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Laos
Der Staat Laos grenzt an China, Vietnam, Kambodscha, Thailand und Myanmar, hat knapp 7,9 Millionen Einwohner auf einer Fläche von 236.800 km²; Hauptstadt und …
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Staat und Naturraum
Laos, amtlich Demokratische Volksrepublik Laos, ist der einzige Binnenstaat Südostasiens. Es grenzt an China, Vietnam, Kambodscha, Thailand und Myanmar. Hauptstadt und größte Stadt ist Vientiane. Das Land hat 236.800 km² Fläche und nach einer Schätzung von 2025 knapp 7,87 Millionen Einwohner. Amtssprache ist Laotisch, die Währung der Kip (LAK). Laos wurde am 19. Juli 1949 von Frankreich unabhängig.
Rund neun Zehntel des Landes sind Gebirgsregionen des Truong-Son-Gebirges; der höchste Berg ist der Phu Bia mit 2819 m. Tiefland liegt vor allem im Süden und Südwesten an der Grenze zu Thailand. Der Mekong ist der wichtigste Fluss: Er berührt Laos auf 1898 km und bildet etwa 1000 km lang die Grenze zu Thailand und Myanmar. Nur 12 % des Staatsgebiets im Nordosten entwässern zum Golf von Tonkin, der übrige Teil zum Südchinesischen Meer.
Das tropische Monsunklima bringt von Mai bis Oktober starke Niederschläge und hohe Luftfeuchtigkeit; durchschnittlich fallen in dieser Zeit 1778 mm Niederschlag. November bis Februar sind trockener und kühler, März und April feucht-heiß. Etwa 50 % des Landes sind bewaldet. Entwaldung senkt örtlich den Grundwasserspiegel, gefährdet Arten und verursacht einen jährlichen Waldverlust von etwa 3000 km². 35 Schutzgebiete nehmen knapp 19 % der Landesfläche ein. Ein besonders schweres Umweltproblem sind Blindgänger aus dem Vietnamkrieg: Mehr als 2 Millionen Tonnen Bomben wurden 1964 bis 1973 abgeworfen; etwa 50 % des Territoriums sind bis heute betroffen.
Bevölkerung, Sprachen und Lebensverhältnisse
2023 lebten 7,6 Millionen Menschen in Laos; das jährliche Bevölkerungswachstum betrug 1,4 %. Die Geburtenziffer lag bei 21,5, die Sterbeziffer bei 6,2 je 1000 Einwohner. Die durchschnittliche Kinderzahl pro Frau betrug 2022 2,4, die Lebenserwartung 69 Jahre. Die Bevölkerung ist jung: 2023 waren 30,3 % unter 15 Jahre und 4,6 % über 64 Jahre alt. Sie konzentriert sich in den Mekongebenen, besonders um Vientiane; Bergregionen im Osten und Norden sind dünn besiedelt. 2023 wohnten 38 % der Einwohner in Städten.
Die ethnische Einteilung ist umstritten. Staatliche Zählungen unterschieden 1985 68 Ethnien mit 820 Untergruppen, 1995 47 Ethnien und 2000 49 Gruppen. Sprachlich gibt es Tai-Kadai-, Mon-Khmer-, tibeto-birmanische und Hmong-Yao-Sprachen; insgesamt werden 70 bis 120 Sprachen angenommen. Laotisch ist eine Tonsprache, der Amtssprache Thai ähnlich, und dient zunehmend als gemeinsame Sprache. Es besitzt eine eigene, der thailändischen ähnliche Schrift. Wichtige Fremdsprachen sind Thai, Vietnamesisch, Französisch und zunehmend Englisch.
Die größte Religion ist der Theravada-Buddhismus. Laut einer Studie von 2010 waren 66,3 % Buddhisten, 30,7 % Anhänger ethnischer Religionen, 1,5 % Christen, 0,01 % Muslime und 0,9 % ohne Religion. Ethnische Religionen mit Ahnenkult und Animismus sind besonders im Bergland verbreitet. Die Religionsausübung von Christen unterliegt Menschenrechtsorganisationen zufolge starken Einschränkungen.
Die Alphabetisierungsrate lag 2015 bei rund 85 %: 90 % bei Männern und knapp 80 % bei Frauen. Schulpflicht besteht offiziell acht Jahre; das reguläre Schulsystem umfasst fünf Jahre Grundschule sowie je drei Jahre untere und obere Sekundarstufe. Kosten für weiterführende Schulen, weite Schulwege und Kinderarbeit erschweren Bildung. Die Nationaluniversität Laos fasste 1996 elf Hochschulen zusammen; 2008 studierten dort rund 26.600 Menschen. Gesundheitsausgaben betrugen 2021 2,7 % des BIP. 2022 lag die Sterblichkeit unter Fünfjähriger bei 40,4 je 1000 Lebendgeburten. Malaria, Denguefieber und unzureichende Trinkwasser- und Abwasserentsorgung sind wichtige Gesundheitsprobleme.
