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Islamische Expansion
Die islamische Expansion bezeichnet im Folgenden die Eroberungen der Araber von der Mitte der 630er Jahre an und die damit einhergehende Ausdehnung des …
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Begriff und Ausgangslage
Die islamische Expansion umfasst die Eroberungen arabischer Heere seit der Mitte der 630er Jahre und die damit verbundene Ausdehnung des Islams bis ins 8. Jahrhundert. Ihr Beginn wird häufig als Ende der Antike angesetzt. Bis 750 entstand ein Großreich von der Iberischen Halbinsel bis nach Zentralasien. Der Vormarsch führte zu einer dauerhaften Teilung Europas und des Mittelmeerraums in einen islamischen und einen christlichen Bereich; der christliche Teil zerfiel in einen lateinischen Westen und einen von Byzanz geprägten griechischen Osten.
Beim Tod des Propheten Mohammed im Jahr 632 beherrschte der Islam im Wesentlichen die Arabische Halbinsel. Ihre Randgebiete standen weitgehend unter dem Einfluss des Byzantinischen Reiches (Ostrom) und des sassanidischen Perserreiches. Beide Großmächte hatten sich zuvor bei der Grenzverteidigung auf arabische Gruppen gestützt: Persien auf die Lachmiden mit der Hauptstadt Hira, Ostrom auf die teilweise christlichen Ghassaniden südlich von Damaskus. Chosrau II. hatte das Reich der Lachmiden bereits um 602 beseitigt.
Nach Mohammeds Tod löste die ridda, eine Abfallbewegung von Stämmen, einen innerarabischen Konflikt aus. Viele Stämme fühlten sich nur Mohammed persönlich verpflichtet. Der erste Kalif Abū Bakr behauptete den religiösen und politischen Führungsanspruch militärisch und suchte zugleich gemeinsame äußere Gegner. Religiöse, ökonomische und innenpolitische Motive wirkten bei den folgenden Eroberungen zusammen.
Besonders günstig für die Araber war die Schwäche ihrer Gegner. Ostrom und Persien hatten von 602/603 bis 628/629 einen äußerst kräftezehrenden Krieg geführt und waren militärisch nicht auf einen arabischen Angriff eingestellt. In Persien verschärften Machtkämpfe und Bürgerkriege nach 628 die Lage; in den Jahren 628 bis 632 regierten acht Herrscher und zwei Herrscherinnen, teils gleichzeitig in unterschiedlichen Reichsteilen.
Verlust Syriens, Palästinas und Ägyptens
Ein kleiner arabischer Vorstoß nach Palästina wurde im September 629 bei Muta noch abgewehrt. Ende 633/Anfang 634 rückte jedoch eine größere arabische Armee nach Palästina und Syrien vor. Im Februar 634 unterlagen oströmische Truppen bei Gaza; im selben Jahr folgten Niederlagen bei Dathin und Ajnadayn. Damaskus wurde 635 erobert. Eine Belagerung der Stadt ist fraglich, sicher ist aber eine vertragliche Übergabe. Sie wurde zum Vorbild für spätere Regelungen: Nichtmuslime zahlten die Kopfsteuer dschizya, waren dafür von Zakat und Sadaqa, islamischen Abgaben, befreit und durften ihre Religion eingeschränkt ausüben.
Die entscheidende Schlacht fand im August 636 am Jarmuk im heutigen Jordanien statt. Das muslimische Heer führten Chālid ibn al-Walīd und Abū ʿUbaida ibn al-Dscharrāh. Das oströmische Heer unter dem armenischen General Vahan war möglicherweise zunächst zahlenmäßig überlegen; die Angaben sind unsicher, vielleicht umfasste es 40.000 Mann oder deutlich weniger. Streit zwischen Vahan und dem patricius Theodorus, Erschöpfung und der abgeschnittene Rückzug trugen zur entscheidenden Niederlage der Oströmer bei. Danach fielen Syrien und Palästina weitgehend an die Araber. Jerusalem kapitulierte spätestens 638 zu günstigen Bedingungen; Caesarea Maritima hielt dank der Flotte bis 640/41 stand. Nach seiner Einnahme wurden die dort stationierten kaiserlichen Truppen, angeblich 7.000 Mann, offenbar massakriert.
Ende 639 begann der arabische Vormarsch nach Ägypten, der wirtschaftlich wichtigen Kornkammer Ostroms. Nach Pelusium rückten die Araber in das Niltal vor. Ihr Hauptziel war die Festung Babylon, heute Teil Kairos. Ein kaiserliches Heer unter dem Statthalter Theodoros wurde im Juli 640 bei Heliopolis geschlagen; Babylon fiel im April 641. Ein im Sommer 641 ausgehandelter Vertrag erlaubte den Oströmern gegen Tribut einen Waffenstillstand von elf Monaten und den Abzug aus Alexandria. Alexandria fiel endgültig im September 642; eine kaiserliche Gegenoffensive scheiterte.
