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Vietnam

Stattdessen wurden die beiden vietnamesischen Staaten 1976 unter kommunistischer Führung wiedervereinigt.

Inhalt6 Abschnitte
  1. 1. Staat und geografischer Raum
  2. 2. Landschaften, Klima und Umwelt
  3. 3. Von frühen Staaten zur Wiedervereinigung
  4. 4. Bevölkerung, Gesellschaft und Grundversorgung
  5. 5. Politik, Außenbeziehungen und Menschenrechte
  6. 6. Wirtschaft, Verkehr und Kultur

Staat und geografischer Raum

Vietnam ist ein langgestreckter Küstenstaat in Südostasien. Es grenzt an China, Laos und Kambodscha sowie an den Golf von Thailand und das Südchinesische Meer. Hauptstadt ist Hanoi, die größte Stadt nach Einwohnern Ho-Chi-Minh-Stadt. Vietnam umfasst 331.690 km² und hatte 2025 schätzungsweise 101,6 Millionen Einwohner. Die Bevölkerungsdichte beträgt 306 Einwohner pro km².

Amtssprache ist Vietnamesisch, Staatswährung der Đồng (VND). Vietnam ist eine sozialistische Republik mit Einparteiensystem. Staatsoberhaupt ist de facto der Generalsekretär der Kommunistischen Partei Vietnams, Tô Lâm; de jure ist er Präsident. Regierungschef ist Premierminister Lê Minh Hưng. Die Unabhängigkeit von Frankreich wurde am 2. September 1945 erklärt und 1954 anerkannt. Nationalfeiertag ist der 2. September, die Zeitzone UTC+7.

Die Landschaft wird häufig als „Bambusstange mit zwei Reisschalen“ beschrieben: Im Norden und Süden liegen die fruchtbaren Deltas des Roten Flusses und des Mekong; dazwischen befindet sich ein schmales, überwiegend von Wald, Gebirgen und Hochebenen geprägtes Gebiet. Drei Viertel des Landes bestehen aus Bergen und Hochebenen. Die Nord-Süd-Ausdehnung beträgt etwa 1650 km, die schmalste Stelle in Mittelvietnam nur 50 km.

Landschaften, Klima und Umwelt

Von Nord nach Süd lassen sich fünf Landschaften unterscheiden: das Yunnan-Hochland mit dem höchsten Berg Phan-xi-păng (3144 m), das Delta des Roten Flusses um Hanoi, das dünn besiedelte Annamitische Hochland, der schmale und dichter besiedelte Annamitische Küstenstreifen sowie das fruchtbare und dicht besiedelte Mekongdelta. Bedeutende Städte sind unter anderem Hải Phòng, Huế, Đà Nẵng und Cần Thơ. 2023 lebten 40 Prozent der Bevölkerung in Städten. 2019 waren Ho-Chi-Minh-Stadt mit 7.005.000 Einwohnern und Hanoi mit 3.605.000 Einwohnern die größten Städte.

Der Norden besitzt ein subtropisches Klima mit einer kühlen Jahreszeit von November bis April und einer heißen Jahreszeit von Mai bis Oktober. Der Süden und die zentrale Region sind tropisch. Dort ist es ganzjährig warm bis sehr heiß; die Regenzeit dauert gewöhnlich von Mai bis Oktober. Der Wolkenpass nördlich von Đà Nẵng bildet die Wetterscheide. Während der Regenzeit treten häufig Taifune auf, die besonders im Mekongdelta und an anderen Küstenregionen Überschwemmungen verursachen können.

Vietnam besitzt eine artenreiche Tierwelt, die durch Waldzerstörung und Wilderei bedroht ist. Nach neueren Schätzungen leben nur noch rund 200 Tiger und weniger als 60 Asiatische Elefanten im Land. Java-Nashörner wurden 2010 durch Wilderei ausgerottet. Nationalparks und UNESCO-Schutzgebiete sollen die Artenvielfalt bewahren.

Die Umwelt ist weiterhin durch die Folgen des Vietnamkriegs belastet. Die US-Luftwaffe versprühte über 45 Millionen Liter dioxinhaltiger Herbizide wie Agent Orange. Deren Halbwertszeit beträgt etwa ein Jahrzehnt; besonders Mangroven, Wälder und Böden wurden geschädigt. Dioxin gelangte in die Nahrungskette und wird mit erhöhten Zahlen an Fehl-, Tot- und Missgeburten in Verbindung gebracht. In ländlichen Gebieten gefährden außerdem Blindgänger und Landminen die Bevölkerung. Brandrodung, Abholzung und illegaler Holzeinschlag verschärfen die Probleme. Die Regierung und Umweltorganisationen setzen unter anderem auf Nationalparks und Ökotourismus.

