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Malediven
Das Fortbestehen des Archipels ist vom durch den Klimawandel steigenden Meeresspiegel bedroht.
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Staat und geografische Grundlagen
Die Malediven, amtlich Republik Malediven, sind ein Inselstaat im Indischen Ozean südwestlich von Sri Lanka. Der Archipel besteht aus 19 Inselgruppen, 26 Atollen mit Korallenriffen und 1196 offiziell erfassten Inseln. Davon sind 220 von Einheimischen bewohnt und 144 für touristische Zwecke genutzt. Die Inseln erstrecken sich über 871 Kilometer in Nord-Süd-Richtung bis kurz südlich des Äquators.
Die Malediven liegen auf dem maledivischen Rücken, einer abgekippten und gesunkenen Randscholle der indischen Landmasse, und sind nicht vulkanischen Ursprungs. Die Landfläche beträgt 298 km². Die Inseln liegen im Allgemeinen nur rund 1 m über dem Meeresspiegel; die höchste natürliche Erhebung befindet sich mit 5,1 m auf Vilingilli im Addu-Atoll. Dadurch ist der Staat besonders anfällig für den steigenden Meeresspiegel.
Die vorgelagerten Korallenriffe schützen die Inseln vor heftigen Monsunstürmen. Typisch sind Palmen, Brotfruchtbäume, Sandstrände und Lagunen. Es wird zwischen Inseln für Einheimische und Touristeninseln unterschieden. Auf den Touristeninseln dürfen grundsätzlich nur Touristen und Resortpersonal wohnen; seit 2009 können Touristen auch auf Einheimischeninseln Urlaub machen.
Die Hauptstadt Malé ist die einzige größere Stadt des Landes. Ein Drittel der Bevölkerung lebt dort. Auf 5,7 km² leben mehr als 134.000 Menschen, weshalb Malé zu den am dichtesten besiedelten Städten der Welt zählt. Zur Entlastung wurde ab 1997 die künstlich aufgeschüttete Insel Hulhumalé geplant; dort lebten 2014 17.149 Menschen. Weitere bedeutende Orte sind Addu City mit 21.928 Einwohnern, Fuvahmulah mit 8.579 und Kulhudhuffushi mit 8.224 Einwohnern (Zensus 2014).
Klima, Umwelt und globale Erwärmung
Die Malediven haben ein tropisches, sehr feuchtes Klima. Die Temperaturen fallen selbst nachts selten unter 25 °C. Der Südwest-Monsun dauert von Mai bis Oktober und bringt besonders im Juni und Juli Wind sowie stärkere Niederschläge. Der Nordost-Monsun herrscht von November bis April; als beste Reisezeit gelten Januar bis April.
Für Malé werden eine mittlere Tageshöchsttemperatur von 30,6 °C und eine mittlere Tagesmindesttemperatur von 25,8 °C angegeben. Der Jahresniederschlag beträgt 1.901,4 mm, die mittlere Wassertemperatur 27,8 °C. Insgesamt gibt es 131 Regentage und durchschnittlich 6,7 Sonnenstunden pro Tag.
Mehr als 90 % des Staatsgebiets bestehen aus Wasser, und die Landflächen liegen überwiegend nicht mehr als einen Meter über dem Meeresspiegel. Der durch die globale Erwärmung steigende Meeresspiegel bedroht daher das Fortbestehen des Archipels. Für 1950 bis 2009 wurde auf Grundlage von drei Rekonstruktionen ein durchschnittlicher Meeresspiegelanstieg von (1,4 ± 0,51) mm pro Jahr ermittelt. 2016 führte die starke Erwärmung des Meerwassers zu einer Korallenbleiche: Über 60 % der Riffe waren betroffen, in manchen Regionen sogar 90 %.
Die Regierung betrachtet Klimaschutz als wichtiges Anliegen. 2008 plante Präsident Mohamed Nasheed, einen Teil des Staatshaushalts für den Kauf neuen Landes zu verwenden; im Gespräch waren Teile von Indien, Sri Lanka oder Australien. Das Vorhaben scheiterte am fehlenden Geld. Im Oktober 2009 tagte das Kabinett in Taucheranzügen auf dem Meeresboden, um auf die Bedrohung aufmerksam zu machen und eine Begrenzung des CO₂-Gehalts der Atmosphäre auf 350 ppm zu fordern.
