Wikipedia · einfach zusammengefasst · Stand
Spanien
Geographie. Staatsgebiet. Spanien (Spanien). Madrid · Sevilla ... Die Reindustrialisierung nach der Krise 2009–2013, die zu einem starken …
Inhalt6 Abschnitte
Staat und Naturraum
Spanien, amtlich Königreich Spanien, liegt im Südwesten Europas und nimmt knapp sechs Siebtel der Iberischen Halbinsel ein. Zum 505.983 km² großen Staatsgebiet gehören außerdem die Balearen im Mittelmeer, die Kanarischen Inseln im Atlantik, Ceuta und Melilla in Nordafrika sowie weitere Inseln und Exklaven. Hauptstadt und größte Stadt ist Madrid. Spanien ist eine parlamentarische Erbmonarchie, Mitglied von UNO, EU, OECD und NATO und eines der sehr hoch entwickelten Länder. Für 2023 nennt der Artikel 48,59 Millionen Einwohner, für Ende 2025 49,5 Millionen. Die Währung ist der Euro.
Mit durchschnittlich etwa 660 Metern über dem Meeresspiegel gehört Spanien zu den höchstgelegenen Ländern Europas. Wichtige Gebirge sind die Pyrenäen, das Kantabrische Gebirge, das Kastilische Scheidegebirge, die Sierra Morena, die Betische Kordillere und das Iberische Randgebirge. Der Mulhacén ist mit 3479 Metern der höchste Berg des spanischen Festlands und der Iberischen Halbinsel; höchster Punkt des gesamten Staatsgebiets ist der Pico del Teide auf Teneriffa mit 3715 Metern. Im Zentrum liegt die Meseta, ein großes Hochplateau, das durch das Kastilische Scheidegebirge in Nord- und Südmeseta geteilt wird. Die wichtigsten Flüsse Duero, Tajo, Guadiana und Guadalquivir fließen zum Atlantik; der Ebro mündet ins Mittelmeer.
Das Klima reicht vom atlantischen Klima der feuchten Nordküste über kontinentale und mediterrane Formen bis zum subtropischen Klima der Kanaren und zum Gebirgsklima. Im Landesinneren treten kalte Winter und heiße Sommer auf, an der Mittelmeerküste milde Winter und heiße Sommer. Auf den Kanaren liegen die Temperaturen fast ganzjährig etwa zwischen 18 und 24 °C. Der Klimawandel verstärkt Risiken für Wasser, Ökosysteme, Ernährung, Gesundheit und Sicherheit. Modellrechnungen von 2019 zufolge könnte Madrids Klima 2050 dem heutigen Klima von Marrakesch ähneln; Meeresspiegelanstieg und Erosion bedrohen zudem Teile der etwa 6000 Kilometer langen Küste.
Die Pflanzenwelt gliedert sich in das feuchte Spanien mit Eichen und Buchen, das trockene Spanien mit Stein- und Korkeichen, Pinien und Palmen sowie höhenabhängige Gebirgsvegetation. Spanien besitzt eine artenreiche Tierwelt mit teilweise endemischen, also nur in einem begrenzten Gebiet vorkommenden Arten. Genannt werden etwa 2500 Wölfe, rund 200 Braunbären und 2021 Pardelluchse im Jahr 2023, davon 1730 in Spanien. Der Pardelluchs bleibt trotz erfolgreicher Schutzmaßnahmen gefährdet.
Bevölkerung, Sprachen und Städte
Ende 2025 lebten 49,5 Millionen Menschen in Spanien; zehn Millionen waren im Ausland geboren und 7,2 Millionen besaßen keine spanische Staatsangehörigkeit. Obwohl 6,9 Geburten auf 1000 Einwohner 9,7 Sterbefällen gegenüberstanden, wuchs die Bevölkerung durch Migration jährlich um 1,2 %. Die Geburtenzahl lag 2022 bei 1,2 Kindern je Frau, die Lebenserwartung bei 83,1 Jahren. 2023 waren 13,5 % der Bevölkerung jünger als 15 und 20,7 % älter als 64 Jahre. Besonders stark wuchs die Bevölkerung zwischen 1999 und 2009, hauptsächlich durch Zuwanderung.
Spanisch ist im gesamten Staat Amtssprache. Katalanisch ist in Katalonien, Valencia – dort Valencianisch genannt – und auf den Balearen zusätzlich amtlich, Baskisch im Baskenland und in Teilen Navarras sowie Galicisch in Galicien. Aranesisch besitzt im Val d’Aran offiziellen Status. Kleinere Sprachen sind Asturleonesisch, Aragonesisch, A Fala und das in Melilla gesprochene Tamazight. 2011 erklärten 49 % der 25- bis 64-Jährigen, keine Fremdsprache zu beherrschen; zugleich lernten 99 % der Grundschüler und 97 % der Schüler der Sekundarstufe II eine Fremdsprache, meist Englisch.
