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Wirtschaftsgeschichte der Volksrepublik China

Die Wirtschaftspolitik der neu gegründeten Volksrepublik China unter Mao Zedong setzte auf Planwirtschaft mit möglichst hohem Wirtschaftswachstum.

Inhalt6 Abschnitte
  1. 1. Ausgangspunkt und Mao-Zeit
  2. 2. Reformen unter Deng Xiaoping
  3. 3. Ausbau von Infrastruktur und Industrie
  4. 4. Wirtschaft im 21. Jahrhundert
  5. 5. Außenhandel und Kader-Kapitalismus
  6. 6. Sozialistische Marktwirtschaft und Staatsziel

Ausgangspunkt und Mao-Zeit

Die Wirtschaftsgeschichte der Volksrepublik China beschreibt den Wandel von einem überwiegend agrarischen, zentral geplanten Wirtschaftssystem zu einer staatlich gelenkten sozialistischen Marktwirtschaft mit bedeutender Privatwirtschaft und starkem Außenhandel. Unter Mao Zedong sollte eine Planwirtschaft nach sowjetischem Vorbild durch zentrale Vorgaben Ressourcen und Investitionen verteilen, China schnell industrialisieren und ein möglichst hohes Wirtschaftswachstum erreichen.

China war 1949 bei der Gründung der Volksrepublik ein Agrarstaat. Die Industrialisierung setzte im Vergleich zu Europa spät ein. Als Gründe nennt der Artikel unter anderem die lange politische Einheit Chinas, das dadurch geringere Bedürfnis nach technischen Neuerungen, die hierarchische Gesellschaftsordnung und Schwierigkeiten bei der Durchsetzung revolutionärer Ideen. Zusätzlich erschwerte das US-Wirtschaftsembargo von 1950 bis 1971 die Entwicklung.

Die chinesische Planwirtschaft unterschied sich teilweise vom sowjetischen Modell. Wegen fehlender planerischer und administrativer Kräfte wurden bereits in den 1950er Jahren dezentrale Elemente eingeführt: Provinzen und Betriebe erhielten mehr Spielraum bei der Umsetzung staatlicher Vorgaben. Mao strebte außerdem Autarkie an. China sowie einzelne Regionen sollten sich möglichst selbst versorgen. Dies verringerte zwar Abhängigkeiten vom Weltmarkt, behinderte aber zugleich die wirtschaftliche Entwicklung. Ab 1953 wurde beispielsweise eine chinesische Kraftfahrzeugindustrie aufgebaut, zunächst vor allem zur Herstellung von Lastkraftwagen.

Das Bruttoinlandsprodukt wuchs von 1952 bis 1975 nach einer Angabe jährlich um mehr als 5 Prozent, an anderer Stelle nennt der Artikel einen durchschnittlichen jährlichen Zuwachs von 6,7 Prozent. Dieses Wachstum beruhte stark auf der Mobilisierung zusätzlicher Ressourcen und einer Bevorzugung des Investitionsgütersektors. Der Anteil der Industrie an der Wirtschaftskraft stieg von etwa 20 Prozent im Jahr 1952 auf 45 Prozent im Jahr 1975. Bildung, medizinische Versorgung und soziale Sicherheit erreichten ebenfalls ein zuvor nicht vorhandenes Niveau, doch die Bevölkerung konnte daraus nur in geringem Maß mehr Konsum ableiten.

Politische Massenkampagnen verursachten schwere wirtschaftliche und gesellschaftliche Schäden. Der Große Sprung nach vorn von 1959 bis 1961 führte durch gewaltige Missernten zu Hungersnöten; Historiker schätzen die Zahl der Toten auf bis zu 30 Millionen, meist durch Verhungern. Die Kulturrevolution von 1966 bis 1976 legte Bildung und Wissenschaft praktisch ein Jahrzehnt lang lahm. Der Grundsatz „Lieber rot als Experte“ stellte politische Zuverlässigkeit über Fachwissen. Produktion und Infrastruktur sollten allerdings möglichst weiterlaufen; Arbeiter und Bauern waren von der Kulturrevolution ausgeschlossen.

Reformen unter Deng Xiaoping

Nach Maos Tod im September 1976 begann die Abkehr von der bisherigen Wirtschaftspolitik. Deng Xiaoping erhielt im September 1977 alle zuvor entzogenen Ämter zurück und wurde ab 1979 de facto Parteiführer. Er setzte nicht auf eine schnelle Schocktherapie, sondern auf vorsichtige, schrittweise und experimentelle Reformen. Staatliche Werbekampagnen sollten zugleich die Hoffnung auf eine moderne Konsumgesellschaft fördern.

