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Johann Wolfgang von Goethe
Die Leiden des jungen Werther, Wilhelm Meisters theatralische Sendung. 1961, 701 Seiten. Band 10: Romane und Erzählungen II. Wilhelm Meisters Lehrjahre …
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Bedeutung und Überblick
Johann Wolfgang Goethe, ab 1782 von Goethe, lebte vom 28. August 1749 bis zum 22. März 1832. Er war deutscher Dichter, Politiker und Naturforscher und gilt als einer der bedeutendsten Schöpfer deutschsprachiger Dichtung. Seine Lyrik, das Drama Faust und der Briefroman Die Leiden des jungen Werthers gehören zur Weltliteratur.
Goethe schrieb Gedichte, Dramen, Romane, autobiografische, kunsttheoretische und naturwissenschaftliche Schriften. Zugleich arbeitete er im Dienst des Herzogs von Sachsen-Weimar-Eisenach, leitete lange das Weimarer Theater und wirkte in Verwaltung, Bildung und Wissenschaft. Gemeinsam mit Friedrich Schiller sowie mit Herder und Wieland steht er für die Weimarer Klassik.
Herkunft, Studium und literarischer Durchbruch
Goethe wurde in Frankfurt am Main als Sohn einer wohlhabenden bürgerlichen Familie geboren. Er und seine Schwester Cornelia erhielten Unterricht durch den Vater und Hauslehrer. Er lernte unter anderem Latein, Griechisch, Hebräisch, Französisch, Italienisch und Englisch sowie Naturwissenschaften, Zeichnen, Musik, Reiten, Fechten und Tanzen. Frühe literarische Anregungen erhielt er durch die Bibel, das Puppentheater und die umfangreiche Bibliothek seines Vaters.
Von 1765 bis 1768 studierte er auf Wunsch des Vaters Rechtswissenschaft in Leipzig. Dort beschäftigte er sich stärker mit Dichtung und Kunst als mit dem Pflichtstudium, besuchte Vorlesungen Christian Fürchtegott Gellerts und lernte bei Adam Friedrich Oeser ein an der Antike orientiertes Kunstideal kennen. Seine frühen Gedichte erschienen 1769 als Neue Lieder. Nach schwerer Erkrankung kehrte er ohne Abschluss nach Frankfurt zurück.
1770 setzte Goethe sein Studium in Straßburg fort. Johann Gottfried Herder wurde dort besonders wichtig: Er vermittelte ihm die Bedeutung von Homer, Shakespeare, Ossian und Volkspoesie. Goethe schloss 1771 sein Studium mit dem Lizenziat ab; seine Dissertation über Staat und Kirche hatte die theologischen Prüfer abgelehnt. Die Liebe zu Friederike Brion floss in die später so genannten Sesenheimer Lieder ein, darunter Mailied, Heidenröslein und Willkommen und Abschied.
Als Advokat in Frankfurt und während eines Praktikums am Reichskammergericht in Wetzlar widmete Goethe sich vor allem der Dichtung. Mit Götz von Berlichingen (1773) erzielte er nationalen Erfolg; das Drama gilt als Gründungsdokument des Sturm und Drang, einer literarischen Strömung von 1765 bis 1785. Die Wetzlarer Erfahrung seiner unerfüllten Liebe zu Charlotte Buff verarbeitete er in Die Leiden des jungen Werthers (1774). Der Briefroman machte ihn in ganz Europa berühmt und löste das „Wertherfieber“ aus.
Weimar, Italien und Klassik
1775 berief Herzog Carl August den 26-jährigen Goethe nach Weimar. Goethe blieb dort bis zu seinem Tod. Ab 1776 war er Geheimer Legationsrat und Mitglied des Geheimen Consiliums, des Beratergremiums des Herzogs. Seine Aufgaben umfassten unter anderem Bergbau in Ilmenau, Wege- und Kriegskommission, Staatsfinanzen, Bauwesen sowie die Aufsicht über die Universität Jena. Er versuchte, den verschuldeten Staatshaushalt durch Ausgabenkürzungen und Wirtschaftsförderung zu sanieren. Seine politische Tätigkeit wird unterschiedlich beurteilt: Reformbemühungen stehen neben seiner Unterstützung von Zwangsrekrutierung, Einschränkungen der Redefreiheit und der Todesstrafe im Fall Johanna Catharina Höhn 1783.