Zu den Umweltproblemen gehören Müllverbrennung und Müllablagerung auf Thilafushi, die Entsorgung von Abfällen, Altöl und Bauschutt im Meer sowie die Zerstörung von Korallenriffen durch Ausbaggern, Sandpumpen und Landgewinnung. In den späten 1990er-Jahren wurden Meeresnationalparks eingerichtet. Außerdem sind Haifang im Atollinneren und bestimmte Formen der Riffnutzung verboten, werden aber teilweise unzureichend überwacht. Überfischung, Nachtfischen und der Schutz von Schildkrötengelegen sind weitere Probleme. Vor Ihuru wurden mit der Biorock-Technologie künstliche Korallenriffe angelegt.
Bevölkerung und gesellschaftliches Leben
Die Malediven hatten 2023 521.000 Einwohner; zugleich nennt die staatliche Übersicht für 2020 eine Schätzung von 541.000 Einwohnern. 2023 sank die Einwohnerzahl um 0,5 %, obwohl es einen Geburtenüberschuss gab: Die Geburtenziffer lag bei 13,6 je 1000 Einwohner, die Sterbeziffer bei 2,8 je 1000. Der Rückgang wird durch Migration erklärt. Die Geburtenzahl pro Frau betrug 2022 1,7, gegenüber 2,2 in Süd-Asien.
Die Lebenserwartung bei der Geburt lag 2022 bei 80,8 Jahren, bei Frauen bei 81,8 und bei Männern bei 80,1 Jahren. Der Median des Alters betrug 2021 30,6 Jahre. 2023 waren 21,7 % der Bevölkerung jünger als 15 Jahre und 5,1 % älter als 64 Jahre.
Amtssprache ist Dhivehi. Die Sprache ist inzwischen eigenständig und wird von rechts nach links in der Thaana-Schrift geschrieben; daneben gibt es die lateinische Umschrift Dhivehi Letin. Arabisch gewinnt an Bedeutung. Die Bevölkerung ist überwiegend sunnitisch-muslimisch. Der Islam ist alleinige Staatsreligion. Die öffentliche Ausübung anderer Religionen ist verboten und kann strafrechtlich verfolgt werden. Das muslimische Glaubensbekenntnis ist seit einer Verfassungsänderung von 2007 Voraussetzung für die maledivische Staatsbürgerschaft; für auf den Malediven geborene Kinder bereits maledivischer Eltern gilt diese Einschränkung nicht.
Die Alphabetisierungsrate beträgt 99 %. Kinder lernen ab sechs Jahren auf den Inseln Dhivehi und Englisch lesen und schreiben sowie zusätzlich die arabische Schrift, um den Koran rezitieren zu können. Schulen, an denen die Hochschulreife erworben werden kann, gibt es nur in Malé. Das Bildungssystem orientiert sich zunehmend an der arabischen Welt; der Islam ist Hauptfach.
2021 entsprachen die Gesundheitsausgaben 10,0 % des Bruttoinlandsprodukts. 2019 kamen 21,6 Ärztinnen und Ärzte auf 10.000 Einwohner. Die Sterblichkeit von Kindern unter fünf Jahren betrug 2022 5,6 je 1000 Lebendgeburten. In Malé gibt es das private ADK und das öffentliche IGMH. Beide sind vergleichsweise gut ausgestattet, können aber komplizierte chirurgische Eingriffe nicht durchführen. Auf kleineren Inseln ist die Versorgung wegen der zentralistischen Infrastruktur und des Mangels an Ärzten unzureichend; teilweise werden traditionelle Behandlungsmethoden genutzt.
Geschichtliche Entwicklung
Die Erstbesiedlung der Malediven ist wissenschaftlich nicht eindeutig geklärt. Eine Theorie datiert den Beginn auf das 5. Jahrhundert v. Chr., als buddhistische Fischer aus Indien und Ceylon die Inseln besiedelten. Archäologische Untersuchungen von Thor Heyerdahl aus dem Jahr 1985 deuteten neben buddhistischen Tempeln auch auf hinduistische Glaubensvorstellungen und Sonnenanbetung hin.