Die Mehrheit der Zivilbevölkerung arrangierte sich nach dem Zusammenbruch der kaiserlichen Armee mit den neuen Herrschern. Als Gründe werden die erst kurz zurückliegende persische Besetzung Syriens und Ägyptens sowie die schwache Bindung an Konstantinopel genannt. Ob kirchliche Konflikte zwischen miaphysitischen Christen und der orthodoxen Reichsregierung den arabischen Erfolg wesentlich förderten, ist in der Forschung umstritten. Arabische Vorstöße nach Nubien scheiterten am Widerstand der christlichen Reiche Nobatia und Makuria; 652 regelte der Vertrag Baqt das Verhältnis zu Ägypten und den Warenaustausch.
Persiens Untergang und der Vorstoß nach Osten
Auch das Sassanidenreich wurde seit den 630er Jahren angegriffen. Zwar wehrten die Perser 634 einen ersten Angriff in der Schlacht an der Brücke ab, doch hinderten neue innere Unruhen sie daran, den Erfolg zu nutzen. Der Reichsfeldherr Rostam Farrochzād musste seine Grenztruppen zur Unterdrückung einer Revolte nach Ktesiphon führen. Bei Kadesia im Südirak kam es im Januar 638, nicht 636 oder 637, zur entscheidenden zweiten großen Schlacht. Rostam fiel, Mesopotamien und die Hauptresidenz Ktesiphon gingen verloren.
König Yazdegerd III. sammelte im iranischen Hochland erneut Kräfte. Bei Nehawend südlich des heutigen Hamadan griffen die Araber 642 einem persischen Gegenangriff zuvor. Über Truppenstärken gibt es keine sicheren Angaben: Arabische Chronisten nennen für die Perser 150.000 oder mehr Mann, während der zeitnahe armenische Chronist Sebeos 40.000 Araber und 60.000 Sassaniden nennt. Plausibel erscheinen mehr als 30.000 Araber und höchstens eine leichte zahlenmäßige Überlegenheit der Perser. Nach einer Finte wurden die Perser aus ihrer Stellung gelockt und nach hartem Kampf geschlagen.
Der Widerstand dauerte regional weiter an; befestigte Städte wie Istachr und Jur hielten noch 650 aus. Die Eroberung Irans dauerte länger und kostete mehr Opfer als jene Syriens und Ägyptens. Bei der Einnahme Istachrs sollen angeblich 40.000 Menschen getötet worden sein. Yazdegerd III. zog sich nach Merw zurück und wurde dort 651 von einem Untergebenen getötet. Sein Sohn Peroz konnte mit chinesischer Hilfe keine Rückkehr zur Macht erreichen. Das Sassanidenreich verschwand, doch seine Kultur wirkte im abbasidischen Kalifat fort.
Die Islamisierung Irans blieb langsam: Erst um 900 waren Muslime gegenüber Zoroastriern und Christen in der Mehrheit. Zoroastrische Minderheiten bestanden im 11. Jahrhundert weiter, Feuer brannten im Südosten Irans noch im 13. Jahrhundert. Perser bewahrten im Unterschied zu den meisten eroberten Völkern ihre Sprache und teilweise ihre kulturelle Eigenständigkeit.
Um 700 drangen Araber nach Zentralasien vor. Unter Qutaiba ibn Muslim fielen Paykand 706, Buchara 709 und Samarkand 712. Gegen Türgesch, sogdische Stadtstaaten und weitere Gruppen gab es schwere Rückschläge: 724 ereignete sich der von Tabari so genannte „Tag des Durstes“, 731 entkam ein muslimisches Heer nur knapp der Vernichtung. Nach dem Tod des Türgesch-Herrschers Suluk 738 endete der organisierte Widerstand weitgehend. 751 besiegten Araber ein chinesisches Heer am Talas; die Bedeutung dieser Schlacht wird teils überschätzt, doch der chinesische Einfluss in Zentralasien wurde zugunsten des arabisch-islamischen zurückgedrängt. Vorstöße nach Sindh um 710 sind schlecht belegt; eine weitere Ausdehnung nach West- und Zentralindien verhinderte die Niederlage gegen Regionalherrscher der Rashtrakutadynastie.