Die Kollektivierung der Landwirtschaft wurde schrittweise zurückgenommen. Bauern erhielten Eigentumsrechte an ihren Erzeugnissen, Landbesitz blieb jedoch ausgeschlossen. Was über die staatlichen Planvorgaben hinaus produziert wurde, durfte auf freien Märkten zu freien Preisen verkauft werden. Ab 1984 wurde dieses Prinzip auf die Industrie übertragen: Staatliche Betriebe schlossen Verträge mit Behörden, während sich die Behörden aus dem Tagesgeschäft stärker zurückzogen. Dadurch entstanden jedoch gleichzeitig Planpreise und Marktpreise. Dieses zweigleisige Preissystem begünstigte Missbrauch, weil Waren, die zu niedrigen Planpreisen hätten verkauft werden müssen, auf freien Märkten auftauchten.

Seit 1979 wurden in Guangdong, Fujian und Hainan Sonderwirtschaftszonen geschaffen. Sie erhielten wirtschaftliche Sonderrechte und eigene Gesetzgebungskompetenzen, um neue Wirtschaftsformen und liberalere Politiken zu erproben sowie ausländisches Kapital und Fachwissen anzuziehen. Die zunächst bewusst rückständigen und unbedeutenden Gebiete begrenzten bei einem Scheitern den möglichen Schaden. Erfolgreiche Modelle wurden anschließend auf andere Regionen übertragen. 1984 erhielten 14 Küstenstädte, darunter Shanghai, als „offene Städte“ ähnliche, aber weniger weit reichende Rechte. 1985 entstand ein zum Ausland geöffneter Wirtschaftsstreifen an der Küste; später kamen zahlreiche Wirtschaftszonen im Binnenland hinzu.

Auf dem 13. Parteitag der KPCh wurde im Oktober 1987 eine „3-Schritte“-Strategie beschlossen: Von 1981 bis 1990 sollte sich das BIP verdoppeln und das Ernährungs- und Bekleidungsproblem weitgehend beseitigt werden. Von 1991 bis 2000 sollte sich das BIP erneut verdoppeln und ein bescheidener Wohlstand erreicht werden. Bis 2050 sollte China den Stand der Schwellenländer erreichen.

Ab 1987 wurden die Preise vollständig freigegeben, um das zweigleisige Preissystem zu beseitigen. Dies verursachte starke Preissteigerungen: Nach offiziellen Angaben stiegen die Verbraucherpreise 1987 um 20 Prozent, einige Lebensmittel wurden fast um die Hälfte teurer. Hamsterkäufe verstärkten die Inflation. Die Unruhen und das Tian’anmen-Massaker von 1989 bremsten die Reformen; zunächst hatte Stabilisierung Vorrang vor Liberalisierung. 1992 wurden die Reformen wieder ausgeweitet. Deng propagierte eine „Kombination von Wirtschaftsplanung und Marktwirtschaft“ und die „sozialistische Marktwirtschaft“. Auf dem XIV. Parteitag im Herbst 1992 wurde deren Aufbau als wirtschaftspolitisches Ziel festgelegt.

Auch der Finanzsektor wurde umgestaltet: Banken sollten Kredite nach Kreditwürdigkeit statt nach politischen Vorgaben vergeben. In den 1990er Jahren zog sich der Staat wegen wachsender Verluste aus der Mehrheit der Staatsunternehmen zurück. Strategisch unbedeutende Betriebe konnten privatisiert oder geschlossen werden. Dadurch verloren ungefähr 20 Millionen Beschäftigte ihre Arbeit. Ein staatliches Wiederbeschäftigungsprogramm vermittelte einem Teil von ihnen neue Arbeitsplätze.

Ausbau von Infrastruktur und Industrie

Seit dem Beginn des wirtschaftlichen Aufstiegs wird die industrielle Entwicklung auf ganz China ausgedehnt. Der Staat baut Straßen, Bahnlinien, Flughäfen, Wasser- und Stromversorgung, Energieanlagen sowie Telekommunikationsanschlüsse. Zunächst werden Millionenstädte an die chinesische und internationale Wirtschaft angebunden; anschließend sind Städte mit mehr als 200.000 Einwohnern vorgesehen. In die ausgebauten Städte werden private Investoren aus China und dem Ausland eingeladen.