Nach Ibn Battuta wurden die Malediven 1153 durch Abu al-Barakat Yusuf al-Barbari islamisiert; andere Angaben setzen seine Ankunft um 1148 an. Das Land wurde von Sultanen und Sultaninnen regiert. 1558 besetzten die Portugiesen die Inseln, wurden aber nach einem achtjährigen Guerillakrieg 1573 durch Muhammad Thakurufaan vertrieben. Im 17. Jahrhundert errichteten die Niederlande ein Protektorat. Nachdem Großbritannien 1796 Ceylon übernommen hatte, gerieten auch die Malediven unter britischen Einfluss und waren von 1887 bis 1965 britisches Protektorat.
1932 erhielten die Malediven ihre erste Verfassung. Ebenfalls 1932 wurde das aktive und passive Frauenwahlrecht eingeführt. Großbritannien errichtete 1942 einen Militärflugplatz auf Gan. 1953 wurde die Republik ausgerufen, nach einer Volksabstimmung jedoch das Sultanat wiederhergestellt. 1956 erhielten die Malediven innere Autonomie. 1963 gab Großbritannien die Inseln auf, behielt aber zunächst das Nutzungsrecht an den Militärflugplätzen. Am 26. Juli 1965 wurden die Malediven vom Vereinigten Königreich unabhängig.
1968 wurde das Sultanat durch eine Verfassungsänderung in eine Republik umgewandelt; Ibrahim Nasir wurde Staats- und Regierungschef. 1972 öffnete sich das Land für den Tourismus. 1976 verließen die Briten die Malediven endgültig. 1982 traten die Malediven dem Commonwealth of Nations bei, von dem sie vom 13. Oktober 2016 bis zum 1. Februar 2020 ausgeschlossen beziehungsweise ausgetreten waren.
Von 1978 bis 2008 regierte Maumoon Abdul Gayoom autoritär. 2003 führten Todesfälle in einem Gefängnis zu Massendemonstrationen. 2004 wurde der Ausnahmezustand ausgerufen; am 26. Dezember desselben Jahres beschädigte ein Tsunami zahlreiche Siedlungen und Resorts. 2008 gewann Mohamed Nasheed die erste demokratische Mehrparteienwahl. Nach Protesten und einer Polizeimeuterei trat er 2012 zurück. 2013 wurde Abdulla Yameen Präsident, 2018 Ibrahim Mohamed Solih. Im September 2023 wurde Mohamed Muizzu zum Präsidenten gewählt.
Politisches System und Menschenrechte
Die Malediven sind eine islamische präsidentielle Republik. Die Verfassung von 1998 bestätigte die Präsidialrepublik; eine neue Verfassung trat am 7. August 2008 in Kraft. Der Präsident ist Staats- und Regierungschef, wird für fünf Jahre gewählt und besitzt weitreichende Macht über die Exekutive. Er ist unter anderem Verteidigungsminister und führt Polizei, Armee, Küstenwache, Feuerwehr und Justiz. Eine ausgeprägte Gewaltenteilung besteht laut Artikel nicht.
Das Einkammerparlament Madschlis besteht aus 50 Mitgliedern: 42 werden gewählt, acht vom Präsidenten eingesetzt. Das Volk wählt mit einfacher Mehrheit einen von zwei vom Parlament aufgestellten Präsidentschaftskandidaten; anschließend muss sich der Präsident noch einer Volksabstimmung stellen. Amtsinhaber ist Mohamed Muizzu, der am 30. September 2023 gewählt wurde.
