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Internationales Phonetisches Alphabet

Das Internationale Phonetische Alphabet (kurz IPA) ist ein phonetisches Alphabet und somit eine Sammlung von Zeichen, mit deren Hilfe die Laute aller …

Inhalt6 Abschnitte
  1. 1. Grundidee und Bedeutung
  2. 2. Entstehung und Entwicklung
  3. 3. Zeichen und Lautzuordnung
  4. 4. Vokale und Konsonanten
  5. 5. Zusatzzeichen, Betonung und Intonation
  6. 6. Andere Notationssysteme

Grundidee und Bedeutung

Das Internationale Phonetische Alphabet, kurz IPA, ist ein phonetisches Alphabet: Es ist eine Sammlung von Zeichen, mit denen die Laute aller menschlichen Sprachen nahezu genau beschrieben und notiert werden können. Es wurde von der International Phonetic Association entwickelt, erschien in einem ersten Entwurf 1888 und ist heute die am weitesten verbreitete Lautschrift.

Das IPA ist wichtig, weil es Aussprache unabhängig von der normalen Rechtschreibung darstellt. In Wörterbüchern und Lexika erleichtert es die genaue Angabe, wie Wörter gesprochen werden. Dabei ist Vorsicht nötig: Manche Sprachen haben eine allgemein akzeptierte Standardaussprache, etwa das Französische, andere nicht. Außerdem kann die tatsächlich übliche Aussprache von einer amtlich festgelegten Aussprache abweichen. Auch kann die erlaubte Aussprachebreite innerhalb einer Sprache größer sein als der Unterschied zwischen ähnlichen IPA-Zeichen.

In Wörterbüchern wird oft ein vereinfachter Zeichensatz verwendet, damit Leser ohne Vorkenntnisse nicht überfordert werden. Dadurch gehen feine Unterschiede verloren. Beispiele aus dem Artikel sind Cassell’s German Dictionary, das verschiedene Aussprachen des deutschen r und Unterschiede zwischen kurzen und langen Vokalen nicht trennt, sowie die traditionelle Wiedergabe von englisch no als [noʊ], obwohl im Britischen tatsächlich [nəʊ] gesagt wird.

Entstehung und Entwicklung

Vor dem IPA gab es viele Versuche, ein universales phonetisches Alphabet zu schaffen. Genannt werden unter anderem John Wilkins 1668, Francis Lodwick 1686, Charles de Brosses 1765, William Jones 1788, William Thornton 1793, John Pickering 1818, Constantin François Volney 1795, Isaac Pitman 1837 und 1842 sowie Alexander John Ellis 1845, 1847 und 1848. Auch Arbeiten von Samuel Haldeman, Karl Moritz Rapp, Ernst Brücke, Carl Merkel, Moritz Thausing und Félix du Bois-Reymond gehören zu den Vorläufern.

Ein wichtiger Meilenstein war Karl Richard Lepsius. Er schlug 1852 im Auftrag der Church Missionary Society ein Alphabet vor, mit dem alle Sprachen der Welt, besonders afrikanische Sprachen ohne eigenes Schriftsystem, geschrieben werden sollten. Sein „Standardalphabet“ wurde später angepasst und weiterverwendet, unter anderem von Carl Meinhof, Karl Endemann und Wilhelm Schmidt.

1867 veröffentlichte Alexander Melville Bell Visible Speech, ein abstraktes, ikonisches Lautschriftsystem. 1877 legte Henry Sweet ein Handbook of Phonetics vor, in dem er wieder ein System auf Grundlage des lateinischen Alphabets vorschlug.

Der französische Linguist Paul Passy initiierte die Entwicklung des Internationalen Phonetischen Alphabets. Die Entwürfe wurden 1888 veröffentlicht. Passy war von 1886 bis 1888 erster Präsident der International Phonetic Association, damals noch Dhi Fonètik Tîtcerz' Asóciécon FTA. Eine größere Überarbeitung erfolgte 1989 auf der International Phonetic Association Kiel Convention. Kleinere Revisionen fanden 1993 und 1996 statt.