Zwischen 2001 und 2005 entstanden mehr als 24.000 neue Autobahnkilometer. Das Autobahnnetz wuchs von 7000 km im Jahr 1998 auf 53.000 km im Jahr 2008 und sollte sich bis 2020 noch einmal mehr als verdoppeln. Von 2006 bis 2011 sollten dem Eisenbahnnetz 17.000 Streckenkilometer hinzugefügt werden, knapp die Hälfte des gesamten deutschen Schienennetzes.

Das schnelle Wachstum belastet die Umwelt. Großstädte leiden unter Luftverschmutzung, Gewässer und Böden werden geschädigt. Die Regierung bewertete Umweltzerstörung und Umweltverschmutzung zunehmend als Hauptprobleme. Deshalb flossen fast 40 Prozent des Konjunkturprogramms zur Finanzkrise 2009 und 2010 in eine umweltfreundlichere Wirtschaft.

Die Ernährung bleibt trotz der wirtschaftlichen Erfolge eine Herausforderung, weil China im Verhältnis zu seiner Bevölkerung nur wenig landwirtschaftlich nutzbare Fläche besitzt. China hat 22 Prozent der Weltbevölkerung, aber nur 7 Prozent der weltweiten landwirtschaftlichen Fläche. Nach Angaben des staatlichen Büros für Getreidereserven werden rund 95 Prozent des benötigten Getreides im Land selbst erzeugt; der jährliche Ertrag deckte zuletzt im Wesentlichen den Verbrauch.

Wirtschaft im 21. Jahrhundert

Nach 2000 setzte sich der wirtschaftliche Aufstieg fort. China überholte beim Bruttoinlandsprodukt 2007 Deutschland und 2010 Japan; seit 2021 liegt sein BIP über dem der gesamten Europäischen Union. Mit dem WTO-Beitritt im Jahr 2001 verpflichtete sich China in einem rund tausend Seiten langen Vertrag, seinen Markt schrittweise für ausländische Unternehmen zu öffnen. Im Gegenzug öffneten die anderen Staaten ihre Märkte stärker für chinesische Waren. Danach stieg die Industrieproduktion um mehr als 15 Prozent jährlich, die Stahlproduktion um mehr als 20 Prozent jährlich.

Ausländische Unternehmen dürfen in China investieren, und der Außenhandel wurde liberalisiert. Das Wirtschaftssystem blieb politisch jedoch zunächst unverändert und wurde als Staatssozialismus oder offiziell als „sozialistische Wirtschaft chinesischer Prägung“ bezeichnet. 1995 war China der siebtgrößte Teilnehmer am internationalen Handel. Die Lebensqualität stieg, während die Konsumausgaben zunächst Preissteigerungen von jährlich mehr als 7 Prozent auslösten. Von 2000 bis 2005 lag die Preissteigerungsrate wieder bei 0 bis 2 Prozent. Volkswagen verkaufte 2010 in China mehr als 1,9 Millionen Neuwagen, 37 Prozent mehr als 2009. Später gingen die Kostenvorteile chinesischer Produktionsstandorte teilweise zurück; dadurch gewann die Rückverlagerung von Fertigung nach Europa oder in die Vereinigten Staaten an Bedeutung.

Die Entwicklung des ländlichen Zentralchinas erhielt besonders unter Hu Jintao höhere Priorität. Die Landbevölkerung hatte die wirtschaftliche Transformation der 1990er Jahre unter anderem durch künstlich niedrig gehaltene Lebensmittelpreise mitfinanziert. 2006 wurde die Agrarsteuer abgeschafft; die Infrastruktur schuf neue Verdienstmöglichkeiten. Dennoch verdient ein Angehöriger der städtischen Mittelschicht ein Vielfaches eines Bauern. China überwand den Hunger landesweit, und die medizinische Versorgung ist zumindest auf niedrigem Niveau flächendeckend. Die Lebenserwartung lag 2017 bei über 76 Jahren. Gleichzeitig führen Landarmut, Landflucht, Smog, Verkehrsstaus und der Umstieg vom Fahrrad auf das Auto zu erheblichen Problemen.

Am 1. Januar 2010 wurde die Freihandelszone zwischen China und ASEAN eingerichtet. Im Jahr 2020 trat China dem Freihandelsabkommen RCEP bei, das 15 Pazifikstaaten, mehr als zwei Milliarden Menschen und knapp ein Drittel der Weltwirtschaftsleistung umfasst.

Außenhandel und Kader-Kapitalismus

Der Außenhandel entwickelte sich besonders dynamisch. Im zweiten Vierteljahr 2009 überschritten Chinas Devisenreserven erstmals zwei Billionen US-Dollar; damit besaß China die weltweit größten Reserven, vor Japan mit 971 Milliarden Dollar, Russland mit 305,6 Milliarden Dollar und Taiwan mit 268,0 Milliarden Dollar. 2020 betrieben 128 von 190 Ländern mehr Handel mit China als mit den USA. Projekte der „Neuen Seidenstraße“ und die China-Mittel-Ost-Europa-Gipfel seit 2012 prägen unter anderem den Handel mit Europa.