Die ausländische Bevölkerung betrug im Januar 2019 rund fünf Millionen Menschen beziehungsweise etwa 12 % der Gesamtbevölkerung. Viele Einwanderer stammen aus Lateinamerika, dem Maghreb und Rumänien. Das Gesetz Memoria Democratica von 2022 erleichtert Nachkommen von wegen Franco ins Exil gegangenen Spaniern den Erwerb der Staatsangehörigkeit. Für April 2026 nennt der Artikel ein Programm zur Legalisierung von rund 500.000 zuvor irregulär im Land lebenden Migranten. Rund 2,6 Millionen spanische Staatsbürger lebten im Januar 2020 im Ausland.
Im Jahr 2023 lebten 82 % der Bevölkerung in Städten. Madrid und Barcelona sind Millionenstädte; ihre Metropolregionen haben mehr als sechs beziehungsweise vier Millionen Einwohner. Die 17 Autonomen Gemeinschaften unterscheiden sich stark: 2024 hatte Andalusien 8.619.616 Einwohner, Katalonien 8.034.743 und Madrid 7.001.715, während La Rioja 324.399 Einwohner zählte. Zu den Minderheiten gehören etwa 600.000 bis 800.000 Gitanos, die spanischen Roma.
Der Anteil praktizierender Katholiken sinkt; 2015 bezeichneten sich 68 % als katholisch. Ende 2016 waren 4,13 % Muslime, 0,3 % Protestanten und 0,25 % Zeugen Jehovas. In einer Eurobarometer-Umfrage von 2020 hielten 29 % Religion für wichtig und 33 % für unwichtig.
Historische Entwicklung
In der Antike lebten Iberer, Kelten und Basken auf der Halbinsel. Seit dem 11. Jahrhundert v. Chr. gründeten Phönizier Kolonien wie Cádiz. Rom eroberte die Halbinsel schrittweise; später entstand dort das Westgotenreich mit Toledo als Zentrum. Im frühen 8. Jahrhundert eroberten die Mauren fast die gesamte Halbinsel. Ihre Herrschaft prägte Architektur und Sprache.
Von den nördlichen Gebieten ging die Reconquista aus, die von 722 bis 1492 dauernde, nicht kontinuierliche Zurückdrängung muslimischer Herrschaft durch christliche Reiche. Mit dem Fall Granadas 1492 endete sie. Danach wurden religiöse Minderheiten verfolgt: 1478 entstand die Spanische Inquisition, das Alhambra-Edikt vom 31. März 1492 zwang nicht taufwillige Juden zur Ausreise, und 1609 wurden die Moriscos, Nachkommen konvertierter Mauren, vertrieben.
1492 erreichte Christoph Kolumbus im Dienst Kastiliens Amerika. Im 16. Jahrhundert wurden Kastilien und Aragonien unter einem Herrscher vereinigt; Spanien stieg zur Weltmacht auf. Ab 1516 herrschten die Habsburger, nach dem Spanischen Erbfolgekrieg die Bourbonen. Um 1600 umfasste das Kolonialreich große Teile Amerikas und die Philippinen. Die meisten amerikanischen Kolonien wurden Anfang des 19. Jahrhunderts unabhängig; 1898 gingen die letzten größeren Besitzungen an die USA verloren. Die afrikanischen Kolonien wurden im 20. Jahrhundert unabhängig.
Nach der Militärdiktatur Miguel Primo de Riveras wurde Spanien 1931 Republik. Politische und soziale Konflikte mündeten nach dem Militärputsch vom Juli 1936 in den Spanischen Bürgerkrieg. Die Putschisten unter Francisco Franco wurden von Italien und Deutschland unterstützt; 1939 siegten sie. Es folgte Francos Diktatur mit gewaltsamen Säuberungen. Spanien beteiligte sich nicht militärisch am Zweiten Weltkrieg.
Nach Francos Tod am 20. November 1975 leitete König Juan Carlos I. die Transición, den Übergang zur Demokratie, ein. Die Verfassung von 1978 machte Spanien zur parlamentarischen Monarchie. Ein weiterer Militärputsch scheiterte 1981. Seit 1982 wechselten sich vor allem PSOE und Partido Popular an der Regierung ab. Spanien trat in den 1980er Jahren NATO und Europäischer Gemeinschaft bei. Das katalanische Unabhängigkeitsreferendum von 2017 führte zu einem Verfassungskonflikt. Seit 2018 ist Pedro Sánchez Regierungschef. Ab 2020 war Spanien von der COVID-19-Pandemie betroffen; bei der Flutkatastrophe 2024 starben mehr als 200 Menschen.
