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Afghanistan

Drei Viertel des Landes mit heute 34 Provinzen bestehen aus schwer zugänglichen Gebirgsregionen. Afghanistan. افغانستان (Paschto, Dari-Persisch). Afġānistān …

Inhalt5 Abschnitte
  1. 1. Staat, Lage und Gegenwart
  2. 2. Naturraum und Siedlungen
  3. 3. Bevölkerung, Sprachen und Lebensbedingungen
  4. 4. Geschichtliche Entwicklung und Konflikte
  5. 5. Wirtschaft, Infrastruktur und Kultur

Staat, Lage und Gegenwart

Afghanistan ist ein Binnenstaat an der Schnittstelle von Süd-, Zentral- und Vorderasien. Es grenzt an Iran, Turkmenistan, Usbekistan, Tadschikistan, China und Pakistan. Hauptstadt ist Kabul; die Fläche beträgt 652.864 km². Das Land hat 34 Provinzen und ist überwiegend schwer zugängliches Gebirgsland.

Seit der Machtübernahme der Taliban 2021 wird Afghanistan de facto als theokratisches Islamisches Emirat regiert. Staats- und Regierungsoberhaupt ist der als Amir al-Mu'minin bezeichnete Talibanführer Hibatullah Achundsada. Staatsreligion ist der Islam, Amtssprachen sind Paschto und Dari. Russland erkennt das Taliban-Regime an; die meisten Staaten und die Vereinten Nationen erkennen de jure weiterhin die geflohene frühere Islamische Republik an.

Für 2025 werden 43,8 Millionen Einwohner, 67 Einwohner je km² und ein Bevölkerungswachstum von 2,8 % geschätzt. Das nominale BIP betrug 2023 17 Milliarden US-Dollar beziehungsweise 411 US-Dollar je Einwohner; der HDI lag bei 0,496 und damit auf Rang 181. Vier Jahrzehnte Bürgerkrieg, Armut, Hunger und Menschenrechtsverletzungen prägen das Land. Im Demokratieindex lag Afghanistan 2024 mit 0,25 von 10 Punkten auf Rang 167 von 167.

Naturraum und Siedlungen

Weniger als 10 % der Landesfläche liegen unter 600 m. Das zentrale Bergland umfasst mehrere Gebirgszüge; der Hindukusch im Nordosten erreicht bis 7500 m. Höchster Punkt ist der 7485 m hohe Noshak, tiefster Punkt mit 285 m die Amudarja-Flussebene an der Grenze zu Turkmenistan. Im Südwesten liegen abflusslose Ebenen, Wüsten und Halbwüsten. Der Hilmend ist der längste Fluss und endet in den Salzseen von Sistan an der iranischen Grenze. Der Wachankorridor schafft die kurze Grenze zu China.

Erdbeben, Erdrutsche und Schneelawinen sind besonders in Badachschan häufig. Beim Erdbeben vom 30. Mai 1998 starben dort ungefähr 6000 Menschen. Afghanistan besitzt viele Rohstoffe, darunter Kohle, Kupfer, Eisenerz, Lithium, Uran, Seltene Erden, Erdgas und Erdöl. Der Wert der bis 2007 gefundenen, aber ungenutzten Mineralvorkommen wurde 2010 auf 900 bis 3000 Milliarden US-Dollar geschätzt.

Das kontinentale Klima bringt heiße, trockene Sommer und sehr kalte Winter; nur der äußerste Südosten erhält Monsunregen. Dürren gefährden besonders die Landwirtschaft. In Kabul liegen die Tages-/Nachttemperaturen im Januar bei 05 °C/−7 °C und im Juli bei 32 °C/15 °C. Die Flora umfasst schätzungsweise bis zu 5000 höhere Pflanzenarten, rund 30 % davon endemisch. Die Band-e-Amir-Seen bei Bamiyan wurden 2009 zum ersten Nationalpark erklärt. 2023 lebten 27 % der Bevölkerung in Städten; Kabul war 2019 mit 4,273 Millionen Einwohnern die größte Stadt.

Bevölkerung, Sprachen und Lebensbedingungen

Afghanistan hat eine sehr junge und schnell wachsende Bevölkerung. 2022 lebten dort 41,1 Millionen Menschen; die Geburtenziffer betrug 35,1 je 1000 Einwohner, die Sterbeziffer 6,9 je 1000 Einwohner. Die durchschnittliche Kinderzahl lag bei 4,5 je Frau, das Medianalter 2021 bei 16,7 Jahren. 43,1 % der Bevölkerung waren 2022 jünger als 15 Jahre, nur 2,4 % älter als 64 Jahre.

Die ethnische Zugehörigkeit wird nicht statistisch erfasst und ist teils schwer eindeutig zuzuordnen. Geschätzt stellen Paschtunen 42–60 % der Bevölkerung, Tadschiken 20–27 %, Hazara 9–15 % und Usbeken 6–9 %. Die überwiegend schiitischen Hazara wurden wegen ihrer ethnischen und religiösen Zugehörigkeit diskriminiert, verfolgt und teils gezielt getötet. Über 99,9 % der Bevölkerung sind Muslime: etwa vier Fünftel meist hanafitische Sunniten und ein Fünftel imamitische Schiiten.

Etwa 49 Sprachen und über 200 Dialekte werden gesprochen. Paschto und Dari sind seit 1964 Amtssprachen. Paschto ist laut Schätzung von 2023 für 52,4 %, Dari für 32,1 % Muttersprache; Dari dient zudem vielen Menschen als Lingua franca, also gemeinsame Verständigungssprache. Regional sind auch Usbekisch, Turkmenisch, Belutschisch, Paschai und Nuristani als Nationalsprachen anerkannt.

