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Ägypten

Ägypten hat vor allem wegen seiner hohen Bevölkerungszahl eine enorme politische und kulturelle Ausstrahlung in der arabischen und islamischen Welt. Auch in der …

Inhalt6 Abschnitte
  1. 1. Staat und Bedeutung
  2. 2. Naturraum, Klima und Schutzgebiete
  3. 3. Bevölkerung, Sprachen und Gesellschaft
  4. 4. Geschichtliche Entwicklung
  5. 5. Politik, Rechte und Außenbeziehungen
  6. 6. Wirtschaft, Verkehr und Kultur

Staat und Bedeutung

Ägypten, offiziell Arabische Republik Ägypten (arabisch Miṣr), ist ein Staat im nordöstlichen Afrika; die Sinai-Halbinsel verbindet als Landbrücke den größeren afrikanischen Landesteil mit Asien. Hauptstadt ist Kairo, zugleich größte Metropole Afrikas und der arabischen Welt. Weitere Millionenstädte sind Alexandria und Gizeh.

Das Land hat eine Fläche von 1.001.449 km² und die Amtssprache Arabisch. Es ist laut Infobox eine semipräsidentielle Republik unter der Herrschaft einer Militärdiktatur. Staatsoberhaupt ist Präsident Abd al-Fattah as-Sisi, Regierungschef Premierminister Mustafa Madbuli. Staatsreligion ist der Islam, Währung das Ägyptische Pfund.

Ägypten besitzt wegen seiner Bevölkerung sowie seiner Film-, Musik- und Kulturproduktion große politische und kulturelle Ausstrahlung in der arabischen und islamischen Welt. Zugleich zählt das Alte Ägypten, das um 3000 v. Chr. entstand, zu den frühen Hochkulturen der Alten Welt.

Naturraum, Klima und Schutzgebiete

Ägypten grenzt im Süden an Sudan, im Westen an Libyen, im Nordosten an den Gazastreifen und Israel. Im Norden liegt das Mittelmeer, im Osten das Rote Meer mit Golf von Suez und Golf von Akaba. Der Nil durchfließt das Land von Süden nach Norden und mündet in ein Delta; der 162 km lange Suezkanal verbindet Mittelmeer und Indischen Ozean und ist für die Weltwirtschaft bedeutend.

Wasser und fruchtbare Ufer des Nil ermöglichen fast allein Anbau und dichte Besiedlung; diese Fläche umfasst nur etwa fünf Prozent des Staatsgebiets. Das Niltal ist bis zu 25 km breit, das intensiv bewirtschaftete Nildelta rund 23.000 km² groß. Zwei Drittel der Staatsfläche nimmt die Libysche Wüste westlich des Nil ein; dort liegen unter anderem die Oasen Siwa, Bahariyya, Farafra, Dachla und Charga. Östlich des Nil liegt die gebirgige Arabische Wüste. Auf dem asiatischen Sinai liegt mit dem Dschabal Katrina (2637 m) der höchste Berg des Landes.

Ägypten liegt im nordafrikanischen Trockengürtel. Südlich von Kairo regnet es äußerst selten; nur Mittelmeerküste und Nildelta erhalten im Winter 100 bis 200 mm Niederschlag. Die mittleren Tageshöchstwerte reichen im Januar von 20 °C in Port Said und Kairo bis 24 °C in Assuan, im Juli von 31 °C in Port Said bis 41 °C in Assuan. Von März bis Juni weht der heiße, sandige Chamsin. In Oberägypten gibt es meist nur 0–2 Regentage im Jahr, Hitzewellen können über 50 °C erreichen.

Die Vegetation ist wegen Trockenheit und Landwirtschaft begrenzt. Im Niltal wachsen etwa Dattelpalmen und Nilakazien. Am Nil und im Delta leben viele Wasservögel; außerdem kommen unter anderem Schakale, Hyänen, Fenneks, Nubische Steinböcke, Eidechsen, Skorpione und die Ägyptische Kobra vor. Es gibt drei Nationalparks: Gebel-Elba (1986, 3.560.000 ha, im umstrittenen Hala’ib-Dreieck), Ras Mohammed (1983, 48.000 ha) und Wadi al-Gamal (2003, 745.000 ha).

Bevölkerung, Sprachen und Gesellschaft

Die Angaben zur Einwohnerzahl sind im Artikel nicht einheitlich: Die Infobox nennt für 2025 geschätzt 118,4 Millionen Einwohner, der Demografieabschnitt 111,25 Millionen. Dort wird ein jährliches Wachstum von 1,5 % angegeben; die Geburtenziffer beträgt 22,1, die Sterbeziffer 6,4 je 1000 Einwohner. 2022 lag die Geburtenzahl bei 2,9 Kindern pro Frau. Für 2050 werden über 160 Millionen Einwohner erwartet.

