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Theravada
Der Theravāda (Pali: Schule der Ältesten) ist die älteste noch existierende Schultradition des Buddhismus. Er führt seinen Ursprung auf jene Mönchsgemeinde …
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Grundverständnis des Theravada
Der Theravāda, auf Pali „Schule der Ältesten“, ist die älteste noch existierende Schultradition des Buddhismus. Sein Ursprung wird auf die Mönchsgemeinde zurückgeführt, die zu den ersten Anhängern des Buddha gehörte. Heute ist der Theravada vor allem in Sri Lanka, Myanmar, Thailand, Kambodscha und Laos verbreitet, außerdem teilweise in Vietnam und der Volksrepublik China.
Vom Mahayana wird der Theravada dem Hinayana zugerechnet. Diese Zuordnung weist der Theravada selbst als historisch falsch und inhaltlich abwertend zurück. Grundlage seiner Lehre und des monastischen Lebens ist mit sehr wenigen Ausnahmen der auf Pali überlieferte Tipitaka, der „Dreikorb“ oder Pali-Kanon.
Entwicklung und frühe Konzile
Drei Monate nach dem Tod des Buddha traten seine Schüler in Rajagaha, dem heutigen Rajgir im indischen Bundesstaat Bihar, zum ersten Konzil zusammen. Sie wollten den Dhamma, also die Lehre, und den Vinaya, die Ordensregeln gemäß den Lehrreden des Buddha, festhalten [Cullavagga XI]. Dabei wurde der Grundbestand des späteren Pali-Kanons festgelegt. Die Überlieferung erfolgte zunächst mündlich, weil Schrift in Indien damals für spirituelle Werke als nicht angemessen galt.
Etwa 100 Jahre später fand in Vesali das zweite Konzil statt. Hauptanlass war das Verhalten dortiger Mönche, die von der Anweisung des Buddha abwichen, dass Ordinierte kein Geld und Gold annehmen sollen. Die Kontroverse betraf zehn „Thesen“: Salz durfte nach einer Auffassung auch nach dem Mittag verwendet werden; nach dem Zenit sollte man noch essen dürfen, bis der Schatten zwei Fingerbreit weitergewandert war; nach einer zunächst abgelehnten Mahlzeit durfte man später in einem anderen Dorf wieder essen; verschiedene Gemeinschaften sollten getrennt Uposatha abhalten; eine unvollständige Gruppe sollte Ordensverfahren durchführen dürfen; die Gewohnheiten eines Vorgesetzten sollten auch bei zweifelhaftem Verhalten befolgt werden; noch nicht ganz vergorene Milch durfte nach dem Mahl verzehrt werden; teilweise angegorene Getränke sollten erlaubt sein; eine ungesäumte Sitzunterlage durfte benutzt werden; und schließlich durfte man Gold und Silber, also Geld, annehmen oder verwenden. Auf diesem Konzil wurde nicht der Sutta-Pitaka rezitiert oder revidiert, sondern es wurden nur ordensrechtliche Fragen geklärt.
Zusätzlich bestanden unterschiedliche Auffassungen über die Ansprüche an einen Arahat, also einen Erwachten, und über den Charakter des Buddha. Einige sahen ihn nicht mehr als Menschen, sondern als göttliches beziehungsweise transzendentes Wesen, das rituell verehrt werden sollte. Diejenigen, die diese Auffassung zurückwiesen, nannten sich fortan Sthaviravada, „Schule der Alten“. Die Gegenpartei bezeichnete sich als Mehrheit, als Mahasanghika, „Große Sangha“. Sie spaltete sich in Unterschulen auf und löste sich nach einigen Jahrhunderten auf oder ging in neue Mahayana-Schulen über.
Die verbreitete Aussage, es habe insgesamt 18 buddhistische Schulen oder Nikaya gegeben, gilt im Artikel als wenig haltbar. Die Zahl 18 sei ebenso wie 108 oder 84.000 häufig eine symbolische Zahl, vergleichbar mit „ein Dutzend“. Überliefert sind tatsächlich deutlich mehr Namen von Mönchsgruppen; diese bezeichneten aber meist Orte ihrer Verbreitung und nicht eigenständige Sekten oder Schulen.
