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Légion étrangère

Die Légion étrangère (Aussprache [leʒjõetʁãˈʒɛːʁ]; deutsch Fremdenlegion) ist ein Großverband des französischen Heers und die Fremdenlegion Frankreichs.

Inhalt6 Abschnitte
  1. 1. Wesen und historische Entwicklung
  2. 2. Auftrag und heutige Einsätze
  3. 3. Organisation und Einheiten
  4. 4. Rekrutierung, Dienst und Versorgung
  5. 5. Ausrüstung und prägende Traditionen
  6. 6. Rechtliche Stellung und Erinnerungskultur

Wesen und historische Entwicklung

Die Légion étrangère, deutsch Fremdenlegion, ist ein Großverband des französischen Heeres. In ihr dienen Freiwillige aus über 150 Nationen als Zeitsoldaten. Der Mannschaftskern wird überwiegend im nichtfranzösischen Ausland angeworben. Nach dem Völkerrecht gelten die Legionäre als reguläre Soldaten der französischen Armee. Seit ihrer Gründung untersteht die Legion unmittelbar dem französischen Staatsoberhaupt, in der Französischen Republik also dem Staatspräsidenten.

Gegründet wurde sie am 10. März 1831 auf Initiative des Kriegsministers Nicolas Jean-de-Dieu Soult durch einen Erlass von König Louis-Philippe I. Ihr ursprünglicher Zweck war die Eroberung und Absicherung französischer Kolonien, zunächst in Algerien. Das Gesetz vom 9. März 1831 beschränkte ihren Einsatz zunächst auf Gebiete außerhalb der kontinentalen Grenzen des Königreichs. Die Feuertaufe erfolgte am 17. April 1832 bei Maison-Carrée nahe Algier. Die etwa 6000 Mann starke Einheit bestand damals zu 40 Prozent aus Deutschen und Schweizern. In den ersten drei Jahren der Kämpfe in Nordafrika verlor sie 3200 Mann durch Tod, Desertion oder krankheitsbedingte Entlassung.

Weitere wichtige Einsätze der frühen Zeit waren der Erste Karlistenkrieg in Spanien (1835–1840), der Krimkrieg mit der Schlacht von Inkerman am 5. November 1854, der Deutsch-Französische Krieg ab 1870 und zahlreiche Kolonialkriege. Ab 1883 war die Legion unter anderem in Tonkin, Formosa, Französisch-Sudan, Dahomey, Siam, Madagaskar und Marokko eingesetzt. Die Eroberung Algeriens war von besonders brutaler Kolonialkriegführung, darunter Massakern, verbrannter Erde und Deportationen, begleitet.

Im Ersten Weltkrieg dienten 42.883 Freiwillige aus 52 Nationen in neu aufgestellten Marschregimentern. Die an der Westfront eingesetzten Legionseinheiten wurden am 11. November 1915 im Régiment de Marche de la Légion Étrangère (RMLE) zusammengefasst. Es kämpfte unter anderem bei Loreto, Verdun und an der Somme. Insgesamt fielen 5172 Angehörige der Legion.

Im Zweiten Weltkrieg wuchs die Legion erneut stark an und nahm Freiwillige, Emigranten und politisch Verfolgte auf. Teile, besonders die 13. Halbbrigade (13e DBLE), schlossen sich dem Freien Frankreich an; andere Einheiten blieben unter Vichy-Kontrolle oder kämpften in der Levante und in Indochina. Nach 1945 war die Legion stark im Indochinakrieg (1946–1954) beteiligt und verlor dort mehr als 11.000 Tote. Ihre schwerste Niederlage erlitt sie 1954 bei Điện Biên Phủ. Im Algerienkrieg ab Herbst 1954 kämpfte sie gegen die ALN. Wegen Folter und ungesetzlicher Hinrichtungen geriet sie politisch unter starken Druck; Teile waren 1961 am Generalsputsch und an Aktionen der OAS beteiligt. Aufgelöst wurde nur das 1. Fallschirmjägerregiment (1er REP).

Auftrag und heutige Einsätze

Die Fremdenlegion wird weltweit eingesetzt, wenn Frankreich seine militärischen Interessen wahrt oder verteidigt. Einsätze können unter einem UN-, NATO- oder EU-Mandat erfolgen, der Rettung französischer Staatsbürger dienen oder aus historischen Verpflichtungen hervorgehen. Völkerrechtlich wird ihr Einsatz nicht anders bewertet als der Einsatz anderer souveräner Staaten.

