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Myanmar
Die am weitesten verbreitete Religion in Myanmar ist der Buddhismus. Einige der berühmtesten buddhistischen Kunstwerke (Statuen) im asiatischen Raum befinden …
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Überblick und Geographie
Myanmar, vollständig Republik der Union Myanmar, auch Burma oder Birma genannt, ist ein Staat in Südostasien. Er grenzt an Thailand, Laos, die Volksrepublik China, Indien, Bangladesch und den Golf von Bengalen. Die Hauptstadt ist Naypyidaw, die Amtssprache Birmanisch, die Währung der Kyat. Das Land hat eine Fläche von 676.578 km² und 2025 geschätzt 54,85 Millionen Einwohner. De jure ist Myanmar eine Republik mit parlamentsgebundener Exekutivgewalt, de facto aber eine Militärdiktatur.
Geographisch ist Myanmar sehr vielfältig. Im Norden liegt das Kachin-Bergland als südlicher Ausläufer des Himalaya; dort befindet sich der Hkakabo Razi, mit 5881 m der höchste Berg Südostasiens. Im Westen verlaufen Küsten- und Gebirgslandschaften wie das Arakan-Joma-Gebirge, im Osten liegt das Shan-Hochland. Zentralmyanmar entlang des Irrawaddy besitzt fruchtbare Böden. Weitere wichtige Flüsse sind Thanlwin, Sittaung, Chindwin und Mekong. Etwa 40 % der Fläche sind von Primärwald bedeckt, die Waldfläche nimmt jedoch jährlich um 1,2 % ab. Vor der Westküste der Malaiischen Halbinsel liegt der Mergui-Archipel mit rund 800 Inseln.
Myanmar steht überwiegend unter dem Einfluss des indischen Monsuns. Es gibt drei Jahreszeiten: die Regenzeit von Ende Mai bis Mitte Oktober, die kühle Jahreszeit von Ende November bis Ende Februar und die heiße Jahreszeit von März bis Mai. 2023 lebten 32 % der Bevölkerung in Städten. Die größten Städte sind Rangun, Mandalay, Naypyidaw, Taunggyi und Bago.
Bevölkerung, Religion und Bildung
Myanmar hatte 2023 54,6 Millionen Einwohner. Das jährliche Bevölkerungswachstum lag bei +0,7 %. Die Geburtenziffer betrug 16,8 pro 1000 Einwohner, die Sterbeziffer 8,7 pro 1000 Einwohner. Die statistische Kinderzahl lag 2022 bei 2,1 Geburten pro Frau. Die Lebenserwartung betrug 2022 insgesamt 67,3 Jahre, bei Frauen 70,5 und bei Männern 64,2 Jahre. 2023 waren 24,4 % der Bevölkerung unter 15 Jahre alt und 7,0 % über 64 Jahre.
Die Bevölkerung ist ethnisch vielfältig. Bei der Volkszählung 2014 wurden 51.486.253 Einwohner gezählt. Genannt werden unter anderem Bamar mit 69 %, Shan mit 8,5 %, Karen mit 6,2 %, Rohingya mit 4,5 %, Mon mit 2,4 %, Chin mit 2,2 % und Kachin mit 1,4 %. Die Bamar sind die größte Bevölkerungsgruppe. Die Rohingya leben vor allem im Rakhaing-Staat, werden vom Staat aber nicht als ethnische Gruppe anerkannt und erhalten nicht die myanmarische Staatsangehörigkeit. Die Vereinten Nationen bezeichnen sie als „am stärksten verfolgte Minderheit der Welt“. Viele flohen wegen massiver Verfolgung nach Bangladesch. Die einzelnen Völker sprechen eigene Sprachen; Englisch ist Handelssprache, Amtssprache ist Birmanisch.
Die wichtigste Religion ist der Buddhismus. Nach offiziellen Angaben gehören 87,9 % der Bevölkerung dem Buddhismus an, 6,2 % dem Christentum, 4,3 % dem Islam, 0,5 % dem Hinduismus und 0,8 % dem Animismus. Vorherrschend ist die Theravada-Schule des Buddhismus. Wichtige Heiligtümer sind die Shwedagon-Pagode in Rangun, der Goldene Fels südöstlich von Bago und der Mount Popa. In der Volksreligion ist außerdem der Glaube an Nats, mächtige Geister, weit verbreitet.
