Zum Inhalt springen
L

Wikipedia · einfach zusammengefasst · Stand

Jüdische Religion

Dieser Bund beinhaltet nach der jüdischen Lehre 613 Mitzwot (deutsch: Gebote). Diese Mitzwot bestimmen das gesamte Leben eines frommen Juden. Die mündliche …

Inhalt6 Abschnitte
  1. 1. Grundlagen und Bedeutung
  2. 2. Schriftliche und mündliche Lehre
  3. 3. Gebote und Glaube
  4. 4. Jahr, Feste und Fasttage
  5. 5. Religiöses Leben und Richtungen
  6. 6. Israel und Weltreligion

Grundlagen und Bedeutung

Die jüdische Religion ist eine der großen Weltreligionen. Sie ist universalistisch, also auf alle Menschen bezogen, und zugleich als Nationalreligion eng mit der ethnisch-religiösen Gruppe der Juden verbunden. Weil sie nach der Überlieferung auf den Propheten Mose zurückgeht, wird sie auch mosaische Religion oder Mosaischer Glaube genannt.

Die Lehre des Judentums beruht auf den religiösen Überlieferungen des jüdischen Volkes. Diese Überlieferungen bestehen aus der schriftlichen Tora und der mündlichen Lehre, zu der unter anderem Talmud, Mischna, Gemara und spätere rabbinische Werke gehören. Das Judentum hat etwa 13,5 Millionen Anhänger und ist dennoch weltweit verbreitet. Christentum und Islam beruhen ebenfalls auf Überlieferungen, die in der Tora festgehalten sind; zusammen mit dem Judentum gehören sie zu den abrahamitischen, monotheistischen Religionen.

Schriftliche und mündliche Lehre

Nach jüdischer Religion erhielt Mose am Sinai die gesamte Tora von Gott, der unter anderem JHWH, El oder Adonai genannt wird. Zur schriftlichen Lehre gehört der Tanach. Er besteht aus drei Hauptteilen: der Tora, auch „Fünf Bücher Mose“ genannt, mit Genesis, Exodus, Leviticus, Numeri und Deuteronomium; den Neviʾim, also den Propheten; und den Ketuvim, den Schriften. Der Tanach beschreibt den Bund, den Gott mit den Menschen und besonders mit dem jüdischen Volk geschlossen hat.

Die mündliche Lehre erklärt und entfaltet die schriftliche Lehre. Nach jüdischem Glauben erhielt Mose am Sinai auch die Zehn Worte, hebräisch aseret ha-dibberot. Sie sind als direkte Rede Gottes an die Israeliten formuliert und fassen Gottes Willen für das Verhalten gegenüber Gott und den Mitmenschen zusammen. Über Jahrhunderte wurde diese Lehre mündlich von Gelehrten weitergegeben. Um 220 n. Chr. wurde sie von Jehuda ha-Nasi, meist einfach Rabbi genannt, in der Mischna schriftlich festgehalten.

Die Mischna bildet die Grundlage des Talmuds. Im Talmud sind Diskussionen von Rabbinern über die Mischna aus mehreren Jahrhunderten überliefert; dieser Teil heißt Gemara. Auch spätere rabbinische Werke werden zur mündlichen Lehre gezählt.

Gebote und Glaube

Der Bund zwischen Gott und dem jüdischen Volk umfasst nach jüdischer Lehre 613 Mitzwot, also Gebote. Sie prägen das gesamte Leben eines frommen Juden. Im Talmud wird die Zahl 613 genannt, ohne dass dort alle einzeln aufgezählt werden. Erst spätere Gelehrte legten diese 613 Mitzwot in ihren Werken fest; ein besonders bekanntes Werk ist Sefer HaMitzwot von Maimonides. Die Zehn Gebote sind Teil dieser 613 Mitzwot. Die Gebote werden in 248 positive Gebote, nach den Teilen des menschlichen Leibes, und 365 Verbote, nach den Tagen des Jahres, eingeteilt. Manche Gebote gelten nur für jüdische Männer, andere beziehen sich nur auf den Tempeldienst.

Der Glaube hat im Judentum keinen so zentralen Stellenwert wie die Lehre und die Gebote. Er wird aus der Lehre abgeleitet, besonders aus den 613 Mitzwot. Trotzdem versuchten verschiedene Gelehrte, Prinzipien des jüdischen Glaubens zu formulieren. Die jüdische Tradition ist monotheistisch: Es gibt nur einen Gott, den Gott Israels. Im orthodoxen Verständnis ist dieser Gott der Schöpfer des Universums und handelt auch heute aktiv in der Welt, also theistisch. Einige jüdische Philosophen des Mittelalters und der Neuzeit, besonders nach dem Holocaust, vertraten eher deistische Vorstellungen, nach denen Gott sich von seiner Schöpfung entfernt habe und nicht mehr in das Weltgeschehen eingreife.