Ein Mehrparteiensystem wurde 2005 ermöglicht, obwohl eine Opposition bereits seit 1998 erlaubt war. Unter Gayoom dominierten die DRP und weitere kleinere Parteien, darunter die islamische AP, MSDP, IDP und die Maledivische Demokratische Partei (MDP). Oppositionelle waren teils erheblichen Repressionen ausgesetzt. 2012 kam es nach dem Streit um die Festnahme eines Richters zu Protesten und einem Putschversuch. 2018 rief Yameen den Ausnahmezustand aus, nachdem er Gerichtsurteile zur Freilassung von Oppositionspolitikern und zur Wiedereinsetzung von zwölf Abgeordneten nicht befolgt hatte.
Die politischen Indizes zeichnen ein gemischtes Bild: Der Freedom in the World Index bewertete die Malediven 2024 mit 44 von 100 Punkten als teilweise frei. Der Fragile States Index lag 2024 bei 60,3 von 120 Punkten und stufte die Stabilität als Warnung ein. Im Pressefreiheitsranking 2026 erreichten die Malediven 49,2 von 100 Punkten und Rang 108 von 180. Im Korruptionswahrnehmungsindex 2025 lagen sie bei 39 von 100 Punkten und Rang 91 von 181.
Wirtschaft, Infrastruktur und Kultur
Die Malediven gehören zu den Ländern mit gehobenem mittlerem Einkommen. Das BIP betrug 2023 6,6 Milliarden US-Dollar, das BIP pro Einwohner rund 16.541 US-Dollar. Der Tourismus ist der wichtigste Wirtschaftszweig: 2015 trug er 23,9 % zum BIP bei, der Transport- und Kommunikationssektor 18,3 %. 2015 kamen 1,18 Millionen Touristen, darunter 359.514 aus China und 105.132 aus Deutschland. 2017 wurden über 1,3 Millionen Ankünfte registriert. Die Statistik nennt 144 Resorts, 12 Hotels, 508 Gästehäuser, 148 Safaris, 308 Reisebüros und 272 Tauchschulen.
Die Landwirtschaft produziert vor allem Hirse, Maniok und Süßkartoffeln. Kokosnüsse werden für Nahrung und Kopra gesammelt. Der traditionelle Fischfang konzentriert sich auf Thunfisch und Bonito. Reis, Bau- und Industriewaren sowie Brennstoffe müssen vor allem aus Indien importiert werden. Viele Tourismusgüter kommen aus Südafrika oder den USA. Im Arbeitsmarkt sind zahlreiche Ausländer beschäftigt, weil qualifizierte einheimische Arbeitskräfte fehlen und ausländische Arbeitskräfte billiger sind. Die Zahl ausländischer Arbeiter wurde 2008 auf 100.000, etwa 40 % der Bevölkerung, geschätzt.
2014 standen Staatsausgaben von 1,15 Milliarden US-Dollar Einnahmen von 960 Millionen gegenüber; das Defizit betrug 6 %. Die Staatsverschuldung lag damals bei 72,8 % des BIP und 2024 bei 133 %. Staatliche Unternehmen sind unter anderem die State Electric Company Limited, die Male' Water & Sewerage Company und die Maldives Industrial Fisheries Company.
Der Verkehr zwischen den Atollen erfolgt mit Booten und zunehmend mit Flugzeugen. Die Malediven haben Linksverkehr, zwei internationale Flughäfen und mehrere Regionalflughäfen. Straßen und Autos gibt es vor allem in Malé, auf Hulhumalé, im Addu-Atoll und auf Fuvahmulah. Die Verwaltung umfasst 19 Distrikte beziehungsweise Verwaltungsatolle und zwei Städte; 2010 wurden 189 gewählte Inselräte eingerichtet.
Zu den bedeutenden Kulturstätten gehören die Korallenstein-Moscheen, die seit 2013 auf der Vorschlagsliste für das UNESCO-Welterbe stehen, sowie das 1952 eröffnete Nationalmuseum und die National Art Gallery in Malé. 2011 wurde ein Buddha-Monument zerstört; 2012 zerstörten Islamisten 35 buddhistische und hinduistische Kunstobjekte aus dem Nationalmuseum, darunter Werke aus dem 6. Jahrhundert v. Chr. 2020 nutzten 63 % der Bevölkerung das Internet. Die Special Olympics Malediven wurden 2019 gegründet und nahmen zuletzt 2023 an den Weltspielen in Berlin teil.