Politisches System und Gesellschaft
Nach der Verfassung vom 6. Dezember 1978 ist Spanien ein sozialer und demokratischer Rechtsstaat und eine parlamentarische Monarchie. König Felipe VI. ist Staatsoberhaupt und Oberbefehlshaber der Streitkräfte, besitzt aber überwiegend repräsentative Aufgaben. Er bestätigt Gesetze und ernennt oder entlässt den Regierungschef. Das Parlament, die Cortes Generales, besteht aus dem direkt gewählten Abgeordnetenhaus mit 300 bis 400 Mitgliedern und dem Senat mit 259 Mitgliedern. Der Ministerpräsident wird vom Abgeordnetenhaus gewählt. Das uneingeschränkte allgemeine Wahlrecht ist seit der Wiederherstellung der Demokratie und der Verfassung von 1978 garantiert.
Spanien besteht aus 17 Autonomen Gemeinschaften, 50 Provinzen und den Autonomen Städten Ceuta und Melilla. Autonome Gemeinschaften sind keine Gliedstaaten, verfügen aber über weitreichende Zuständigkeiten. Unterste Verwaltungsebene sind die Gemeinden. Konflikte über weitergehende Autonomie oder Unabhängigkeit bestehen besonders im Baskenland und in Katalonien. Die ETA kämpfte von 1959 bis 2011 mit Gewalt für ein unabhängiges Baskenland; katalanische Politiker versuchten von 2014 bis 2017 im sogenannten procés durch rechtswidrige Referenden und Beschlüsse die Unabhängigkeit zu erreichen.
Zu den gesamtspanisch bedeutenden politischen Kräften gehören der konservative Partido Popular, der sozialdemokratische PSOE und linke Parteien beziehungsweise Bündnisse; daneben sind regionale Parteien besonders in Katalonien und im Baskenland wichtig. Spanien ist seit 1955 UNO-Mitglied, seit dem 1. Januar 1986 Mitglied der EU und der Eurozone sowie Mitglied der NATO. Seine Außenpolitik konzentriert sich auf Europa, Lateinamerika, Nordafrika, den Nahen Osten, den Mittelmeerraum und die transatlantischen Beziehungen.
Das Justizsystem umfasst das Verfassungsgericht Tribunal Constitucional, das Oberste Gericht Tribunal Supremo, die Audiencia Nacional für bestimmte landesweite Verfahren und Obergerichte der Autonomen Gemeinschaften. Eine Reform von 2025 ersetzte 3900 Amtsgerichte mit Einzelrichtern durch 431 erstinstanzliche Gerichte. Das Polizeisystem besteht aus Guardia Civil, Nationalpolizei, autonomen Polizeien und örtlichen Polizeikräften.
Die Sozialversicherung ist eine Pflichtversicherung mit beitragsgebundenen und nicht beitragsgebundenen Leistungen. Die Autonomen Gemeinschaften verwalten die Gesundheitsversorgung. Seit 2020 gibt es die Mindestsicherung ingreso mínimo vital; 798.312 Haushalte erhalten damit mindestens 733,6 Euro monatlich. Spanien hat 92 Universitäten, davon 50 staatliche und 42 private.
Wirtschaft, Energie und Verkehr
Spaniens Modernisierung wurde durch den Stabilisierungsplan von 1959, die Demokratisierung, den EG-Beitritt 1986 und die Wirtschafts- und Währungsunion gefördert. 2024 betrug das nominale Bruttoinlandsprodukt 1,7 Billionen US-Dollar, kaufkraftbereinigt 2,7 Billionen US-Dollar. Dienstleistungen erzeugen 68 % der Wirtschaftsleistung, die verarbeitende Industrie 20 %, das Bauwesen 9 % und die Landwirtschaft 3 %. Bedeutend sind Tourismus, Bau, Informations- und Kommunikationstechnik, Metallverarbeitung, Maschinenbau, Landwirtschaft und Petrochemie. Zwischen den Regionen bestehen große Wohlstandsunterschiede.
Der Immobilienboom führte zu hoher privater Verschuldung; mit der Finanzkrise ab 2007 platzte die Immobilienblase. Zur Stabilisierung der Banken erhielt Spanien während eines 18-monatigen Hilfsprogramms 41,4 Milliarden Euro und verließ im Januar 2014 den Euro-Rettungsschirm. Im vierten Quartal 2025 lag die Arbeitslosenquote bei 9,93 %. Ende 2025 betrug die Staatsverschuldung 1,699 Billionen Euro beziehungsweise 103,2 % des BIP. Spanien erhielt aus NextGenerationEU 80 Milliarden Euro und zusätzlich 82 Milliarden Euro an Vorzugskrediten, von denen 60 Milliarden nicht genutzt wurden.