Von frühen Staaten zur Wiedervereinigung

Die ältesten Spuren menschlicher Aktivität reichen nach Ausgrabungen in der Provinz Gia Lai etwa 800.000 Jahre zurück. Die Sơn-Vi-Kultur ist mehr als 30.000 Jahre alt, die Hoa-Binh-Kultur rund 20.000 Jahre und die Bac-Son-Kultur etwa 10.000 v. Chr. Der Bewässerungsanbau von Reis war etwa ab 3000 v. Chr. bekannt. Im Norden begann die Bronzezeit um 1300 v. Chr.; ab etwa 400 v. Chr. bestand dort die Dong-Son-Kultur, die für reich verzierte Bronzetrommeln bekannt ist.

258 v. Chr. gründete Thục Phán das Königreich Âu Lạc. 208 v. Chr. wurde es von Triệu Đà besiegt, der Nam Việt gründete. 111 v. Chr. eroberten die Han-Chinesen Nam Việt und gliederten es als Präfektur Giao Chỉ in ihr Reich ein. Die chinesische Herrschaft dauerte, unterbrochen von kurzen Unabhängigkeitsphasen, bis 939. Nach der Schlacht am Bạch-Đằng-Fluss im Herbst 938 entstand 939 unter Ngô Quyền ein unabhängiger vietnamesischer Staat.

Die Lý-Dynastie regierte Đại Việt von 1010 bis 1225. Die Trần-Dynastie verteidigte das Land 1257/58 gegen Angriffe der Chinesen und Mongolen. Nach einer kurzen Ming-Herrschaft gründete Lê Lợi 1428 die Lê-Dynastie, die bis 1789 regierte. Vietnam expandierte nach Süden und eroberte Champa. 1789 ging aus der Tây-Sơn-Rebellion Nguyễn Ánh als Sieger hervor. Als Kaiser Gia Long verlegte er die Hauptstadt nach Huế und führte 1802 den Namen Việt Nam ein.

Ab 1858 verstärkte Frankreich seine militärische Einflussnahme. Bis 1883 entstanden die drei Protektorate Annam, Cochinchina und Tonkin; Vietnam wurde Teil von Französisch-Indochina. Die Bevölkerung verarmte, während eine schmale Großgrundbesitzerschicht entstand. 1941 geriet Indochina unter japanischen Einfluss. Die Việt Minh kämpften gegen japanischen Imperialismus und französischen Kolonialismus. Nach der Augustrevolution erklärte Hồ Chí Minh am 2. September 1945 die Demokratische Republik Vietnam.

Der Erste Indochinakrieg dauerte von 1946 bis 1954. Die Việt Minh besiegten Frankreich am 7. Mai 1954 in Điện Biên Phủ. Die Genfer Konferenz beschloss am 20. Juli 1954 die Teilung entlang des 17. Breitengrades in Nordvietnam mit Hanoi und Südvietnam mit Saigon. Im Vietnamkrieg kämpften ab 1964/65 Nordvietnam und die Nationale Front für die Befreiung Südvietnams gegen Südvietnam und die USA. Die Tet-Offensive vom 31. Januar 1968 war politisch besonders wichtig. Die USA begannen 1969 mit der Vietnamisierung und zogen ihre Truppen ab. Nach dem Waffenstillstand vom 27. Januar 1973 fiel Saigon am 30. April 1975; Südvietnam kapitulierte am 1. Mai. Am 2. Juli 1976 wurden beide Staaten als Sozialistische Republik Vietnam wiedervereinigt. Saigon wurde in Ho-Chi-Minh-Stadt umbenannt.

