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Grabeskirche
Als Grabeskirche oder Kirche vom heiligen Grab wird die Kirche in der Altstadt Jerusalems bezeichnet, die an der überlieferten Stelle der Kreuzigung und des …
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Bedeutung und heutige Nutzung
Die Grabeskirche, auch Kirche vom heiligen Grab genannt, steht in der Altstadt Jerusalems an der überlieferten Stelle der Kreuzigung und des Grabes Jesu. Sie gehört zu den wichtigsten Heiligtümern des Christentums. In der Westkirche ist der Name Grabeskirche üblich; orthodoxe Christen nennen sie Auferstehungskirche, weil sie besonders mit der Auferstehung Jesu verbunden ist. Das „Heilige Grab“ im Inneren der Kirche wurde an vielen Orten nachgebaut.
Die Kirche ist eine Simultankirche. Das bedeutet: Mehrere christliche Konfessionen nutzen dasselbe Kirchengebäude nach festgelegten Rechten und Zeiten. Vertreten sind vor allem das Griechisch-Orthodoxe Patriarchat von Jerusalem, die römisch-katholische Kirche durch den Franziskanerorden und die Armenische Apostolische Kirche. Außerdem haben die Syrisch-Orthodoxe Kirche von Antiochien, die Koptisch-Orthodoxe Kirche und die Äthiopisch-Orthodoxe Tewahedo-Kirche kleinere Bereiche und Aufgaben. Protestantische Kirchen sind in der Grabeskirche nicht vertreten.
Die festgelegte Besitz- und Nutzungsordnung wird Status quo genannt. Sie geht auf osmanische Regelungen zurück, besonders auf einen Ferman von 1852, und wurde auch nach 1967 von den israelischen Behörden beibehalten. Jede bauliche Veränderung kann als Eingriff in diese Ordnung gelten. Ein bekanntes Beispiel ist eine alte Holzleiter über dem Hauptportal, die seit Jahrzehnten nicht entfernt wird, weil unklar ist, wer dazu befugt wäre. Auch Gebetszeiten und Prozessionen sind genau geregelt. Wegen der Konflikte verwahrt seit Jahrhunderten die muslimische Familie Joudeh die Schlüssel; die muslimische Familie Nusseibeh öffnet und schließt die Haupttür.
Entstehung und frühe Geschichte
Das Gelände der heutigen Grabeskirche war ursprünglich ein aufgelassener Steinbruch und wurde in hellenistischer und frührömischer Zeit als Gräberfeld genutzt. Es lag zunächst außerhalb Jerusalems. Wann es in die Stadt einbezogen wurde, ist archäologisch nicht sicher, meist wird aber angenommen, dass dies erst durch die Dritte Mauer zur Zeit Herodes Agrippas I. zwischen 41 und 44 n. Chr. geschah. Daraus folgt, dass dort zur Zeit Jesu von Nazareth, der 30 oder 31 starb, Begräbnisse möglich waren.
Nach der Zerstörung Jerusalems durch Titus im Jahr 70 n. Chr. entstand später unter Kaiser Hadrian ab 132 n. Chr. die römische Stadt Colonia Aelia Capitolina. Im Bereich der späteren Grabeskirche ließ Hadrian eine Kultstätte für Aphrodite und einen Tempel der kapitolinischen Trias errichten. Einige Forschende sehen darin keinen gezielten Versuch, eine christliche Verehrung des Grabes Jesu zu verhindern, sondern eine städtebauliche Entscheidung.
Kaiser Konstantin ließ nach 326 an dieser Stelle eine große christliche Anlage errichten. Sie wurde am 13. September 335 geweiht. Die Anlage umfasste im Westen eine Rotunde um das Heilige Grab, im Osten eine große Basilika und dazwischen den Bereich des Golgota-Felsens. Der Golgota-Felsen wurde bereits in vorkonstantinischer Zeit mit der Kreuzigung Jesu verbunden; Eusebius von Caesarea erwähnt ihn als Ort, der in Aelia nördlich vom Berg Zion gezeigt wurde. Ob man beim Bau von Anfang an das Grab erwartete oder ob der Fund überraschend war, lässt sich nicht sicher beantworten.
Die Kirche wurde 614 bei der persischen Eroberung Jerusalems beschädigt; das Heilige Kreuz wurde nach Ktesiphon gebracht. 630 brachte Kaiser Herakleios es in die wiedererrichtete Grabeskirche zurück. Nach der muslimischen Eroberung Jerusalems 639 blieb die Kirche zunächst offenbar unbeschädigt. Im Jahr 1009 ließ der Fatimiden-Kalif al-Hakim die Grabeskirche zerstören; nach einer als zuverlässig geltenden Quelle geschah dies am 28. September 1009. Besonders das Felsengrab wurde damals so stark beschädigt, dass heute nur Bruchstücke des eigentlichen Grabes erhalten sind. Kaiser Konstantin IX. Monomachos förderte 1048 den Wiederaufbau, allerdings wurden Basilika, Atrium und Propyläen nicht wiederhergestellt.
