Zum Inhalt springen
L

Wikipedia · einfach zusammengefasst · Stand

Dharma

Dharma kann Gesetz, Recht und Sitte sowie ethische und religiöse Verpflichtungen und Werte umfassen, aber auch Religion, Ethik oder Moral im Allgemeinen …

Inhalt6 Abschnitte
  1. 1. Grundbedeutung und religiöse Rolle
  2. 2. Dharma im Hinduismus: kosmische und persönliche Ordnung
  3. 3. Gesellschaftliche Pflichten und Lebensziele
  4. 4. Quellen und Wandelbarkeit im Hinduismus
  5. 5. Dharma im Buddhismus
  6. 6. Buddhistische Einteilungen und Zwei Wahrheiten

Grundbedeutung und religiöse Rolle

Dharma ist ein zentraler Begriff in Hinduismus, Buddhismus, Jainismus und weiteren asiatischen Religionen. Seine Bedeutung hängt vom jeweiligen religiösen Zusammenhang ab: Er kann Gesetz, Recht, Sitte, ethische und religiöse Pflichten und Werte bezeichnen, ebenso Religion, Moral oder konkrete Rituale, Methoden und Handlungen. Gemeinsam ist den Bedeutungen, dass Dharma Orientierung für richtiges Leben, Handeln und die Ordnung der Wirklichkeit gibt.

Dharma im Hinduismus: kosmische und persönliche Ordnung

Im Hinduismus bezeichnet Dharma die Ethik und die Ordnung, die das Leben prägt. Dazu zählen persönliche Gewohnheiten, familiäre und soziale Bindungen, Feste, Fasten, Rituale, Gerechtigkeit, Moral sowie teils Regeln der Hygiene und Essenzubereitung. Die Beachtung des Dharma gilt als Voraussetzung für soziales Wohlergehen und persönliche Entwicklung. Sie beeinflusst auch das Karma, also die aus den Taten eines Menschen entstehenden Folgen nach dem Prinzip von Ursache und Wirkung.

Es gibt keinen allgemein verbindlichen Gesetzeskodex für alle Hindus. Pflichten hängen vielmehr von der Art des Wesens und seiner Situation ab. Sanatana-Dharma, der „ewige, unveränderliche Dharma“, bezeichnet die kosmische Ordnung, welche das Universum erhält. Er umfasst Naturgesetze und die Weisheiten der Veden. Menschen, Tiere, Pflanzen und das gesamte Universum unterliegen ihm; nach gläubiger Auffassung geht er aus Brahman, dem Absoluten, hervor. „Sanatana-Dharma“ ist außerdem eine seit 1869 nachweisbare Eigenbezeichnung der Hindus für ihre Religion.

Gesellschaftliche Pflichten und Lebensziele

Auf menschlicher Ebene ordnet Dharma die Gesellschaft. Die hinduistische Tradition kennt Verpflichtungen gegenüber Göttern, den Rishis und Gurus sowie den Vorfahren. Sie werden etwa durch Gebet und Verehrung, das Studium der Schriften und das Aufziehen von Nachkommen erfüllt.

Der Varnashrama-Dharma beschreibt Pflichten nach Alter, Lebensstadium, Geschlecht, Kaste und sozialem Status. Das Ideal der vier Ashramas, also Lebensstadien, lautet: Brahmacari (Schüler), Grihastha (Haushalter), Vanaprastha (in die Waldeinsamkeit Gehender) und Sannyasin (die Welt Aufgebender). Schüler sollen lernen und soziale Dienste leisten. Haushalter sollen heiraten, Kinder haben, die Familie versorgen, Bedürftigen geben und der Gemeinschaft dienen. Nach erfüllten Familienpflichten soll Vanaprastha die Bindung an Materielles lösen; als Sannyasin wird die Erlösung angestrebt. Im modernen Alltag sind vor allem die ersten beiden Stufen üblich; ältere Menschen ziehen sich meist innerhalb des Hauses zurück und widmen sich religiösen Tätigkeiten.

Der Kastendharma weist gesellschaftlichen Gruppen bestimmte Aufgaben und moralische Anforderungen zu. Die frühere Pflicht, Beruf und Aufgaben der Familie oder Kaste zu übernehmen, ist noch lebendig, aber nicht mehr unumstößlich: Heute kann grundsätzlich jeder jeden Beruf ergreifen.

Als allgemeine Regeln für alle gelten Sadharana Dharmas wie Wahrhaftigkeit, Gewaltlosigkeit (ahimsa), Zornlosigkeit, Freigebigkeit, Nichtstehlen, Reinheit, Selbstkontrolle, Verzeihung, Urteilskraft, Mitgefühl und Gastfreundschaft. Das Mahabharata betont: „Mitgefühl und Güte ist der höchste Dharma der Guten“ (Kap. 13.5–23). Hindus nennen außerdem sechs zu überwindende „Feinde“: kama (weltliche Begierden), krodha (Zorn), lobha (Gier, Geiz), moha (Verblendung), mada (Hochmut) und matsarya (Eifersucht und Neid).