Im Bildungsbereich wurde unter dem Militärregime die Lernfreiheit stark eingeschränkt; mehrere Hochschulen wurden zeitweise oder ganz geschlossen. Später stieg der Bildungsgrad: Die mittlere Schulbesuchsdauer der über 25-Jährigen erhöhte sich von 2,4 Jahren 1990 auf 4,7 Jahre 2015 und 6,4 Jahre 2023. Im Jahr 2020 konnten 94 % der über 15-Jährigen nach UNESCO-Definition lesen und schreiben.
Geschichte und politische Entwicklung
Im 11. Jahrhundert gründete König Anawrahta das erste birmanische Reich. Im 19. Jahrhundert kam Birma nach mehreren Kriegen unter britische Herrschaft und wurde am 1. Januar 1886 Teil von Britisch-Indien. Während der japanischen Besetzung von 1942 bis 1945 wurde die britische Herrschaft zeitweise aufgehoben; 1943 garantierten die japanische Regierung und Kaiser Hirohito dem Land die Unabhängigkeit. Nach dem Zweiten Weltkrieg besetzten die Briten das Land erneut. Am 4. Januar 1948 wurde Birma vom Vereinigten Königreich unabhängig. Frauen erhielten mit der Unabhängigkeit 1948 das allgemeine Wahlrecht.
Seit der Unabhängigkeit dauern bewaffnete Konflikte in verschiedenen Landesteilen an, besonders dort, wo ethnische Minderheiten für mehr Autonomie oder Unabhängigkeit kämpfen. Nach einer kurzen demokratischen Phase bis 1962 wurde das Land von verschiedenen Militärregimen kontrolliert. Am 8. August 1988 gipfelten Proteste gegen die Wirtschaftspolitik des Militärs im sogenannten 8888 Uprising; die Proteste wurden in Rangun gewaltsam niedergeschlagen, mit mehreren Tausend Toten. 1989 wurde das Land offiziell in Myanmar umbenannt. Bei den demokratischen Wahlen 1990 gewann die Nationale Liga für Demokratie (NLD) deutlich, doch das Militär erklärte die Wahl für ungültig.
2005 begann die Regierung mit der Verlegung des Regierungssitzes von Rangun nach Naypyidaw. 2008 wurde eine neue Verfassung in einem Referendum angenommen, nach offizieller Angabe mit 92,48 % Zustimmung; der Artikel erwähnt massive Wahlfälschung und Einschüchterung. Die Verfassung sichert dem Militär wichtige Vorrechte, darunter ein Viertel der Parlamentsmandate für Militärangehörige. 2010 fanden die ersten Wahlen seit 1990 statt. Ab 2011 begann ein begrenzter Demokratisierungsprozess: politische Gefangene wurden freigelassen, Medienkontrollen gelockert, Gewerkschaften zugelassen und Investitions- sowie Arbeitsrecht geändert. 2015 gewann die NLD 77 % der Sitze im Parlament. Aung San Suu Kyi konnte wegen Verfassungsregeln nicht Präsidentin werden; 2016 wurde Htin Kyaw Präsident und Suu Kyi Außenministerin.
Die Demokratisierung stoppte ab etwa 2016 allmählich, und die Regierung wurde zunehmend autoritär. Nach der Parlamentswahl im November 2020, die die NLD laut offiziellen Angaben mit absoluter Mehrheit gewann und die Europäische Union trotz struktureller Defizite als frei und fair bewertete, sprach die Armee von Wahlbetrug. Am 1. Februar 2021 putschte das Militär unter Min Aung Hlaing, nahm Aung San Suu Kyi, Präsident Win Myint und weitere NLD-Mitglieder fest und rief den Notstand aus. Danach kam es zu Massenprotesten, politischer Repression und Bürgerkrieg zwischen dem militärisch beherrschten State Administration Council (SAC), dem oppositionellen National Unity Government of Myanmar (NUG), der People’s Defence Force und verschiedenen ethnischen Milizen. Bis 2023 hatte das Militär die Kontrolle über große Teile des Landes verloren.
