Wikipedia · einfach zusammengefasst · Stand
Mahayana
Die Einteilung des Buddhismus hauptsächlich in Hinayana und Mahayana ist eine Konzeption, die dem Mahayana entstammt. Die Nicht-Mahayana Schulen sehen sich …
Inhalt6 Abschnitte
Grundidee des Mahayana
Mahayana ist eine der Hauptrichtungen des Buddhismus. Der Name bedeutet „Großes Fahrzeug“ oder „Großer Weg“ und bezeichnet einen buddhistischen Weg, der nicht nur die eigene Befreiung vom Leiden anstrebt, sondern die Befreiung aller fühlenden Wesen aus Samsara. Unter den Oberbegriff Mahayana werden auch mehrere eigenständige Traditionen eingeordnet, etwa Vajrayana, Zen und der Amitabha-Buddhismus.
Die Unterscheidung zwischen Hinayana und Mahayana stammt aus der Sicht des Mahayana. „Hinayana“ bedeutet wörtlich „Kleines Fahrzeug“ oder „Kleiner Weg“ und bezieht sich dort auf eine Motivation, die vor allem auf die eigene Erlösung vom Leiden gerichtet ist. Nicht-Mahayana-Schulen bezeichnen sich selbst anders, zum Beispiel als Theravada. Im Mahayana gilt die Motivation als „größer“, wenn jemand wünscht, dass alle Wesen Leiderlösung erlangen, und dafür persönliche Verantwortung übernimmt.
Befreiung und volle Erleuchtung
Grundlage ist die buddhistische Lehre von den Vier Edlen Wahrheiten. Die erste besagt, dass Leben grundsätzlich mit Leiden verbunden ist. Befreiung vom Leiden entsteht durch das Verlöschen der Kleshas, also der „Geistesplagen“ oder „Geistesgifte“ Gier, Hass und Nichtwissen. Diese gelten als Ursachen persönlichen Leidens. Durch das Praktizieren des Achtgliedrigen Heilsweges kann Nirvana erreicht werden, die endgültige Befreiung vom Leiden.
Wer Nirvana verwirklicht und bewahren kann, hat die „Hindernisse zur Befreiung vom Leid“ überwunden und wird als Arhat bezeichnet. Nach der Mahayana-Lehre ist damit aber noch nicht die „Volle Erleuchtung“ eines Buddha erreicht. Nur ein Buddha hat auch die „Hindernisse für die Allwissenheit“ beseitigt. Diese Allwissenheit soll es ihm ermöglichen, die Anlagen, das Karma sowie Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft der Lebewesen zu kennen und ihnen dadurch besser zu helfen.
Das Mahayana unterscheidet die Erleuchtung des Shravakas, also des Hörers, die Erleuchtung des Pratyekabuddhas, der ohne Stützung auf eine Lehre zur Erleuchtung gelangt, und die Erleuchtung eines Buddha. Nur die letzte gilt als „Volle Erleuchtung“. Der Mahayana-Pfad schließt den Pfad des Shravakas, also den Achtgliedrigen Heilsweg, ein. Auch eine Person des Mahayana muss Nirvana erreichen; dies geschieht auf der ersten Ebene eines Bodhisattvas beziehungsweise auf dem dritten der Fünf Pfade, dem „Pfad des Sehens“.
Entstehung und Lehren
Die Mahayana-Lehren werden im Artikel mit dem „Zweiten Drehen des Dharma-Rades“ durch Buddha Shakyamuni verbunden. Sie seien von Nagarjuna und Asanga enthüllt und etwa ab dem zweiten Jahrhundert unserer Zeitrechnung, also ungefähr 500 Jahre nach Buddhas Tod, ausführlich gelehrt worden. Der Mahayana-Weg hat zwei Linien: die Linie des Tiefgründigen Weges über Nagarjuna und die Linie des Weiten Weges über Asanga.
