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Deutsch-Sowjetischer Krieg
Dieser Artikel behandelt den Deutsch-Sowjetischen Krieg. Den Kriegsplan selbst behandelt Unternehmen Barbarossa. Bedeutende Militäroperationen während des …
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Einordnung, Ursachen und Ziele
Der Deutsch-Sowjetische Krieg war ein zentraler Teil des Zweiten Weltkriegs. Er begann am 22. Juni 1941 mit dem deutschen Überfall auf die Sowjetunion und endete am 8. Mai 1945 mit der bedingungslosen Kapitulation der Wehrmacht. Bis zur alliierten Landung in der Normandie im Juni 1944 war die Ostfront die alleinige Hauptlandfront der Alliierten gegen das nationalsozialistische Deutschland und seine Verbündeten.
Der Angriff war kein vorbeugender Verteidigungskrieg. Die wissenschaftlich widerlegte Präventivkriegsthese behauptet, Hitler sei einer sowjetischen Offensive zuvorgekommen. Tatsächlich gehörten die Eroberung von „Lebensraum im Osten“, die Vernichtung des „jüdischen Bolschewismus“ und die Unterwerfung der als „rassisch minderwertig“ betrachteten slawischen Bevölkerung zu Hitlers grundlegenden Zielen. Der Krieg war daher von Anfang an als Eroberungs-, Ausbeutungs- und Vernichtungskrieg geplant.
Deutschland und die Sowjetunion hatten am 23. August 1939 den deutsch-sowjetischen Nichtangriffspakt geschlossen. In einem geheimen Zusatzprotokoll teilten sie Osteuropa in Interessensphären auf. Deutschland überfiel am 1. September 1939 Polen; die Sowjetunion besetzte ab dem 17. September Ostpolen und später unter anderem Estland, Lettland und Litauen. Trotz weiterer Wirtschaftsabkommen entschied Hitler 1940, die Sowjetunion anzugreifen. Am 18. Dezember 1940 befahl die Weisung Nr. 21 die Vorbereitung des „Unternehmens Barbarossa“. Geplant war, die Rote Armee in einem schnellen Feldzug zu vernichten und bis zur Linie Wolga–Archangelsk vorzustoßen.
Planung, Kräfte und Vernichtungspolitik
Die Wehrmacht gliederte ihre Angriffskräfte in die Heeresgruppen Nord, Mitte und Süd. Schnelle Panzerverbände sollten die sowjetische Front durchbrechen, gegnerische Truppen einkesseln und danach weiter nach Osten vorstoßen. Hitler rechnete mit höchstens 22 Wochen, General Erich Marcks sogar nur mit 17 Wochen. Dabei unterschätzte die deutsche Führung die sowjetischen Reserven, die Entfernungen, den Nachschubbedarf und die klimatischen Bedingungen. Winterausrüstung war nur für eine spätere Besatzungsarmee vorgesehen.
Die Zahlen zum Kräfteverhältnis am 22. Juni 1941 unterscheiden sich je nach Historiker. David M. Glantz nennt 3.767.000 Soldaten, 3.612 Panzer und 2.937 Flugzeuge der Achsenmächte gegenüber 2.780.000 Soldaten, 11.000 Panzern und 9.917 Flugzeugen der Roten Armee. Michail Iwanowitsch Meltjuchow nennt 4.306.800 Soldaten, 4.171 Panzer und 4.846 Flugzeuge gegenüber 3.289.851 Soldaten, 15.687 Panzern und 10.743 Flugzeugen. Viele sowjetische Verbände waren jedoch unvollständig ausgerüstet oder noch nicht einsatzbereit. Stalin erhielt zahlreiche Warnungen, hielt einen deutschen Angriff vor 1942 aber für unwahrscheinlich. Die Rote Armee wurde deshalb trotz ihrer zahlenmäßigen Stärke weitgehend überrascht.
