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Umayyaden
Angehörige der Familie herrschten von circa 661 bis 750 n. Chr. als Kalifen (Bezeichnung auch: Umayyaden-Kalifat) von Damaskus aus über das damals noch junge …
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Grundlagen und Bedeutung
Die Umayyaden oder Omajjaden waren ein Familienclan des arabischen Stammes der Quraisch aus Mekka. Aus diesem Stamm stammte auch Mohammed. Angehörige der Familie herrschten von circa 661 bis 750 n. Chr. als Kalifen von Damaskus aus über das junge islamische Imperium. Damit begründeten sie die erste dynastische Herrscherfolge der islamischen Geschichte: Das Amt des Kalifen wurde nicht mehr nur durch Wahl oder Anerkennung wichtiger Gruppen vergeben, sondern zunehmend innerhalb einer Herrscherfamilie weitergegeben.
Bei den Umayyaden von Damaskus unterscheidet man zwei Linien. Die Sufyāniden führten sich auf Abū Sufyān ibn Harb zurück und herrschten von Muʿāwiya I. bis Muʿāwiya II. Die Marwāniden waren Nachkommen von Marwān ibn al-Hakam und herrschten ab 685 bis zum Ende der umayyadischen Macht im Osten 750. Schon vor dem Kalifat von Damaskus spielte ein Umayyade eine wichtige Rolle: Uthman ibn Affan, der dritte Kalif, gehörte ebenfalls zur Familie.
Herkunft und Aufstieg
Die Umayyaden gehörten wie die Banū Hāschim, der Clan Mohammeds, zu den Nachkommen von ʿAbd Manāf ibn Qusaiy. Die Haschimiten führten sich auf Haschim zurück, die Umayyaden auf ʿAbd Schams. Namensgeber war dessen Sohn Umayya ibn ʿAbd Scham.
Zu Beginn des 7. Jahrhunderts waren die Nachkommen Umayyas eine der einflussreichsten Familien Mekkas. Als Mohammed seine neue Religion verkündete und 622 mit seinen Anhängern nach Medina auswanderte, standen führende Umayyaden zunächst auf der Seite Mekkas gegen die Muslime. Abū Sufyān ibn Harb, das Oberhaupt des Klans, führte zeitweise die mekkanische Politik an. Kurz vor der Einnahme Mekkas durch muslimische Truppen im Jahr 630 trat er zum Islam über.
Dieser Seitenwechsel schadete den Umayyaden langfristig nicht. Im islamischen Staat übernahmen sie wichtige Aufgaben. Muʿāwiya, ein Sohn Abū Sufyāns, diente einige Jahre als Sekretär Mohammeds, nahm nach dessen Tod an Feldzügen gegen das Oströmische Reich teil und wurde 639 Statthalter von Syrien. 644 wurde Uthman ibn Affan, ein Mitglied des Umayyadenklans und früher Unterstützer Mohammeds, zum Kalifen gewählt. Weil er bei der Vergabe wichtiger Ämter offenbar seine Verwandten stark begünstigte, entstand Widerstand gegen seine Herrschaft.
Sufyāniden und Bürgerkrieg
Nach der Ermordung Uthmans 656 wurde Ali ibn Abi Talib, Vetter und Schwiegersohn Mohammeds, zum Kalifen erhoben. Er wurde aber nicht von allen Muslimen anerkannt. Uthmans Verwandter Muʿāwiya ließ sich 660 in Damaskus ebenfalls zum Kalifen ausrufen. Damit war die muslimische Gemeinschaft, die Umma, erstmals gespalten. Es begann die erste Fitna, also der erste Bürgerkrieg des islamischen Staates.
Muʿāwiya stützte sich besonders auf loyale syrische arabische Stämme. In der Schlacht von Siffin kam es zu keiner klaren Entscheidung zwischen ihm und Ali. Ein anschließendes Schiedsgericht führte dazu, dass sich ein Teil von Alis Anhängern abspaltete; diese Gruppe wird Charidschiten genannt. Nach Alis Ermordung durch Charidschiten 661 setzte Muʿāwiya seine Herrschaft durch, indem er Alis Sohn Hasan zum Verzicht auf das Kalifat bewegte. Damit begann das Umayyaden-Kalifat.
Muʿāwiya verlegte die Hauptstadt von Kufa nach Damaskus. Dadurch verlagerte sich das politische Zentrum von Arabien nach Syrien und Ägypten; Arabien behielt vor allem durch die heiligen Stätten Mekka und Medina Bedeutung. Außenpolitisch kam es zu Kämpfen mit dem Oströmischen oder Byzantinischen Reich, unter anderem in Nordafrika, Kleinasien und in der Nähe Konstantinopels. Die Muslime konnten dort aber wegen starken Widerstands und des griechischen Feuers nicht dauerhaft Fuß fassen.
Eine wichtige Veränderung war die Einführung der Erbfolge: Muʿāwiya bestimmte seinen Sohn Yazid I. öffentlich zum Nachfolger. Unter Yazid kam es erneut zu Aufständen. Husain, Alis Sohn und Enkel Mohammeds, wurde 680 in der Schlacht von Kerbela besiegt und getötet. Dieses Ereignis wurde zum Anlass des schiitischen Trauerfestes Aschura. In Mekka behauptete sich Abdallah ibn az-Zubair und rief ein eigenes Kalifat aus.