Bevölkerung, Gesellschaft und Grundversorgung

Vietnam hatte 2023 geschätzt 100,4 Millionen Einwohner. Die Geburtenziffer lag bei 14,7, die Sterbeziffer bei 6,8 pro 1000 Einwohner; 2022 lag die durchschnittliche Kinderzahl pro Frau bei 1,9 und die Lebenserwartung bei 74,6 Jahren. Der Median des Alters betrug 2021 32 Jahre. 2023 waren 23,6 Prozent der Bevölkerung unter 15 Jahre und 8,6 Prozent über 64 Jahre alt. Gleichzeitig altert die Bevölkerung außergewöhnlich schnell: Vietnam erreichte den Status einer alternden Bevölkerung nach UNFPA-Richtlinien innerhalb von 20 Jahren. Die Fertilitätsrate sank von über 5 Kindern pro Frau in den 1970er Jahren auf heute etwa 2,0.

Etwa 88 Prozent der Bevölkerung sind ethnische Vietnamesen, auch Việt oder Kinh genannt. Daneben sind 53 Minderheitengruppen anerkannt, darunter Hoa, Thái und Khmer sowie die als Montagnards bezeichneten Bergvölker. Viele Minderheiten leben in wirtschaftlich benachteiligten Bergregionen; ihre Sprachen und Kulturen unterscheiden sich teilweise stark von denen der Vietnamesen. Vietnamesisch ist Amtssprache und wird von 88 Prozent der Bevölkerung als Muttersprache gesprochen. Seit 1945 wird eine lateinbasierte Schrift verwendet. Englisch ist heute die verbreitetste Fremdsprache und in den meisten Schulen obligatorisch; Französisch, Russisch, Deutsch, Tschechisch und Polnisch werden teilweise aufgrund historischer Kontakte ebenfalls gesprochen.

Genaue Angaben zur Religion sind schwierig. Eine Studie von 2004 bezeichnete 81,5 Prozent der Vietnamesen als Atheisten. Schätzungen nennen etwa 20 Millionen Buddhisten und 6 Millionen Katholiken. Außerdem gibt es Cao Dai, Hoa Hao, Protestanten und Muslime. Die Alltagsreligiosität verbindet häufig Buddhismus, Taoismus, Konfuzianismus, animistische Vorstellungen und Ahnenkult. Die Verfassung garantiert Religionsfreiheit, religiöse Institutionen wurden von der Kommunistischen Partei jedoch zumindest früher misstrauisch behandelt.

Es gibt keine Schulpflicht. Die Grundschule umfasst die Klassen 1 bis 5, die Mittelschule die Klassen 6 bis 9; für den Eintritt in die Oberschule ist eine Prüfung erforderlich. 2015 betrug die Bildungserwartung 12,6 Jahre, etwa 6 Prozent der über 15-Jährigen waren Analphabeten. Im PISA-Ranking 2015 belegte Vietnam Platz 22 von 72 in Mathematik, Platz 8 in Naturwissenschaften und Platz 30 im Lesen. Die Gesundheitsausgaben betrugen 2021 4,6 Prozent des BIP, mehr als 93 Prozent der Bevölkerung waren krankenversichert. 2022 lag die Lebenserwartung bei Frauen bei 79,3 und bei Männern bei 69,9 Jahren.

Politik, Außenbeziehungen und Menschenrechte

Vietnam ist ein Einparteienstaat. Die Kommunistische Partei Vietnams besitzt das Machtmonopol; die Vietnamesische Vaterlandsfront kontrolliert wesentlich die Auswahl der Wahlkandidaten. Das Land wird hauptsächlich von einem Kollegium aus Generalsekretär der Partei, Premierminister und Staatspräsident geführt. Die Nationalversammlung ist laut Verfassung das höchste staatliche Organ. Ihre 493 Abgeordneten werden für fünf Jahre gewählt. Sie ernennt unter anderem Staatspräsident, Premierminister und Regierung und entscheidet über Staatshaushalt und Produktionspläne.

Artikel 4 der Verfassung legt die führende Rolle der Kommunistischen Partei fest und verbietet Oppositionsparteien. Die Verfassung garantiert formal Rede-, Presse-, Versammlungs- und Glaubensfreiheit. In der Praxis schränken staatliche Zensur, Überwachung und Verhaftungen kritischer Blogger diese Rechte ein. Die Judikative ist de facto nicht unabhängig; der Oberste Volksgerichtshof untersteht der Nationalversammlung. Die Todesstrafe ist nicht abgeschafft und wird unter anderem bei Korruption und Drogenhandel angewandt.