Krieg und die Bildungspolitik der Taliban erschwerten Bildung stark. Die Analphabetenquote lag 2015 bei 61,8 %, bei Frauen bei 75,8 % und bei Männern bei 48 %. Unter den Taliban sind Schulen für Mädchen ab 13 Jahren geschlossen; Frauen wurden außerdem von Hochschulen ausgeschlossen. 2024 wurde ihre Ausbildung zu Hebammen verboten. Frauen sind auch in weiteren Bereichen massiv eingeschränkt; im Mai 2026 wurde das gesetzliche Mindestalter von 16 Jahren für Mädchen aufgehoben. Im Gesundheitswesen praktizierten 2018 nur 3 Ärztinnen und Ärzte je 10.000 Einwohner. Die Sterblichkeit unter Fünfjähriger sank von 244 je 1000 Lebendgeburten 1980 auf 57,7 im Jahr 2022.

Geschichtliche Entwicklung und Konflikte

Das Gebiet gehörte in der Antike zum Perserreich und später unter anderem zum griechisch-baktrischen, parthischen und sassanidischen Herrschaftsraum. Der Islam setzte sich nach der arabischen Expansion langsam durch. Im 15. Jahrhundert war Herat Hauptstadt der Timuriden. Ahmad Schah Durrani gründete 1747 ein selbstständiges paschtunisches Königreich, das als Vorgängerstaat Afghanistans gilt.

Im 19. Jahrhundert geriet Afghanistan zwischen britische und russische Interessen. Nach drei Anglo-Afghanischen Kriegen erkannte Großbritannien am 8. August 1919 im Vertrag von Rawalpindi die Souveränität Afghanistans an. Die Durand-Linie von 1893 trennte paschtunische Gebiete und bildet weitgehend die Grenze zu Pakistan.

1973 wurde die Monarchie gestürzt; 1978 übernahm nach der Saurrevolution eine kommunistisch geprägte Regierung die Macht. Der sowjetische Einmarsch von Dezember 1979 führte zu einem zehnjährigen Stellvertreterkrieg gegen Mudschaheddin, die von den USA, Saudi-Arabien und Pakistan unterstützt wurden. Nach unterschiedlichen Schätzungen starben 600.000 bis zwei Millionen Zivilisten. Nach dem Abzug der Sowjettruppen 1989 und der Einnahme Kabuls durch Mudschaheddin 1992 folgten Kämpfe rivalisierender Milizen und schwere Menschenrechtsverbrechen.

Die Taliban eroberten 1996 Kabul und errichteten das Islamische Emirat. Nach den Anschlägen vom 11. September 2001 stürzte eine von den USA geführte Invasion das Taliban-Regime. Die Verfassung von 2004 begründete eine Islamische Republik mit Präsident, Wolesi Dschirga und Meschrano Dschirga, doch Wahlen waren von Betrugsvorwürfen begleitet und das Land wurde autoritär regiert. Taliban und andere Gruppen setzten den bewaffneten Kampf fort. Das Abkommen der USA mit den Taliban vom Februar 2020 regelte den Truppenabzug, aber nicht die künftige Staatsordnung. Nach dem Ende des NATO-Einsatzes übernahmen die Taliban am 15. August 2021 Kabul und bald fast das ganze Land. Willkürliche Festnahmen, Folter, extralegale Tötungen, die Unterdrückung von Frauen und praktisch fehlende Meinungsfreiheit werden berichtet.

Wirtschaft, Infrastruktur und Kultur

Die Wirtschaft wurde durch Kriege schwer geschädigt und zählt zu den ärmsten der Welt. 2017 arbeiteten 44,3 % der Arbeitskräfte in der Landwirtschaft, 18,1 % in der Industrie und 37,6 % im Dienstleistungssektor; nur 17,3 % der Beschäftigten waren Frauen. Nur rund 6 % der Staatsfläche sind landwirtschaftlich nutzbar, meist nur mit künstlicher Bewässerung. Entwaldung, Überweidung, Grundwasserentnahme und häufigere Dürren verschärfen die Ernährungsunsicherheit.

Opium spielte lange eine große wirtschaftliche Rolle: 2006 entsprach der Handel mit Opium 46 % des BIP. Die Taliban verboten 2022 den Schlafmohnanbau mit Wirkung zur Ernte 2023; die Anbaufläche fiel von 233.000 Hektar 2022 auf 10.800 Hektar 2023. Armut und Hunger sind verbreitet: 2021 litten 22,8 Millionen Menschen unter akuter Lebensmittelunsicherheit, 2022 19,7 Millionen. Korruption ist in Staat und Wirtschaft weit verbreitet.

Die Infrastruktur ist schwach und kriegsbeschädigt. 2021 hatten 35 % der Haushalte einen Stromanschluss; knapp 80 % des Stroms wurden importiert. Das Straßennetz umfasste 2017 etwa 34.903 km, davon 17.903 km asphaltiert. Anfang 2024 bestand das Schienennetz aus vier Inselbetrieben mit zusammen 227 km. 2020 nutzten 18,4 % der Einwohner das Internet; Ende September 2025 schaltete die Taliban-Regierung das Glasfasernetz ab.

Kulturell war die Region zunächst buddhistisch, später islamisch geprägt. Die Buddha-Statuen von Bamiyan wurden 2001 von den Taliban zerstört. Das Minarett von Dschām und die archäologischen Überreste im Bamiyan-Tal gehören zum UNESCO-Welterbe. Traditioneller Sport ist Buzkaschi; bei Mannschaftssportarten sind Fußball und besonders Cricket beliebt. Die Cricket-Nationalmannschaft erhielt am 22. Juni 2017 Teststatus und erreichte beim T20 World Cup 2024 das Halbfinale.

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