Geschichtliche Entwicklung
Menschliche Aktivität im Gebiet des heutigen Laos ist seit etwa 40.000 Jahren belegt. Sesshafte Landwirtschaft gab es um 4000 v. Chr.; Eisenwerkzeuge sind ab etwa 700 v. Chr. nachweisbar. Tai-Völker, zu denen die Lao gehören, wanderten im Verlauf des 1. Jahrtausends aus China ein. 1353 gründete Fa Ngum das Königreich Lan Xang Hom Khao, das „Reich der Millionen Elefanten unter einem weißen Schirm“. Es war ein Mandala: Mehrere weitgehend selbstständige Müang erkannten einen König und ein Zentrum an. Lan Xang erlebte im 17. Jahrhundert unter König Sulinyavongsa seine Blütezeit.
1707 zerfiel Lan Xang in die Monarchien Luang Prabang, Vientiane und Champasak. Diese standen zwischen den Einflusszonen Siams und Vietnams. Nach der gescheiterten Rebellion von König Anuvong 1827 verlor Vientiane seine Autonomie; die Hauptstadt wurde zerstört. 1893 eroberte Frankreich das linke Mekongufer und gliederte das heutige Laos als Protektorat in Französisch-Indochina ein.
Laos erklärte am 12. Oktober 1945 die Unabhängigkeit, kam aber zunächst wieder unter französische Herrschaft. Der französisch-laotische Vertrag vom 19. Juli 1949 machte es zu einem unabhängigen Mitglied der Union française; volle Souveränität wurde am 21. Juli 1954 nach der Genfer Konferenz erreicht. 1958 wurden aktives und passives allgemeines Frauenwahlrecht eingeführt. Im mit dem Vietnamkrieg verbundenen Bürgerkrieg kämpften die von Nordvietnam unterstützten Pathet Lao gegen die von den USA unterstützte Regierung. Die US-Bombardements hinterließen besonders viele Blindgänger.
1975 übernahm die Pathet Lao die Macht und rief am 2. Dezember die Demokratische Volksrepublik Laos aus. Seit 1986 verfolgt das Land mit dem Neuen ökonomischen Mechanismus eine Öffnungs- und Reformpolitik von der Plan- zur Marktwirtschaft. Die erste Verfassung nach der kommunistischen Machtübernahme wurde am 14. August 1991 verabschiedet; 1997 trat Laos der ASEAN bei.
Politisches System und Verwaltung
Laos ist seit der Machtübernahme der marxistisch-leninistischen Laotischen Revolutionären Volkspartei (LRVP) 1975 ein Einparteienstaat. Partei und Staat sind eng verbunden; staatliche Amtsträger sind zugleich Parteifunktionäre. Staatsoberhaupt ist Präsident Thongloun Sisoulith, Regierungschef Ministerpräsident Sonexay Siphandone. Die autoritäre Regierung wird mit regelmäßigen Menschenrechtsverletzungen in Verbindung gebracht. Freedom House bewertet das Land als „unfrei“.
Die Nationalversammlung ist ein Einkammerparlament mit 132 Sitzen, die alle fünf Jahre gewählt werden. Sie wählt unter anderem Präsident, Ministerpräsident, Minister und hohe Richter. Praktisch bestätigt sie Entscheidungen des Zentralkomitees der LRVP. Die Exekutive besteht aus Präsident und Ministerrat; sie setzt Entscheidungen der Partei um. Die Verfassung von 1991 schreibt den Führungsanspruch der LRVP und den demokratischen Zentralismus fest. Die Justiz ist von der Partei abhängig; richterliche Unabhängigkeit besteht daher nicht. Korruption durchdringt laut Artikel Staats- und Parteistrukturen.
Andere Parteien sind seit 1975 verboten. Die LRVP ist in allen Distrikten sowie in Ministerien, Militär und staatlichen Organisationen vertreten. 2011 waren etwa 3 % der Bevölkerung Parteimitglieder. Wahlen finden statt, doch Kandidaturen erfordern ein Auswahlverfahren und die Zustimmung zu Parteigrundsätzen. 2024 erreichte Laos im Demokratieindex 1,71 von 10 Punkten und Rang 160 von 167; im Freedom in the World Index 13 von 100 Punkten. Verwaltungsmäßig gliedert sich das Land in 17 Provinzen und die Präfektur Vientiane, etwa 140 Distrikte und über 11.000 Dörfer.
