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Kambodscha

Französisch war wegen der französischen Kolonialvergangenheit über ein Jahrhundert lang die beliebteste Fremdsprache und wurde bis 1975 auch in gebildeten …

Inhalt6 Abschnitte
  1. 1. Überblick und Naturraum
  2. 2. Bevölkerung, Sprache und Lebensbedingungen
  3. 3. Geschichte vom Khmer-Reich bis zur Gegenwart
  4. 4. Staat, Recht und Menschenrechte
  5. 5. Wirtschaft, Infrastruktur und Umwelt
  6. 6. Kultur und Alltag

Überblick und Naturraum

Kambodscha ist ein Staat in Südostasien am Golf von Thailand, zwischen Thailand, Laos und Vietnam. Es ist eine parlamentarische Wahlmonarchie; Hauptstadt ist Phnom Penh, Amtssprache Khmer und Staatsreligion Buddhismus. Die Fläche beträgt 181.040 km², die Küste ist 443 km lang. Für 2025 werden 17,8 Millionen Einwohner, 99 Einwohner je km² und ein Bevölkerungswachstum von 1,2 % geschätzt.

Das zentrale Landschaftselement ist das Kambodschanische Becken: Zwei Drittel des Landes liegen nur 5 bis 30 m über dem Meeresspiegel. Im Westen liegt darin der Tonle Sap, im Osten entwässert der Mekong die Ebene. Das Becken wird von Kardamom- und Elefantenbergen im Südwesten, dem Dongrek-Gebirge im Norden sowie Ausläufern der Annamitischen Kordillere im Nordosten umgeben. Der höchste Berg ist der Phnom Aural mit 1813 m.

Der Tonle Sap ist durch den Tonle-Sap-Fluss mit dem Mekong verbunden. In der Regenzeit von Juli bis Oktober wird dessen Fließrichtung durch Mekong-Hochwasser umgekehrt: Die Fläche des Sees wächst von 2.500 km² auf bis zu 20.000 km², womit er der größte See Südostasiens wird. Der Mekong durchquert Kambodscha auf 500 km und ist meist mehr als 1,6 km breit.

Das Monsunklima bringt ganzjährig hohe Temperaturen: etwa 26 °C im Dezember und 30 °C im April. Der feuchte Südwestmonsun bringt von Mai bis September/Oktober Regen. Im Tiefland fallen jährlich 1.000 bis 2.000 mm Niederschlag, an Gebirgswesthängen bis über 4.000 mm und im Elefantengebirge bis 5.300 mm.

Bevölkerung, Sprache und Lebensbedingungen

Kambodscha hat eine junge, überwiegend ländliche Bevölkerung. 2022 hatte das Land 16,8 Millionen Einwohner und ein Wachstum von 1,1 %; die Geburtenziffer lag bei 19,0, die Sterbeziffer bei 6,8 je 1000 Einwohner. Die durchschnittliche Kinderzahl betrug 2,3 je Frau. Das Medianalter lag 2021 bei 26,5 Jahren; 2023 waren 28,6 % unter 15 Jahre und 6,1 % über 64 Jahre alt. Etwa 70 % der Bevölkerung leben in der Zentralebene, 2023 wohnten 26 % in Städten.

Die Khmer stellen offiziell 85–90 % der Bevölkerung. Zu den größten Minderheiten zählen Vietnamesen, Cham und Chinesen; außerdem leben Thai, Laoten und zahlreiche als Khmer Loeu zusammengefasste Bergvölker im Land. Die offiziellen Minderheitenanteile werden als etwas zu niedrig eingeschätzt. Bei der Volkszählung 2019 wurden 15.552.211 Einwohner erfasst, darunter 455.610 Angehörige ethnischer Minderheiten. Die Cham waren mit 275.217 Personen die größte dieser Gruppen.

Khmer ist Amtssprache und laut Volkszählung 2019 für 95,8 % Muttersprache. Daneben werden unter anderem Chinesisch, Vietnamesisch, Laotisch, Thai, Cham und weitere Minderheitensprachen gesprochen. Französisch verlor seit der erneuten Legalisierung des Englischunterrichts 1990 deutlich an Bedeutung; Englisch ist heute die wichtigere Fremdsprache.

Die Volkszählung 2019 nennt 97,1 % Buddhisten, 2,0 % Muslime und 0,3 % Christen. Der Theravada-Buddhismus ist verfassungsrechtlich verankert. Das Bildungswesen garantiert formal mindestens neun kostenlose Schuljahre, leidet aber unter Lehrermangel, schwacher Ausstattung, Korruption und besonders auf dem Land begrenztem Schulbesuch. Die Alphabetisierungsrate lag 2015 bei 77,2 %; bei Männern bei 84,5 %, bei Frauen bei 70,5 %. Die Lebenserwartung betrug 2022 69,9 Jahre. Die Sterblichkeit unter Fünfjähriger lag bei 23,7 je 1000 Lebendgeburten.