Vorstellungen vom Leben nach dem Tod entwickelten sich unterschiedlich. Im alten Judentum stellte man sich vor, dass der Mensch nach dem Tod in die Schattenwelt Scheol eingeht und dort fern von Gott weiterlebt. Im Buch Daniel findet sich ein Hinweis auf ein „ewiges Leben“ bei Gott. Zur Zeit Jesu war ein Leben nach dem Tod unter jüdischen Gelehrten umstritten. Heute ist der Glaube an eine Auferstehung der Toten im Judentum üblich; im orthodoxen Judentum gibt es auch Vorstellungen von Reinkarnation. Die jüdische Heilserwartung ist stark auf diese Welt bezogen und zielt auf Gerechtigkeit und Frieden, hebräisch Schalom.

Jahr, Feste und Fasttage

Das jüdische Jahr wird ausgehend von der Tora nach der Schöpfung der Welt gezählt. Der jüdische Kalender richtet sich bei den Monaten nach dem Mond. Weil zwölf Mondmonate kürzer sind als ein Sonnenjahr, wird der Unterschied durch zusätzliche Schaltmonate ausgeglichen. Darum fallen jüdische Feiertage im weltlichen Kalender immer wieder auf andere Daten.

Das jüdische Jahr beginnt mit Rosch ha-Schana, dem Neujahrstag. Danach folgt Jom Kippur, der Versöhnungstag. Eine Woche später wird Sukkot, das Laubhüttenfest, gefeiert. Im Frühjahr folgt Pessach, das Fest des Auszugs aus Ägypten. Sieben Wochen nach Pessach wird Schawuot gefeiert. Diese Feiertage gehen auf die Tora zurück. Später legten Rabbiner weitere Feste fest, darunter Purim und Chanukka.

Jüdische Feste haben oft einen doppelten Charakter: Sie erinnern einerseits an geschichtliche Ereignisse und haben andererseits einen landwirtschaftlichen Bezug. Deshalb tragen sie geschichtliche Namen wie Hüttenfest oder Passah und Erntenamen wie Erntefest oder Lesefest. Nach der Ansiedlung in Kanaan bekamen die Feste stärker bäuerliche Bedeutung. Dreimal im Jahr sollten alle Männer vor JHWH erscheinen: im Frühjahr vor Beginn der Ernte, im Sommer nach Abschluss der Ernte und im Herbst nach Obst- und Weinlese. Dabei brachten sie Erntegaben mit.

Neben Jom Kippur gibt es weitere Fasttage, die an tragische Ereignisse der jüdischen Geschichte erinnern. Der wichtigste Trauertag ist Tischa beAv, der 9. Tag des Monats Av. Nach der Überlieferung wurden an diesem Tag der erste und der zweite Tempel in Jerusalem zerstört, außerdem wurden die Juden aus Spanien durch die Reconquista vertrieben. Kleinere Fasttage sind Schiwa Assar beTammus, Zom Gedalja und Assara beTevet. Sie stehen ebenfalls mit der Zerstörung der Tempel und Jerusalems in Verbindung. Außerdem fasten Juden am Tag vor Purim; alle Erstgeborenen fasten am Tag vor Pessach.

Religiöses Leben und Richtungen

Das Leben eines frommen Juden richtet sich nach der Tora. Am achten Tag nach der Geburt eines Jungen wird die Brit Mila, der Bund der Beschneidung, gefeiert. Mädchen erhalten stattdessen eine Namensnennung in der Synagoge. Erstgeborene Jungen werden durch Pidjon ha-Ben gegenüber einem Nachkommen eines Priesters ausgelöst.

Jungen feiern mit 13 Jahren Bar Mitzwa, Mädchen mit 12 Jahren Bat Mitzwa. Damit gelten sie als religionsmündig und sind ab diesem Zeitpunkt zu allen 613 Mitzwot verpflichtet, in die sie bis dahin eingeführt wurden. Eine jüdische Hochzeit besteht vor allem aus der Ketubba, dem Ehevertrag, und der Feier unter der Chuppa, einem Baldachin. Der Bräutigam übergibt der Braut die Ketubba und einen goldenen Ehering, begleitet von sieben Brachot, also Segenssprüchen. In Erinnerung an die Zerstörung des Tempels in Jerusalem wird anschließend ein Glas zertreten. Beim Tod eines Juden kümmert sich die Chewra Kadischa, eine Beerdigungsbruderschaft, um den Toten und ein möglichst schnelles Begräbnis. Danach beginnt eine 30-tägige Trauerzeit.

Die Richtungen des Judentums unterscheiden sich vor allem darin, wie sie mit der Tradition umgehen. In der Orthodoxie gelten schriftliche und mündliche Lehre als Offenbarung Gottes und deshalb als zeitlos gültig. Im Reformjudentum wird Offenbarung als fortlaufender Prozess verstanden; Änderungen an der Tradition sind daher möglich und erwünscht. Deshalb können im Reformjudentum etwa Frauen öffentlich aus der Tora vortragen und Tefillin oder Tallit tragen. Das konservative Judentum entstand als Gegenbewegung, weil manchen die Änderungen des Reformjudentums zu weit gingen; es näherte sich wieder stärker der Orthodoxie an. Daneben gibt es zahlreiche weitere Richtungen mit eigenen Sichtweisen auf die Tradition.