Staat, Menschenrechte und Militär
Myanmar wird seit 2021 de facto wieder durch das Militär regiert. Die Militärregierung herrscht autoritär; im Demokratieindex lag Myanmar seit 2021 durchgehend auf dem weltweit vorletzten Platz, hinter Nordkorea und nur vor Afghanistan. Im Demokratieindex 2024 erreichte das Land 0,96 von 10 Punkten und Rang 166 von 167. Im Freedom in the World Index 2024 erhielt es 8 von 100 Punkten und gilt als unfrei. Die Rangliste der Pressefreiheit 2026 bewertet die Lage mit 26,4 von 100 Punkten als „sehr ernste Lage“.
Menschenrechtsorganisationen werfen Regierung und Militär schwere Menschenrechtsverletzungen vor: Zwangsarbeit, Zwangsräumungen, Folter, Vergewaltigungen und den Einsatz von Kindersoldaten. Auch einige Rebellengruppen sollen Kinder rekrutiert und Zivilisten zur Zwangsarbeit verpflichtet haben. Besonders betroffen waren christliche Minderheiten wie Karen und Chin sowie die muslimischen Rohingya. Den Rohingya wird die Staatsangehörigkeit verweigert; ihre Bürgerrechte sind stark eingeschränkt. 2017 berichtete Human Rights Watch von systematischen Angriffen der Sicherheitskräfte auf Rohingya mit Zwangsabschiebungen, Mord und Vergewaltigung. Zugleich erwähnt der Artikel Angriffe der Arakan Rohingya Salvation Army (ARSA) auf Polizeiposten und Sicherheitskräfte sowie Berichte von Amnesty International über Gewalt gegen Hinduisten; die Einschätzung der Menschenrechtslage wird dadurch als schwierig bezeichnet, da keine unabhängigen oder neutralen Berichte vorhanden seien.
Die Streitkräfte heißen Tatmadaw und spielen seit der Staatsgründung eine zentrale politische Rolle. Sie umfassen rund 428.000 Soldaten und 72.000 paramilitärische Kräfte. 2017 betrug der Verteidigungsetat etwa 1,9 Milliarden US-Dollar, entsprechend 2,5 % des Bruttoinlandsprodukts. Zum Militär gehören Heer, Luftwaffe und Marine; formal zählt seit der Reorganisation 1995 auch die nationale Polizei, The People’s Police Force, zu den Streitkräften. Nach dem Putsch von 2021 verübte die Militärjunta laut Artikel Kriegsverbrechen, unter anderem beim Massaker von Pazigyi im April 2023. Am 27. November 2024 beantragte Chefankläger Karim Ahmad Khan beim Internationalen Strafgerichtshof einen Haftbefehl gegen Min Aung Hlaing wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit im Zusammenhang mit Deportation und Verfolgung der Rohingya 2017.
Wirtschaft und Infrastruktur
Myanmar gehört mit einem Bruttoinlandsprodukt pro Einwohner von 1.122 USD im Jahr 2024 zu den ärmeren Ländern der Welt. 70 % der Beschäftigten arbeiten in der Landwirtschaft; sie erzeugt 43 % des BIP. Die Industrie trägt 20 % und der Dienstleistungssektor 37 % bei. Das reale BIP-Wachstum schwankte stark: 2020 lag es bei −9,0 %, 2021 bei −12,0 %, 2022 bei 4,0 %, 2023 bei 1,0 % und 2024 bei −1,1 %. Die Inflation betrug 2024 26,5 %. Der Index für wirtschaftliche Freiheit 2024 ordnete Myanmar auf Rang 167 von 176 Ländern ein.
Wichtige Exportgüter sind Erdgas sowie land- und forstwirtschaftliche Erzeugnisse. Importiert werden vor allem Konsumgüter, Halbfertigwaren und Investitionsgüter. Ein großer Teil des Handels läuft zudem über Schmuggel an den Grenzen zu Thailand, China, Indien und Bangladesch. Myanmar ist für China als Transferroute für Erdöl und Erdgas aus dem Nahen und Mittleren Osten sowie als Stromlieferant bedeutsam. Gleichzeitig wird chinesisches Engagement in Teilen der Bevölkerung als bedrohlich und ausbeuterisch angesehen.
