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Tora

Die 5. Ordnung der Mischna (Kodaschim, „Heiliges“) ist weithin ein Kommentar zu den kultischen Vorschriften der Tora, aber mit Ausnahme der Traktate Tamid und …

Inhalt5 Abschnitte
  1. 1. Begriff, Aufbau und Buchnamen
  2. 2. Inhalte und erzählerischer Zusammenhang
  3. 3. Torarolle, mündliche Tora und Auslegung
  4. 4. Tora in Judentum, Christentum und Islam
  5. 5. Entstehung und Forschung

Begriff, Aufbau und Buchnamen

Die Tora ist der erste Teil des Tanach, der hebräischen Bibel. Im engeren Sinn bezeichnet der Begriff die fünf Bücher Mose. Deshalb heißt sie im Judentum auch chamischa chumsche tora, „die fünf Fünftel der Tora“. Die griechische Bezeichnung Pentateuch bedeutet „Fünfbuch“ und ist in der Wissenschaft üblich. In vielen evangelischen deutschen Bibelübersetzungen heißt die Schriftengruppe „die fünf Bücher Mose“.

Das hebräische Wort tôrāh hängt mit einer Wurzel zusammen, die „lehren“ oder „unterweisen“ bedeutet. Daher wird Tora teilweise mit „Weisung“ übersetzt. Die Septuaginta, die antike jüdische Übersetzung ins Griechische, verwendete nómos, „Gesetz“; dieser Tradition folgt auch die Lutherbibel. In einer weiteren Bedeutung kann „Tora“ den gesamten Tanach bezeichnen, also neben den fünf Büchern auch Prophetenbücher und Schriften.

Die fünf Bücher heißen auf Hebräisch nach ihren ersten Worten: Bereschit („Im Anfang“, Genesis), Schemot („Namen“, Exodus), Wajikra („Und er rief“, Levitikus), Bemidbar („In der Wüste“, Numeri) und Devarim („Worte“, Deuteronomium). Die griechisch-lateinischen Namen beziehen sich auf zentrale Themen: Genesis bedeutet „Entstehung“, Exodus „Auszug“, Levitikus „Levitisches“, Numeri „Zahlen“ und Deuteronomium „Wiederholung des Gesetzes“. Die Einteilung in fünf Bücher hängt mit der begrenzten Größe antiker Rollen zusammen, folgt aber auch inhaltlichen Kriterien. Genesis ist beispielsweise mehr als doppelt so lang wie Levitikus.

Inhalte und erzählerischer Zusammenhang

Die Tora verbindet große Erzählungen mit religiösen, rechtlichen und kultischen Weisungen. Ihr Handlungsbogen reicht von der Schöpfung bis an die Schwelle zur Landnahme Israels.

  • Genesis erzählt zunächst die Schöpfung und die Urzeit (Kapitel 1–11). Danach folgen die Wanderungen der Erzeltern Abraham und Sara, Isaak und Rebekka sowie Jakob mit Lea und Rahel. Die Josefsgeschichte (37–50) führt Jakobs Familie nach Ägypten.

  • Exodus beschreibt, wie aus Jakobs Familie das Volk Israel wird. Mose wird geboren und führt die Israeliten mit göttlicher Hilfe aus der ägyptischen Sklaverei in die Freiheit (Kapitel 1–15). Am Sinai empfängt das Volk umfangreiche Weisungen, besonders die Zehn Gebote (Ex 20,2–17), das Bundesbuch sowie Vorschriften für das transportable Heiligtum Mischkan und dessen Kultpersonal, die Kohanim.

  • Levitikus ist vor allem von kultischen Vorschriften geprägt: der Opfer-Tora (1–7), der Reinheits-Tora (11–15), dem Ritual des Versöhnungstags (Kapitel 16) und dem Heiligkeitsgesetz (17–26). Ein Kapitel über Gelübde und Zehnt schließt das Buch ab.

  • Numeri berichtet ab Kapitel 10 vom Aufbruch vom Sinai, von der Wüstenwanderung und ersten kriegerischen Aktionen im Ostjordanland. Diese Erzählungen sind mit weiteren kultischen und rechtlichen Weisungen verbunden.

  • Deuteronomium enthält die Abschiedsreden des Mose. Ein zentraler juristischer Teil (12–26) wird von einer Predigt eingerahmt, in der Mose zur Befolgung der Gebote auffordert. In diesem Rahmen werden die Zehn Gebote wiederholt und das Schma Jisrael überliefert.