Militärische und verbrecherische Planung waren eng verbunden. Der Kriegsgerichtsbarkeitserlass vom 13. Mai 1941 erleichterte Gewalt gegen Zivilisten, der Kommissarbefehl vom 6. Juni verlangte die sofortige Erschießung politischer Kommissare. Einsatzgruppen von SS und Polizei sollten Juden, kommunistische Funktionäre und weitere als Gegner eingestufte Menschen ermorden. Die Besatzer planten außerdem, Lebensmittel rücksichtslos zu beschlagnahmen, wobei der Hungertod von „zig Millionen Menschen“ einkalkuliert wurde. Ob dies als fest umrissener „Hungerplan“ oder als „Hungerkalkül“ zu bezeichnen ist, wird unterschiedlich beurteilt. Der „Generalplan Ost“ sah Vertreibung, Versklavung, Germanisierung und millionenfachen Tod vor.
Kriegsverlauf 1941 und 1942
Der Angriff begann am 22. Juni 1941 gegen 03:15 Uhr. Die Invasionsstreitmacht umfasste etwa drei Millionen deutsche und weitere 600.000 verbündete Soldaten. Massive Luftangriffe zerstörten am ersten Tag ungefähr 1.200 sowjetische Flugzeuge am Boden. In großen Kesselschlachten bei Białystok und Minsk, Smolensk, Uman, Kiew sowie Wjasma und Brjansk nahm die Wehrmacht Hunderttausende Rotarmisten gefangen. Leningrad wurde ab September 1941 blockiert; über eine Million Menschen starben während der bis zum 18. Januar 1944 dauernden Blockade an Hunger und Kälte.
Der deutsche Vormarsch verlangsamte sich jedoch durch sowjetischen Widerstand, lange Nachschubwege, Materialverschleiß und die Schlammperiode. In der Schlacht vor Moskau blieb die deutsche Offensive stecken. Am 5. Dezember 1941 begann die Rote Armee unter General Georgi Schukow eine Gegenoffensive und stieß bis zum 7. Januar 1942 auf einer etwa 1.000 Kilometer breiten Front bis zu 250 Kilometer nach Westen vor. Damit scheiterte die deutsche Blitzkriegskonzeption. Tiefe Temperaturen bis −35 °C und mangelhafte Winterausrüstung verschärften die deutschen Verluste. Dennoch erließ Hitler Haltebefehle, die Rückzüge ohne seine Erlaubnis untersagten.
1942 konzentrierte Deutschland seine Offensive im Süden auf die Erdölgebiete des Kaukasus. Die gleichzeitigen Vorstöße in den Kaukasus und nach Stalingrad spalteten jedoch die Kräfte. Zwar erreichten deutsche Truppen unter anderem Stawropol, Krasnodar und den Elbrus, doch die Ölquellen von Maikop, Grosny und Baku konnten nicht nutzbar gemacht werden.
In Stalingrad beherrschte die Wehrmacht schließlich ungefähr 90 Prozent der weitgehend zerstörten Stadt. Am 19. November 1942 begann die sowjetische „Operation Uranus“. Am 22. November war die deutsche 6. Armee mit insgesamt etwa 220.000 bis 250.000 Mann eingeschlossen. Die Luftwaffe sollte täglich 600 Tonnen Nachschub liefern, erreichte aber an einzelnen Tagen höchstens 110 Tonnen. Nach dem Scheitern eines Entsatzversuchs ergab sich Generalfeldmarschall Friedrich Paulus am 31. Januar 1943; die letzten Truppen kapitulierten am 2. Februar. Etwa 91.000 Soldaten gerieten in Gefangenschaft. Geschätzte 170.000 deutsche und über eine Million sowjetische Soldaten sowie eine unbekannte Zahl Zivilisten starben in der Schlacht.
