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Sukkot
Das Fest wird im Herbst, fünf Tage nach dem Versöhnungstag, im September oder Oktober gefeiert und dauert sieben Tage, vom 15. bis 21. Tischri, dem ersten Monat …
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Grundlagen des Festes
Sukkot, deutsch Laubhüttenfest, ist ein jüdisches Herbstfest. Es beginnt fünf Tage nach dem Versöhnungstag Jom Kippur und wird im September oder Oktober gefeiert. Im jüdischen Kalender dauert es sieben Tage, vom 15. bis 21. Tischri, dem ersten Monat des bürgerlichen jüdischen Kalenders. Der letzte Tag heißt Hoschana Rabba. An Sukkot schließen unmittelbar Schmini Azeret, „der Achte Tag der Versammlung“, und Simchat Tora, „das Torafreudenfest“, an.
Sukkot gehört zu den Festtagen, die im Judentum als Jamim towim, „gute Tage“ oder „Festtage“, bezeichnet werden. Nach der halachischen Definition, also nach jüdischem Religionsgesetz, sind Feiertage diejenigen Tage, für die die Tora ein Arbeitsverbot gebietet. Dazu zählen der erste und siebte Tag von Pessach, der erste und achte Tag von Sukkot, Schawuot sowie Rosch ha-Schana. In Israel und im Liberalen Judentum ist bei Sukkot nur der erste Tag ein voller Feiertag. In orthodoxen und konservativen Gemeinden der Diaspora gelten die ersten zwei Tage als volle Feiertage; die folgenden Tage sind Halbfeiertage, Chol HaMoed.
Biblische Herkunft und Entwicklung
Sukkot ist wie Pessach und Schawuot eines der jüdischen Wallfahrtsfeste. In der Tora wird es mehrfach erwähnt. Ursprünglich hatte es einen landwirtschaftlichen Charakter und wurde als „Fest des Einsammelns“ bezeichnet. Gemeint war der Abschluss der Ernte, besonders nachdem Korn und Wein eingebracht waren. Das Buch Deuteronomium verbindet das Fest besonders mit Freude: Nicht nur die Familie, sondern auch Sklaven, Leviten, Fremde, Waisen und Witwen sollten daran teilhaben.
Erst nach dem Babylonischen Exil wurde das Datum auf den 15. des siebten Monats festgelegt. Zugleich erhielt Sukkot eine historische Deutung: Es erinnert an die Wüstenwanderung nach dem Auszug aus Ägypten. Das Wohnen in Laubhütten während der Festzeit wurde damit begründet, dass die Israeliten damals in provisorischen Unterkünften lebten.
In biblischen Opferkalendern hatte Sukkot eine herausragende Stellung. Während der sieben Festtage wurden je 14 Lämmer, zwei Widder und ein Ziegenbock dargebracht. Außerdem sank die Zahl der geopferten Stiere von 13 am ersten Tag bis auf 7 am siebten Tag, sodass insgesamt 70 Stiere geopfert wurden. Stiere waren die kostbarsten Opfertiere. Das zeigt die besondere Bedeutung der Sukkot-Festwoche im nachexilischen Festkalender Israels.
Die Laubhütten waren wohl ursprünglich schattenspendende Unterstände auf den Feldern. Später wurden sie in der Nähe der eigenen Wohnung gebaut, etwa auf Dächern, in Höfen oder auf Plätzen. Das Buch Nehemia nennt Zweige von Ölbaum, wildem Ölbaum, Myrte, Palme und anderen Laubbäumen als Baumaterial. Die Sukka, also die Laubhütte, war dabei bewusst nur eine Unterkunft auf Zeit: Ihr Laub vertrocknete während des Festes, und sie bot keinen sicheren Schutz vor Regen.
Antike Rituale und Deutungen
In der hellenistischen und frührömischen Zeit wurde Sukkot unterschiedlich gedeutet. Das Jubiläenbuch, eine im antiken Judentum teilweise autoritative Schrift, verband das Fest mit der Geburt Isaaks und der Freude Abrahams und Saras. An anderer Stelle deutete es Jakobs Gottesoffenbarung in Bethel so um, dass sie den achten Tag der Sukkot-Festwoche begründete. Die Tempelrolle aus den Schriftrollen vom Toten Meer stellte dagegen stärker andere Erstlingsfeste in den Vordergrund; ihr Text ist aber nur fragmentarisch erhalten.
Antike Autoren beschrieben das Fest nicht einheitlich. Flavius Josephus stellte Sukkot als achttägige Feier dar, bei der in Hütten gewohnt und im Tempel geopfert wurde. Philo von Alexandria sah es als siebentägiges Erntedankfest, dem ein achter Tag als Krönung folgte. Im Johannesevangelium ruft Jesus am letzten Tag des Laubhüttenfestes die Durstigen zu sich; dies wird mit einer damals üblichen Wasserschöpfzeremonie in Verbindung gebracht.
Der Mischnatraktat Sukka enthält ältere Traditionen, die bis in die Zeit vor der Zerstörung des Jerusalemer Tempels im Jahr 70 n. Chr. zurückreichen. Dort steht die Perspektive der Laien im Mittelpunkt. Wichtig waren vor allem Bau und Bewohnen der Sukka. Sie musste unter freiem Himmel stehen, Schatten spenden und echtes Wohnen ermöglichen, also Mahlzeiten und Übernachtungen. Wenn während des Festes starker Regen einsetzte, war man vom Wohnen in der Sukka befreit, weil sie keinen Regenschutz bietet.