Typisch für den Pentateuch ist die enge Verbindung von Handlung und Weisung. So folgt auf die Fluterzählung die Weisung an Noach, kein Blut zu genießen (Gen 9 ff.), und auf die Abrahamerzählung das Gebot der Knabenbeschneidung (Gen 17,10 ff.). Der Pentateuch führt die Landnahme nicht selbst aus; dieser Erzählbogen wird im Buch Josua fortgesetzt. Auch spätere Geschichten greifen auf die Tora zurück, etwa die Erzählung vom Goldenen Kalb auf die „Sünde Jerobeams“ und die Elija-Erzählung am Horeb auf die Sinaioffenbarung.

Torarolle, mündliche Tora und Auslegung

Tora bezeichnet auch die handgeschriebene Torarolle. Sie besteht aus Pergament und enthält den unvokalisierten hebräischen Text der fünf Bücher Mose. Im Gottesdienst wird daraus kantilliert, also nach vorgeschriebenen Teamim melodisch vorgetragen. Die Parascha-Abschnitte werden über ein Jahr verteilt gelesen; an Simchat Tora folgt auf die Lesung des letzten Abschnitts des Deuteronomiums die Schöpfungsgeschichte aus Genesis.

Eine Gottesdienstrolle muss von einem speziell ausgebildeten Schreiber, dem Sofer, von Hand geschrieben werden. Das dauert etwa ein Jahr. Die Rolle wird im Toraschrein, dem Aron ha-Kodesch, aufbewahrt und mit Rimonim, Toraschild, Torawimpel, Toramantel und Torazeiger geschmückt. Bei der Lesung wird das Pergament möglichst nicht berührt; ein Zeigestab schützt die Schrift. Toralesungen finden montags, donnerstags, an Schabbatot und Feiertagen statt und setzen einen Minjan von mindestens zehn religiös mündigen Juden voraus. Beschädigte Rollen werden in einer Geniza aufbewahrt oder auf einem jüdischen Friedhof begraben.

Die Forschung unterscheidet vier historische Texttraditionen der Torarollen: die aschkenasische, sefardische, nahöstliche und jemenitische. Sie unterschieden sich unter anderem bei Schreibmaterial und Buchstabenformen. Die älteste vollständig erhaltene Torarolle wurde zwischen 1155 und 1255 geschrieben, vermutlich im Vorderen Orient, in Bologna verwendet und wird heute dort in der Universitätsbibliothek aufbewahrt. Eine Torarolle kann bei guter Aufbewahrung mehrere hundert Jahre rituell brauchbar bleiben. Nach den Angaben des Artikels enthält die Tora 304.805 Buchstaben, 79.976 Wörter und 5.844 Verse; mit Zahlenwerten befasst sich die Gematrie. Weltweit wurde sie seit 1815 rund 2,5 Milliarden Mal gedruckt.

Die mündliche Tora ist ein Grundkonzept des rabbinischen Judentums. Danach gehörte zur Offenbarung am Sinai neben der schriftlichen Tora auch ihre mündliche Auslegung, durch die sie auf neue Lebenssituationen angewendet werden kann. In der Halacha lassen sich Gebote unterscheiden, die aus dem Tanach abgeleitet sind, unabhängig von der Bibel bestehen oder erst nachträglich biblisch begründet wurden. Um etwa 200 n. Chr. wurde das bis dahin entwickelte Religionsgesetz in sechs Ordnungen gesammelt und in der Mischna schriftlich fixiert. Sie wurde in der Gemara diskutiert und erklärt; Mischna und Gemara zusammen bilden den Talmud. Es gibt einen Babylonischen und einen Jerusalemer Talmud, wobei die Gemara bis zum 6. Jahrhundert schriftlich fixiert wurde. Die klassische Vorstellung von 613 Mitzwot umfasst 365 Verbote und 248 positive Gebote; eine entsprechende Liste entstand erstmals im Halachot Gedolot des 9. Jahrhunderts.

