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Umayyaden-Kalifat
Das Umayyaden-Kalifat war ein Herrschaftsgebilde der Dynastie der Umayyaden oder Omajjaden (arabisch بنو أمية banū Umayya oder الأمويون , DMG al-Umawiyyūn) …
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Grundlagen und Bedeutung
Das Umayyaden-Kalifat war ein Herrschaftsgebilde der Dynastie der Umayyaden, eines Familienclans des arabischen Stammes Quraisch aus Mekka. Angehörige dieser Familie herrschten von circa 661 bis 750 n. Chr. als Kalifen von Damaskus aus über das junge islamische Imperium. Damit begründeten sie die erste dynastische Herrscherfolge der islamischen Geschichte. Innerhalb der Umayyaden von Damaskus unterscheidet man zwei Linien: die Sufyāniden, die sich auf Abū Sufyān ibn Harb zurückführten, und die ab 685 herrschenden Marwāniden, die Nachkommen von Marwān ibn al-Hakam.
Das Reich war ein Vielvölker- und Vielreligionenreich. Die Mehrheit der Bevölkerung bestand zunächst nicht aus Muslimen, sondern aus Christen, Zoroastriern und Juden. Islamisierungstendenzen setzten erst nach der Wende zum 8. Jahrhundert stärker ein. Die Umayyaden sind wichtig, weil sie das islamische Reich politisch stabilisierten, seine Grenzen stark ausdehnten, die Verwaltung veränderten und bedeutende Bauten wie die Umayyadenmoschee in Damaskus und den Felsendom in Jerusalem errichten ließen.
Politische Entwicklung
Die Umayyaden spielten schon vor der eigentlichen Dynastie eine Rolle: Uthman ibn Affan, der dritte Kalif, gehörte zu ihnen. Seine Ermordung im Jahr 656 führte zum ersten Bürgerkrieg der Muslime, der ersten Fitna. ʿAlī ibn Abī Tālib wurde neuer Kalif, wurde aber nicht von allen anerkannt. Muʿāwiya ließ sich 660 in Damaskus ebenfalls zum Kalifen ausrufen und konnte sich schließlich durchsetzen. Er verlegte die Hauptstadt von Kufa nach Damaskus und stützte sich besonders auf syrische Stämme, vor allem den Stamm Kalb.
Muʿāwiya veränderte die Nachfolge grundlegend: Er schaffte die Wahl des Kalifen praktisch ab und erklärte seinen Sohn Yazid I. öffentlich zum Nachfolger. Unter Yazid I. kam es nach Muʿāwiyas Tod zu mehreren Aufständen. Husain, der zweite Sohn Alis und Enkel Mohammeds, wurde 680 in der Schlacht von Kerbela getötet. Dieses Ereignis wurde zum Anlass des schiitischen Trauerfestes Aschura. Gleichzeitig erhob Abdallah ibn az-Zubair im Hedschas ein eigenes Kalifat.
Nach weiteren Krisen wurde Marwān zum neuen Kalifen ausgerufen. Unter Abd al-Malik wurde das Reich wieder gefestigt und eine Verwaltungsreform eingeleitet. Unter al-Walid I. wurden Nordwestafrika und Spanien erobert, außerdem gab es weitere Eroberungen in Zentralasien. Konstantinopel wurde 717 erneut belagert. In den 740er Jahren häuften sich Aufstände, besonders in Nordafrika, und Thronstreitigkeiten schwächten die Dynastie. Unter Marwan II. erhoben sich die Abbasiden in Khurasan; 749/750 unterlag die umayyadische Herrschaft schließlich der abbasidischen Bewegung.
Herrschaft und Provinzen
An der Spitze des Reiches stand der „Befehlshaber der Gläubigen“ (amir al-mu'minin). Der Titel „Kalif“ (khalifa) ist zeitgenössisch nur auf wenigen Münzen Abd al-Maliks belegt. Der Herrscher ernannte Gouverneure, die Provinzen verwalteten. Weil die Verkehrswege weit waren und die Kommunikation mit Damaskus schwierig blieb, mussten die Umayyaden bis 750 stark auf mächtige Gouverneure setzen.
In den eroberten Gebieten übernahmen die Araber vielfach vorhandene spätantike Verwaltungsstrukturen aus dem römischen beziehungsweise sassanidischen Bereich. Auf unteren Ebenen arbeiteten weiterhin viele Christen und Zoroastrier in der Verwaltung. Neben Syrien waren besonders Irak, Ägypten und Ifriqiya wichtige Provinzen.
Syrien war die Machtbasis der Dynastie. Viele arabische Stämme blieben dort bis zum Ende der Umayyadenzeit christlich. Muʿāwiya achtete anfangs auf die Christen und besuchte die Grabeskirche in Jerusalem; erst nach der zweiten Fitna setzten die Umayyaden den Islam stärker über das Christentum. Der Irak war vor allem durch die Garnisonsstädte Kufa und Basra geprägt, die wichtige Zentren von Verwaltung, Theologie, Dichtung und Kultur waren. Ägypten wurde Ende der 630er bis Anfang der 640er Jahre durch Amr ibn al-As erobert; al-Fustat wurde neue Hauptstadt. Dort standen Gouverneur, Polizeichef und Finanzverwaltung an der Spitze, wobei auch Christen wichtige Finanzämter innehaben konnten. Ifriqiya war anscheinend dem Gouverneur von Ägypten untergeordnet, entwickelte aber gegen Ende des 7. Jahrhunderts eine eigenständigere Finanzverwaltung. Auf der Arabischen Halbinsel bestanden wechselnde Statthalterschaften in Orten wie Medina, Mekka, at-Taif, Sanaa und Dibba.