Die Linie Nagarjunas betont die Leerheit, Sanskrit Shunyata. Damit ist ein zentraler Begriff der Mahayana-Philosophie gemeint. Die Linie Asangas betont die altruistische Motivation Bodhicitta und das Verhalten eines Bodhisattvas. Anhänger des Mahayana erklären die späte Verbreitung dieser Lehren damit, dass sie zuvor nur im Geheimen weitergegeben worden seien, weil die Zeit für ihre Verbreitung noch nicht gekommen sei. Der Artikel nennt auch mystische Überlieferungen: Nagarjuna habe die Lehren zur Leerheit bei den Nagas geborgen, Asanga habe nach zwölf Jahren Zurückgezogenheit und dem Entwickeln wirklichen Mitgefühls Lehren direkt von Buddha Maitreya erhalten.
Die Lehren des ersten Dharma-Rades dienen der individuellen Leiderlösung und bleiben auch im Mahayana gültig. Zum dritten Dharma-Rad werden unter anderem Vajrayana, also das „Diamantene Fahrzeug“ oder der „Diamantweg“, und Erklärungen zur Buddha-Natur gezählt, zum Beispiel im Uttara-Tantra-Shastra.
Bodhicitta und Bodhisattva-Weg
Im Zentrum des Mahayana steht Bodhicitta, der „Erleuchtungsgeist“. Er entsteht aus Mitgefühl mit dem Leiden anderer Wesen. Dieses Mitgefühl soll unparteilich auf alle Lebewesen ausgedehnt und immer weiter vertieft werden. Bodhicitta umfasst zwei Wünsche: primär anderen zu helfen und sekundär dafür die volle Erleuchtung eines Buddha zu erlangen.
Wer Bodhicitta entwickelt und in einem Ritual die Bodhisattva-Gelübde auf sich nimmt, wird als Bodhisattva bezeichnet, solange er die Ethik des Bodhisattvas nicht bricht. Ein Bodhisattva übt sich über unermessliche Zeitalter, Äonen, in den Sechs Vollkommenheiten: Geben, Ethik, Geduld, Eifer, geistige Ruhe und Weisheit. Der Artikel nennt drei Grundformen des Bodhicitta: königsgleich, wenn der Bodhisattva zuerst selbst Erleuchtung erlangen und dann allen Lebewesen helfen will; bootsmanngleich, wenn er gemeinsam mit allen Lebewesen Erleuchtung erreichen will; und schäfergleich, wenn er die eigene Erleuchtung zurückstellt, bis alle anderen Wesen vor ihm Erleuchtung erlangt haben.
Der Bodhisattva-Weg wird in Fünf Pfaden oder Zehn Ebenen dargestellt. Die erste der Zehn Ebenen erreicht ein Bodhisattva, nachdem er Shunyata, die Leerheit, verwirklicht hat und ein Arhat geworden ist; sie entspricht dem dritten Pfad, dem „Pfad des Sehens“. Besonders verehrt werden Avalokiteshvara, „der Herr, der den Schrei der Welt hört“, und Manjushri. Avalokiteshvara wird oft tausendarmig dargestellt; die tausend Arme symbolisieren die Fähigkeit zu umfassendem mitfühlendem Handeln. Der Artikel nennt außerdem die Acht großen Bodhisattvas: Avalokiteshvara, Manjushri, Vajrapani, Ksitigarbha, Samantabhadra, Akhashagharba, Sarvanivaranaviskambini und Maitreya.
Praxis, Lehrer und Schriften
Die Bodhisattva-Gelübde bekräftigen die Entschlossenheit, Bodhicitta zu vertiefen und sich dem Heil und der Befreiung aller fühlenden Wesen zu widmen. In vielen, aber nicht allen Mahayana-Schulen wird Fleischverzehr abgelehnt. Begründet wird dies im Artikel mit dem 8. Kapitel des Lankavatara-Sutra: Ein Bodhisattva, der Mitgefühl übt, solle Abstand vom Fleischverzehr nehmen, um bei Lebewesen keinen Schrecken hervorzurufen. In tibetischen Mahayana-Schulen wird Fleischverzehr aus klimatischen Gründen offener behandelt.