Im orthodoxen Verständnis besitzt die Tora eine offenbarte Dimension, den „Körper“ beziehungsweise Nigleh, und eine verborgene, mystische Dimension, die „Seele“ beziehungsweise Nistar. Vier Bedeutungsebenen werden unterschieden: Peschat ist die wörtliche Bedeutung, Remes sind Hinweise und indirekte Bezüge, Drasch ist die abstrakte oder auslegende Bedeutung, und Sod bezeichnet die mystische Ebene. Auch innerhalb dieser Ebenen gibt es unterschiedliche jüdische Auslegungen.

Tora in Judentum, Christentum und Islam

Im Judentum ist die herausragende Bedeutung der Tora unstrittig, weil sie die Grundlage der halachischen Auslegung bildet. In der rabbinischen Tradition stand jedoch häufig nicht die unmittelbare Textauslegung, sondern die religionsgesetzliche Diskussion im Mittelpunkt. Der Torakommentar Raschis (1040–1105), der meist von der einfachen, wörtlichen Bedeutung, dem Peschat, ausgeht, ist bis heute für das Torastudium wichtig.

Das orthodoxe Judentum versteht die Tora grundsätzlich als göttliche Offenbarung. Eine Richtung betont, dass Gott sie Mose am Sinai selbst gegeben habe; mögliche Schreibfehler bei der Überlieferung änderten daran nichts. Eine andere Richtung, etwa Jeschajahu Leibowitz, versteht die mündliche Tora als menschliches Produkt, das zugleich als verpflichtende göttliche Tora angenommen wird. Daraus folgt die Aufgabe, halachische Fragen der modernen Welt weiterzuentwickeln.

Das liberale Judentum sieht die Tora als fortschreitenden Dialog des jüdischen Volkes mit Gott. Menschen wie Gesetzgeber, Propheten, Historiker und Poeten haben dieses Erbe gestaltet; jede Generation kann zur Entfaltung der Tora beitragen. Gewissen, Vernunft, ethische Überlegungen sowie Erkenntnisse der Natur-, Geistes- und Sozialwissenschaften beeinflussen die heutige Auslegung. Die Pittsburgh Platform von 1885 unterschied zwischen zeitübergreifend bedeutsamen Moralgesetzen und zeitbedingten Regeln, etwa Speisegeboten, priesterlicher Reinheit und Kleidervorschriften. Die Befolgung der Mitzwot wird in die verantwortliche Entscheidung des Einzelnen gestellt.

Im Christentum eröffnet der Pentateuch das Alte Testament. Anders als im Tanach wird die Tora meist zusammen mit weiteren Büchern als Teil der Geschichtsbücher geordnet. Dadurch werden die fünf Bücher Mose stärker als Geschichtserzählung gelesen; im Vordergrund stehen Verheißungen, besonders die Abraham-Verheißung, und Gottes Handeln in der Geschichte. Frühchristliche Theologie stellte dem Gesetz, verstanden als Tora und jüdische Tradition, die Gnade gegenüber. Daraus entstanden Vorstellungen vom Judentum als einer Religion des Legalismus, Formalismus oder einer „Lohnmoral“. Heute wird dieses frühere Zerrbild vom Mosegesetz in der christlichen Theologie weithin kritisiert. Ed Parish Sanders verband erneut Erwählung und Gesetz: Der Bund geht von Gott aus, verlangt Gehorsam, erlaubt aber auch bei Übertretungen den Verbleib im Bund durch Sühnemittel der Tora.

Der Islam betrachtet Judentum und Christentum als Religionen mit einem Anteil an göttlicher Offenbarung. Der Qurʾān erwähnt die Tora, arabisch taurāh, und greift einzelne ihrer Bestimmungen auf. So wird das Prinzip „Auge um Auge“ genannt, zugleich aber der Verzicht darauf als Sühne dargestellt (Sure 5:45). Nach geläufiger muslimischer Auffassung wird außerdem das Auftreten Mohammeds in der Tora angekündigt, insbesondere in Bezug auf 5 Mos 18,18. Nach islamischer Sicht sind die ursprünglichen Texte von Tora und Evangelium verloren oder verfälscht; Ähnlichkeiten mit dem Qurʾān erklären sich dadurch, dass in ihnen dennoch Elemente der ursprünglichen göttlichen Offenbarung erhalten seien.

Entstehung und Forschung

Traditionell schreiben der jüdische Talmud und das christliche Neue Testament die fünf Bücher Mose zu. Das Buch Deuteronomium endet jedoch mit dem Tod des Mose (Dtn 34); nach talmudischer Auffassung schrieb diesen Abschnitt sein Nachfolger Josua. Orthodoxes Judentum sowie teilweise evangelikale und fundamentalistische Christen vertreten die mosaische Autorschaft weiterhin.

