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Planwirtschaft
Planwirtschaft ist ein wirtschaftliches Organisationsprinzip, bei dem Produktion, Verteilung und Konsum von Gütern nicht (ausschließlich) über …
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Grundidee und Bedeutung
Planwirtschaft ist ein wirtschaftliches Organisationsprinzip. Produktion, Verteilung und Konsum von Gütern werden dabei nicht ausschließlich über Marktmechanismen, sondern auf Grundlage von Plänen koordiniert. Pläne können zentral oder dezentral, staatlich oder nicht-staatlich sowie autoritär oder demokratisch gestaltet sein.
Planwirtschaft ist deshalb ein Oberbegriff für verschiedene historische und theoretische Ausprägungen. Die Zentralverwaltungswirtschaft ist lediglich eine besonders spezifische Unterform. Im deutschsprachigen Raum werden beide Begriffe jedoch häufig gleichgesetzt.
Begriffsverengung in Westdeutschland
Im engeren, vor allem westdeutschen Sprachgebrauch bezeichnet „Planwirtschaft“ oft eine staatlich-bürokratisch gesteuerte Zentralverwaltungswirtschaft, wie sie etwa in der Sowjetunion und der DDR existierte. Diese Gleichsetzung ist im deutschen Sprachraum besonders verbreitet; international wird stärker zwischen planned economy, centrally planned economy, indicative planning und decentralized planning unterschieden.
Die Verengung entstand im Zusammenhang mit der politischen und ökonomischen Systemkonkurrenz des Kalten Krieges. In Westdeutschland wurde Planwirtschaft häufig als Synonym für die autoritär-bürokratische Steuerung und die Mängel realsozialistischer Wirtschaftsordnungen verwendet. Dadurch gerieten Konzepte demokratischer Planung und dezentraler Koordination in den Hintergrund. Karl Mannheim betonte beispielsweise „democratic planning“ als möglichen dritten Weg zwischen Zentralverwaltung und Laissez-faire.
Auch der Ordoliberalismus und das Konzept der Sozialen Marktwirtschaft prägten diese Abgrenzung. Walter Eucken, Alfred Müller-Armack und Ludwig Erhard stellten die Soziale Marktwirtschaft der Planwirtschaft gegenüber und verbanden diese mit staatlicher Übersteuerung. Dabei wurde übersehen, dass auch marktwirtschaftliche Demokratien wie Frankreich, Schweden oder Japan Formen nicht-zentralistischer und nicht-autoritä rer Wirtschaftsplanung kannten. Niklas Luhmann bezeichnete die scharfe Gegenüberstellung von Markt- und Planwirtschaft als „nicht lohnend, ja irreführend“. Stattdessen müsse man fragen, „wer und wie zentral und wie folgenreich er in einer Marktwirtschaft plant“.
In der politischen Debatte der Bundesrepublik wird „Planwirtschaft“ weiterhin häufig abwertend als Kampfbegriff gebraucht. Der Artikel weist zugleich darauf hin, dass dieser Abschnitt nicht hinreichend mit Belegen ausgestattet ist.
Zentrale und dezentrale Formen
Zu den Formen der Planwirtschaft gehören zentrale und dezentrale Varianten. Die Zentralverwaltungswirtschaft ist eine staatlich-bürokratische Sonderform, bei der wirtschaftliche Entscheidungen zentral gelenkt werden. Der Artikel verweist für ihre ausführliche Darstellung auf den eigenen Abschnitt „Zentralverwaltungswirtschaft“.
Dezentrale Planwirtschaft bezeichnet theoretische Modelle, in denen auf staatliche Planungshierarchien ganz verzichtet wird oder gesellschaftliche Planung im Wesentlichen durch viele dezentrale Akteure entsteht. Dabei können Betriebe, Produzenten, Konsumenten und andere gesellschaftliche Gruppen an den Planentscheidungen beteiligt sein.
Jiří Kosta unterschied in den 1970er Jahren zwischen zentraler und dezentraler Planung. Planung müsse sich nicht auf die „zentrale vollzugsverbindliche Kennziffernplanung sowjetischer Prägung“ beschränken, sondern könne demokratische Partizipation der Öffentlichkeit an allen Planentscheidungen bedeuten. Unterschiede zeigen sich unter anderem in den Befugnissen einzelner Betriebe und in ihren horizontalen Beziehungen. Als Beispiel für dezentrale Tendenzen nannte Kosta das jugoslawische Modell der Arbeiterselbstverwaltung.
Ernest Mandel beschrieb sozialistische Planwirtschaft als „demokratisch artikulierte und zentralisierte Selbstbestimmung“ beziehungsweise als geplante Selbstregierung der assoziierten Produzenten. Damit grenzte er sie sowohl von der Marktwirtschaft als auch vom staatlichen Dirigismus ab. Charles Bettelheim hielt je nach Situation sowohl einen zentralisierten Plan als auch eine Überlagerung miteinander koordinierter Pläne für möglich. Planung müsse von unten nach oben erfolgen und die Erfahrungen sowie Vorhaben der Bevölkerung konzentrieren und koordinieren.
Friedrich Behrens entwickelte die Vorstellung einer nicht-staatlichen, gemeinschaftlichen Planung in einer pluralistischen Selbstverwaltungsgesellschaft. Er erwartete einen Übergang von zentralistischer Planung durch Partei- und Staatsbürokratie zu einer indirekt zentralen Planung durch demokratisch gewählte, jederzeit abrufbare und öffentlich kontrollierte Organe. Daniel E. Saros veröffentlichte 2014 eine Theorie, die moderne Informationstechnologien nutzt. Sein Modell verzichtet auf Märkte und richtet Produktion und Verteilung dezentral an menschlichen Bedürfnissen aus. Michael Albert und Robin Hahnel schlugen mit Parecon eine Wirtschaft vor, deren Planung durch Arbeiter-, Nachbarschafts- und Verbraucherräte bestimmt wird.
Arbeitszeitrechnung als Planungsmodell
Die Arbeitszeitrechnung verlagert die ökonomische Planung größtenteils in selbstverwaltete Betriebe. Diese koordinieren ihren Austausch untereinander und mit den Konsumenten selbstständig auf Grundlage der Arbeitszeit.
Ob die Betriebe entsprechend den ex ante erstellten Plänen wirtschaften, soll durch öffentlich einsehbare buchhalterische Arbeitszeitkonten kontrolliert werden. Eine staatliche Zentralplanung wird dadurch nach diesem Modell unnötig. Die Theorie knüpft unter anderem an die Marxsche Arbeitswerttheorie an und wurde in den 1920er Jahren von der rätekommunistischen Gruppe GIK, insbesondere von Jan Appel, ausgearbeitet.
Seit etwa 2020 erlebt die Arbeitszeitrechnung durch mehrere Publikationen eine Renaissance. Sie wird von politischen Gruppen verbreitet und von einem Verein als Webanwendung programmiert. Eine Variante, bei der die Arbeitszeitkosten von Produkten mithilfe leistungsstarker Rechner berechnet werden, wurde von Paul Cockshott und Allin Cottrell vorgeschlagen.
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