Religion, Gesellschaft und Sprachen
Die Umayyadenzeit war auch eine Phase religiös-politischer Debatten. Die Qadariyya beschäftigte sich mit Willensfreiheit und Vorherbestimmung. Während mehrere Umayyadenkalifen an der Vorstellung eines vorbestimmten Schicksals festhielten, vertrat die Qadariyya die Auffassung, dass Gott menschliche Taten weder im Voraus kennt noch festlegt. Eine andere frühe Richtung war die Murjia. Sie meinte, dass das Urteil über die Parteien der ersten Fitna allein Gott zustehe, und stellte die Einheit der Muslime über die Verurteilung einzelner noch lebender Personen als Ungläubige.
Über den Status von Frauen in den ersten Jahrhunderten des Islam ist nur wenig sicher bekannt. Die Quellen sind vor allem spätere Rechts- und Geschichtstexte. Eine Ehe wurde durch Angebot der Frau, Annahme des Mannes und zwei Zeugen geschlossen; der Mann musste eine Mitgift zahlen. Die Frau musste der Ehe zustimmen, konnte eigenes Vermögen besitzen, musste nicht aus eigenen Mitteln zum Vermögen des Ehemanns beitragen und hatte ein Erbrecht. Nach Lapidus und Salaymeh konnten Frauen im Alltag je nach Schicht und Lebensumständen mehr Freiheiten haben, als männlich geprägte Rechtsauslegungen vermuten lassen.
Nichtmuslime bildeten lange einen großen Teil der Bevölkerung. Christen waren in verschiedene Gruppen gespalten, darunter Miaphysiten, Dyophysiten und Chalcedonier. Drei christliche Patriarchate, Alexandria, Jerusalem und Antiochia, lagen im Reich. Juden lebten besonders in Syrien und sahen die Muslime nach einigen erhaltenen Textfragmenten teilweise als Befreier von römischer Unterdrückung. Im Osten lebten außerdem manichäische Christen, Juden und Zoroastrier.
Das Reich war sprachlich vielfältig. Arabisch war die Sprache vieler islamischer Herrscher, doch die Untertanen sprachen unter anderem Griechisch, Koptisch, Aramäisch, Syrisch, Armenisch, Georgisch, Lateinisch, Ge’ez und Nubisch. Unter Uthman wurde der Korantext erstmals kodifiziert, also in einer einheitlichen Fassung festgelegt. Unter Abd al-Malik setzte sich Arabisch schrittweise als Verwaltungssprache durch; der Übergang vom Griechischen und Persischen zum Arabischen war nach heutiger Einschätzung stufenweise.
Wirtschaft, Umwelt und Kultur
Die Umayyadenzeit fiel in das Ende der spätantiken globalen Kälteperiode, die etwa von den 530er bis in die 660er Jahre dauerte. Vulkanausbrüche in den 530er und 540er Jahren ließen die europäische Sommertemperatur um bis zu 2,7 Grad Celsius sinken. Wahrscheinlich gab es im Mittelmeerraum weniger Regen, und ein schwächerer westafrikanischer Monsun führte zu niedrigeren Nilständen. Bei einer möglichen Bevölkerung von 40–50 Millionen lebten die meisten Menschen in wasserreichen Gebieten Nordafrikas, Ägyptens, der Levante, des Irak und Khuzistans. Auch erneute Ausbrüche der Justinianischen Pest traten auf.
Der Handel blieb weitreichend. Europa kaufte in umayyadischer Zeit Luxusgüter aus Nordafrika und dem Nahen Osten, etwa Papyrus aus Ägypten. Nach Osten wurden Glasgefäße bis nach China exportiert; solche Gefäße fanden sich in Gräbern der chinesischen Oberschicht. Importiert wurden unter anderem Steinwaren aus Yuezhou, Keramiken aus Indien und Hölzer aus Ostafrika.
Die materielle Kultur zeigte spätantike und neue islamische Elemente. In der Kleidung war die Tunika weiterhin wichtig; Seide aus China wurde für die Elite bedeutend, obwohl das Tragen von Seide für Männer im Islam verboten war und dieses Verbot oft nicht befolgt wurde. Al-Walid trug Hosen aus Damaszener Seide, und am Umayyadenhof waren Hosen Mode.
Besonders bekannt ist die umayyadische Architektur. Die Dynastie ließ in der Levante die Umayyadenmoschee in Damaskus, den Felsendom in Jerusalem sowie Villen, Bewässerungsanlagen und sogenannte Wüstenpaläste errichten. Diese Wüstenpaläste werden von Denis Genequand eher als umayyadische Aristokratensiedlungen beschrieben. Archäologisch sind 38 solcher Siedlungen bekannt, meist in Jordanien und Syrien. Viele hatten Wassertechnik wie Dämme oder Kanäle, 16 besaßen eine eigene Moschee. Auch die Kalligraphie entwickelte sich weiter: Frühe Koranhandschriften, die Hijazi-Korane, waren sehr unterschiedlich gestaltet; unter Abd al-Malik entstand ein geordneterer, geometrischerer und runderer Schriftstil, der sich zuerst in Inschriften im Felsendom zeigt.
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