Die Schattenwirtschaft spielt eine große Rolle. Myanmar gehört zum Goldenen Dreieck, in dem Schlafmohn für Opium und Heroin angebaut wird. Außerdem nimmt das Land eine Spitzenposition bei der Produktion von Amphetaminen ein. Weitere illegale oder informelle Bereiche sind Wildereiprodukte wie Elfenbein-, Nashorn- und Tigerprodukte, illegale Arbeit im benachbarten Thailand sowie Online-Betrugszentren wie der im Artikel erwähnte KK Park bei Myawaddy.
Myanmar besitzt bedeutende Bodenschätze. Gefördert werden hochwertige Jade, Rubine, Spinell, Saphir, Painit und Gold. Außerdem förderte das Land 2014 täglich etwa 20.000 Barrel Erdöl und 2013 jährlich 13,1 Milliarden Kubikmeter Erdgas. In der Energiewirtschaft hatte laut Weltbank 2018 nur jeder dritte Einwohner einen Stromanschluss. Die installierte Kraftwerksleistung lag 2013 bei 3735 MW, davon 2780 MW aus Wasserkraft.
Die Infrastruktur ist vielerorts schwach. Das Eisenbahnnetz umfasste 2015 6208 km und ist fast vollständig in Meterspur gebaut; fehlende Investitionen führten zu starkem Verschleiß. Die wichtigste Strecke ist Yangon–Mandalay. Das Straßennetz war 2010 insgesamt 34.377 km lang, davon 358 km Autobahnen; nur ein geringer Anteil ist asphaltiert. Wegen schlechter Straßen und der Größe des Landes ist der Luftverkehr oft das schnellste Verkehrsmittel. Myanmar verfügt über internationale Flughäfen in Rangun und Mandalay sowie zahlreiche lokale Flughäfen.
Kultur und Alltag
Die Kultur Myanmars ist stark von buddhistischen Traditionen, ethnischer Vielfalt und seit dem 19. Jahrhundert auch von kolonialen Einflüssen geprägt. Die frühesten schriftlichen Zeugnisse der burmesischen Sprache sind Steininschriften; die älteste stammt aus dem Jahr 1113. Die klassische Literatur wurde stark vom Theravada-Buddhismus beeinflusst, und Klöster waren lange Zentren der Gelehrsamkeit. Später entwickelten sich weltliche Literatur, Reimdichtung, Theater und unter britischer Kolonialherrschaft neue Formen wie Roman, Fortsetzungsroman, Novelle und Kurzgeschichte. Unter der Militärherrschaft seit 1962 wurden regimekritische Werke verboten; viele Autoren gingen ins Exil oder schrieben in verschlüsselter, metaphorischer Form. Seit den Demokratisierungstendenzen ab 2011 wurden auch ethnische Konflikte, Menschenrechte und Militärherrschaft stärker literarisch behandelt.
Die Musik unterscheidet sich trotz indischer, chinesischer und thailändischer Einflüsse deutlich von der Musik der Nachbarländer. Ein wichtiges Nationalinstrument ist die Bogenharfe saung gauk, die zur höfischen Kammermusik gehört. Die laute klassische Musik für Außenräume, Feste, Tänze und Nat-Rituale wird von hsaing-waing-Ensembles gespielt. Westliche Instrumente wie Klavier und Violine wurden ab dem 19. und 20. Jahrhundert übernommen und den einheimischen Hörgewohnheiten angepasst.
Das wichtigste Fest ist das burmesische Neujahrsfest Thingyan im April, auch Wasserfest genannt. Es wird drei Tage lang gefeiert, wobei Menschen mit Wasserpistolen, Eimern und anderen Behältern Wasser verspritzen. 2024 wurde „Myanmars traditionelles Neujahrsfest Atā Thingyan“ von der UNESCO in die Repräsentative Liste des immateriellen Kulturerbes der Menschheit aufgenommen. Weitere bekannte Feste sind das Phaungdaw-U-Fest auf dem Inle-See und zahlreiche Pagoden- und Regionalfeste. Zum traditionellen Kunsthandwerk gehören Kalagas, kunstvoll bestickte Wandteppiche aus Seide, Flanell, Wolle, Filz und Spitze auf Baumwolle und Samt.