Europa, Byzanz und die Grenzen der Expansion
Arabische Flotten bedrohten Byzanz im Mittelmeer. 649 erfolgte ein Vorstoß nach Zypern, dessen Einnahmen Byzanz und Kalifat 688 vertraglich teilten. 654 wurde Rhodos geplündert, 655 besiegten Araber erstmals eine byzantinische Flotte bei Phoinix. Konstantinopel widerstand der Belagerung von 717/18; ob es bereits 674 bis 678 eine regelrechte Belagerung gab, ist umstritten. Kaiser Leon III. stoppte die Araber 740 auch in Kleinasien. Damit endete der arabisch-islamische Vormarsch in Kleinasien, weil die Ressourcen überbeansprucht waren.
Der Taurus erschwerte schon zuvor das Vordringen in Kleinasien. Die Oströmer setzten auf verbrannte Erde, dezentrale Verteidigung und das Vermeiden großer Feldschlachten. Häufige Razzien konnten sie nicht verhindern, hielten Kleinasien aber. Der innerarabische Bürgerkrieg ab 656 und der begrenzte Waffenstillstand Muʿāwiyas I. von 659 ermöglichten eine Reorganisation der byzantinischen Verteidigung. Im Kaukasus scheiterten arabische Vorstöße zudem mehrfach an den Chasaren.
In Nordafrika fiel 643 Tripolis, ab 670 drangen die Araber weiter in die Africa vor. Karthago hielt bis 697/698; auch Berber leisteten zunächst Widerstand. 711 landeten vorwiegend berberische muslimische Truppen unter Tāriq ibn Ziyād bei Gibraltar. König Roderich und die Westgoten wurden im Juli 711 am Río Guadalete geschlagen; von 711 bis 719 wurde das Westgotenreich auf der Iberischen Halbinsel erobert. Narbonne fiel 720 und blieb bis 759 muslimisch. Karl Martell stoppte 732 bei Tours und Poitiers einen Vorstoß ins Frankenreich, dessen Bedeutung jedoch lange überschätzt wurde, da es sich wohl um einen begrenzten Raubzug handelte. In Al-Andalus entstand später das selbständige umayyadische Emirat, danach Kalifat von Córdoba.
Im 9. Jahrhundert setzten sich Kämpfe mit Byzanz fort: Kreta wurde 823/28, Sizilien ab 827 erobert; Syrakus fiel 878, Taormina 902. Byzantinische Gegenoffensiven eroberten Kreta 961 und Zypern 965 zurück. Im Westen wurden muslimische Herrschaften später durch die Reconquista, die 1492 endete, und im 11. Jahrhundert durch die normannische Eroberung Siziliens zurückgedrängt.
Herrschaft, Verwaltung und andere Religionen
Die Araber übernahmen zunächst viele vorhandene Verwaltungsstrukturen. In Syrien schufen sie nach byzantinischem Vorbild vier Verwaltungsregionen und beschäftigten frühere Beamte weiter. Griechisch blieb in ehemaligen oströmischen Gebieten, Persisch im ehemaligen Sassanidenreich Verwaltungssprache. Erst unter Abd al-Malik wurden beide allmählich durch Arabisch ersetzt; Papyri zeigen, dass der ägyptische Statthalter Korrah ben Sharik von 709 bis 715 noch auch griechisch korrespondierte. Zunächst verwendete man weiter byzantinische und sassanidische Münzen, später bildlose Prägungen. Neue Städte wie Kufa, Basra, Fustat, Kairouan und Fès waren zuerst Militärlager und wurden anschließend Verwaltungs- und Kulturzentren. Muʿāwiya I. straffte als Organisator des Kalifenreiches die Zentralverwaltung.
Christen, Juden und in Persien auch Zoroastrier wurden als Buchreligionen grundsätzlich toleriert. Zoroastrier galten nach einigem Zögern als den im Koran genannten Sabäern gleichgestellt. Der Status der Dhimma bezeichnete diese Gruppen als „Schutzbefohlene“: Sie durften ihren Glauben in eigenen Gemeinden eingeschränkt bewahren, waren Muslimen rechtlich aber nicht gleichgestellt. Sie zahlten die Dschizya, durften in Städten und größeren Orten keine neuen Kirchen oder Synagogen bauen und grundsätzlich keine Waffen tragen. Daneben bestanden Einschränkungen im Erbrecht und teils Kleidungsvorschriften. Christen blieben lange die Bevölkerungsmehrheit und arbeiteten zunächst häufig in Verwaltung oder am Kalifenhof.
