewährte europäischen Ländern Kredite und Warenlieferungen. Er sollte den Wiederaufbau fördern, wirtschaftliche Not als möglichen Nährboden des Kommunismus beseitigen und neue Handelspartner für die USA schaffen. Die Sowjetunion und die Ostblockstaaten lehnten die angebotene Hilfe ab. Truman erkannte außerdem am 14. Mai 1948 den neu gegründeten Staat Israel an.

Bei der Präsidentschaftswahl vom 2. November 1948 wurde allgemein mit Trumans Niederlage gegen den Republikaner Thomas E. Dewey gerechnet. Nach einem energischen Wahlkampf mit mehr als 200 Reden gewann Truman jedoch überraschend: Er erhielt 49,6 Prozent der Stimmen und 303 von 531 Wahlmännerstimmen; Dewey kam auf 45,1 Prozent und 189 Wahlmänner. Die abtrünnigen Dixiecrats erhielten 2,4 Prozent und 39 Wahlmänner. Bei seiner Vereidigung am 20. Januar 1949 wurde erstmals eine präsidiale Amtseinführung im Fernsehen übertragen.

Truman setzte die nukleare Aufrüstung fort, vor allem nachdem die Sowjetunion im August 1949 ihre erste Atombombe gezündet hatte. Die USA entwickelten unter Edward Teller die Wasserstoffbombe; der Test Ivy Mike am 31. Oktober 1952 war erfolgreich. Die Tests auf dem Bikini- und dem Eniwetok-Atoll führten zu Umsiedlungen und lang anhaltender radioaktiver Verseuchung.

Im Juni 1950 griff das kommunistische Nordkorea unter Kim Il-sung Südkorea an. Mit einem Mandat der Vereinten Nationen entsandten die USA und weitere Staaten Truppen unter General Douglas MacArthur. Nach anfänglichen Erfolgen rückten diese bis zur chinesischen Grenze vor, woraufhin China in den Krieg eingriff. Truman entließ MacArthur, dessen öffentliche Forderungen und Kriegspläne mit der Politik der Regierung kollidierten. Vorschläge zum Einsatz von Atomwaffen lehnte der Präsident wegen der Gefahr eines globalen Atomkriegs ab. Die Front stabilisierte sich ungefähr am 38. Breitengrad. Erst 1953, nach Trumans Amtszeit, wurde ein Waffenstillstand, aber kein Friedensvertrag geschlossen. Gleichzeitig begann in den USA die McCarthy-Ära, die von der Verfolgung tatsächlicher und vermeintlicher Kommunisten geprägt war; Truman kritisierte diese Entwicklung scharf.

Amtsende, Ruhestand und historische Bewertung

Obwohl der 22. Verfassungszusatz für Truman noch keine Kandidatur verhindert hätte, verzichtete er 1952 auf eine weitere Amtszeit. Der republikanische Wahlsieger Dwight D. Eisenhower löste ihn am 20. Januar 1953 ab. Truman zog nach Missouri zurück, veröffentlichte 1955 und 1956 seine zweibändigen Memoiren und eröffnete 1957 in Independence seine Präsidentenbibliothek. Der Former Presidents Act verschaffte früheren Präsidenten später Pensionszahlungen und weitere Leistungen. Truman starb am 26. Dezember 1972 im Alter von 88 Jahren.

Am Ende seiner Amtszeit waren nur rund 24 Prozent der US-Bürger mit seiner Arbeit zufrieden. Ursachen waren vor allem der verlustreiche Koreakrieg, Korruptionsvorwürfe gegen einzelne Regierungsmitglieder und das von Angst vor dem Kommunismus geprägte politische Klima. Später stieg sein Ansehen deutlich. Besonders positiv bewertet werden heute seine entschlossene Außenpolitik zu Beginn des Kalten Krieges, der Marshallplan und sein Einsatz für Bürgerrechte. Weiterhin kontrovers und besonders außerhalb der USA kritisch beurteilt wird seine Entscheidung für die Atombombenabwürfe auf Japan. Historische Bedeutung besitzt zudem sein überraschender Wahlsieg von 1948.

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