Kriegswende und sowjetischer Vormarsch
Nach Stalingrad zog sich die Wehrmacht aus dem Kaukasus zurück. Im März 1943 gelang ihr bei Charkow ihr letzter bedeutender Erfolg im Osten. Danach sollte das „Unternehmen Zitadelle“ am Kursker Frontbogen die militärische Initiative zurückgewinnen. Dort standen etwa 900.000 deutsche Soldaten mit 2.500 Panzern und 1.800 Kampfflugzeugen rund 1,3 Millionen sowjetischen Soldaten mit 3.300 Panzern und 2.500 Kampfflugzeugen gegenüber. Die sowjetische Führung kannte den Plan und hatte tief gestaffelte Verteidigungsstellungen errichtet. Der Angriff begann am 5. Juli und wurde am 13. Juli 1943 abgebrochen. Danach ging die Initiative endgültig auf die Rote Armee über.
Sowjetische Truppen befreiten 1943 Orjol, Belgorod, Charkow und am 6. November Kiew. Beim deutschen Rückzug wurden Menschen verschleppt sowie Wohnraum, Landwirtschaft, Industrie und Verkehrswege im Rahmen einer Politik der „verbrannten Erde“ zerstört.
1944 durchbrach die Rote Armee den Belagerungsring um Leningrad, eroberte die Krim zurück und drängte die Wehrmacht aus weiten Teilen der Ukraine. Die ab 23. Juni durchgeführte „Operation Bagration“ zerschlug die Heeresgruppe Mitte. Die deutschen Verluste werden auf etwa 200.000 Tote und 300.000 Gefangene geschätzt. Rumänien wechselte am 23. August die Seite; auch Bulgarien und Finnland schieden aus dem deutschen Bündnis aus. Sowjetische und jugoslawische Kräfte eroberten Belgrad. Der Warschauer Aufstand vom 1. August bis 2. Oktober wurde von deutschen Truppen niedergeschlagen; über 200.000 Zivilisten starben. Ob die sowjetische Führung absichtlich keine wirksame Hilfe leistete oder militärisch dazu kaum in der Lage war, wird unterschiedlich beurteilt.
Am 12. Januar 1945 begann die Weichsel-Oder-Operation. Die Rote Armee erreichte die Oder, eroberte Ostpreußen und rückte auf Berlin vor. Am 25. April trafen sowjetische und US-amerikanische Truppen bei Torgau zusammen. Hitler beging am 30. April Selbstmord, Berlin kapitulierte am 2. Mai. Die bedingungslose Kapitulation wurde am 7. Mai in Reims unterzeichnet und trat am 8. Mai um 23:01 Uhr in Kraft. In der Nacht zum 9. Mai wurde sie in Berlin-Karlshorst nochmals unterzeichnet.
Massenverbrechen und Kriegsgefangene
Die deutschen Besatzer ermordeten Zivilisten, zerstörten Dörfer und bekämpften tatsächliche oder angebliche Partisanen mit kollektiven „Sühnemaßnahmen“. Allein in Belarus wurden nach Christian Gerlach 345.000 Menschen bei Massakern getötet und 628 Dörfer vollständig zerstört; in der Ukraine waren es 250 Dörfer. Bei etwa 50 großen sogenannten Partisanenbekämpfungsaktionen in Belarus starben bis 1944 mindestens 150.000 Menschen, überwiegend Zivilisten. Sowjetische Partisanen griffen vor allem deutsche Nachschubwege und Einrichtungen zur wirtschaftlichen Ausbeutung an.
Der Holocaust war mit dem Vernichtungskrieg verbunden. Die vier Einsatzgruppen begannen unmittelbar nach dem Angriff mit Massenerschießungen und meldeten im ersten Kriegsjahr fast eine Million Ermordete. Die Wehrmacht unterstützte diese Verbrechen teilweise aktiv. In den von Deutschland besetzten Gebieten der damaligen Sowjetunion wurden ungefähr drei Millionen Juden ermordet.