Kreuzfahrerzeit und spätere Umbauten
Nach der Eroberung Jerusalems durch die Kreuzfahrer 1099 wurde der Bereich östlich der Rotunde um 1160/1170 stark umgestaltet. Die wichtigste Veränderung war, dass das bisher offene Atrium in einen spätromanischen Kirchenraum verwandelt wurde. Dadurch entstand der Raumeindruck, der den Eingang der heutigen Grabeskirche noch prägt. Die Kirche wurde nun stärker als zentrale Hauptkirche organisiert, mit Zugängen zu den ober- und unterirdischen Erinnerungsorten. Der heutige Eingang auf der Südseite stammt aus dieser Umgestaltung. Der lateinische Patriarch Fulcherius weihte die Kirche am 15. Juli 1149.
Nach der muslimischen Rückeroberung Jerusalems war die Grabeskirche vom 13. bis zum 15. Jahrhundert meist nur für die Geistlichen der verschiedenen Konfessionen zugänglich; Pilger kamen vor allem zu den Osterterminen. Das Gebäude verfiel teilweise. 1546 stürzte bei einem Erdbeben der kreuzfahrerzeitliche Glockenturm auf das griechisch-orthodoxe Baptisterium. 1555 erneuerten die Franziskaner die Heilig-Grab-Ädikula.
Im 17. Jahrhundert versuchten die in der Kirche vertretenen Konfessionen, ihre Anteile auszuweiten. Griechen, Lateiner und Armenier konnten ihre Stellung stärken; Kopten, Georgier und Äthiopier verloren Rechte oder wurden an Randbereiche verdrängt. 1720 erneuerte die franziskanische Kustodie die gefährdete Dachkonstruktion. 1808 beschädigte ein Brand große Teile der Kirche und die Heilig-Grab-Ädikula schwer. Die griechisch-orthodoxe Kirche leitete danach die Renovierung; die heutige Grabkapelle entstand im Stil des türkischen Rokoko. 1863 wurde die Holzkonstruktion der Kuppel durch eine Metallkuppel ersetzt.
Nach dem Erdbeben von 1927 sicherten die britischen Mandatsbehörden das baufällige Gebäude mit Eisengittern und Holzstützen. 1949 gab es erneut einen Brand. Ab 1960 begannen Griechen, Lateiner und Armenier unter jordanischer Verwaltung eine Gesamtrenovierung. Dabei wurden auch archäologische Untersuchungen durchgeführt und jüngere Umbauten entfernt, damit die Kreuzfahrerkirche und ältere Bauphasen besser erkennbar wurden.
Wichtige Orte im Inneren
Direkt hinter dem Eingang liegt der Salbungsstein. Nach griechisch-orthodoxer Tradition erinnert er an die Salbung des Leichnams Jesu. Die heutige Gestaltung stammt aus der Renovierung von 1809. Je nach Zählung gilt der Ort als 13. Kreuzwegstation.
Rechts des Eingangs befindet sich der Kalvarienberg oder Golgotafelsen. Seit dem 4. Jahrhundert wird hier die Stelle lokalisiert, an der Jesus zwischen zwei Räubern gekreuzigt wurde und starb. Da der heutige Felssporn für drei Kreuzigungen zu klein wirkt, nimmt man entweder an, dass der Sporn früher mit dem Steinbruchgelände verbunden und die Fläche größer war, oder dass die Lokalisierung allgemein das Steinbruchgelände meinte. Oben liegen zwei Kapellen: eine römisch-katholische Kapelle mit dem Kreuzannagelungsaltar, der mit der 10. und 11. Kreuzwegstation verbunden ist, und eine griechisch-orthodoxe Kapelle mit dem Kreuzigungsaltar, der als 12. Station gilt. Unterhalb liegt die Adamskapelle. Dort soll nach einer Tradition der Schädel Adams gelegen haben; eine Legende besagt, das Blut Jesu sei durch Felsritzen auf ihn geflossen und habe Adam von der Erbsünde befreit.
Im Zentrum der Kirche liegt das Katholikon, der Gottesdienstraum der griechisch-orthodoxen Kirche. In seiner Mitte bezeichnet ein schalenähnlicher Stein den Omphalos, den „Nabel der Welt“. Die Vorstellung, der Golgatafelsen sei die Mitte der Welt, ist bereits bei Kyrill von Jerusalem im 4. Jahrhundert belegt. Über der Vierung erhebt sich eine Kuppel, die nach dem Erdbeben von 1927 erneuert wurde; die Mosaiken mit Christus als Pantokrator, Maria und ostkirchlichen Heiligen stammen von 1994.
Weitere wichtige Räume sind die Helenakapelle, von den Armeniern Grigor-Kapelle genannt, die Kreuzauffindungskapelle und die Sankt-Vartan-Kapelle. Die Helenakapelle ist eine Unterkirche aus der Kreuzfahrerzeit und seit dem späten 15. Jahrhundert als armenischer Besitz bezeugt. Die Kreuzauffindungskapelle war ursprünglich eine römische Zisterne und wurde im 11. Jahrhundert zur Kapelle umgestaltet. In der Sankt-Vartan-Kapelle befinden sich mutmaßliche Reste einer hadrianischen Stützmauer und ein Graffito mit einem spätrömischen Handelsschiff und der Inschrift „Herr, wir haben uns auf den Weg gemacht“.