Wirtschaft und Arbeit
Laos bezeichnet seine Wirtschaftsordnung als Sozialistische Marktwirtschaft. Nach dem Versuch einer Planwirtschaft ab 1975 führten die Reformen des New Economic Mechanism ab 1986 schrittweise Marktmechanismen ein: Preisbindungen und Subventionen wurden abgebaut, der Kip an den Marktkurs angepasst, ein Bankensystem aufgebaut und private Tätigkeit gefördert. Das BIP betrug 2024 16 Mrd. US-Dollar, pro Kopf 2.070 US-Dollar; nach Kaufkraftparität lagen die Werte bei 75,0 Mrd. beziehungsweise 9.762 US-Dollar. Das reale BIP wuchs 2024 um 4,3 %, die Inflation betrug 23,1 % und die Staatsverschuldung 100 % des BIP.
2016 entfielen 20 % des BIP auf Landwirtschaft, 32 % auf Industrie und 48 % auf Dienstleistungen. Die Landwirtschaft ist meist privat und subsistenzorientiert, also auf Selbstversorgung ausgerichtet. Hauptprodukt ist Reis, besonders Klebreis; etwa 3000 bis 4000 Sorten sind bekannt. Reis macht etwa 40 % des Produktionsvolumens aus, aber nur 10 % werden verkauft. Weitere Produkte sind unter anderem Mais, Maniok, Kaffee und Tee. Wasserkraft ist der wichtigste Industriezweig; zwei Drittel der Wasserkraftenergie werden exportiert und Energieexporte machen etwa 30 % des Exportwerts aus.
2012 arbeiteten 73,1 % der Arbeitskräfte in der Landwirtschaft, 20,6 % im Dienstleistungssektor und 6,1 % in der Industrie. Die offiziell angegebene Arbeitslosenquote lag 2016 bei 1,5 %, doch informelle Arbeit und Unterbeschäftigung sind verbreitet. Niedrige Produktivität und Löhne fördern Arbeitsmigration, vor allem nach Thailand. Der Mindestlohn betrug ab 1. Mai 2018 1,1 Mio. Kip monatlich, damals etwa 110 Euro.
2017 exportierte Laos Waren für etwa 4 Mrd. US-Dollar und importierte für etwa 5,1 Mrd. US-Dollar. Wichtigste Exportpartner waren China (36 %), Thailand (31 %) und Vietnam (17 %); das Handelsbilanzdefizit betrug 1,1 Mrd. US-Dollar. China ist zugleich größter Gläubiger. Die Finanzlage verschärfte sich durch hohe Auslandsschulden, die Covid-19-Pandemie und die Abwertung des Kip; steigende Lebensmittelpreise führten seit Mitte 2022 zu verstärkter Subsistenzwirtschaft und weniger Nahrungsaufnahme.
Verkehr, Medien und Kultur
Das Verkehrsnetz ist begrenzt. Von 40.000 km Straßen waren 2009 nur etwa 5400 km asphaltiert. Die Nationalstraße 13 verbindet Boten im Norden mit Khong im Süden. Seit 2020 besteht mit dem Vientiane-Boten Expressway die erste Autobahn. Songthaews, Kleinlaster mit Sitzbänken, dienen oft dem Nah- und Überlandverkehr. Der Mekong ist auf etwa 1300 km schiffbar, jedoch begrenzen Stromschnellen und ein Wasserfall an der kambodschanischen Grenze seine Verkehrsrolle.
Zwei Bahnstrecken sind aktiv: Die Meterspurbahn von Nong Khai über Thanaleng nach Vientiane (Kamsavath) erhielt im Juli 2024 eine durchgehende Verbindung von Bangkok nach Vientiane. Die 422 km lange, normalspurige Strecke Boten–Vientiane ging am 3. Dezember 2021 in Betrieb und ist an das chinesische Netz angeschlossen. Größter Flughafen ist Wattay in Vientiane. 2022 nutzten 66,2 % der Einwohner das Internet. Medien unterliegen strenger Zensur und stehen größtenteils unter Kontrolle der LRVP.
Drei UNESCO-Welterbestätten liegen in Laos: die Stadt Luang Prabang, der Tempelbezirk Wat Phou und die Kulturlandschaft Champasak sowie die Megalithischen Krüge in Xieng Khouang – Ebene der Steinkrüge. Der Tourismus ist weniger entwickelt als in Thailand, Kambodscha oder Vietnam und setzt auf Öko- und Kulturtourismus. 2015 besuchten etwa 500.000 ausländische Touristen Luang Prabang.
Für die Musik ist besonders die Mundorgel khaen charakteristisch; sie besitzt gewöhnlich 14 Bambuspfeifen. Gesangsstile sind lam und khap. Wichtige offizielle Feiertage sind Pi Mai, das laotische Neujahr im April, der Tag der Arbeit am 1. Mai und der Nationalfeiertag am 2. Dezember.