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Genesis (Bibel)
Die Genesis hat drei Hauptteile: Die Urgeschichte (Kapitel 1–11), die Erzelternerzählungen (Kapitel 12–36) und die Josefsgeschichte (Kapitel 37–50). Von manchen …
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Stellung, Name und Aufbau
Genesis (Gen) ist das erste Buch der Tora beziehungsweise des Pentateuch und eröffnet sowohl den jüdischen Tanach als auch das christliche Alte Testament. Der hebräische Name Bereschit bedeutet „Im Anfang“ und ist nach dem ersten Wort des Textes gebildet. Die griechische Übersetzung gab dem Buch im 3. Jahrhundert v. Chr. den Titel Génesis, „Entstehung, Ursprung (der Welt)“; daraus wurde lateinisch Genesis. In protestantischen Bibeln heißt es meist Erstes Buch Mose.
Das Buch umfasst drei Hauptteile: die Urgeschichte (Kapitel 1–11), die Erzelternerzählungen (Kapitel 12–36) und die Josefsgeschichte (Kapitel 37–50). Manche Kommentare rechnen die Josefsgeschichte zu den Erzelternerzählungen. Innerhalb des Pentateuch erzählt Genesis die Vorgeschichte zum Auszug Israels aus Ägypten. Sie handelt von den Anfängen der Welt, der menschlichen Kultur und Israels als Nachkommenschaft Abrahams und Saras. Gott verheißt Abraham Nachkommenschaft und Land in Kanaan; im Pentateuch erfüllt sich die Verheißung der Nachkommenschaft, der Landbesitz bleibt jedoch weitgehend uneingelöst. Gen 15,12–16 kündigt als Verbindung zum Exodus an, dass Abrahams Nachkommen in Ägypten versklavt, aber wieder befreit werden.
Urgeschichte: Schöpfung, Flut und Menschheit
Die Urgeschichte ist keine Geschichtsschreibung, sondern eine Folge von Erzählungen über grundlegende Zusammenhänge und die Bedeutung menschlichen Daseins. Sie reicht von der Schöpfung über Paradies, Sündenfall, Kain und Abel und die Sintflut bis zur Völkertafel und zum Turmbau zu Babel. Genealogien, auf Hebräisch Toledot, strukturieren diesen Teil: Sie führen von Himmel und Erde über Adam und Noach zu Sem und schließlich Terach, dem Vater Abrams.
Nach der Sintflut schließt Gott mit Noach und seiner Familie einen Bund. Obwohl das menschliche Planen böse ist, segnet Gott die Menschen und sichert ihre Lebensgrundlagen zu (Gen 8,21). Schöpfung und Flut erklären nach der Darstellung, warum die gegenwärtige Welt so ist, wie sie ist: Die Welt ist „sehr gut“, zugleich aber schmerzhaft; Menschen sind Krone der Schöpfung und Geschöpfe, die viel Leid ertragen. Die Welt vor der Flut ist unwiederbringlich vergangen.
Die Forschung verbindet das genealogische Gerüst, die Schöpfung und Teile der Fluterzählung überwiegend mit der Priesterschrift und datiert es ins 6. Jahrhundert v. Chr. Umstrittener ist die Einordnung der übrigen Stoffe. Nach Jan Christian Gertz lässt sich darin eine ältere, selbständige Urgeschichte eines „weisheitlichen Erzählers“ erkennen, darunter Paradieserzählung, Kain und Abel sowie Teile der Flut. Der Turmbau zu Babel (Gen 11,1–9) gilt bei ihm als Werk einer späteren Redaktion.
Erzeltern: Abraham, Isaak und Jakob
Mit Abraham beginnt Gott nach der Urgeschichte einen neuen Anfang. JHWH fordert Abram auf, Heimat und Verwandtschaft zu verlassen und nach Kanaan zu ziehen. Er verheißt ihm Nachkommen, Land und dass durch ihn „alle Sippen“ der Erde Segen erhalten. Die Kinderlosigkeit Saras erzeugt dabei die zentrale Spannung. In Gen 17 erhalten Abram und Sarai die Namen Abraham und Sara; die Beschneidung wird zum Zeichen des ewigen Bundes. Sara gebiert schließlich Isaak, den Abraham am achten Tag beschneidet. Auch Ismael, Abrahams Sohn mit der Sklavin Hagar, wird als Träger einer Verheißung dargestellt, Isaak aber übergeordnet. In der Bindung Isaaks (Gen 22) eröffnet sich die verheißene Zukunft erst nach Todesgefahr. Nach Saras Tod erwirbt Abraham mit Machpela bei Hebron erstmals eigenes Land.