Etwa 200 Jahre später entstanden im Zusammenhang mit der Systematisierung buddhistischer Philosophie und Psychologie unter dem Namen Abhidhamma, Sanskrit Abhidharma, erstmals unterschiedliche Lehrauffassungen zu grundlegenden Fragen. In der Mitte des 3. Jahrhunderts v. Chr. trat unter Kaiser Ashoka und unter dem Vorsitz des Mönchs Moggaliputta Tissa in Pataliputra, dem heutigen Patna, das dritte Konzil zusammen. Es sollte die Auffassungen klären und bestimmen, welche Lehrreden zum gemeinsamen Textkanon gehörten. Die vertretenen Lehrmeinungen wurden anschließend im Kathavatthu beschrieben, das Bestandteil der sieben Bücher des Abhidhammapitaka wurde.
Zusammen mit dem Sutta-Pitaka, der Sammlung der Lehrreden, und dem Vinaya-Pitaka, der Sammlung der Ordensregeln und der Ordensgeschichte, bilden die Abhidhamma-Texte den in Pali verfassten Tipitaka. Er gilt als die älteste vollständig erhaltene Sammlung buddhistischer Texte in einer indischen Sprache. Die beim dritten Konzil anerkannten Texte und Lehrmeinungen wurden als authentische Grundlage der buddhistischen Lehre betrachtet. Die unterlegene Schule des Sarvastivada verlagerte ihren Schwerpunkt nach Kaschmir, Pakistan und Afghanistan, insbesondere nach Gandhara und Baktrien, und breitete sich später über die Seidenstraße nach Zentralasien, China, Korea und Japan aus.
Verbreitung in Süd- und Südostasien
Nach dem dritten Konzil brachten Mahinda und Sanghamitta, Sohn und Tochter Ashokas, den Tipitaka nach Sri Lanka. Dort wurde der Buddhismus in Gestalt des Theravada gleichsam zur Staatsreligion und blieb bis heute erhalten.
Einige Jahrhunderte später gelangte der Theravada von Sri Lanka aus durch buddhistische Missionare über das Meer in das Gebiet des heutigen Myanmar, das damals von den Mon geprägt war. Einheimische Überlieferungen setzen diese Übertragung in die Zeit Ashokas oder noch früher; sicher belegt ist das Auftreten des Theravada dort jedoch erst ab dem 5. Jahrhundert. Von Myanmar aus verbreitete er sich weiter nach Osten in das heutige Thailand. Auch für Thailand berichten Überlieferungen von frühen Missionaren Ashokas, die nach Nakhon Pathom gekommen sein sollen. Funde belegen dort eine Verbreitung ab dem 6. Jahrhundert.
Die Thai, die seit dem 6. Jahrhundert aus Südchina nach Südostasien eingewandert waren, übernahmen den Theravada von der ansässigen Bevölkerung. Als sie im 11. und 12. Jahrhundert in die Ebene Zentralthailands vordrangen und die Königreiche Sukhothai und später Ayutthaya gründeten, wurde der Theravada Staatsreligion. Auch die Bewohner des Reiches um Luang Prabang, des heutigen Laos, übernahmen diese Form des Buddhismus.
Im 13. Jahrhundert bestieg Srindravarman, der von 1295 bis 1309 regierte, den Thron des Khmer-Königreiches Kambuja, des heutigen Kambodscha. Er war der erste König von Angkor, der Anhänger des Theravada war. Obwohl Kambuja mit und nach ihm an Macht und Einfluss verlor, blieb der Theravada in Kambodscha und im südlichen Vietnam die am weitesten verbreitete Religion.
Nach den im Artikel genannten Angaben bekennen sich gegenwärtig etwa 80 % der Einwohner Sri Lankas, 89 % der Burmesen, 94 % der Thais, 60 % der Laoten und 95 % der Kambodschaner zum Theravada. Weitere Anhänger leben in Vietnam und im Südwesten Chinas, besonders in Yunnan. In Indien nimmt die Zahl der Theravada-Buddhisten seit der Unabhängigkeit von den Briten wieder beträchtlich zu, vor allem unter den Dalit, den „Unberührbaren“. Angeregt durch Dr. Ambedkar sehen sie in der Konversion zum Buddhismus einen Weg, der Diskriminierung durch das hinduistische Kastensystem zu entgehen.
Nibbāna als höchstes Ziel
Das höchste Ziel im Theravada ist die Befreiung vom selbstverursachten Leiden, Pali dukkha, und das Erlangen von Nibbāna, Sanskrit Nirvāṇa. Nibbāna bedeutet, das durch Täuschung, Begehren und Abneigung verursachte Anhaften, Pali upadana, zu überwinden. Dazu gehört das Anhaften an einem illusionären Ich oder einer ewigen Seele, atta beziehungsweise ātman, ebenso wie das Anhaften an den Dingen der Welt.
