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Unternehmen Barbarossa

Der vom NS-Regime geplante und vorbereitete militärische Überfall am Sonntag, 22. Juni 1941 eröffnete den Deutsch-Sowjetischen Krieg. Die Operation Barbarossa …

Inhalt6 Abschnitte
  1. 1. Gegenstand und Deckname
  2. 2. Hitlers „Lebensraum im Osten“
  3. 3. Militärische Vorplanungen
  4. 4. Vom Kriegsentschluss zur Operationsplanung
  5. 5. Planung als Vernichtungskrieg
  6. 6. Historische Einordnung und Forschungskontroversen

Gegenstand und Deckname

Unternehmen Barbarossa, ursprünglich „Fall Barbarossa“, war der Deckname für den deutschen Angriffskrieg gegen die Sowjetunion im Zweiten Weltkrieg. Der am Sonntag, 22. Juni 1941 begonnene Überfall eröffnete den Deutsch-Sowjetischen Krieg. Mit drei Millionen Soldaten, die die sowjetische Grenze überschritten, war er der größte und zerstörerischste militärische Feldzug der Geschichte.

Die Planung löste frühere Studien der Wehrmacht unter Decknamen wie „Problem S“, „Fritz“ und „Otto“ ab. Hitler erteilte am 18. Dezember 1940 mit der Weisung Nr. 21 den Befehl, den Krieg unter dem Decknamen „Fall Barbarossa“ vorzubereiten. Der Name bezog sich auf Friedrich I. Barbarossa. Er knüpfte an ein nationalsozialistisches Geschichtsbild an, das mittelalterliche Kaiser mit der Unterwerfung slawischer Gebiete und deutscher Expansion nach Osteuropa verband.

Die Operation scheiterte bereits im Dezember 1941 mit der deutschen Niederlage in der Schlacht um Moskau. Das NS-Regime und die Wehrmacht setzten den Krieg sowie den zeitgleich vorangetriebenen Holocaust jedoch bis zur bedingungslosen Kapitulation der Wehrmacht am 8. Mai 1945 fort. In der sowjetischen und russischen Erinnerungskultur gilt der deutsche Überfall als Beginn des Zweiten Weltkriegs, weil dieser mit dem Deutsch-Sowjetischen Krieg gleichgesetzt wird; frühere Ereignisse wie der Hitler-Stalin-Pakt und sowjetische Besetzungen in Osteuropa werden dabei ausgeblendet oder umgedeutet.

Hitlers „Lebensraum im Osten“

Adolf Hitler erklärte bereits 1925 in „Mein Kampf“ die Vernichtung des Bolschewismus zu einem Hauptziel des Nationalsozialismus. Er verband den Kampf gegen den Bolschewismus mit einem rassistischen Weltbild, nach dem „Weltjudentum“ und „Bolschewismus“ Ausdruck eines gemeinsamen Feindes seien. Ein Bündnis mit der Sowjetunion lehnte er deshalb grundsätzlich ab.

Statt der bloßen Rückgewinnung nach dem Ersten Weltkrieg verlorener Gebiete verlangte Hitler „Lebensraum im Osten“. Vor allem Russland und die von ihm beherrschten Randstaaten sollten dem Deutschen Reich wirtschaftliche Unabhängigkeit, Rohstoffe und Raum für eine dauerhafte kontinentale Ordnung verschaffen. Der Nationalsozialismus verband damit rassistische, expansionistische und imperialistische Ziele. Die Eroberung der europäischen Sowjetunion sollte langfristig auch eine spätere deutsche Weltherrschaft ermöglichen.

Hitler bekräftigte diese Vorstellungen nach seiner Machtübernahme 1933 wiederholt. Er plante zunächst Kriege im Westen, um anschließend gegen die Sowjetunion vorzugehen. Den Überfall auf Polen 1939 verstand er nicht als Selbstzweck, sondern als Teil einer Strategie, sich für den späteren Kampf gegen den Bolschewismus den Rücken freizuhalten. Auch der am 23. August 1939 geschlossene Hitler-Stalin-Pakt war für ihn nur ein taktisches und befristetes Manöver. Nach dem Sieg über Frankreich im Juni 1940 wandte er sich erneut dem „Ostkrieg“ zu.

Hitler wollte mit der schnellen Zerschlagung der Sowjetunion zugleich Großbritannien die letzte Hoffnung auf einen kontinentalen Verbündeten nehmen. Die sowjetischen Rohstoffe, besonders Erdöl, sollten außerdem die deutsche Kriegsführung gegen die Westmächte stärken. Nach einem Sieg über die Sowjetunion sollte der Krieg gegen Großbritannien und später möglicherweise gegen die USA unter günstigeren Bedingungen fortgesetzt werden.