Die Abhängigkeit vom Außenhandel soll verringert werden. Sie lag 2006, gemessen an den Ausfuhren, auf einem Rekordniveau von 67 Prozent. 2012 sank die Abhängigkeit der Volkswirtschaft vom Außenhandel um 3,1 Prozentpunkte auf 48 Prozent. Der Außenhandel bleibt wichtig, doch das BIP-Wachstum wird zunehmend durch die Binnennachfrage getragen.

Die in der Quelle aufgeführten Außenhandelswerte betrugen bei Einfuhren und Ausfuhren in Mrd. US-Dollar: 1952 1,12 und 0,82; 1957 1,50 und 1,60; 1962 1,17 und 1,49; 1965 2,02 und 2,23; 1970 2,33 und 2,26; 1975 7,49 und 7,26; 1980 20,02 und 18,12; 1985 42,25 und 27,35; 1990 53,35 und 62,09; 1993 103,96 und 91,74; 1995 132,08 und 148,78; 1998 140,24 und 183,71; 2000 225,09 und 249,20; 2003 412,84 und 438,37; 2004 561,2 und 593,3; 2005 660,0 und 762,0; 2006 791,6 und 969,1; 2007 955,8 und 1218; 2008 1233 und 1428; 2009 1006 und 1202; 2010 1390 und 1586; 2011 1743 und 1899; 2012 1818 und 2049; 2013 1950 und 2210.

Wegen des wachsenden Gewichts der Privatwirtschaft wird China oft als Übergang von der Plan- zur Marktwirtschaft bezeichnet. Chinaexperten wie Sebastian Heilmann sprechen jedoch von einem autoritären „Kader-Kapitalismus“. Wirtschaftlich erfolgreich seien häufig Unternehmer mit engen Beziehungen zu mächtigen Parteikadern oder deren Familien. Von 3220 Chinesen mit einem Privatvermögen von mindestens 100 Millionen Yuan seien 2932 Kinder höherer Parteikader. In den Bereichen Finanzen, Außenhandel, Landerschließung, Großkonstruktionen und Wertpapiere hielten Kinder höherer Kader 85 Prozent bis 90 Prozent der Schlüsselpositionen.

Sozialistische Marktwirtschaft und Staatsziel

Die KPCh hält trotz marktwirtschaftlicher Elemente am Ziel des Kommunismus fest. Nach den Parteistatuten gilt das gegenwärtige System als Vorstufe zum Kommunismus. Offiziell beruft sich die Partei auf Mao Zedong und Deng Xiaoping; Dengs wirtschaftliches Ziel war die „sozialistische Marktwirtschaft“.

Nach Dengs Erklärung vom 30. Juni 1984 muss der Sozialismus zunächst die Produktivkräfte entwickeln, also die wirtschaftlichen Fähigkeiten zur Herstellung von Gütern und Wohlstand. Erst bei hoch entwickelten Produktivkräften und überwältigendem materiellem Überfluss könne in einem fortgeschrittenen Stadium jeder gemäß seinen Bedürfnissen leben. Der Sozialismus soll sich dadurch überlegen zeigen, dass sich die Produktivkräfte schneller und besser entwickeln als im Kapitalismus. Deng formulierte außerdem: „Sozialismus bedeutet die Eliminierung von Armut. Massenarmut ist nicht Sozialismus und noch viel weniger Kommunismus.“

Parallelen werden zur Neuen ökonomischen Politik (NEP) Lenins gezogen. Diese dauerte von 1921 bis 1927, also sechs Jahre, und ließ private Unternehmen, Gewinnstreben, ausländisches Kapital und marktwirtschaftliche Elemente zu. Sie konnte auch mit „kapitalistischen Ausbeutungsverhältnissen“ verbunden sein, sollte aber nur eine Übergangsphase beim Aufbau des Sozialismus bilden. Grund und Boden, die zentrale Wirtschaftslenkung und die wichtigen Teile der Industrie, die „Kommandohöhen der Wirtschaft“, sollten staatlich bleiben.

Die chinesische Öffnungspolitik weist ähnliche Elemente auf, dauert aber seit 1979 bis heute an; ein Ende ist laut Artikel nicht abzusehen. Die lange Dauer unterscheidet sie deutlich von der sechsjährigen NEP.

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