Dharma gehört zu den vier purusharthas, den legitimen Lebenszielen: Artha (Wohlstand und Erfolg), Kama (weltlicher Genuss, Lust, Sexualität), Dharma (kosmisches und soziales Gesetz, Tugend, Moral) und Moksha (Erlösung). Weltliches Streben wird nicht als unmoralisch abgelehnt, doch Dharma und Moksha gelten als höher; im Alltag ist Dharma das wichtigste Leitziel.

Quellen und Wandelbarkeit im Hinduismus

Quellen für Dharma sind eigene Tradition, Vorfahren und die Anleitung eines Gurus, stets im Einklang mit den Veden. Puranas sowie die Epen Ramayana und Mahabharata geben Orientierung, schreiben aber keine für alle verbindlichen Gesetze vor. Die Dharmashastras sind alte Rechtsbücher; Manu, zwischen 200 v. Chr. und 200 n. Chr., ist ihr bekanntester Gesetzgeber. Seine Regeln zu Lebensabschnitten, Kasten sowie Männern und Frauen werden heute nicht als allgemein gültige Anweisungen verstanden und werden unter anderem von Frauenrechtlerinnen und Kastengegnern kritisiert.

Dharmashastras, Epen, Puranas und Gesetzbücher zählen zu den Smritis und besitzen daher keine unumstößliche Autorität. Dharma gilt zwar als ewig, sein konkreter Inhalt jedoch als veränderbar. So wäre etwa die im Mahabharata übliche Vielehe heute nicht mit den sozialen Sitten vereinbar; auch das frühere Handabhacken als Strafe für Diebstahl ist heute undenkbar. Im Mahabharata wird Dharma als Rechtschaffenheit außerdem personifiziert: als Gott, der mit dem Totengott Yama verbunden und mythischer Vater Yudhishthiras ist.

Dharma im Buddhismus

Im Buddhismus bedeutet Dharma beziehungsweise Dhamma je nach Zusammenhang die Lehre Buddhas, die Gesamtheit aller Phänomene oder die Lehren erleuchteter Meister im Mahayana und Vajrayana. Als vom Buddha erkanntes Daseinsgesetz umfasst der Dharma die Vier Edlen Wahrheiten. In der Zufluchtsformel „Ich nehme Zuflucht zu Buddha, Dharma und Sangha“ ist er eines der Drei Juwelen beziehungsweise Drei Zufluchtsobjekte und ein Gegenstand der Zehn Betrachtungen (anussati).

In der Abhidharma-Lehre sind dharmas grundlegende, nicht weiter reduzierbare Elemente der Erfahrung. Sie heißen auf Deutsch meist „Daseinsfaktoren“ und umfassen mentale sowie materiell-körperliche Gegebenheiten. Sie sind keine stofflichen Atome und haben keine Substanz. Ihre Analyse soll erklären, wie die Vorstellung eines beständigen Selbst entsteht, obwohl Erfahrung aus bedingt zusammenwirkenden Faktoren besteht. Sie soll helfen, diese auf Anhaftung beruhende Vorstellung durch Meditation aufzugeben.

Bedingte Daseinsfaktoren tragen die drei Daseinsmerkmale und entstehen in wechselnden Kombinationen abhängig voneinander (pratityasamutpada) und gemäß Karma. Dadurch entsteht der Eindruck einer beständigen Person (pudgal), obwohl die Faktoren veränderlich sind. Unbedingte dharmas, je nach Schule Nirvana und/oder Sunyata, sind nicht leidhaft (dukkha) und nicht vergänglich (anicca), weil sie nicht dem Entstehen und Vergehen unterliegen. Auch die Buddha-Natur gilt als unvergänglich; im Nirvana-Sutra wird Buddha-dhatu als „das wahre Selbst“ Buddhas sowie als „beständig, fest und ewig“ (nitya, dhruva, sasvata) bezeichnet und mit dem Dharmakaya gleichgesetzt.

Buddhistische Einteilungen und Zwei Wahrheiten

Die Dharma-Lehre wurde im Korb der Abhandlungen des Pali-Kanon als Hilfe für die Meditationspraxis systematisch ausgearbeitet. Erfahrungsbereiche werden unter anderem als Bewusstsein und Geistesfaktoren (nama) sowie Körperlichkeit (rupa) beschrieben und in fünf Aneignungsgruppen (skandhas) gegliedert. Weitere Einteilungen sind die sechs Elemente: Erde, Feuer, Wasser, Luft, Raum und Bewusstsein; die zwölf Sinnesfelder mit sechs Sinnesorganen und sechs Sinnesobjekten; sowie die achtzehn Elemente, also diese zwölf Felder plus die entsprechenden Bewusstseinsarten. Die Zahl der Dharmas ist je nach Schule verschieden: 75 im Sarvastivada, 82 im Theravada, 84 im Sautrantika und 100 im Yogacara. Faktoren werden außerdem als heilsam, unheilsam oder neutral eingestuft.