Die politischen Indizes weisen auf ein autoritäres System und starke Einschränkungen der Freiheit hin: Der Demokratieindex 2024 lag bei 2,62 von 10, Rang 133 von 167; Freedom in the World bewertete Vietnam 2022 mit 19 von 100 als „unfrei“. In der Rangliste der Pressefreiheit lag Vietnam 2026 mit 21,2 von 100 auf Rang 174 von 180. Der Korruptionswahrnehmungsindex betrug 2025 41 von 100, Rang 81 von 181.

Nach einer Phase internationaler Isolation verbesserte Vietnam ab den 1990er Jahren seine Beziehungen. 1995 trat es der ASEAN bei, 1998 der APEC und am 11. Januar 2007 der WTO. Grenzstreitigkeiten bestehen insbesondere um die Paracel- und Spratly-Inseln im Südchinesischen Meer. Die Streitkräfte unterliegen der politischen Kontrolle der Partei. Die Landstreitkräfte umfassen etwa 412.000 Mann; für Männer besteht gewöhnlich eine zweijährige Wehrpflicht. Zusätzlich werden paramilitärische Reserveeinheiten mit 4 bis 5 Millionen Mann geschätzt.

Wirtschaft, Verkehr und Kultur

Seit den Reformen Đổi mới („Erneuerung“), die ab 1986 eingeleitet und ab 1989 umgesetzt wurden, wandelt sich Vietnam von einer Zentralverwaltungswirtschaft zu einer „sozialistischen Marktwirtschaft“. Die zentrale Planung und Kollektivierung wurden schrittweise aufgegeben, Privateigentum und ausländische Investitionen erlaubt; politische Reformen blieben aus. Das Land wurde dadurch zu einem wichtigen Produktions- und Investitionsstandort und gilt seit Beginn 2011 als Schwellenland.

Das reale BIP-Wachstum betrug 2024 7,1 Prozent, die Inflation 3,6 Prozent und die Staatsverschuldung 31 Prozent des BIP. Für 2025 werden ein nominales BIP von 490 Milliarden USD, ein kaufkraftbereinigtes BIP von 1,786 Billionen USD und ein nominales BIP pro Einwohner von 4.806 USD angegeben. Beim HDI nennt der Artikel unterschiedliche Werte: 0,766 für 2023 in der Infobox und 0,693 im wirtschaftlichen Überblick.

In der Landwirtschaft arbeiten etwa 40 Prozent der Arbeitskräfte, der Sektor trägt jedoch nur 15 Prozent zum BIP bei. Vietnam ist ein bedeutender Reisproduzent und Reisexporteur, der weltweit zweitgrößte Kaffeeproduzent hinter Brasilien und ein wichtiger Fischproduzent. Die Industrie ist vor allem durch Textilien, Schuhe, Zement, Stahl und Fahrzeugmontage geprägt. 2020 entfielen 38,3 Prozent der Ausfuhren auf Elektronik und 13,5 Prozent auf Textilien und Bekleidung. Wichtigste Exportziele waren die USA und China; wichtigste Importquelle war China.

Die Straßen sind insgesamt etwa 210.000 km lang, davon sind 29 Prozent asphaltiert und nur etwa 13,5 Prozent in gutem Zustand. Die Nationalstraße 1A bildet auf über 2100 km das Rückgrat des Landes. Das Eisenbahnnetz umfasst sechs Linien mit 3260 km Schiene. Der Reunification Express benötigt für die 1730 km zwischen Hanoi und Ho-Chi-Minh-Stadt 29,5 Stunden. Vietnam verfügt außerdem über etwa 5000 km ganzjährig befahrbare Wasserstraßen. 2020 nutzten 70 Prozent der Einwohner das Internet; zugleich filtert ein staatliches Gateway unerwünschte Inhalte.

Die heutige Kultur verbindet lokale vietnamesische und andere ethnische Traditionen mit chinesischen und westlichen Einflüssen. Zu den Feiertagen gehören Neujahr am 1. Januar, das wichtigste Fest Tết Nguyên Đán Ende Januar bis Ende Februar, der Tag der Befreiung des Südens am 30. April, der Tag der Arbeit am 1. Mai und der Unabhängigkeitstag am 2. September. Alle Medien werden vom Staat und der Kommunistischen Partei gesteuert; Reporter ohne Grenzen bewertet die Lage der Pressefreiheit als sehr ernst. Special Olympics Vietnam wurde 2006 gegründet und nahm mehrfach an Special Olympics Weltspielen teil.

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