Isaak heiratet Rebekka, die ein Verwalter Abrahams bei dessen Verwandtschaft in Haran findet. Ihre Zwillinge Esau und Jakob stehen von Beginn an für einen Konflikt; dem Jüngeren Jakob wird Dominanz verheißen. Jakob erwirbt von Esau das Erstgeburtsrecht für ein Linsengericht und erschleicht durch eine List den väterlichen Segen. Er flieht zu seinem Onkel Laban nach Nordsyrien, wo er Lea und Rahel heiratet. Lea bekommt unter anderem Ruben, Simeon, Levi und Juda; Rahel bringt nach langer Unfruchtbarkeit Josef und später Benjamin zur Welt.
Auf dem Rückweg nach Kanaan begegnet Jakob in Bet-El Gott und erhält die Zusage, zurückgebracht zu werden. Am Jabbok ringt er nachts mit einem unbekannten Gegner, erhält Segen und den Namen Israel. Danach versöhnt er sich mit Esau. Rahel stirbt bei Benjamins Geburt; auch Isaak wird später von Esau und Jakob gemeinsam in Machpela begraben. Die zwölf Söhne Jakobs werden zu den zwölf Stämmen Israels.
Josefsgeschichte und Abschluss
Jakob bevorzugt Josef, den ältesten Sohn Rahels, und schenkt ihm ein buntes Prachtgewand. Josefs Träume von seiner Herrschaft verstärken den Hass seiner Brüder. Sie verkaufen ihn über Umwege an Sklavenhändler und täuschen Jakob mit dem blutigen Gewand vor, Josef sei von einem Tier getötet worden.
In Ägypten steigt Josef trotz Rückschlägen auf: Als Sklave im Haus Potifars wird er Hausverwalter, kommt nach der falschen Beschuldigung durch Potifars Frau ins Gefängnis und deutet dort Träume. Schließlich deutet er die Träume des Pharaos als Ankündigung einer schweren Hungersnot. Er lässt Vorräte anlegen und wird Vizekönig. Als seine Brüder wegen der Hungersnot Getreide kaufen wollen, erkennt er sie, sie ihn aber nicht. Er prüft ihre Haltung gegenüber Benjamin. Juda bietet sich schließlich selbst als Sklave an Benjamins Stelle an. Erst dann gibt Josef sich zu erkennen.
Jakob reist nach Ägypten; die ganze Familie siedelt sich in Goschen an. Josef sorgt während der Hungersnot für die Versorgung und erwirbt dabei Land für den Pharao, dessen Einwohner zu Leibeigenen werden. Vor seinem Tod segnet Jakob Ephraim und Manasse sowie seine zwölf Söhne. Besonders Juda und Josef erhalten lange Segenssprüche; Ruben, Simeon und Levi werden negativ beurteilt. Jakob wird in Machpela begraben. Josef versichert den Brüdern nach Jakobs Tod, dass er ihnen nicht vergelten werde: Sie hatten Böses beabsichtigt, Gott ließ daraus Gutes entstehen. Josef kündigt zudem den künftigen Auszug Israels aus Ägypten an; seine Gebeine sollen später mitgenommen werden.