Zeichen und Lautzuordnung

Die IPA-Zeichentabelle nutzt unter anderem Buchstaben des lateinischen Schriftsystems und des griechischen Alphabets, teils in veränderter Form. Jedes Zeichen bezeichnet entweder einen Laut oder beschreibt einen bereits angegebenen Laut genauer. Gemeint sind Laute, die in irgendeiner Sprache der Welt Wörter voneinander unterscheiden können.

Das IPA ist sprachenübergreifend. Deshalb entspricht die IPA-Bedeutung eines Zeichens nicht immer seiner Bedeutung in einer bestimmten Rechtschreibung. Das Zeichen [ç] steht im IPA für den Laut der Buchstabenfolge ch im deutschen Wort „ich“, obwohl dieses Zeichen in der deutschen Orthographie nicht vorkommt. Im Französischen dagegen gibt es in der Rechtschreibung das Zeichen „ç“ für ein stimmloses „s“, doch für die IPA-Wiedergabe des Französischen wird [ç] dafür nicht benötigt.

Die Sonderzeichen des IPA wurden in Unicode im Bereich von U+0250 bis U+02AF aufgenommen. Unicode ist ein internationaler Standard, der Schriftzeichen digitale Nummern zuordnet.

Vokale und Konsonanten

Das IPA unterscheidet grundlegend zwischen Vokalen und Konsonanten. Vokale werden nach drei Merkmalen beschrieben: Höhe, Stellung und Rundung. Höhe meint zum Beispiel hoch, mittel oder tief. Stellung meint vorne, Mitte oder hinten im Mundraum. Rundung unterscheidet ungerundete und gerundete Vokale. In den IPA-Vokaltabellen steht bei Symbolpaaren das linke Symbol für den ungerundeten, das rechte für den gerundeten Vokal.

Konsonanten werden nach Stimmhaftigkeit, Artikulationsort und Artikulationsart beschrieben. Stimmhaftigkeit unterscheidet stimmhaft und stimmlos. Der Artikulationsort beschreibt, wo der Laut gebildet wird, etwa bilabial, labio-dental, dental-alveolar, velar oder glottal. Die Artikulationsart beschreibt, wie der Laut gebildet wird, zum Beispiel nasal, plosiv oder frikativ.

Bei den Konsonanten unterscheidet das IPA auch verschiedene Luftstrommechanismen. Pulmonale Konsonanten entstehen mit ausströmender Atemluft aus der Lunge, also pulmonal-egressiv; dazu zählen die meisten Konsonanten. Ejektive und Implosive werden dagegen durch Bewegungen des Kehlkopfs erzeugt: Bei Ejektiven bewegt sich der Kehlkopf nach oben, sodass Luft ausströmt; bei Implosiven bewegt er sich nach unten, sodass Luft einströmt. Schnalzlaute, auch Klicks genannt, entstehen durch einen abgeschlossenen Hohlraum zwischen Zunge und Gaumensegel; beim Öffnen strömt Luft hinein und ein Laut wird erzeugt.

In der Tabelle der pulmonalen Konsonanten steht gegebenenfalls links der stimmlose und rechts der stimmhafte Konsonant. Dunkel hinterlegte Felder bezeichnen physiologisch unmögliche Artikulationen, etwa einen glottalen Nasal, weil bei einem Verschluss der Stimmlippen keine Luft durch die Nase ausströmen kann.

Zusatzzeichen, Betonung und Intonation

Neben den Grundzeichen verwendet das IPA weitere Symbole und Diakritika. Diakritika sind Zusatzzeichen, die ein IPA-Zeichen genauer bestimmen. Sie können zum Beispiel anzeigen, dass ein Laut stimmlos, stimmhaft, aspiriert, stärker oder weniger gerundet, weiter vorne oder hinten, zentralisiert, dental, apikal, laminal, nasaliert, labialisiert, palatalisiert, velarisiert, pharyngalisiert, glottalisiert, silbisch oder nichtsilbisch gesprochen wird.