Die Überlastung im Staatsdienst und die Vernachlässigung seiner Dichtung führten zu einer Krise. Von September 1786 bis Mai 1788 reiste Goethe heimlich nach Italien, zunächst nach Rom, dann nach Neapel und Sizilien und erneut nach Rom. Er nannte diese Reise eine „Wiedergeburt“. Die Kunst der Antike und Renaissance, besonders Raffael und Andrea Palladio, prägte sein klassisches Kunstverständnis. In Italien vollendete er Iphigenie auf Tauris in Versform und Egmont und arbeitete an Torquato Tasso weiter. Nach der Rückkehr ließ er sich weitgehend von den früheren Amtspflichten entbinden.
Seit 1788 lebte Goethe mit Christiane Vulpius zusammen; ihr gemeinsamer Sohn August Walter wurde am 25. Dezember 1789 geboren. Von fünf Kindern erreichte nur August das Erwachsenenalter. Goethe heiratete Christiane 1806. Seine Verbindung mit ihr und seine italienischen Erfahrungen spiegeln sich in den Römischen Elegien. In Versuch die Metamorphose der Pflanzen zu erklären (1790) entwickelte er seine botanische Lehre.
Die Freundschaft und Arbeitsgemeinschaft mit Schiller begann 1794 und dauerte bis zu Schillers Tod 1805. Beide entwickelten wesentliche Vorstellungen der Weimarer Klassik: Orientierung an der Antike, Verbindung von Kunst und Humanität sowie intensive Arbeit an den Werken des jeweils anderen. Goethe veröffentlichte in Schillers Zeitschrift Die Horen und arbeitete an Wilhelm Meisters Lehrjahre und Faust weiter. Von 1791 bis 1817 leitete er das Weimarer Hoftheater und machte es zu einer führenden deutschen Bühne.
Späte Jahre und Denken
Nach Schillers Tod blieb Goethe äußerst produktiv. 1808 erschien Faust. Eine Tragödie, der erste Teil des Faust. 1810 veröffentlichte er Zur Farbenlehre, die er selbst höher bewertete als seine Dichtung. Die Fachwelt wies ihre Kernaussagen jedoch bald zurück. 1811 bis 1814 erschienen die ersten drei Teile seiner Autobiografie Aus meinem Leben. Dichtung und Wahrheit; der vierte Teil erschien 1833 nach seinem Tod. Es folgten unter anderem Die Wahlverwandtschaften (1809), Italienische Reise (1816/17), Wilhelm Meisters Wanderjahre (1821, erweitert 1829) und der West-östliche Divan (1819, erweitert 1827).
1808 begegnete Goethe Napoleon in Erfurt und Weimar. Im Juli 1812 traf er Beethoven in Teplitz. Goethe schätzte Beethoven sehr, kritisierte aber dessen ungebändigte Persönlichkeit; Beethoven wiederum fand, Goethe behage die Hofluft zu sehr. Zu Goethes wichtigen späten Freunden gehörten der Musiker Carl Friedrich Zelter und der Kunstsammler Sulpiz Boisserée.
Goethe dachte nicht in einem geschlossenen philosophischen System. Zentral sind für ihn „Anschauung“ und „gegenständliches Denken“: Erkenntnis soll durch genaue Beobachtung, Erfahrung und Nachdenken über konkrete Erscheinungen entstehen. Sein Grundsatz lautete: „mein Anschauen selbst ein Denken, mein Denken ein Anschauen sei“. Kunst, Natur, Wissenschaft, Religion und Dichtung betrachtete er als miteinander verbunden.