Sowjetische Kriegsgefangene wurden entgegen dem Kriegsvölkerrecht systematisch entrechtet. Politische Kommissare und andere als „politisch untragbar“ Eingestufte wurden ausgesondert und meist erschossen. Bis Mitte Dezember 1941 waren 3,35 Millionen Rotarmisten gefangen genommen worden. Bis Februar 1942 starben etwa zwei Millionen, überwiegend durch Hunger. Insgesamt kamen zwischen 2,5 und 3,3 Millionen sowjetische Kriegsgefangene in deutschem Gewahrsam ums Leben.
Auch deutsche Kriegsgefangene litten unter Erschießungen, Hunger, Krankheiten, schlechten Unterkünften und harter Zwangsarbeit. Von ungefähr 3.060.000 Gefangenen starben schätzungsweise 1.100.000. Die meisten wurden bis 1950 entlassen; die letzten rund 10.000 kehrten nach Verhandlungen Bundeskanzler Konrad Adenauers 1955/56 zurück.
Sexuelle Gewalt wurde von Angehörigen beider Seiten verübt. Vergewaltigungen durch Wehrmachtsangehörige wurden trotz formaler Verbote nur selten verfolgt, besonders nachdem der Kriegsgerichtsbarkeitserlass die Strafverfolgung von Taten gegen sowjetische Zivilisten weitgehend beseitigt hatte. Für Vergewaltigungen deutscher Frauen durch Rotarmisten reichen die im Artikel genannten Schätzungen von mehreren Hunderttausend bis zu zwei Millionen.
Opfer, Folgen und Erinnerung
Die Sowjetunion erlitt die höchsten Verluste des Zweiten Weltkriegs. Seriöse Schätzungen reichen von 25 bis 40 Millionen sowjetischen Toten; eine staatliche Untersuchung nannte bis 2009 37 Millionen Kriegsopfer. Christian Hartmann bezifferte 2011 die Opfer auf 26,6 Millionen: 11,4 Millionen sowjetische Soldaten und 15,2 Millionen Zivilisten. Von den Soldaten starben 8,4 Millionen in Kampfhandlungen und drei Millionen in deutscher Gefangenschaft. An der Ostfront fielen 2,7 Millionen Wehrmachtsoldaten; weitere 1,1 Millionen deutsche Soldaten starben in sowjetischer Gefangenschaft.
Im Nürnberger Prozess wurde der Krieg als deutscher Angriffskrieg beurteilt. Führende Vertreter von Staat, Militär und NSDAP wurden wegen Planung, Vorbereitung und Durchführung des Krieges sowie weiterer Verbrechen angeklagt und teilweise zum Tode verurteilt. Weitere Verfahren fanden vor sowjetischen Militärgerichten statt.
Nach dem Krieg besetzten die vier Siegermächte Deutschland und Österreich und teilten beide in Besatzungszonen. Polen wurde nach Westen verschoben; Estland, Lettland und Litauen blieben Teil der Sowjetunion. In Ost- und Mitteleuropa entstanden überwiegend von der Sowjetunion abhängige Staaten, die später den Ostblock bildeten. Die Teilung Europas und Deutschlands prägte den Kalten Krieg; die alliierten Vorbehaltsrechte in Deutschland endeten erst 1990 mit der deutschen Wiedervereinigung.
In Russland, Belarus und der Ukraine wird am 22. Juni der Opfer des Krieges gedacht. Der 8./9. Mai gilt in vielen Ländern als Tag der Befreiung beziehungsweise in Russland als Tag des Sieges. In der sowjetischen und russischen Erinnerung wird der „Große Vaterländische Krieg“ häufig mit dem Zweiten Weltkrieg gleichgesetzt. Nach dem Zerfall der Sowjetunion wurden zuvor tabuisierte Themen wie der Hitler-Stalin-Pakt, das Massaker von Katyn, Kollaboration, das Schicksal der Kriegsgefangenen und Gewalt gegen deutsche Zivilisten stärker öffentlich diskutiert.