Der Euro ist seit dem 1. Januar 1999 Währung und ersetzte 2002 die Peseta als Bargeld; 1 Euro entspricht 166,386 Peseten. Spanien gehört zu den 20 größten Export- und Importnationen. 2025 standen Exporten von 387,092 Milliarden Euro Importe von 444,146 Milliarden Euro gegenüber. Wichtige Handelsgüter sind Kraftfahrzeuge und Teile, chemische Erzeugnisse, Nahrungsmittel und Maschinen. 2025 besuchten 96,8 Millionen Touristen das Land; wichtigste Ziele waren Katalonien, die Balearen und die Kanaren. 54 % der Landesfläche werden landwirtschaftlich genutzt.
Die Verkehrsinfrastruktur umfasst 663.795 Kilometer Straßen, ein dichtes Fernbusnetz, große Häfen und etwa 40 Verkehrsflughäfen. Das Eisenbahnnetz besitzt die Iberische Breitspur von 1668 Millimetern und das normalspurige Hochgeschwindigkeitsnetz AVE, das 2013 2276 Kilometer lang war. Die Schienengüterverkehrsleistung ist mit 8,9 Milliarden Tonnenkilometern im EU-Vergleich gering.
2018 deckten fossile Energieträger 74,1 % des Primärenergieverbrauchs. Das Stromnetz ist nur schwach mit dem übrigen Europa verbunden. 2025 entfielen 23,2 % der Stromerzeugung auf Windenergie, 20 % auf Kernenergie, 17 % auf Solarenergie und 13,3 % auf Wasserkraft. Sechs Kernkraftwerke mit acht Reaktorblöcken besitzen zusammen 7716 MW Bruttoleistung; Gesetze untersagen einen weiteren Ausbau. Die installierte Windkraftleistung erreichte Ende 2025 33,16 GW, die Photovoltaikleistung Anfang 2026 mehr als 50 GW. Am 28. April 2025 kam es auf der gesamten Iberischen Halbinsel zu einem Stromausfall; als Ursachen nennt der Artikel zu wenige Gas-und-Dampf-Kombikraftwerke zur Überbrückung kurzfristiger Engpässe und mangelnde Spannungskontrolle.
Kultur, Medien und Sport
Spaniens Kultur umfasst bedeutende Beiträge zu Literatur, Musik, Film, Malerei, Architektur und anderen Künsten. Zu den besonders bekannten Namen gehören Miguel de Cervantes, Federico García Lorca, Francisco de Goya, Pablo Picasso, Salvador Dalí, Antoni Gaudí, Luis Buñuel und Pedro Almodóvar. Der Flamenco ist eine wichtige Musik- und Tanztradition. Der Stierkampf ist umstritten: Anhänger betrachten ihn als Kunst, Kritiker als Tierquälerei; auf den Kanaren und in Katalonien ist er verboten.
Zu den wichtigen überregionalen Zeitungen gehören El País, El Mundo, ABC und La Razón. Radiotelevisión Española ist der öffentlich-rechtliche Rundfunk; daneben bestehen private und regionale Sender. Regionalzeitungen sind verbreitet. Für deutschsprachige Residenten und Touristen gibt es besonders auf Mallorca eigene Zeitungen und Hörfunkangebote.
Fußball ist der wichtigste Publikums- und Breitensport. Real Madrid und der FC Barcelona gehören zu den erfolgreichsten europäischen Vereinen. Die Nationalmannschaft gewann laut Artikel die Europameisterschaften 1964, 2008, 2012 und 2024 sowie die Weltmeisterschaften 2010 und im Juli 2026. Weitere beliebte Sportarten sind Basketball, Handball, Radsport, Tennis, Motorsport, Golf und Padel. Spanien richtete unter anderem die Fußball-Weltmeisterschaft 1982 und die Olympischen Sommerspiele 1992 aus.
Jährlich werden 14 Feiertage festgelegt; ein Teil gilt landesweit, andere bestimmen Autonome Gemeinschaften, Provinzen und Gemeinden. Zu den üblichen landesweiten Feiertagen zählen Neujahr, der 1. Mai, der Nationalfeiertag am 12. Oktober, der Verfassungstag am 6. Dezember und Weihnachten. Regionale Feiertage spiegeln die starke territoriale und kulturelle Vielfalt Spaniens wider.