Krise und Marwāniden
Nach Yazids Tod 683 und dem frühen Tod seines Sohnes Muʿāwiya II. 684 gerieten die Umayyaden in eine schwere Krise. Abdallah ibn az-Zubair gewann Unterstützung, auch in Syrien und Palästina. Einige Umayyaden glaubten nicht mehr daran, ihre Macht halten zu können. Die Lage änderte sich durch ʿUbaidullāh ibn Ziyād und den kalbitischen Stammesführer Hassān ibn Mālik Ibn Bahdal. In al-Dschābiya wurde Marwān ibn al-Hakam zum neuen Kalifen ausgerufen. Damit begann die Herrschaft der Marwāniden.
Marwān starb schon nach einem Jahr. Sein Sohn Abd al-Malik herrschte von 685 bis 705 und konnte fast alle Gegner in Syrien und im Irak ausschalten. 692 besiegte er auch Abdallah ibn az-Zubair. Die meisten späteren umayyadischen Kalifen waren Söhne oder Nachkommen Abd al-Maliks.
Nach dem Bürgerkrieg begann erneut eine Phase großer Eroberungen. Im Osten wurden das Indusgebiet 711 und Transoxanien 712 besetzt. Im Westen wurde bis 709 der Widerstand der Berber gebrochen und der Maghreb unterworfen. 711 wurde das Westgotenreich auf der Iberischen Halbinsel erobert. Vorstöße in das Frankenreich reichten bis nach Südfrankreich, wurden aber 732 durch Karl Martell aufgehalten. Gegen Byzanz blieben mehrere Feldzüge und die Belagerungen Konstantinopels 674–678 und 717–718 ohne entscheidenden Erfolg. Auch Feldzüge gegen die Chasaren nördlich des Kaukasus waren weitgehend erfolglos.
Seit 718 sammelten sich schiitische, persische und andere muslimische Gruppen um die Abbasiden, die Nachfahren von Mohammeds Onkel Abbas. Sie bestritten die Legitimität der Umayyaden, weil ihrer Auffassung nach nur Männer aus diesem Familienzweig das Kalifat ausüben konnten. In den 740er Jahren schwächten Machtkämpfe und Rivalitäten zwischen arabischen Stammesgruppen die Umayyaden. Der Aufstand des Abu Muslim ab 747 im Ostiran konnte nicht mehr niedergeschlagen werden. 750 wurden die Umayyaden unter Marwan II. am Großen Zab im Nordirak von den Abbasiden entscheidend geschlagen.
Córdoba, Quellen und Bewertung
Nach dem Sturz im Osten konnte ein Umayyadenprinz fliehen. Er gelangte über den Maghreb nach al-Andalus und gründete dort 756 als Abd ar-Rahman I. das Emirat von Córdoba. 929 erhob sich Abd ar-Rahman III. zum Kalifen. Das Kalifat von Córdoba bestand bis 1031. Mit seinem Ende erlosch auch die Dynastie der Umayyaden endgültig.
Wichtige Quellen zur Umayyadenzeit sind die Universalgeschichten von al-Ya'qubi, at-Tabari und Ibn al-Maqdisi. Regionale Geschichtsschreiber waren unter anderem Ibn A'tham, al-Waqidi, al-Baladhuri, al-Adi Ibn Habib und Ibn abd-al-Hakam. Hinzu kamen Werke über Eroberungsverträge mit unterworfenen Gruppen.
Das Bild der Umayyaden wurde stark durch spätere politische und religiöse Deutungen geprägt. In abbasidischer Zeit hatten die neuen Herrscher ein Interesse daran, den Umayyaden das Recht auf Herrschaft abzusprechen. Dadurch entstand in Teilen der Geschichtsschreibung ein negatives Urteil über sie. Gleichzeitig blieben unabhängige oder umayyadenfreundliche Überlieferungen teilweise erhalten, etwa bei al-Baladhuri; Tabari scheint die Umayyaden nicht gezielt negativ bewertet zu haben.
In der modernen Zeit gab es besonders in Syrien und im Irak Kontroversen über die Bewertung der Umayyaden. 1905 stritten Rafīq Bey al-ʿAzm und Dschurdschī Zaidān über Zaidāns Darstellung des Umayyadenreiches als Staat, der stark auf tribaler ʿAsabīya, also Gruppenzusammenhalt nach Stammeslogik, und arabischem Chauvinismus beruht habe. 1927 löste ein positives Buch von Anīs an-Nusūlī über den syrischen Umayyadenstaat im Irak eine Krise aus, weil schiitische Kreise darin eine Herabsetzung Alis und eine Beleidigung Husains sahen. Der syrische Gelehrte Muhammad Kurd ʿAlī hob 1939 dagegen den Beitrag der Umayyaden zur zivilisatorischen Entwicklung, zur Entstehung eines arabischen Nationalbewusstseins und zur Ausbreitung arabischer Herrschaft hervor.