Aus einer kolonialen Eroberungstruppe entwickelte sich die Legion zu einer Kriseninterventionstruppe und schnellen Eingreifreserve. Bestimmte Einheiten verfügen über Fähigkeiten für Kommandoeinsätze, Häuserkampf, Terrorismusbekämpfung und Fernaufklärung. Diese Fähigkeiten liegen in Spezialzügen, Kommandogruppen und einzelnen Kompanien; bei Bedarf können sie dem französischen Sondereinsatzkräftekommando COS unterstellt werden. Die Einheiten gelten überwiegend als Special Operations Capable, auch wenn sie nicht sämtlich offiziell als Spezialeinheiten geführt werden.

Neben Kampfeinsätzen übernimmt die Legion heute vor allem Aufgaben der Kriegsverhinderung, Friedensschaffung und Friedenserhaltung, humanitäre Hilfe, Katastrophenhilfe, Infrastrukturwiederherstellung und die Rettung gefährdeter Menschen. Beispiele sind Einsätze in Bosnien, im Kosovo und in Afghanistan, die Katastrophenhilfe nach dem Tsunami 2004 in Südostasien sowie die Befreiung von etwa 2000 europäischen Geiseln in Kolwezi 1978. Weitere Einsätze fanden unter anderem in Kambodscha, Ruanda, Somalia, Mali und im Golfkrieg statt. Nach Terroranschlägen in Paris patrouillierten Legionseinheiten ab 2015 im Rahmen der Inlandoperation Sentinelle in französischen Städten.

Der Einsatz gegen Jihadisten in der Sahelzone im Rahmen der Opération Barkhane endete 2021 und 2022. Nach dem Militärputsch in Niger 2023 zog sich die Legion auch aus Niger, Burkina Faso und der Zentralafrikanischen Republik zurück. Im Winter 2023 übte sie mit estnischen und britischen Truppen im Baltikum die Interoperabilität im NATO-Verbund. 2024 waren Teile der Legion im Südlichen Libanon stationiert. Dauerhafte Aufgaben bestehen unter anderem beim Schutz des Weltraumbahnhofs in Kourou und in Mayotte.

Organisation und Einheiten

2022 betrug die Gesamtstärke 10.500 Personen einschließlich 1500 Angehöriger teilaktiver Reserveeinheiten und ziviler Angestellter. Davon waren etwa 9000 Legionäre in aktiven Einheiten. Nach dem Algerienkrieg war die Stärke von bis zu 35.000 Mann Anfang der 1960er Jahre zunächst bis auf 6700 gesunken; zwischen 2015 und 2018 wurde sie wegen der weltpolitischen Lage wieder auf 10.000 Mann angehoben.

Die Legion besteht aus neun Regimentern. Die Bezeichnung „Regiment“ entspricht dabei nicht überall den üblichen Größen und Gliederungen. Das 13e DBLE und das 2e REP haben jeweils etwas mehr als 1300 Mann, das 2e REI fast 1300. Das 1er RE in Aubagne beherbergt das Oberkommando COMLE. Das 4e RE in Castelnaudary bildet alle zukünftigen Legionäre sowie Unteroffiziere bis zum Sergent aus. Weitere Regimenter in Frankreich sind das gepanzerte 1er REC, das 2e REI, das Pionierregiment 1er REG, das 2e REG, die 13e DBLE und das Fallschirmjägerregiment 2e REP. Die Rekrutierungsorganisation GRLE befindet sich im Fort de Nogent bei Paris.

Dauerhaft außerhalb des französischen Mutterlandes liegen heute zwei Regimenter: das 3e REI in Französisch-Guayana und das 5e RE auf Mayotte. Das 3e REI sichert Grenzen zu Brasilien und Surinam, schützt Kourou und bildet an der Dschungelkampfschule in Régina aus. Das 5e RE erfüllt auf Mayotte Stabs-, Kampf- und Unterstützungsaufgaben. Die 13e DBLE wurde 2011 aus Dschibuti in die Vereinigten Arabischen Emirate und 2015 nach Frankreich ins Camp du Larzac verlegt.