Israel und Weltreligion

Seit der Zerstörung des zweiten Tempels durch die Römer im Jahr 70 leben viele Juden in der jüdischen Diaspora, also außerhalb des Heiligen Landes. Im Heiligen Land lebten jedoch immer Juden, der sogenannte Alte Jischuw. Seit dem modernen Zionismus Ende des 19. Jahrhunderts und der Gründung des Staates Israel 1948 gibt es unter ultraorthodoxen Juden unterschiedliche Ansichten dazu, ob ein jüdischer Staat nach jüdischem Ritus von Menschen gegründet werden darf. Die Gruppe Neturei Karta lehnt einen von Menschen geschaffenen jüdischen Staat ab, weil ihrer Ansicht nach nur der Messias die Rückkehr der Juden aus der Diaspora leiten könne. Andere religiöse Juden, etwa aus der Schule des Rabbi A. Kook, sehen in den Erfolgen Israels besonders seit dem Sechstagekrieg den Beginn der messianischen Zeit.

In Israel werden religiöse Feiertage wie Rosch ha-Schana, Jom Kippur und Purim sowie historische Gedenk- und Feiertage wie Jom haScho’a, Jom haZikaron und Jom haAtzma’ut als Staatsfeiertage begangen. Es gibt ein Oberstes Rabbinat mit zwei Rabbinern, einem aschkenasischen und einem sephardischen. In Israel ist nur die religiöse Hochzeit, die Hupa, möglich.

Das Judentum richtet sich in erster Linie an Juden. Nach der Halacha, dem jüdischen Religionsgesetz, ist Jude, wer Kind einer jüdischen Mutter ist. Mission findet nicht statt, auch wenn Konversion möglich ist. Daher kann das Judentum als Volksreligion verstanden werden. Mordechai M. Kaplan bezeichnete es als „die religiöse Zivilisation des jüdischen Volkes“. Zugleich ist es eine Weltreligion, weil seine Vorstellung von Gott und Mensch über Familien, Ethnien und Nationen hinausgeht. Im Judentum geht es letztlich nicht nur um das Heil Israels, sondern der ganzen Menschheit. So wurde das Judentum zur Mutter der beiden anderen monotheistischen Weltreligionen, Christentum und Islam.

Lernvideos zu Jüdische Religion

Weiterlesen

Tora Die 5. Ordnung der Mischna (Kodaschim, „Heiliges“) ist weithin ein Kommentar zu den kultischen Vorschriften der Tora, aber mit Ausnahme der Traktate Tamid und … Weltreligion die abrahamitischen Religionen (abgeleitet von Abraham): Christentum, Islam und Judentum (alle sind monotheistisch) · die dharmischen Religionen (abgeleitet von … Universalismus (Religionswissenschaft) Der Universalismus charakterisiert Religionen, die ihre Glaubensangebote und Heilsversprechen beziehungsweise ihre Gebote an alle Menschen adressieren. Juden Religiöse wie nichtreligiöse Juden verstehen sich im Anschluss an die Bibel als Teil dieses Volkes, einer durch Abstammung und Geschichte verbundenen … Mose Nach der Stillzeit habe die Tochter des Pharao das Kind als Sohn angenommen und ihm den Namen Mose gegeben. Die Tochter des Pharao trägt in der Bibel keinen … Talmud Der Talmud ist eine umfassende Sammlung jüdischer Schriften, die die mündliche Überlieferung des jüdischen Gesetzes und der religiösen Lehren dokumentiert. Die … Mischna Die Mischna stellt die wichtigste Sammlung religionsgesetzlicher Überlieferungen (Halacha) der rabbinischen Zeit dar. Sie bildet damit die Grundlage der … Judentum Das jüdische Volk entstand ab etwa 1200 v. Chr. und entwickelte den JHWH-Monotheismus, aus dem später die weiteren abrahamitischen Religionen Christentum und … Christentum Das Christentum ist eine Weltreligion, die aus dem Judentum hervorging und sich ab dem 4. Jahrzehnt n. Chr. über Judäa hinaus ausbreitete. Islam Der Islam ist eine monotheistische Religion, die im frühen 7. Jahrhundert in Arabien durch den Mekkaner Mohammed gestiftet wurde. Abrahamitische Religionen auf den Ibrahim des Koran, und seinen Gott beziehen. Symbole der drei bekanntesten abrahamitischen Religionen: Judentum (oben), Christentum (Mitte), Islam ( … Monotheismus Der Monotheismus ist eine Form des Theismus. Damit werden diese in der Religionswissenschaft vom Polytheismus unterschieden, der viele Götter kennt und verehrt.