In der Naturforschung beschäftigte er sich mit Botanik, Anatomie, Geologie, Mineralogie, Optik, Zoologie und Meteorologie. Schlüsselbegriffe seines Naturverständnisses sind Metamorphose, Typus, Polarität und Steigerung. Metamorphose bedeutet den allmählichen Formwandel innerhalb eines Typus, etwa der „Urpflanze“. Polarität bezeichnet Anziehen und Abstoßen; dadurch soll eine Steigerung zu Höherem möglich werden. Goethe beschrieb 1790 die Pflanzenteile als Umformungen des Blattes. Seine vermeintliche Entdeckung des Zwischenkieferknochens beim Menschen von 1784 war in Wirklichkeit bereits zuvor bekannt.
Am 22. März 1832 starb Goethe in Weimar im Alter von 82 Jahren, vermutlich an einem Herzinfarkt. Ob seine überlieferten letzten Worte „Mehr Licht!“ authentisch sind, ist umstritten.
Zentrale Werke und literarische Formen
Goethes mehr als 3000 Gedichte entstanden über etwa 65 Jahre. Sie reichen von kurzen Sprüchen bis zu umfangreichen Gedichten und verwenden freie Rhythmen, liedhafte Strophen, strenge antike Metren und Balladen. Bedeutende Beispiele sind Prometheus, Wandrers Nachtlied, Der Erlkönig, Der Zauberlehrling, die Römischen Elegien, die Marienbader Elegie und der West-östliche Divan.
In der Epik sind besonders Die Leiden des jungen Werthers, Wilhelm Meisters Lehrjahre, Wilhelm Meisters Wanderjahre und Die Wahlverwandtschaften wichtig. Werther ist ein monologischer Briefroman: Fast nur die Briefe der Hauptfigur zeigen deren unerfüllte Liebe und Krise. Wilhelm Meisters Lehrjahre wurde zum Vorbild des Bildungsromans, also eines Romans über Entwicklung und Bildung einer Hauptfigur. Die Wahlverwandtschaften verbindet Beziehungen zweier Paare mit dem chemischen Bild von Anziehungs- und Abstoßungskräften.
Als Dramatiker schrieb Goethe mehr als zwanzig Stücke. Götz von Berlichingen durchbricht die klassischen Regeln von Ort, Zeit und Handlung. Iphigenie auf Tauris steht für den Klassizismus und die Idee der Humanität. Der über mehr als sechzig Jahre bearbeitete Faust behandelt die Frage, ob Erkenntnisstreben und Glücksverlangen vereinbar sind. Faust. Der Tragödie zweiter Teil wurde 1832 abgeschlossen und nach Goethes Tod veröffentlicht.
Auch Briefe, Zeichnungen, Übersetzungen sowie kunst- und naturwissenschaftliche Schriften gehören zu seinem Werk. Etwa 12.000 Briefe von Goethe und 20.000 an ihn sind erhalten; der Briefwechsel mit Schiller umfasst 1015 überlieferte Briefe. Goethe fertigte über 3.000 Zeichnungen an.
Wirkung und Einordnung
Schon zu Lebzeiten wurde Goethe durch Götz von Berlichingen und besonders durch Werther berühmt. Später galt er im Ausland als Repräsentant des geistigen Deutschlands. Seine Vorstellung der „Weltliteratur“ richtete sich gegen eine Beschränkung auf Nationalliteraturen: Literatur sollte „Gemeingut der Menschheit“ sein.
Nach seinem Tod wurde Goethe sehr unterschiedlich bewertet. Im Deutschen Kaiserreich erhob man ihn zum Nationaldichter und vereinnahmte ihn für Nationalismus; dabei rückte oft sein angeblich vorbildliches Leben stärker in den Mittelpunkt als seine Werke. Nach 1945 erschien er in beiden deutschen Staaten als Vertreter eines humanistischen Deutschlands, wurde aber in der DDR und in der Bundesrepublik unterschiedlich gedeutet.
Sein Einfluss auf Literatur und Musik ist groß. Viele Gedichte wurden vertont; Franz Schubert schuf 52 Goethe-Vertonungen, darunter Heidenröslein, Gretchen am Spinnrade und Erlkönig. Goethes naturwissenschaftliche Schriften wurden zunächst ernst genommen, später in vielen Teilen als überholt angesehen. Seine Vorstellung eines fortwährenden Wandels der belebten Natur ließ ihn ab 1859 zeitweise als Vordenker von Evolutionstheorien erscheinen.
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