Militärische Vorplanungen

Nicht nur Hitler, sondern auch führende Militärs befürworteten einen Krieg gegen die Sowjetunion. In der Marine wurde der Bolschewismus seit den 1920er-Jahren als größter Feind der westlichen Kultur dargestellt. Wilfried von Loewenfeld schlug 1926 vor, im gemeinsamen Kampf gegen den Bolschewismus die Zusammenarbeit mit Großbritannien und Italien zu suchen. Auch wirtschaftliche Interessen spielten eine Rolle, da Deutschland in Russland Absatzgebiete und Rohstoffe gewinnen sollte.

Der frühere Generalstabschef Werner von Fritsch erklärte 1937, deutsche Siege könnten letztlich nur durch Eroberungen im Osten erreicht werden. Eine Studie der Kriegsmarine unter Conrad Albrecht vom April 1939 bezeichnete Russland als wahrscheinlichsten Kriegsgegner und forderte „Verteidigung nach Westen, Angriff nach Osten“. Ziel sollte eine von den Achsenmächten militärisch und wirtschaftlich geführte Ordnung von der deutschen Westgrenze bis zum europäischen Russland sein.

Friedrich Paulus, der später die Planungen für Barbarossa koordinierte, befürwortete den Feldzug nach den Erinnerungen seines Sohnes ebenfalls, begründete ihn aber eher mit dem Ziel, deutschen Einfluss bis in den Nahen Osten auszudehnen. Die militärischen Vorplanungen zielten zunächst vor allem darauf, die sowjetische Angriffsfähigkeit auszuschalten, die deutsche Vorherrschaft in Europa wirtschaftlich abzusichern und Großbritannien wirksamer zu bekämpfen. Die spätere Planung ging jedoch über diese militärstrategischen Ziele hinaus und wurde in die nationalsozialistische Vernichtungs- und Eroberungspolitik eingebunden.

Vom Kriegsentschluss zur Operationsplanung

Am 2. Juni 1940 erklärte Hitler, er wolle nach einem Frieden mit Großbritannien die „Auseinandersetzung mit dem Bolschewismus“ beginnen. Im Juni und Juli 1940 ließ der Generalstabschef Franz Halder konkrete Studien ausarbeiten. Truppen wurden nach Osten verlegt, Verkehrswege in den besetzten polnischen Gebieten ausgebaut und Pläne unter den Decknamen „Fritz“, „Otto“ und „Operationsstudie Ost“ erstellt.

Am 21. Juli 1940 verlangte Hitler vom Oberkommando des Heeres, das „russische Problem“ zu untersuchen. Ein erster Plan rechnete damit, die Rote Armee mit 80 bis 100 Divisionen in vier bis sechs Wochen zu schlagen. Als Ziele wurden unter anderem die Ukraine, das Baltikum und Finnland sowie Gebiete genannt, von denen aus sowjetische Luftangriffe auf Berlin und das schlesische Industriegebiet verhindert werden sollten. Am 31. Juli teilte Hitler den höchsten Generälen mit, Russland müsse ab Frühjahr 1941 „erledigt“ werden. Der Angriff sollte als Blitzkrieg in einem Zug die „Lebenskraft Rußlands“ vernichten.

In den folgenden Monaten wurden die Pläne zusammengeführt. Die Aufrüstung des Heeres auf 180 Feld- und Besatzungsdivisionen wurde vorbereitet; das Rüstungsprogramm B ersetzte die zuvor auf den Krieg gegen Großbritannien ausgerichtete „Umsteuerung der Rüstung“. Das Generalgouvernement in Polen wurde unter dem Tarnnamen „Aufbau Ost“ zur Operationsbasis ausgebaut. Erich Marcks, Bernhard von Loßberg und Friedrich Paulus erstellten und koordinierten verschiedene Operationsentwürfe.

Am 5. Dezember 1940 billigte Hitler den Operationsplan des Heeres und nannte als mögliches Ziel ungefähr die Wolga. Am 18. Dezember erging die Weisung Nr. 21. Sie verlangte, die Sowjetunion noch vor dem Ende des Krieges gegen England in einem schnellen Feldzug niederzuwerfen. Das Endziel sollte eine Linie „Wolga – Archangelsk“ bilden. Die Vorbereitungen sollten bis zum 15. Mai 1941 abgeschlossen und streng geheim gehalten werden. Trotz eines weiteren deutsch-sowjetischen Wirtschaftsabkommens vom 10. Januar 1941 hielt Hitler an seinem Entschluss fest. Der für Mai geplante Angriff wurde wegen des Widerstands gegen die deutsche Invasion Griechenlands auf den 22. Juni 1941 verschoben. Die Verzögerung trug später dazu bei, dass der deutsche Vormarsch auf Moskau in den frühen Winter geriet.