Die Bevölkerung konzentriert sich auf Niltal, Nildelta, Suezkanal und Küstenorte. Im Süden leben etwa 140.000 Nubier; außerdem gibt es wenige Berber in Siwa, etwa 70.000 nomadische arabische Beduinen und Bedscha-sprachige Nomaden. Amtssprache und Schriftsprache ist Arabisch. Mehrheitlich wird Ägyptisch-Arabisch gesprochen, ein neuarabischer Dialekt; Hocharabisch dient als Schriftsprache. Weitere Sprachen sind Nubisch, Siwi, Bedscha und Domari. Französisch und besonders Englisch sind als Fremdsprachen verbreitet.

Etwa 90 % der Einwohner sind sunnitische Muslime. Die bedeutendste christliche Minderheit sind die Kopten. Ihr Anteil und der aller Christen wird unterschiedlich angegeben: offizielle Angaben nennen höchstens sechs Prozent, kirchliche und andere Angaben vier bis 15 Prozent. Staatlich anerkannt sind nur Islam, Christentum und Judentum. Bahais und andere Gemeinschaften sind teilweise Unterdrückung ausgesetzt. Der Anteil Nichtreligiöser wird mit rund 3 % 2013 und rund 10 % 2019 angegeben, wobei der Begriff nicht näher abgegrenzt ist.

Schulpflicht bei kostenlosem Unterricht besteht für Sechs- bis Zwölfjährige. Auf Grundschule folgen jeweils drei Jahre Vorbereitungs- und Sekundarschule. Die mittlere Schulbesuchsdauer von Menschen über 25 Jahren stieg von 3,5 Jahren 1990 auf 7,1 Jahre 2015; 2021 lag die erwartete Schulbesuchsdauer bei 13,8 Jahren. Die Analphabetenquote betrug 2015 etwa 26 %. Große Klassen, frühe Schulabbrüche von Mädchen und ein kostspieliger privater Bildungssektor sind Probleme. Die al-Azhar-Universität ist seit 983 ein Zentrum islamischer Gelehrsamkeit.

Das Gesundheitssystem ist in Städten vergleichsweise gut ausgebaut, auf dem Land bestehen Lücken. 2021 lagen Gesundheitsausgaben bei 4,6 % des BIP. 2022 starben 18,1 von 1000 Kindern vor dem fünften Lebensjahr. Wichtige Gesundheitsprobleme sind Bilharziose sowie Hepatitis A und C.

Geschichtliche Entwicklung

Um 3000 v. Chr. entstand durch die Vereinigung von Ober- und Unterägypten unter dem legendären Pharao Menes das Alte Ägypten. Im Alten Reich (2707–2216 v. Chr.) herrschte der Pharao autokratisch über 42 Gaue. Nach Zwischenzeiten wurde das Reich im Mittleren Reich wieder vereinigt. Im Neuen Reich (1531–1075 v. Chr.) dehnte es sich zeitweise bis Nubien, Syrien und zum Euphrat aus. Echnaton erhob Aton zum alleinigen Gott, doch Tutanchamun hob diesen Monotheismus wieder auf.

525 v. Chr. eroberte das Perserreich Ägypten. 332 v. Chr. fiel es an Alexander den Großen; danach regierten die Ptolemäer fast 300 Jahre von Alexandria aus. Nach Kleopatra VII. wurde Ägypten 30 v. Chr. römische Provinz und 395 n. Chr. oströmisch-byzantinisch. Nach theologischen Konflikten entstand eine unabhängige koptische Kirche. Um 640 eroberten arabische Muslime das Niltal. Es folgten wechselnde islamische Dynastien, darunter Fatimiden, Ayyubiden und Mamluken. 1517 eroberte das Osmanische Reich Ägypten.

Napoleons Expedition 1798–1802 leitete die Konfrontation mit europäischen Mächten ein. Muhammad Ali Pascha ergriff 1805 die Macht und modernisierte das Land unter osmanischer Oberherrschaft. Der Bau des Suezkanals 1859–1869 verstärkte die Abhängigkeit von ausländischen Krediten. Großbritannien besetzte Ägypten 1882, machte es 1914 zum Protektorat; 1922 wurde es Königreich, 1936 erhielt es Souveränität.

Am 23. Juli 1952 stürzten die „Freien Offiziere“ König Faruk. Nasser prägte die Republik, verstaatlichte 1956 die Suezkanal-Gesellschaft und verlor 1967 den Sechstagekrieg gegen Israel. Sadat schloss 1979 Frieden mit Israel; er wurde 1981 ermordet. Unter Husni Mubarak bestand bis 2011 ein autoritäres System. Die Revolution 2011 führte zu Mubaraks Rücktritt. Mohammed Mursi wurde 2012 mit 51,7 % der gültigen Stimmen Präsident, aber 2013 durch das Militär abgesetzt. As-Sisi ist seit dem 8. Juni 2014 Präsident und wurde im Dezember 2023 mit knapp 89,6 % erneut bestätigt.