Das Lehrer-Schüler-System ist im Mahayana wichtig, besonders im Vajrayana und Zen sowie im Reines-Land-Buddhismus durch die vertrauensvolle Ausrichtung auf Buddha Amida. Der Lehrer begleitet den Schüler auf dem Weg zur Erleuchtung, soll ihn aber nicht in Abhängigkeit führen. Der Weg muss letztlich aus eigener Kraft und Motivation beschritten werden. Nach Aryadeva soll ein Schüler unparteiisch, intelligent und eifrig sein. Nach Asanga soll ein Mahayana-Lehrer unter anderem diszipliniert, ruhig, in Ethik, Konzentration und Weisheit geschult, schriftkundig, liebevoll, in der Wirklichkeit der Leerheit erfahren und geschickt im Unterrichten sein.
Für Mahayana-Schulen sind neben dem Tripitaka besonders Mahayana-Sutras in Sanskrit wichtig. Anhänger des Mahayana führen sie auf Buddha Shakyamuni selbst zurück. Theravada-Anhänger sehen sie als später entstanden an und akzeptieren als Grundlage der Lehre nur den Pali-Kanon. Im Bodhicharyavatara von Shantideva wird diese Ablehnung diskutiert; dort wird unter anderem entgegnet, auch die Pali-Schriften seien später, etwa 500 Jahre nach Buddhas Tod, entstanden.
Verbreitung und Traditionen
Mahayana-Richtungen sind heute besonders in Vietnam, Japan, Tibet, Bhutan, Taiwan, der Volksrepublik China und Korea verbreitet, teilweise auch in der Mongolei und im asiatischen Osten Russlands.
In Japan bestehen bis heute mehrere Mahayana-Schulen, darunter Amitabha-Buddhismus beziehungsweise Reines Land, Nichiren-Buddhismus, Tendai-shu, Shingon-shu, Shinnyo-En und Zen. Zen und Tendai entwickelten sich historisch aus dem chinesischen Chan-Buddhismus und dem Tiantai zong. In Korea war und ist der Buddhismus grundsätzlich von Mahayana-Lehren geprägt. Er verbreitete sich von der Silla- bis zur Goryo-Zeit, also ab dem 7. Jahrhundert bis zum Ende des 14. Jahrhunderts, im ganzen Land. Während der Joseon-Dynastie vom 15. bis zum Ende des 19. Jahrhunderts wurde stärker der Konfuzianismus gefördert, wodurch der Buddhismus zurückging. Heute ist in Korea weiterhin der Mahayana-Buddhismus am häufigsten vertreten; eine zentrale Institution ist Jogyejong.
Eine Weiterentwicklung des Mahayana ist das Vajrayana, besonders im tibetischen Buddhismus. Es ergänzt den Bodhisattva-Pfad mit tantrischen Methoden. In Tibet entwickelten sich vier bis heute bestehende Schulen: Nyingma, Kagyü, Sakya und Gelug. Das Mantra „Om mani padme hum“, in tibetischer Aussprache „Om Mani Peme Hung“, wird Avalokiteshvara seit dem 5. Jahrhundert zugeordnet. Nach der im Artikel wiedergegebenen Deutung steht Om für Körper, Rede und Geist des Buddha, Mani für den Pfad der Methode, Padma für den Weisheitsaspekt und Hum für die ungetrennte Verbindung von Methode und Weisheit.
Lernvideos zu Mahayana
25:20
Buddhist Denominations Explained | Theravada vs Mahayana
UsefulCharts · 845.240 Aufrufe
21:11
Pure Land Buddhism: The Mahayana Multiverse
ReligionForBreakfast · 621.106 Aufrufe
4:28
Mahayana-Buddhismus - WDR
Buddhas Lehre · 6.524 Aufrufe
25:43
Buddhistische Philosophie 8: Mahayana I
Sebastian Gäb · 4.221 Aufrufe