Entstehung und Textüberlieferung
Die Bibelwissenschaft versteht Genesis als Traditionsliteratur, die über längere Zeit wuchs und an der viele Personen mitwirkten. Schriftliche Abfassung wird ab den Königreichen Israel und Juda im 9./8. Jahrhundert v. Chr. für möglich gehalten. Nach Erhard Blum können Jakobserzählungen auf ein Schreibermilieu des Nordreichs Israel, möglicherweise im 9. Jahrhundert v. Chr. zur Zeit der Omriden, zurückgehen; erhalten sind sie jedoch in judäisch-jerusalemer Überarbeitung nach 722/720 v. Chr. Isaak- und Abrahamserzählungen wurden wahrscheinlich später vorangestellt. Die Kamele der Erzelternerzählungen gelten nicht als Beleg für eine „Zeit Abrahams“: Ihre Domestikation wird ins 12. oder 11. Jahrhundert v. Chr. gesetzt, Kamelkarawanen sind erst seit dem 8./7. Jahrhundert bezeugt. Evangelikale oder fundamentalistische Gruppen lehnen die historisch-kritische Methode teils ab und schreiben Genesis Mose zu.
Das älteste erhaltene Genesis-Manuskript aus den Schriftrollen vom Toten Meer ist 6QpaleoGen, ungefähr 250 bis 150 v. Chr. geschrieben. Die Handschriften zeigen verschiedene Textformen, darunter dem später maßgeblichen Masoretischen Text ähnliche, dessen Vorstufen sowie Texte, die Masoretischem Text und Samaritanischem Pentateuch ähnlich nahe stehen. Unterschiede betreffen etwa die Lebensalter der Patriarchen vor der Sintflut in Gen 5. Nach masoretischer Chronologie liegt der Auszug aus Ägypten im Jahr 2666 nach der Schöpfung und die Wiedereinweihung des Tempels durch Judas Makkabäus 164 v. Chr. im Jahr 4000. Die Septuaginta verlängert die absolute Chronologie um 400 Jahre.
Die griechische Septuaginta entstand im 3. Jahrhundert v. Chr., wahrscheinlich in Alexandria, und wurde zum Vorbild für weitere griechische Bibelübersetzungen. Sie beruht punktuell auf einer anderen hebräischen Vorlage als Masoretischer Text und Samaritanus. Der aramäische Targum Onkelos übersetzt überwiegend wörtlich, verändert aber menschliche Gottesvorstellungen: Gott „roch“ Noachs Opfer nicht, sondern „nahm es wohlgefällig an“. Die lateinische Vulgata verbindet bei Hieronymus wörtliche Übersetzung, ältere lateinische Formulierungen und teils christliche Akzente.
Auslegung und Forschung
Genesis wurde im Judentum und Christentum vielfältig ausgelegt. Im Judentum gehört sie zu den zwölf wöchentlichen Toralesungen; wichtige Mitzwot im Buch sind das Gebot, sich zu vermehren (Gen 1,28), der Schabbat (Gen 2,2–3), die Beschneidung (Gen 17,10–11) und das Verbot, Muskelfleisch der Hüfte zu essen (Gen 32,33). Das Neue Testament zitiert Genesis rund 30-mal und nimmt etwa doppelt so oft darauf Bezug. Paulus deutet Abraham als Vorbild des Glaubens und Gen 15,6 als Grundlage seines Verständnisses von Glauben und Rechtfertigung. Christliche Ausleger verbanden Schöpfung, Fall, Abraham, Melchisedek und Josef häufig mit Christus.
Die moderne Forschung entwickelte ihre Methoden stark anhand der Genesis. Johann Gottfried Eichhorn nahm ab 1779 verschiedene Quellen an, weil in den Schöpfungsberichten unterschiedliche Gottesnamen auftreten. Julius Wellhausen ordnete ab 1876 den zweiten Schöpfungsbericht dem älteren Jahwisten und den ersten der jüngeren Priesterschrift zu. Hermann Gunkel bezeichnete Genesis als „Sammlung von Sagen“ und unterschied Ursagen, Vätersagen und die Josefsgeschichte als Novelle. Neuere Ansätze sind uneinheitlich: Manche erforschen Quellen, Redaktionen und Wachstum des Textes diachron, also nach seiner Entstehungsgeschichte; andere, etwa Robert Alter, lesen den Endtext synchron als literarische Einheit. Die römisch-katholische Exegese erhielt seit der Enzyklika Divino afflante Spiritu von 1943 größere Freiheit für literarische und formkritische Methoden; das Dokument Die Interpretation der Bibel in der Kirche von 1993 bekennt sich zum Methodenpluralismus.