Politik, Rechte und Außenbeziehungen

Die Verfassung von 2014 bestimmt Ägypten als semipräsidialen Einheitsstaat und verbietet religiös begründete Parteien. Sie enthält einen erweiterten Grundrechtskatalog und garantiert die Gleichheit von Frauen und Männern, räumt dem Militär aber einen Sonderstatus ein und erlaubt Verfahren gegen Zivilpersonen vor Militärtribunalen. Der Präsident ist Oberbefehlshaber, ernennt Regierung, Gouverneure, hohe Richter und Offiziere, kann Dekrete erlassen, ein Gesetz mit Veto verhindern und das Parlament auflösen. Ägypten hat 27 Gouvernements.

Die Lage von Demokratie und Menschenrechten wird im Artikel als stark eingeschränkt beschrieben. Im Demokratieindex 2024 erhielt Ägypten 2,79 von 10 Punkten und Rang 128 von 167, also „autoritäres Regime“. Der Freedom in the World Index 2024 bewertet das Land mit 18 von 100 als „unfrei“. Amnesty International berichtet von mehreren Tausend politischen Gefangenen, Verschwindenlassen, Folter und Straflosigkeit. Kritische Journalistinnen und Journalisten riskieren Haft. Homosexualität ist illegal.

Religionsfreiheit ist theoretisch verfassungsrechtlich garantiert, praktisch jedoch eingeschränkt. Die Scharia ist seit 1980 Hauptquelle der Gesetzgebung. Kopten sind Diskriminierung und teils Gewalt ausgesetzt. Genitalverstümmelung weiblicher Personen ist verboten, dennoch hatten laut UNICEF 2015 87 % der Frauen zwischen 15 und 29 Jahren eine solche Verstümmelung erlitten.

Ägypten ist Mitglied von UN, WTO, Afrikanischer Union und Arabischer Liga. Der Friedensvertrag mit Israel besteht seit 1979. Seit 2024, nach der israelischen Übernahme der Philadelphi-Passage, stuft Ägypten Israel erstmals seit 1979 als Bedrohung statt als Partner ein. Das Militär gilt als stärkste Streitmacht Afrikas; für Männer ab 18 Jahren besteht dreijährige Wehrpflicht.

Wirtschaft, Verkehr und Kultur

Ägypten hat nach Südafrika die stärkste Industrie Afrikas, während Landwirtschaft weiterhin wichtig ist. 2023 betrug das BIP etwa 394 Milliarden US-Dollar, das BIP pro Kopf 3.744 US-Dollar; das reale Wachstum lag bei 3,8 %. Zentrale Einnahmequellen sind Tourismus, Erdöl und Erdgas, Suezkanalgebühren sowie Überweisungen von Arbeitsmigranten. Der Staat, staatliche Unternehmen und das Militär spielen eine große Rolle. Hohe Verschuldung, Inflation, Devisenmangel, Wasserknappheit, Ungleichheit und hohe Jugendarbeitslosigkeit belasten die Wirtschaft.

Landwirtschaft ist auf rund 3 % der Staatsfläche im Niltal, Delta und einigen Oasen begrenzt. Angebaut werden unter anderem Baumwolle, Zuckerrohr, Mais, Reis, Weizen, Hirse, Kartoffeln, Obst und Gemüse. Weil die Bevölkerung stark wächst und weitere Bewässerungsflächen kaum möglich sind, muss Ägypten viel Getreide importieren. Erdöl wird vor allem im Golf von Suez, in der Kattarasenke und auf dem Sinai gefördert; Erdgas dient im Inland Energieerzeugung und Düngemittelproduktion. Der Solarpark Benban wurde 2018 mit geplanter Leistung von 1800 MW in Betrieb genommen.

Der Außenhandel ist defizitär: 2023 standen Einfuhren von 83,2 Milliarden US-Dollar Ausfuhren von 42,1 Milliarden US-Dollar gegenüber, also ein Saldo von −41,1 Milliarden US-Dollar. Der Tourismus beruht besonders auf Altertümern wie Gizeh, Luxor, Tal der Könige und Abu Simbel sowie auf Bade- und Tauchorten am Roten Meer. 2010 kamen 14,7 Millionen Touristen, 2011 nach der Revolution nur 9,8 Millionen. Das Eisenbahnnetz umfasst rund 7700 km; der Suezkanal ist 162 km lang und kann Schiffe bis 240.000 DWT aufnehmen.

Die ägyptische Kultur verbindet pharaonische, hellenistische, christliche, islamische und moderne westliche Einflüsse. Kairo ist ein wichtiges Zentrum der arabischen Buch-, Film- und Medienwelt. Ägyptische Literatur, Musik, Filme und Fernsehen prägen die arabischsprachige Welt. Fußball ist Nationalsport; die Nationalmannschaft gewann die Afrikameisterschaft siebenmal. Auch Squash und Handball sind bedeutend.

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