Wer Nibbāna verwirklicht, verlässt den Kreislauf des Samsara, also den Kreislauf leidvoller Reinkarnationen. Nibbāna ist weder mit einem Paradies noch mit dem Tod gleichzusetzen. Nach buddhistischer Lehre sind weder Ich, Seele oder Körper noch Glück ewig und unveränderlich. Alles befindet sich in ständigem Fluss und steht in wechselseitiger Bezogenheit. Nibbāna bezeichnet das Erkennen dieser Prozesshaftigkeit und Vernetztheit sowie die Überwindung des geistigen Ergreifens und Anhaftens an den vordergründigen Erscheinungen der Welt.
Siddhattha Gotama, Sanskrit Siddhārtha Gautama, der historische Buddha, lebte und lehrte noch 45 Jahre, nachdem er Bodhi, das Erwachen, erfahren und damit Nibbāna erreicht hatte. Er war ein Samma-Sambuddha, also ein Buddha, der die Vier Wahrheiten des geistig Edlen verkünden konnte. Diese Wahrheiten bestehen unabhängig davon, ob ein Buddha erscheint oder nicht.
Bodhi, Bodhisattva und Mahayana
Nach der Theravada-Lehre gibt es drei Arten von Bodhi, durch die Nibbāna verwirklicht werden kann:
- Savaka-Bodhi wird als Schüler eines spirituellen Lehrers erreicht. Ein so Erwachter heißt Arahat oder Arhat. Arahats können aufgrund ihrer eigenen Erfahrung hilfreiche Lehrer für andere sein.
- Pacceka-Bodhi wird ohne Hilfe oder Unterweisung eines Lehrers erreicht. Ein solcher Erwachter heißt Pratyeka-Buddha, „Einzelerwachter“. Laut Tipitaka können Pratyeka-Buddhas nur in Zeiten auftreten, in denen die Lehre verloren ist. Ihre Fähigkeit, anderen auf dem Weg zum Erwachen zu helfen, ist geringer als die der beiden anderen Formen.
- Samma-Sambodhi ist die höchste und vollkommene Form des Erwachens. Ein Samma-Sambuddha erreicht Bodhi wie ein Pratyeka-Buddha aus eigener Kraft, besitzt aber zusätzlich die Fähigkeit, das Dhamma weiterzugeben und andere zum Nibbāna zu begleiten. Die Art der Befreiung ist bei allen drei Formen dieselbe; wegen seiner Lehrfähigkeit gilt der Vollkommen Erwachte als höchste Autorität.
Im Theravada ist ein Bodhisattva beziehungsweise Bodhisatta jemand, der Erlösung sucht, um anschließend anderen auf ihrem Weg helfen zu können. Buddha selbst gilt vor seiner Geburt als Siddhartha Gautama als Bodhisattva. Die Jataka, Geburtsgeschichten über seine früheren Leben, sind Teil des Sutta-Pitaka und dienen buddhistischen Laien als Inspirationsquelle. Als Bodhisattva gilt im Theravada jeder Praktizierende, der sich diesem Ideal verpflichtet und die zehn Paramitas oder Paramis, also Vollkommenheiten wie Großzügigkeit und meditative Versenkung, übt. Entscheidend ist die innere Einstellung, nicht das formelle Fahrzeug der Praxis.
Im Unterschied dazu akzeptiert der Theravada fast ausschließlich den Pali-Tipitaka als Grundlage für Lehre und monastisches Leben. Im Mahayana wurde nie ein endgültiger Kanon festgelegt; die Lehre wurde an kulturelle Besonderheiten angepasst, und teilweise trat das monastische Ideal hinter eine weltlichere Orientierung zurück. Der Sanskrit-Tipitaka bildet dort zwar den Kern, ergänzt wird er unter anderem durch das Herz-Sutra, das Diamant-Sutra und das Lotos-Sutra.
Auch die Gewichtung des Erlösungswegs unterscheidet sich. Im Theravada stehen die drei Wege zu Bodhi und Nibbāna im Mittelpunkt. Im Mahayana wird der Schwerpunkt auf die Bodhisattvaschaft verlagert: Der Bodhisattva verzichtet auf das Parinibbāna, das endgültige Aufgehen in Nibbāna nach dem Tod, um anderen beim Erwachen zu helfen. Das Mahayana kennt zahlreiche Bodhisattvas, darunter Maitreya, Avalokiteshvara und Manjushri.