Geschichte vom Khmer-Reich bis zur Gegenwart

Kambodscha ging aus dem Khmer-Reich hervor. Nach Funan und Chenla entstand im 9. Jahrhundert ein neues Khmer-Reich mit Angkor als Hauptstadt seit 889. Im 12. Jahrhundert erreichte es seinen Höhepunkt und beherrschte große Teile Südostasiens. Angkor Wat stammt aus dieser kulturellen Blüte. Nach Eroberungen durch Ayutthaya 1353 und 1431 wurde die Hauptstadt nach Phnom Penh verlegt; später gingen Gebiete an Vietnam und Thailand verloren.

1863 wurde Kambodscha unter König Norodom I. französisches Protektorat und 1887 Teil der Indochinesischen Union. Die vollständige Souveränität erhielt es 1953. Nach dem Putsch von General Lon Nol 1970 wurde das Land in den Zweiten Indochinakrieg und einen Bürgerkrieg gezogen. Am 17. April 1975 eroberten die Roten Khmer Phnom Penh; Khieu Samphan wurde Staatschef, Pol Pot Ministerpräsident.

Die Roten Khmer errichteten bis 1979 ein extrem repressives Regime mit Zwangsumsiedlungen, Zwangsarbeit, Kollektivierung und Massentötungen. Betroffen waren unter anderem frühere Beamte, Intellektuelle, Lehrer und ethnische Minderheiten. Die Opferzahlen sind umstritten: Sie reichen je nach Quelle von 740.800 bis 2,2 Millionen Getöteten; das Rote-Khmer-Tribunal nennt 1,7 bis 2,2 Millionen Opfer. Nach dem vietnamesischen Einmarsch Ende 1978 wurde das Regime gestürzt, während die Roten Khmer im Nordwesten Guerillakrieg führten.

Der Pariser Friedensvertrag von 1991 leitete eine politische Neuordnung unter Beteiligung der UNO ein. 1993 erhielt Kambodscha eine Verfassung und die Monarchie wurde wiederhergestellt. Die letzten Einheiten der Roten Khmer ergaben sich Ende 1998. Nach Kämpfen zwischen den Koalitionspartnern setzte sich Hun Sen 1997 durch. Seither wurde ein autoritäres System aufgebaut, in dem die Regierungspartei politischen Wettbewerb, Medien und Opposition zunehmend kontrolliert.

Staat, Recht und Menschenrechte

Die Verfassung vom 24. September 1993 bestimmt Kambodscha als parlamentarische Wahlmonarchie. Staatsoberhaupt ist seit dem 29. Oktober 2004 König Norodom Sihamoni, der vom Thronrat gewählt wird. Der König hat vor allem zeremonielle und repräsentative Aufgaben; er ernennt unter anderem Regierung und hohe Beamte, darf aber nicht selbst regieren oder die Regierung entlassen. Die Regierung wird vom Ministerrat unter Leitung des Premierministers geführt; Premierminister ist Hun Manet.

Das Parlament besteht aus Nationalversammlung und Senat. Die Nationalversammlung hat mindestens 120 Mitglieder, wird für fünf Jahre direkt nach Verhältniswahl mit geschlossenen Listen gewählt und bestimmt den Premierminister sowie den Ministerrat. Der Senat wird für sechs Jahre überwiegend indirekt durch Gemeinderäte gewählt. Formell besteht Gewaltenteilung, praktisch dominiert die Regierung beziehungsweise die Kambodschanische Volkspartei (CPP). Nach der Wahl 2018 besetzte sie alle 125 Sitze der Nationalversammlung, nachdem die größte Oppositionspartei 2017 verboten worden war.

Wahlen finden seit 1993 alle fünf Jahre statt. Wahlberechtigt ist, wer mindestens 18 Jahre alt ist; kandidieren darf, wer mindestens 25 Jahre alt ist. Laut Artikel werden Wählerlisten verfälscht, Stimmen gekauft und Oppositionelle eingeschüchtert. 2013 konnten 1,5 Millionen von 9,6 Millionen Wahlberechtigten wegen fehlerhafter Verzeichnisse nicht wählen.

Die Justiz ist dreistufig aufgebaut, aber nach dem Artikel personell und infrastrukturell schwach sowie von der Exekutive abhängig. Korruption, Zwangsvertreibungen und illegale Landnahme werden als schwerwiegende Probleme beschrieben. Obwohl die Verfassung Meinungs- und Pressefreiheit garantiert, führen Gesetze, Einschüchterung, Gewalt und wirtschaftliche Abhängigkeit zu Selbstzensur. Politische Indizes bewerten das Land 2024 als autoritäres Regime und „unfrei“; beim Korruptionswahrnehmungsindex erreichte es 2025 20 von 100 Punkten und Rang 163 von 181.