Die IPA legt nicht vollständig fest, ob Zeichen mit Diakritika immer genau denselben Laut bezeichnen wie ein eigenes Zeichen derselben Artikulationsart und desselben Artikulationsortes. Das Handbuch der International Phonetic Association nennt als strittige Beispiele [k̬] und [g] sowie [s] und [z̥]. Dabei können neben der Stimmbandvibration auch andere Unterschiede wie Gespanntheit gegenüber Ungespanntheit beteiligt sein.

Suprasegmentale Zeichen beschreiben Eigenschaften, die über einzelne Laute hinausgehen. Betonungszeichen stehen vor der Silbe, auf die sie sich beziehen; Längenzeichen stehen danach. Beispiele sind ˈ für Hauptbetonung, ˌ für Nebenbetonung, ː für lang, ˑ für halblang, ˘ für extrakurz, . für Silbengrenze und Zeichen für Intonationsgruppen. Beispiele im Artikel sind April [aˈpʁɪl], Backe [ˈbakə], Lack [lak] und lag [laːk].

Für Töne und Intonation gibt es Zeichen für besonders hoch, hoch, mittel, niedrig und besonders niedrig sowie für steigende und fallende Verläufe. Unicode hat jedoch keine eigenen Zeichen für die meisten Konturtöne. Daher werden oft Folgen von Registerton-Zeichen verwendet, oder, weil viele Schriftarten das nicht gut darstellen, ältere hochgestellte Zahlen von „1“ bis „5“. Die Bedeutung dieser Zahlen hängt von lokalen linguistischen Traditionen ab: Bei asiatischen Sprachen steht „5“ für den höchsten Ton und „1“ für den tiefsten, bei afrikanischen Sprachen umgekehrt.

Andere Notationssysteme

Das IPA ist nicht das einzige System zur Notation von Sprachlauten. Karl Richard Lepsius veröffentlichte bereits 1855 sein Standardalphabet „zur Darstellung ungeschriebener Sprachen und fremder Zeichensysteme in einer einheitlichen Orthographie in europäischen Buchstaben“, das 1863 überarbeitet auch auf Englisch erschien. Einige seiner Zeichen gingen in das IPA ein.

Alexander Melville Bell stellte 1867 mit Visible Speech eine ikonische Notation vor, bei der Merkmale eines Lautes, etwa die Rundung der Lippen, im Zeichen selbst dargestellt werden. Weitere analphabetische Notationsversuche stammen von Otto Jespersen 1889 und Kenneth L. Pike 1943. Solche Systeme können Lautnuancen sehr fein kodieren, weil einzelne Stellungen der Sprechwerkzeuge unabhängig voneinander angegeben werden.

Heute wird in der deutschen und romanistischen Dialektologie teilweise noch die Teuthonista-Transkription verwendet. Sie wurde 1924/25 von Hermann Teuchert vorgestellt und baut im Wesentlichen auf dem lateinischen Alphabet auf. Die Teuthonista- und die Böhmer-Ascoli-Transkription sind heute weitgehend zusammengefallen. In Italien entwickelte Luciano Canepari auf Grundlage der IPA eine eigene Lautschrift mit deutlich mehr Zeichen, auch für Intonationsmuster; sie fand jedoch kaum Verbreitung.

Für Sprachtechnologie und Internet entstanden in den 1980er Jahren SAMPA und X-SAMPA. SAMPA war für 7 europäische Sprachen gedacht, X-SAMPA als Erweiterung für das vollständige IPA. Beide schreiben IPA-Zeichen im ASCII-Code. Sie dienen dem Austausch phonetischer Daten, der maschinellen Verarbeitung in automatischer Spracherkennung und Sprachsynthese, der Überprüfung und Redaktion phonetischer Daten sowie der tastaturfreundlichen Eingabe. Für allgemeine Veröffentlichungen, auch im Internet, sind standardisierte Unicode-Zeichensätze besser geeignet. In den frühen 1990er Jahren entstand außerdem das ähnliche Kirshenbaum-Alphabet, das sich nicht durchsetzen konnte; in den USA werden in der Sprachtechnologie für Englisch häufig Klattbet oder Arpabet verwendet.

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