Zur Festpraxis gehörte außerdem der Lulav, der Feststrauß aus den „Vier Arten“ von Pflanzen. Er wurde rituell geschüttelt und mit Psalm 118 verbunden. Ursprünglich geschah dies im Tempel, nach dessen Zerstörung im Synagogengottesdienst. Weitere Tempelrituale waren der Umzug mit Weidenzweigen um den Brandopferaltar, die Wasserspende mit Wasser aus dem Teich von Siloah sowie eine nächtliche Feier im Frauenvorhof mit Licht, Musik, Gesang und Tanz. Nach der Tempelzerstörung blieben vor allem das siebentägige Sukkotfest, der achte Tag, die Sukka, die Arba'a minim, das Hallel-Gebet und die Bitte um Regen erhalten.
Sukka und Feier heute
Heute ist Sukkot besonders für observante Juden wichtig, vor allem außerhalb Israels. Die Zwischenfeiertage heißen Chol HaMoed. Sie verbinden Merkmale eines Wochentags mit denen eines Festtags. An Sukkot umfasst Chol HaMoed in Israel den zweiten bis siebten Tag, in der Diaspora den dritten bis siebten Tag. Auch Hoschana Rabba, der siebte Tag mit eigenem Namen, gehört dazu.
Die Sukka wird jedes Jahr dort gebaut, wo Platz ist: im Garten, Hof, auf einem Parkplatz, Balkon oder Dach. Sie erinnert an den Auszug aus Ägypten und an die provisorischen Behausungen der Israeliten. Sie muss unter freiem Himmel stehen und wird mit Ästen, Zweigen oder Matten gedeckt. Das Dach soll Schatten geben, aber so durchlässig sein, dass man nachts die Sterne sehen kann. Da eine Mitzwa, also ein religiöses Gebot, möglichst schön erfüllt werden soll, wird die Sukka oft geschmückt, etwa mit den Sieben Arten des Landes Israel oder mit bunten Tüchern.
Während der sieben Tage werden in der Sukka nach Möglichkeit die Mahlzeiten eingenommen. Wer dort übernachtet, macht besonders deutlich, dass die Sukka eine zeitweilige Wohnung sein soll. Frauen sind wie bei anderen zeitgebundenen Geboten vom Wohnen in der Laubhütte befreit. Befreit sind auch Personen, für die eine Übernachtung im Freien gesundheitlich bedenklich wäre. Jüdische Gemeinden bauen oft eine Gemeindesukka, in der nach dem Gottesdienst der Kiddusch und andere Empfänge stattfinden.
Gottesdienst und Feststrauß
Der Gottesdienst zu Sukkot beginnt mit dem Segen Schehechejanu. Eine wichtige Rolle spielen die Arba'a minim, die „Vier Arten“ des Feststraußes. Dazu gehören ein gebundener Palmzweig, der Lulav, drei Myrtenzweige, Hadassim, zwei Bachweidenzweige, Arawot, und der Etrog, eine Sorte der Zitronatzitrone. Lulav, Myrte und Weide werden in der rechten Hand getragen, der Etrog in der linken.
Während des Hallel-Gebets werden die Arba'a minim in sechs Richtungen gewendet: zuerst nach Osten, dann nach Süden, Westen, Norden, nach oben und nach unten. Gegen Ende des Gottesdienstes findet ein Umzug statt, hebräisch Hakkafot. Dabei werden eine oder mehrere Torarollen um das Lesepult getragen. Die Anwesenden folgen mit den Arba'a minim; in orthodoxen Gemeinden tun dies nur die Männer. Dieser Brauch erinnert an Prozessionen um den Altar im Jerusalemer Tempel.
Am siebten Tag, Hoschana Rabba, finden sieben Umzüge statt. Dabei wird um eine gute Ernte gebetet. Danach werden fünf zusammengebundene Bachweidenzweige fünfmal abgeklopft. Auch dies erinnert an Überlieferungen aus der Zeit des zweiten Tempels. Erst seit posttalmudischer Zeit gilt Hoschana Rabba als der Tag, an dem die an Jom Kippur erlassenen göttlichen Urteilssprüche für das einzelne Menschenleben bindend werden.
Termine, Ortsname und kulturelle Spuren
Sukkot beginnt wie alle jüdischen Feiertage am Vorabend mit Einbruch der Dunkelheit und endet am Abend des jeweiligen Tages. Für die Jahre 5787 bis 5791 im jüdischen Kalender nennt der Artikel folgende gregorianische Zeiträume: 26. September bis zum Abend des 3. Oktober 2026, 16. bis zum Abend des 24. Oktober 2027, 5. bis zum Abend des 13. Oktober 2028, 24. September bis zum Abend des 1. Oktober 2029 und 12. bis zum Abend des 20. Oktober 2030. Schmini Azeret ist dabei eingeschlossen.
Der Name Sukkot erscheint in der Hebräischen Bibel auch als Ortsname. Eine Ortschaft namens Sukkot war die erste Station der Israeliten beim Auszug aus Ägypten und lag vermutlich im Nildelta. Ein anderer Ort dieses Namens befand sich in der Nähe des Jordans im Gebiet des Stammes Gad.
In Kunst, Literatur und Film wurde das Laubhüttenfest mehrfach dargestellt. Frühneuzeitliche und moderne Kunst zeigte oft Familien in der Sukka oder Szenen des Gebets. Beispiele sind Werke von Bernard Picart, Moritz Daniel Oppenheim, Marc Chagall und Yoram Raanan. In Literatur werden Themen wie Festfreude, Naturbegegnung und Verletzlichkeit aufgegriffen. Der israelische Film „Ushpizin“ von 2003 stellt Sukkot in einer charedischen, also ultraorthodoxen, Umgebung dar und verbindet die Tradition der Gäste in der Sukka mit einer Handlung über Glaube, Armut und Besuch aus dem früheren Leben der Hauptfigur.
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