Die Legion nutzt grundsätzlich die Dienstgrade der französischen Streitkräfte, weist aber Besonderheiten auf. Die beiden untersten Mannschaftsdienstgrade heißen Légionnaire de 2e classe und Légionnaire de 1re classe. Der Dienstgrad Sergent-Chef BM2 wurde im September 2022 wiedereingeführt und bezeichnet Sergent-Chefs mit bestandenem Zugführerlehrgang. Der Kommandeur der Legion ist traditionell ein Général de brigade und wird häufig später zum Général de division befördert. Im 1er REC gelten teilweise die Bezeichnungen der französischen Kavallerie, etwa Brigadier statt Caporal und Maréchal de logis statt Sergent.

Rekrutierung, Dienst und Versorgung

Die Bewerberauswahl gilt international als besonders streng. Rekruten werden physisch und psychisch über ihre Leistungsgrenzen hinaus belastet und zugleich zu einem Team geformt. Zuständig ist das Groupement de Recrutement de la Légion Étrangère (GRLE). Vorauswahlzentren befinden sich im Fort de Nogent bei Paris und im Quartier Viénot in Aubagne; dort liegt auch das Hauptauswahlzentrum CSI. Nach französischem Recht können diensttaugliche Männer aller Nationalitäten im Alter von 17 bis 40 Jahren angeworben werden.

Der Erstvertrag dauert fünf Jahre. Danach sind Verlängerungen um sechs Monate, drei oder fünf Jahre möglich. Bewerber werden heute sicherheitsüberprüft und mehrere Wochen medizinisch und psychologisch untersucht. Fast 90 Prozent werden abgelehnt; 2024 kamen auf einen Posten zehn Kandidaten. Die Mannschaftsdienstgrade stammen heute besonders häufig aus Osteuropa und den Nachfolgestaaten der Sowjetunion, während Bewerber aus Amerika und Asien an Bedeutung gewinnen.

Jeder Legionär erhält zunächst eine neue Identität, das sogenannte Anonymat. Sie umfasst Vor- und Nachnamen, Elternnamen, Geburtsort und Geburtsdatum und soll vor Anfragen und Auskunftsersuchen schützen. Nach sechs Monaten kann sie durch eine Régularisation de situation militaire aufgehoben werden. Spätestens beim Austritt erlischt die falsche Identität, sofern der Legionär nicht Franzose geworden ist und den Namen behalten darf. Viele Legionäre beantragen bereits nach dem ersten Dienstjahr oder nach der Beförderung zum Légionnaire de 1re classe die Führung ihres echten Namens.

Für die Offizierslaufbahn sind französische Staatsbürgerschaft und Baccalauréat, also Abitur beziehungsweise Matura, erforderlich. Fremdenlegionäre können de jure nach drei Dienstjahren die französische Staatsbürgerschaft beantragen; praktisch wird sie meist erst nach dem fünfjährigen Erstvertrag verliehen. Nach der Mindestdienstzeit besteht Anspruch auf eine zehnjährige Aufenthaltserlaubnis in Frankreich. Nach 20 Dienstjahren wird eine lebenslange, auch ins Ausland überweisbare Pension gezahlt. Verwundete können eine Militärinvalidenrente beantragen. Wer im Einsatz verwundet wurde, kann nach Artikel 21-14-1 des Gesetzes N°99-1141 vom 29. Dezember 1999 auf Vorschlag des Verteidigungsministers „Franzose durch vergossenes Blut“ werden. In den ersten fünf Dienstjahren gilt grundsätzlich ein Heiratsverbot; Ausnahmen und spätere Heirat unter der ursprünglichen Identität sind an Dienstgrad und Dienstzeit gebunden.

Ausrüstung und prägende Traditionen

Die Legion verwendet grundsätzlich die Waffen und Fahrzeuge des französischen Heeres. Das Sturmgewehr FAMAS mit 5,56 mm wird seit 2017 schrittweise durch das deutsche HK416F ersetzt; die 13e DBLE war das erste Regiment mit dieser Ausrüstung. Zur Ausrüstung gehören außerdem unter anderem FN-Minimi-Maschinengewehre, Mörser, Scharfschützenwaffen wie PGM Hécate II und FR-F2, Panzerabwehrsysteme wie AT4, MILAN, ERYX und Akeron MP sowie Fahrzeuge wie VAB, VBCI und AMX-10. Seit 2021 wird der VAB in Infanterieregimentern durch den VBMR Griffon ersetzt; beim 1er REC folgt seit 2022 der EBRC Jaguar auf den AMX-10 RC.