Unterschiedliche Schulen bewerteten den Status der Dharmas verschieden. Sautrantika und Sarvastivada stritten darüber, ob sie nur gegenwärtig oder in allen drei Zeitabschnitten wirksam seien und ob sie letztendliche Wirklichkeiten (paramattha) oder bloße Momente (kshanika) seien. Im Mahayana gelten alle Dharmas als leer (sunya) von Eigennatur (svabhava).

Die Lehre von den Zwei Wahrheiten unterscheidet zunächst relative, verhüllte Wirklichkeit (samutti sacca) und höchste Wirklichkeit (paramattha sacca). In einer frühen Form galten Daseinsfaktoren als höchste Wirklichkeit, während „ich“, „mein“ und scheinbar unabhängige Dinge zur verhüllten Wirklichkeit gehören. Nagarjuna ordnete dagegen auch die sprachlich beschreibbaren Daseinsfaktoren der bedingten Ebene, samvritti satya, zu. Letztendliche Wahrheit, paramartha satya, zeige sich nur in Leerheit und könne nicht sprachlich absolut beschrieben werden. Aussagen können als geschickte Mittel (upaya) zum Mittleren Weg führen; durch Praxis soll der Mensch Anhaften an Konzepte aufgeben und inneren Frieden erfahren. Der Yogacara behielt diese Tendenz bei, verwendete aber auch positive Formulierungen für die Bewusstseinsanalyse.

Im Jainismus heißt die Religion auch Jain-Dharma. Zentrale Regeln sind für Laien die drei Kleinen Gelübde (anuvratas): Gewaltlosigkeit gegenüber allen beseelten Existenzformen, Unabhängigkeit von unnötigem Besitz und Wahrhaftigkeit. Für Mönche und Nonnen gelten die fünf Großen Gelübde (mahavratas), ergänzt um die Beachtung fremden Eigentums und Keuschheit.

Lernvideos zu Dharma

Weiterlesen

Buddha Ein Buddha hat, auch wenn er zugleich eine menschliche Existenz führt, Nirvana verwirklicht und ist damit nach buddhistischer Überzeugung nicht mehr an den … Dharmachakra ... Buddhismus das Symbol der von Buddha verkündeten Lehre. Die Speichen symbolisieren den achtfachen Pfad. Dharma-Rad Buddha mit Handgestus der … Hinduismus Im Gegensatz zu anderen Religionen gibt es im Hinduismus keinen Religionsstifter, vielmehr entwickelten sich die religiösen Systeme Indiens über einen Zeitraum … Buddhismus → Hauptartikel: Vier Edle Wahrheiten und Edler Achtfacher Pfad. Dharma (Sanskrit) bzw. Dhamma (Pali) bezeichnet im Buddhismus im Wesentlichen zweierlei: Die … Jainismus Ahimsa (Ablassen von Töten und Verletzen von Lebewesen), · Satya (Verzicht auf nicht wahrheitsgemäße Rede), · Asteya (sich nicht an fremdem Eigentum vergreifen), … Sikhismus Die Sikh-Religion (Panjabi ਸਿੱਖੀ sikhī) ist eine im 15. Jahrhundert entstandene monotheistische Religion, die auf den Gründer Guru Nanak Dev zurückgeht. Religion Geschichte konkreter Religionen · Afrikanische Religionen · Bahaitum · Buddhismus · Christentum · Daoismus · Hinduismus · Islam · Jainismus … Ethik Ein aussichtsreiches Beispiel für eine nachpositivistische Ethik ist die am Kriterium des zwangfreien Konsenses orientierte Diskursethik. Mit der … Ritual Sie wird häufig von bestimmten Wortformeln und festgelegten Gesten begleitet und kann religiöser oder weltlicher Art sein (zum Beispiel Gottesdienst, Begrüßung, … Gerechtigkeit Zum modernen Gerechtigkeitsbegriff gehört auch, dass dieser nicht nur auf einzelne Handlungen von Menschen angewandt wird, sondern gerade auch auf die Summe und … Karma Es gibt im Hinduismus einerseits den allgemein gültigen sadharanadharma, der die Pflichten eines jeden Individuums beinhaltet wie etwa Gewaltlosigkeit (ahimsa) … Kausalität Kausalität (von lateinisch causa, „Ursache“, und causalis, „ursächlich, kausal“) ist die Beziehung zwischen Ursache und Wirkung. Sie betrifft die Abfolge …