Die anfangs vergleichsweise pragmatische Toleranz beruhte auch darauf, dass die muslimischen Eroberer eine kleine Minderheit waren und auf erfahrene Verwaltungsbeamte sowie Einnahmen aus Sonderabgaben angewiesen blieben. Die Islamisierung und Arabisierung verliefen daher zunächst langsam. Unter den Umayyaden und besonders seit der frühen Abbasidenzeit nahmen jedoch Einschränkungen, soziale Demütigungen und Phasen gezielter Verfolgung zu. Seit 699 wurde Arabisch Amtssprache; Nichtmuslime wurden zunehmend aus hohen Ämtern verdrängt. Öffentliche Kreuze und christliche Gebete wurden untersagt, Kirchen teils eingezogen oder möglicherweise zerstört; für einzelne Zerstörungen ist die Quellenlage nicht eindeutig. In Ägypten erhoben sich die christlichen Kopten zwischen 725 und 773 sechsmal, doch alle Aufstände wurden niedergeschlagen. Um 900 wurden kurzfristig wieder Christen und Juden in der Verwaltung eingesetzt, aber ein Edikt von 908 verbot Nichtmuslimen erneut öffentliche Funktionen; erlaubt blieben ihnen demnach nur Tätigkeiten als Ärzte oder Bankiers.
Folgen, Erklärungen und Quellenkritik
Byzanz verlor zwei Drittel seines Territoriums und seiner Steuereinnahmen sowie mehr als die Hälfte seiner Bevölkerung. Besonders schwer wog Ägypten wegen seiner Wirtschaftskraft, seines Steueraufkommens und seiner Getreidelieferungen für Konstantinopel. In Kleinasien gingen die meisten Poleis unter oder wurden durch befestigte Wehrdörfer, Kastron genannt, ersetzt. Flüchtlinge stärkten die verbliebenen Gebiete. Das Reich verlor im 7. Jahrhundert in weiten Teilen seinen lateinischen Charakter, wurde stärker gräzisiert und führte Militärdistrikte, die Themen, ein. Dies stabilisierte Byzanz, doch die Verluste großer Teile Syriens, Palästinas und Nordafrikas blieben endgültig.
Für den Eroberungserfolg gibt es keine allgemeingültige Erklärung. Beide Großmächte waren durch die Römisch-Persischen Kriege erschöpft; seit 540 hatte es nur gut 20 Friedensjahre gegeben. Ostrom hatte seine Armee nach dem Krieg aus finanziellen Gründen demobilisiert. Persien wurde vor allem durch die Bürgerkriege seit 628 geschwächt, und Magnaten liefen teils zu den Angreifern über. In Syrien und Ägypten waren die Provinzen erst kurz zuvor wieder oströmisch geworden; die Fernregierung Konstantinopels war wenig verankert. Die Bedeutung der religiösen Unzufriedenheit mit der orthodoxen Religionspolitik wird in der neueren Forschung jedoch wieder stark bestritten.
Wichtige Anreize waren Beute, Plünderungen, Handelsinteressen und die wirtschaftliche Bedeutung eroberter Städte. Religiöse Motive sollen nicht überbetont werden. Christliche arabische Verbände wechselten teils zu den Eroberern, weil Zahlungen Ostroms und Persiens weggebrochen waren. Die Übernahme von Verwaltung, Steuersystemen und Münzen erleichterte die Akzeptanz der neuen, zunächst kleinen Herrschergruppe. Eine neuere, nicht allgemein verbindliche Deutung versteht die frühe Expansion eher als Aufstand von zuvor direkt oder indirekt römisch und persisch beherrschten Arabern denn als reine Invasion.
Die Quellenlage ist schwierig. Islamisch-arabische Berichte wie die von Ibn ʿAbd al-Hakam, Baladhuri und Tabari entstanden erst mit deutlichem zeitlichem Abstand und sind bei Chronologie, Zahlen und einzelnen Aussagen nicht immer zuverlässig. Christliche Quellen sind verstreut: Als vergleichsweise zuverlässig gilt Pseudo-Sebeos, problematisch ist die Chronik des Johannes von Nikiu. Wichtig waren auch syrisch-christliche Chroniken und die verlorene Chronik des Theophilos von Edessa, die mittelbar von mehreren Autoren benutzt wurde. Münzen, Inschriften, Papyri und Bauwerke ergänzen die Überlieferung, erlauben aber meist nur Aussagen zu Einzelaspekten und sind teils umstritten zu deuten. Eine Extremposition, die den gesamten Ablauf der frühislamischen Geschichte infrage stellt, den Islam als ursprünglich christliche Häresie und Mohammed teils als spätere Erfindung ansieht, hat sich in der Forschung nicht durchgesetzt.