Planung als Vernichtungskrieg

Ab März 1941 wurde der Feldzug ausdrücklich als rassistischer und ideologischer Vernichtungskrieg vorbereitet. Hitler erklärte am 3. März, ein militärischer Sieg reiche nicht aus; die „jüdisch-bolschewistische Intelligenz“ müsse beseitigt werden. Geplant war zunächst die Aufteilung der westlichen Sowjetunion in drei von Deutschland abhängige Satellitenstaaten. Deutsche „Reichskommissare“ und SS- sowie Polizeikräfte sollten diese Gebiete beherrschen.

Das OKW schränkte die Zuständigkeit der Militärgerichte ein und plante den Einsatz von SS-Einheiten zur Ermordung sowjetischer Funktionäre und politischer Kommissare. Hitler forderte am 17. März die Vernichtung der sowjetischen Intelligenz und am 30. März vor etwa 250 Generälen und höheren Offizieren die „Ausrottung des Kommunismus für alle Zeiten“. Widerspruch aus der Wehrmacht ist nicht dokumentiert.

Zu den wichtigsten verbrecherischen Befehlen gehörten der Erlass über die Kriegsgerichtsbarkeit im Gebiet „Barbarossa“ vom 13. Mai 1941, die Richtlinien für das Verhalten der Truppe in Russland vom 19. Mai, der Kommissarbefehl vom 6. Juni sowie Hitlers Auftrag an Himmler, durch SD- und SS-Einsatzgruppen jüdische und andere als „jüdisch-bolschewistisch“ bezeichnete Bevölkerungsteile hinter der Front zu ermorden. Auch die Behandlung sowjetischer Kriegsgefangener wurde entsprechend vorbereitet.

Der Hungerplan kalkulierte den Hungertod von Millionen Kriegsgefangenen und Zivilisten ein. Bei einer Besprechung am 2. Mai 1941 wurde festgehalten, dass „zweifellos zig Millionen Menschen verhungern“, wenn Deutschland die benötigten Lebensmittel aus den besetzten Gebieten abziehe. Die Belagerung Leningrads war Teil dieser Politik. Der Generalplan Ost sah anschließend großangelegte Vertreibungen und eine Germanisierung der eroberten Gebiete vor.

Historische Einordnung und Forschungskontroversen

Die Forschung untersucht insbesondere Hitlers Motive, den Zeitpunkt des endgültigen Kriegsentschlusses, die Kriegsziele, das Verhältnis zwischen NS-Regime und Wehrmacht sowie die Ursachen des Scheiterns. Umstritten ist vor allem, ob die Entscheidung stärker aus Hitlers langfristiger Ideologie oder aus der politischen und militärischen Lage des Jahres 1940 erklärt werden muss.

Donald Cameron Watt und Robert Cecil betonten den Einfluss der britischen Unnachgiebigkeit im Sommer 1940 beziehungsweise Hitlers Rückkehr zu seinem seit 1925 formulierten Programm. Bernd Stegemann deutete die Sowjetunion als möglichen britischen kontinentalen Kriegspartner. Andreas Hillgruber, Hugh Trevor-Roper, Eberhard Jäckel und andere sahen dagegen die seit den 1920er-Jahren angestrebte gemeinsame Vernichtung von Judentum und Kommunismus als entscheidend. Für sie war Barbarossa vor allem „Hitlers Krieg“, der trotz des Risikos eines Zweifrontenkriegs aus politischem Wollen begonnen wurde.

Carl Dirks und Karl-Heinz Janßen vertraten seit 1997 die Gegenthese, das OKH habe bereits ab Juni 1940 eigenständig einen Angriff geplant und Hitler mit vollendeten Tatsachen zum Krieg gedrängt. Klaus Jochen Arnold wies diese These als nicht durch NS-Dokumente gedeckt und verschwörungstheoretisch zurück. Rolf-Dieter Müller zeigte anhand einer quellenkritischen Analyse, dass Halder bereits vor Hitlers Entschluss vom 31. Juli 1940 vorauseilend Planungen angestoßen hatte. Zugleich wies Müller auf spätere Rechtfertigungsinteressen Halders, Reinhard Gehlens und Adolf Heusingers hin, die Hitler nach 1945 als allein Verantwortlichen für den Ostkrieg und dessen Scheitern darzustellen versucht hätten.

Nach der im Artikel zusammengefassten Forschung wurde die Sowjetunion von deutscher Seite nicht als unmittelbar drohender Angreifer wahrgenommen. Hitler und die Militärs gingen vielmehr von ihrer Schwäche und einem in wenigen Wochen erreichbaren Sieg aus. Der entscheidende Antrieb war daher der Wunsch, „Lebensraum im Osten“ zu erobern; militärische und wirtschaftliche Überlegungen verstärkten diese ideologisch begründete Zielsetzung.

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