Das weiße Képi blanc tragen die Mannschaftsdienstgrade Légionnaire de 2e classe, Légionnaire de 1re classe, Caporal und Caporal-chef. Das grüne Barett, Béret vert, wird mit dem Abzeichen rechts getragen. Wappen und Abzeichen zeigen eine siebenflammige Granate. Die Farben Grün und Rot stehen für Land und Blut. Das Motto lautet „Legio Patria Nostra“ („Die Legion ist unser Vaterland“), ein weiteres Motto „Honneur et Fidélité“ („Ehre und Treue“). Das Identifikationslied ist „Le Boudin“.

Die Legion marschiert mit 88 Schritten pro Minute, während andere französische Armeeeinheiten 110 Schritte gehen. Der langsamere Schritt wird mit den früheren Märschen in sandigen afrikanischen Einsatzgebieten begründet. Am 14. Juli marschiert die Legion am Ende der Fußtruppen über die Champs-Élysées, angeführt von ihrer Musikformation und den bärtigen Pionieren mit Lederschürze, weißen Handschuhen und geschulterter Axt.

Der wichtigste Gedenktag ist der 30. April, der Jahrestag des Gefechts von Camerone am 30. April 1863. Drei Offiziere und 62 Legionäre behaupteten sich einen Tag lang gegen 2000 mexikanische Soldaten. Camerone gilt als Symbol für das Einhalten eines gegebenen Wortes und den Kampf bis zur letzten Patrone oder, falls nötig, bis zum letzten Mann. In einer Zeremonie wird die hölzerne Handprothese des gefallenen Capitaine Danjou in Aubagne getragen.

Rechtliche Stellung und Erinnerungskultur

In Deutschland ist die Anwerbung für die Fremdenlegion nach § 109h StGB strafbar. Der Dienst kann außerdem gegen die deutsche Wehrpflicht verstoßen, wenn eine Person der Wehrüberwachung unterliegt. Bis zum 4. Juli 2011 verloren Deutsche unter bestimmten Voraussetzungen nach § 28 Staatsangehörigkeitsgesetz durch den Dienst und den Erwerb der französischen Staatsangehörigkeit ihre deutsche Staatsangehörigkeit. Seit dem 5. Juli 2011 kann das Bundesministerium der Verteidigung den freiwilligen Dienst in fremden Streitkräften unter bestimmten Voraussetzungen erlauben, ohne dass die deutsche Staatsangehörigkeit verloren geht. In Österreich führt der freiwillige Eintritt in ein fremdes Militär nach § 32 Staatsbürgerschaftsgesetz grundsätzlich zum Verlust der Staatsbürgerschaft; Staatenlosigkeit darf dadurch jedoch nicht entstehen. In der Schweiz verbietet Art. 94 des Militärstrafgesetzes den Eintritt in ein fremdes Militär und die Anwerbung ohne Erlaubnis des Bundesrates. Eine genaue Statistik zu den Schweizer Legionären existiert nicht; seit Gründung dürften über 60.000 Schweizer gedient haben.

Deutsche stellten besonders nach 1945, im Indochinakrieg und bis zum Ende des Algerienkriegs, zeitweise mehr als die Hälfte der Legion. 2006 betrug ihr Anteil noch etwa zwei Prozent; heute liegt er bei zwei bis drei Prozent. Nach 1945 traten auch ehemalige Wehrmachts- und Waffen-SS-Soldaten ein. Die Legion überprüfte deren Kriegsvergangenheit, um Kriegsverbrechern keinen Schutz zu bieten. Angaben der damaligen Presse, etwa 50.000 Deutsche in Indochina, waren deutlich überhöht.

In Deutschland bestehen beziehungsweise bestanden Kameradschaften ehemaliger Legionäre, sogenannte Amicales. Sie pflegen Traditionen und organisieren Treffen sowie Reisen zu Gedenkfeiern. Ihre Zahl sank von 38 aktiven Amicalen mit fast 950 Mitgliedern im Jahr 2008 auf fünf noch bestehende Amicales im Jahr 2025.

Das offizielle Musée de la Légion étrangère befindet sich im Quartier Viénot in Aubagne und stellt „Mythos und Realität“ der Legion dar. Eine weitere Ausstellung über Uniformen gibt es im Invalidenheim in Puyloubier. Das Schloss Schillingsfürst bei Ansbach beherbergt seit dem 13. Juni 2015 das einzige Museum der Fremdenlegion außerhalb Frankreichs.

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