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Stupa
Im frühen Buddhismus wurden in einem Stupa Reliquien des Buddha und später von herausragenden Mönchen (arhats) aufbewahrt; so wurde er das rituelle Zentrum der …
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Grundidee und religiöse Funktion
Ein Stupa ist ein buddhistisches Bauwerk, das Buddha und seine Lehre, den Dharma, symbolisiert. Seine frühe Form ähnelt einem Tumulus, also einem kreisförmig aufgeschütteten Grabhügel. Solche Hügel dienten in Indien schon seit prähistorisch-megalithischer Zeit der Bestattung von Herrschern.
Im frühen Buddhismus wurden in Stupas Reliquien, also körperliche Überreste, des Buddha und später auch herausragender Mönche, der Arhats, aufbewahrt. Dadurch wurden sie zu rituellen Zentren der Buddha- und Arhatverehrung. Gläubige umschreiten einen Stupa im Uhrzeigersinn. Dieses Ritual heißt Pradakshina.
Neben der Funktion als Reliquienbehälter kann ein Stupa als Denkmal oder Votivgabe dienen. Ein Votivstupa wird aus religiöser Hingabe gestiftet. Kleinere Stupas in indischen Tempelkomplexen und Chaitya-Hallen, also buddhistischen Kulthallen, wurden teilweise aus natürlichem Fels herausgehauen. Sie enthielten deshalb nicht immer Reliquien, sondern konnten von Anfang an als Gedenk- oder Votivstupas gedacht sein.
Ursprung und Entwicklung im frühen Buddhismus
Der ursprüngliche Stupa war ein länglicher Stein- oder Erdhügel über den Überresten eines Verstorbenen, meist dessen Asche. Zu einem unbekannten Zeitpunkt setzte man in Indien einen Stab, möglicherweise bereits mit einem Ehrenschirm, in die Mitte der Halbkugel. Knochen- und Zahnreste, die nach der Verbrennung übrig geblieben waren, wurden darunter bestattet. Der Stab galt als Verbindung zum Zentrum des Universums, das alle Energie sammle und die Entstehung des Lebens beeinflusse. Die Halb- oder Vollkugel stand für Vollständigkeit, die ausgeglichene Energie und das Universum.
Der Buddhismus übernahm diese Grundvorstellungen. Stupas gelten als die ersten wichtigen Denkmale und Orte künstlerischer Gestaltung im Buddhismus. Buddha soll ihren Bau angeordnet haben; die ältesten bekannten Stupas stammen jedoch aus der Zeit Kaiser Ashokas. Einer Legende zufolge ließ Ashoka 84.000 Stupas in seinem Herrschaftsgebiet errichten.
Nach der Mahaparinibbana-Sutra gelten vier Personengruppen als eines solchen Grabhügels würdig: ein historischer, vollkommen erwachter Buddha (Samma-Sambuddha), ein einzeln Erwachter, der den Dharma nicht predigt (Pacceka-Buddha), ein Jünger des Vollendeten und ein Kaiserkönig oder universeller Monarch (Chakravartin).
Schon in den ersten Jahrhunderten nach Christus wurden in Indien kaum noch große Stupas gebaut. Aus dieser Zeit stammen jedoch Anlagen in Nepal, beispielsweise Bodnath und Swayambhunath, in Pakistan, darunter Amlukdara und Shingardara, sowie in anderen Teilen Südostasiens.
Bauform und Symbolik
Aus dem einfachen Grabhügel entwickelte sich innerhalb weniger Jahrhunderte die Grundform, die am großen Stupa von Sanchi in Zentralindien deutlich wird. Ihre vier Grundelemente sind eine quadratische Grundfläche, eine halbkugelige Kuppel, eine Reliquienkammer und eine Spitze. Die Spitze kann durch stilisierte Ehrenschirme ersetzt sein und wird häufig durch eine Krone oder ein „Juwel“ abgeschlossen. Umzäunungen heißen Vedika, Tore Torana, der quadratische Zaun auf der Kuppel Harmika und der Schirm Chhattra.
Grundriss, Gesamtbau und einzelne Bauteile besitzen mehrere, gleichzeitig mögliche Bedeutungen. Der Grundriss kann das Rad der Lehre (Dharmachakra) darstellen, dessen Achse als Weltachse verstanden wird. Weitere Deutungen sind eine Lotosblüte oder ein Mandala, also eine symbolische geometrische Darstellung. Der gesamte Bau kann für den kosmischen Berg Meru mit dem Weltenbaum, die drei Juwelen, die fünf Elemente oder den im Lotussitz auf einem Thron sitzenden Buddha stehen. Die Kuppel kann als „kosmisches Ei“ (aṇḍa), als Mutterschoß (garbha) oder als „Behälter der Elemente“ (dhātu-garbha) verstanden werden; von diesem Ausdruck stammt die Bezeichnung Dagoba.
