Zum Inhalt springen
L

Wikipedia · einfach zusammengefasst · Stand

Pali-Kanon

Der Pali-Kanon ist eine frühe zusammenhängend überlieferte Sammlung von Ordensregeln, Lehrreden (Sutta) des Buddha Siddhartha Gautama und Abhandlungen über …

Inhalt4 Abschnitte
  1. 1. Grundbedeutung und Sprache
  2. 2. Die drei Körbe
  3. 3. Überlieferung und Entstehung
  4. 4. Verwandte Überlieferungen

Grundbedeutung und Sprache

Der Pali-Kanon ist eine frühe, zusammenhängend überlieferte Sammlung buddhistischer Texte. Sie enthält Ordensregeln, Lehrreden (Sutta) des Buddha Siddhartha Gautama und Abhandlungen über die buddhistische Lehre, den Dhamma. Im Theravada-Buddhismus besitzt der Kanon eine fundamentale Bedeutung und wird vor allem gelesen oder rezitiert.

Eine weitere Bezeichnung ist Tipiṭaka, auf Deutsch „Dreikorb“. Dieser Name bezieht sich auf die Gliederung der ursprünglich auf Palmblättern niedergeschriebenen Sammlung in drei große Teile, die als „Körbe“ (piṭaka) bezeichnet werden. Überliefert ist der Kanon in Pali, einer mittelindischen Sprache, die zu den Prakrit-Sprachen gehört.

Der Pali-Kanon ist sehr umfangreich und umfasst etwa viermal so viel Text wie die christliche Bibel. Er ist eine zentrale Grundlage der Theravada-Tradition, aber nicht deren alleinige Quelle. Kommentarliteratur wie das Visuddhimagga bezieht sich auf den Kanon und geht zugleich über ihn hinaus. Anhänger des Mahayana studieren dagegen vor allem die Mahayana-Sutras.

Die drei Körbe

Die Textsammlung ist in drei piṭaka gegliedert. Diese bestehen wiederum aus mehreren Sammlungen (nikāya), Abteilungen (vagga) und Abschnitten (nipāta):

  • Das Vinayapitaka (Vin) enthält die Ordensregeln. Dazu gehören der Mahavibhanga mit den Mönchsregeln, der Bhikkhunivibhanga mit den Nonnenregeln, der Mahavagga („Größere Unterteilung“), der Cullavagga („Kleinere Unterteilung“) und der Parivara als Zusammenfassung.

  • Das Suttapitaka enthält die Lehrreden des Buddha. Es umfasst den Digha-Nikaya mit den längeren Lehrreden (D, DN), den Majjhima-Nikaya mit den mittleren Lehrreden (M, MN), den Samyutta-Nikaya mit gruppierten Lehrreden (S, SN), den Anguttara-Nikaya mit angereihten Lehrreden (A) und den Khuddaka-Nikaya, die „Kurze Sammlung“. Der Khuddaka-Nikaya besteht aus 15 Einzelwerken, darunter Dhammapada und Jataka.

  • Das Abhidhammapitaka enthält höhere Lehrreden und Abhandlungen (Abh). Dazu zählen Dhammasangani (Dhs), Vibhanga (Vibh), Dhatukatha, Puggalapannatti („Menschenkunde“), Kathavatthu („Streitpunkte“), Yamaka („Gegensätze“) und Patthana („Bedingte Entstehung“, Patth).

Die Abkürzungen in Klammern werden zur Angabe von Textstellen verwendet.

Überlieferung und Entstehung

Der Pali-Kanon ist eng mit den buddhistischen Konzilien verbunden. Nach der Überlieferung wurden auf dem 1. Konzil der Suttapitaka, also der „Korb der Lehrreden“, und der Vinayapitaka, der „Korb der Ordensregeln“, zusammengestellt und für die mündliche Weitergabe kanonisiert. Auf dem 3. Konzil soll das Abhidhammapitaka kanonisiert worden sein.

Im 1. Jahrhundert v. Chr. wurde der Kanon auf dem 4. buddhistischen Konzil auf Sri Lanka niedergeschrieben. Damit gehört er zum ältesten Schriftgut des Buddhismus. Die Niederschrift fällt zeitlich in eine Epoche, in der auch die ersten Sutras des Mahayana entstanden.

Bis zum 6. buddhistischen Konzil in Rangun (1954–56) wurde der Kanon in Ceylon, Burma, Thailand, Kambodscha und Laos überwiegend handschriftlich verbreitet. Meist schrieb man ihn auf Palmblätter, seltener auf Holz. Besonders häufig war das erneute Abschreiben, das jeweils vom birmanischen König angeregt wurde. Andere Materialien sind selten. Ein Beispiel ist ein vermutlich im 6. oder 7. Jahrhundert entstandener, 1897 in Hmawanza (Birma) gefundener Text auf Goldblättern.

Durch das Interesse europäischer Forscher wurde der Kanon im späten 19. Jahrhundert erstmals gedruckt. Ausgaben der Pali Text Society sowie deutsche Übersetzungen, unter anderem von Karl Eugen Neumann und Anton Gueth, machten ihn in westlichen Sprachen zugänglich. Neumanns Übersetzungen sind dichterisch, gelten aber aus heutiger philologischer Sicht als umstritten. Zwischen 1896 und dem Beginn des Ersten Weltkriegs wurde der Pali-Kanon dadurch einem breiteren Publikum bekannt.

Verwandte Überlieferungen

Auch andere buddhistische Überlieferungstraditionen besitzen Sammlungen von Lehrreden des Buddha. Diese weisen Überschneidungen mit den Lehrreden des Suttapitaka auf und werden Āgamas genannt.

Die Āgamas sind Gegenstand der vergleichenden Religionswissenschaft. Dabei werden sie mit dem Suttapitaka verglichen. Bhikkhu Analayo hat sich insbesondere mit dem Vergleich der chinesischen Āgamas mit dem Suttapitaka beschäftigt. Eine bekannte Überlieferung der chinesischen Āgamas ist in der Tripitaka Koreana enthalten.

Lernvideos zu Pali-Kanon

Weiterlesen