Heiliges Grab und Restaurierung
Das Zentrum der Kirche ist die Heilig-Grab-Ädikula in der Rotunde. Sie wird seit dem 4. Jahrhundert als Ort der Auferstehung Christi verehrt. In der orthodoxen Osternacht findet dort das Ritual des Heiligen Feuers statt. Für Lateiner ist die Kapelle die 14. Station des Kreuzwegs.
Die heutige Grabkapelle ist größtenteils ein Neubau von 1809 nach dem Brand von 1808. Sie steht im Zentrum der großen Rotunde unter der Kuppel. Später zeigten Risse und Schäden, dass die Konstruktion gefährdet war: Die Marmorplatten waren zu schwer und der Mörtel unzureichend. Nach dem Erdbeben von Jericho 1927 war die Kapelle einsturzgefährdet. 1947 erhielt sie zur Sicherung ein Stahlkorsett.
Im März 2016 einigten sich der griechisch-orthodoxe Patriarch Theophilos III., der armenische Patriarch Nourhan Manougian und für die römisch-katholische Kirche der Kustos des Heiligen Landes, Pierbattista Pizzaballa OFM, auf eine Instandsetzung. Ab Mai 2016 restaurierte ein Team der Nationalen Technischen Universität Athen unter Leitung von Antonia Moropoulou die Ädikula. Steine wurden ausgebessert oder ersetzt, die Kapelle wurde originalgetreu und erdbebensicher wieder aufgebaut. Die Kosten wurden auf drei Millionen Euro veranschlagt. Am 26. Oktober 2016 wurde die Marmorplatte über der Grabbank für 60 Stunden entfernt, damit die ursprüngliche Felsoberfläche untersucht werden konnte. Während der Arbeiten blieb der Zugang für Gläubige erhalten.
Bei der Restaurierung wurde außerdem ein verglastes Fenster in die Marmorverkleidung der Grabkammer geschnitten. Es zeigt Reste der Felswand und bestätigt, dass es sich um ein Einzelgrab handelt. Das passt zur Aussage im Johannesevangelium, Jesus sei in ein neues Grab gelegt worden, in dem noch niemand gelegen hatte. Am 22. März 2017 wurde die restaurierte Grabkapelle in einer ökumenischen Feier eingeweiht. Dabei beteten erstmals alle Konfessionen der Grabeskirche gemeinsam; die Beteiligten deuteten dies als Zeichen einer neuen ökumenischen Zusammenarbeit.
Äußeres, Orgeln und andere Graborte
Von außen ist die Grabeskirche fast vollständig umbaut; nur im Süden liegt ein Vorplatz mit dem einzigen öffentlichen Zugang. Die Fassade ist spätromanisch-frühgotisch und zweigeschossig. Das Doppelportal besitzt Spitzbögen, Rankenfriese und Pflanzenkapitelle. Die frühgotischen Türsturzreliefs wurden 1929 aus Schutzgründen entfernt und befinden sich im Rockefeller-Museum. Der rechte Türsturz zeigt Rankenwerk mit Menschen, Tieren und mythologischen Wesen; der linke zeigt Szenen der Passionsgeschichte wie die Auferweckung des Lazarus, die Salbung in Betanien, den Einzug Jesu in Jerusalem und das letzte Abendmahl. Seit 1995 ist geplant, Kopien am Portal anzubringen, doch fehlt wegen des Status quo der nötige Konsens.
Die Grabeskirche besitzt drei Orgeln, die nur für die Liturgie der Franziskaner verwendet werden. Alle stammen von Rieger Orgelbau aus Schwarzach in Vorarlberg. Die Hauptorgel wurde 1981/82 gebaut, hat 39 Register auf zwei Manualen und Pedal und wurde am 29. April 1982 von Kardinal König geweiht. Die Magdalenen-Orgel von 2014 hat 15 Register. Die Golgota-Orgel wurde am 21. Oktober 2016 eingeweiht, besitzt 5 Register mit 270 Pfeifen und ersetzte eine kleinere Orgel aus den 1970er Jahren.
Die Tradition, dass sich das Grab Jesu in der konstantinischen Anastasis befindet, ist seit dem 4. Jahrhundert sicher bezeugt. Daneben gibt es andere vorgeschlagene Orte, jedoch ohne eine bis in die Antike zurückreichende Jesusgrab-Tradition. Dazu gehören das Gartengrab nördlich des Damaskustores, das erst seit Charles George Gordon in den 1880er Jahren mit Jesus verbunden wurde, und das 1980 entdeckte Talpiot-Grab in West-Jerusalem. Beim Talpiot-Grab sind wichtige Deutungen unsicher, besonders die Gleichsetzung einer Inschrift mit Maria Magdalena. Außerhalb des jüdisch-christlichen Zusammenhangs werden auch Roza Bal in Srinagar und ein „Jesusgrab“ im japanischen Shingō als Jesusgräber verehrt.