Wirtschaft, Infrastruktur und Umwelt

Nach Bürgerkrieg, Rote-Khmer-Herrschaft und vietnamesischer Besatzung begann mit der Marktwirtschaft ab 1993 ein wirtschaftlicher Aufschwung. Kambodscha zählt zu den schnell wachsenden Volkswirtschaften, bleibt aber eines der ärmsten Länder Asiens. Für 2024 nennt der Artikel ein Bruttoinlandsprodukt von 46 Milliarden USD nominal beziehungsweise 140,8 Milliarden USD nach Kaufkraftparität; das reale Wachstum betrug 6,0 %. Das BIP je Einwohner nach Kaufkraftparität lag bei 8.194 USD.

2022 entfielen 25,3 % des BIP auf Landwirtschaft, 32,8 % auf Industrie und 41,9 % auf Dienstleistungen. Wichtig sind Reisanbau und -export, die Textilindustrie mit mehr als 350.000 Beschäftigten sowie Tourismus. Textilien machen über 70 % der Exporte aus, während schlechte Arbeitsbedingungen soziale Konflikte verursachen. Der Tourismus ist nach der Textilindustrie die zweitgrößte Devisenquelle; von Januar bis September 2024 kamen 4,8 Millionen internationale Besucher. Angkor Wat zählt zu den wichtigsten Zielen. Entwicklungshemmnisse sind Korruption, unsichere Rechtslage, Landkonflikte, schwache Infrastruktur und die Abhängigkeit von ausländischer Hilfe und Investitionen.

Das Straßennetz umfasste 2004 28.257 km, davon 2.406 km asphaltiert. Die Bahn verfügt über 602 km Meterspur; die Verbindungen Phnom Penh–Poipet und Phnom Penh–Sihanoukville sind wieder in Betrieb. Der Mekong ist bis Kratie problemlos schiffbar. Es gibt vier internationale Flughäfen. 2023 waren 94,02 % der Haushalte ans Stromnetz angeschlossen; die Stromerzeugung stammte zu 48,06 % aus Kohle, zu 46,12 % aus Wasserkraft und zu 5,09 % aus Sonne.

Das größte Umweltproblem ist Holzeinschlag. Nach einem Weltbank-Bericht sank die Bewaldung von 73 % 1969 auf 58 % 1997; von den 2011 vorhandenen Waldflächen wurden bis 2022 mehr als 60 % gerodet. Folgen sind Erosion, Versandung von Gewässern und Gefährdung des Tonle Sap. Schutzgebiete umfassen heute 43.000 km² beziehungsweise 25 % des Landes, sind jedoch durch Abholzung, Siedlungserschließung und fehlende Mittel gefährdet.

Kultur und Alltag

Die kambodschanische Kultur knüpft stark an das antike Khmer-Reich an und zeigt besonders in Architektur, Tanz und Literatur indische Einflüsse. Tempelanlagen wie Angkor sind zugleich Ausdruck nationaler Identität und Grundlage des Tourismus. Nach den Zerstörungen während der Rote-Khmer-Herrschaft werden Kunst, Tempel und traditionelle Ausdrucksformen seit 1979 wiederbelebt.

Die klassische Khmer-Architektur entwickelte sich aus den Traditionen von Funan und Chenla. Angkor-Tempel stellen symbolisch den Berg Meru, den Wohnort indischer Götter, dar. Typisch sind gestufte Pyramiden, ein Hauptturm mit vier Nebentürmen in Quincunx-Anordnung, Ost-West-Ausrichtung, Dammwege, Gräben und konzentrische Mauern. Als Baumaterial dienten unter anderem Ziegel, Sandstein und Laterit. Angkor Wat ist das bekannteste Beispiel.

Der klassische Tanz geht auf die heiligen Tänze der Apsaras zurück. Er ist stark symbolisch geregelt und wird meist von Frauen mit Orchester und erzählendem Chor vorgeführt. Bekannt ist der Apsara-Tanz Robam Tep Apsara, ein im 20. Jahrhundert entwickelter Stil auf Grundlage der klassischen Khmer-Tradition. Das Reamker, eine lokale Fassung des Ramayana, prägt Literatur, Theater, Tanz und Schattenspiel.

Grundnahrungsmittel ist weißer Reis. Fisch ist die wichtigste Proteinquelle; verbreitet sind außerdem Schwein und Rind. Prahok ist eine Paste aus kleinen getrockneten und fermentierten Fischen. Das traditionelle, vielseitig verwendete Baumwolltuch heißt Krama. Der Unabhängigkeitstag am 9. November ist Nationalfeiertag; das Wasserfest erinnert daran, dass der Tonle-Sap-Fluss seine Fließrichtung ändert.

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