Zweifel daran gab es bereits im Mittelalter. Ibn Esra verwies unter anderem darauf, dass Gen 12,6 „damals noch die Kanaaniter im Land waren“ aus einer Zeit nach der Ansiedlung Israels stammen müsse. Auch die Reden des Deuteronomiums seien zunächst mündlich gehalten worden. Im 16. Jahrhundert sahen Reformatoren wie Andreas Bodenstein Esra, etwa 440 v. Chr., als Redaktor älterer Tora-Teile. Thomas Hobbes sammelte weitere Beobachtungen; Baruch de Spinoza leitete im 17. Jahrhundert daraus die historische Pentateuchkritik ein.

Die historisch-kritische Forschung entdeckte Dopplungen und Spannungen: zwei Schöpfungsberichte in Genesis 1 und 2, zwei Fluterzählungen, mehrfache Rettungserzählungen um Sara beziehungsweise Rebekka sowie mehrere Erklärungen für das Heiligtum in Bet-El. Hinzu kommen wechselnde Gottesbezeichnungen, nämlich Elohim und JHWH, sowie der Wechsel zwischen Sinai und Horeb.

Die Ältere Urkundenhypothese nahm mehrere durchlaufende Quellenschriften an. Die Fragmentenhypothese erklärte den Pentateuch durch zahlreiche selbstständige Erzählkränze, die später verbunden wurden. Die Ergänzungshypothese kombinierte beide Ansätze und nahm eine elohistische Grundschrift an, in die ein jehowistischer Redaktor einzelne Erzählkränze einarbeitete.

Die besonders einflussreiche Neuere Urkundenhypothese beziehungsweise Vierquellentheorie unterschied bei Julius Wellhausen vier Quellen: den Jahwisten (J), etwa 950 v. Chr.; den Elohisten (E), etwa 800 v. Chr.; das Urdeuteronomium (D) aus dem 7. Jahrhundert v. Chr.; und die Priesterschrift (P), etwa 550 v. Chr. Nach diesem Modell wurden die Quellen schrittweise verbunden. Martin Noth verlieh der Theorie mit seinen Überlieferungsgeschichtlichen Studien von 1948 lange Geltung.

Seit den 1970er Jahren werden J und E zunehmend nicht mehr als eigenständige Quellen angesehen, weil ihnen ein sinnvoller Anfang, ein sinnvolles Ende, ein durchgehender Erzählfaden und eine Gesamtkonzeption fehlen. Die Priesterschrift gilt vielfach als einzige wirkliche Quelle mit durchgehendem Erzählbogen. Das Deuteronomium bleibt eine Größe sui generis; umstritten ist, ob es den Abschluss des Pentateuch oder den Beginn des Deuteronomistischen Geschichtswerks bildet. Mose wird häufig als redaktionelles Konstrukt verstanden, das ursprünglich selbstständige Traditionskomplexe verbindet. Die Josefsgeschichte gilt heute überwiegend als literarische Einheit mit Spuren späteren Wachstums.

Das Münsteraner Pentateuchmodell von Erich Zenger unterscheidet drei Quellenschriften: JG, nichtpriesterliche Texte von etwa 700 v. Chr.; D, deuteronomistische Texte vor 567 v. Chr.; und P, priesterliche Texte nach 520 v. Chr. Die endgültige Redaktion wird auf spätestens 400 v. Chr. geschätzt, doch ist dieses Modell kein Forschungskonsens. Die älteste erhaltene Pentateuchhandschrift, 4Q17, stammt aus der Mitte des 3. Jahrhunderts v. Chr. und zeigt harmonisierende Bearbeitungen. Daraus wird geschlossen, dass der Pentateuch spätestens Mitte des 4. Jahrhunderts v. Chr. bereits in einer längeren Texttradition vorlag. Die Genesis wurde im 3. Jahrhundert v. Chr. wahrscheinlich in Alexandria ins Griechische übersetzt; Exodus war vor 210 v. Chr. abgeschlossen. Die Übersetzungen von Levitikus, Numeri und Deuteronomium weisen jeweils eigene sprachliche Besonderheiten auf.

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