Von unten nach oben werden die Teile des alten indischen Stupas zusätzlich bestimmten Bedeutungen zugeordnet: Die quadratische Plattform steht für die Sangha, also die buddhistische Gemeinschaft, für das Element Erde und für den Löwenthron. Der kreisrunde Sockel entspricht den gekreuzten Beinen. Die Kuppel symbolisiert den Dharma, das Wasser und den Oberkörper. Die quadratische Reliquienkammer entspricht dem Kopf. Spitze oder Mast mit Ehrenschirmen stehen für Feuer und die Ushnisha, ein Kennzeichen des Buddha. Die Krone beziehungsweise das Juwel steht für Buddha, Luft und Raum sowie Bodhi, das Erwachen.
Reliquien, Denkmäler und religiöser Verdienst
Als Reliquienbehälter knüpft der Stupa an die Überlieferung über Buddhas Tod an. Nach seiner Kremation wurden seine Reliquien in acht Teile geteilt und an acht anwesende Könige verteilt. Mehr als 200 Jahre später sollen alle acht Teile auf wundersame Weise in den Besitz Kaiser Ashokas gelangt sein. Der Legende nach teilte er sie in 84.000 Teile und ließ sie in ebenso vielen Stupas seines Reiches einschließen. Da heute sehr viele Stupas beanspruchen, Reliquien Buddhas zu enthalten, hält der Artikel es für recht unwahrscheinlich, dass sie tatsächlich jeweils einen dieser Teile besitzen; vielfach könnten es Kopien entsprechender Stupas sein.
Ein Denkmalstupa heißt auf Sanskrit uddesika-stūpa. In der Mahaparinibbana Sutta nennt Buddha vier Orte, welche die Gläubigen nach seinem Eingehen in das Parinirvana besuchen können: Lumbini als Geburtsort, Bodhgaya als Ort der Erleuchtung, Sarnath als Ort der ersten Predigt und Kushinagar als Ort des Parinirvana. Dort sollten Stupas an die jeweiligen Ereignisse erinnern. Später kamen Srāvastī, Sāmkāśya, Vaiśali und Rājagṛha als weitere Pilgerstätten hinzu. In Tibet werden diesen acht Orten acht verschiedene Stupatypen zugeordnet.
Im Mahayana-Buddhismus gilt das Errichten eines Stupas als verdienstvolle Tat; damit werden bis zu 18 Arten von Verdiensten verbunden. Die Größe ist dabei nicht entscheidend, wohl aber korrekte Proportionen und eine reine Motivation. Nach tibetischer Tradition überwacht ein kundiger Lama den Bau und weiht ihn anschließend ein. Andernfalls könne ein „Schwarzer Stupa“ entstehen, der als „wie ein Körper ohne Eingeweide“ beschrieben wird. Zur Füllung dienen sogenannte Tsa-Tsas.
Das Bauen eines Stupas soll positives Karma hinterlassen, günstige Wiedergeburten fördern und im besten Fall eine rasche Erleuchtung ermöglichen. Auch das rituelle Umschreiten gilt als vorteilhaft. In Thailand werden zum Neujahrsfest Songkran in Tempeln Sand-Chedis errichtet. Damit soll der Staub zurückgebracht werden, den Gläubige im Laufe des Jahres an ihren Schuhen aus dem Tempel getragen haben.
Regionale Formen und wichtige Beispiele
Aus der indischen Grundform entstanden in verschiedenen Regionen eigene Bautypen. In Sri Lanka entwickelte sich seit dem 2. Jahrhundert v. Chr. die Dagoba. In Myanmar heißt die Form Paya. Die thailändische Chedi beruht auf der singhalesischen Dagoba; aus ihr ging in Laos der That hervor. Borobudur auf der indonesischen Insel Java wurde zwischen 750 und 850 erbaut, folgt einem Mandala-Grundriss und stellt in vieler Hinsicht einen Sonderfall dar.
Die nördliche Entwicklungslinie führte in Ostasien zur Pagode. Die chinesische Pagode ist innen begehbar und verbreitete sich vom 5. bis zum 8. Jahrhundert nach Korea und Japan. Japanische Pagoden wurden ausschließlich aus Holz gebaut. In Tibet entstand der Chörten. Seine Bauform ist in Texten des Tengyur festgelegt, des Kommentarteils des tibetisch-buddhistischen Kanons. Er symbolisiert den Stufenweg zur Erleuchtung und zugleich den aktiven Weg des Bodhisattva, also eines Wesens, das nach Erwachen strebt und anderen auf diesem Weg hilft.
Zu den bedeutenden historischen Anlagen zählen in Indien unter anderem Sanchi, Bharhut, Amaravati, Piprahwa, Kesariya, Kushinagar und Sarnath. In Pakistan liegen beispielsweise Mankiala, Shingardara, Amlukdara, Butkara, Taxila und der Kanischka-Stupa. Bedeutende Beispiele sind außerdem Bodnath und Swayambhunath in Nepal, Anuradhapura und Mihintale in Sri Lanka, Borobudur in Indonesien, Shwedagon und Bagan in Myanmar sowie That Luang in Laos. In Thailand befinden sich wichtige Anlagen unter anderem in Ayutthaya und Sukhothai sowie Wat Phra That Hariphunchai und Wat Phra That Doi Suthep.