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Sturm und Drang (Schauspiel)
Sturm und Drang ist ein Schauspiel in fünf Akten von Friedrich Maximilian Klinger. Im Herbst 1776 schrieb Klinger in Weimar eine Comoedie, der „Wirrwarr“.
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Überblick und Bedeutung
Sturm und Drang ist ein Schauspiel in fünf Akten von Friedrich Maximilian Klinger. Es entstand im Herbst 1776 in Weimar und trug zuerst den Titel Wirrwarr. Christoph Kaufmann soll Klinger den Titel Sturm und Drang „mit Gewalt“ aufgenötigt haben. Gerade dieser Titel wurde wichtig: Er wurde bald zur Losung und später zur Bezeichnung der literarischen Epoche Sturm und Drang.
Die Uraufführung fand am 1. April 1777 in Leipzig durch die Schauspiel-Gesellschaft des Abel Seyler statt, deren Theaterdichter Klinger war. Sowohl die Uraufführung als auch die folgende Vorstellung in Klingers Heimatstadt Frankfurt waren wenig erfolgreich. Das Stück entstand in dem Jahr, das meist als Höhepunkt des Sturm und Drangs gilt.
Der ursprüngliche Titel Wirrwarr beschreibt die Handlung gut: Sie ist kompliziert, sprunghaft und stark von Zufällen geprägt. Wichtiger als eine logisch aufgebaute Handlung sind die Leidenschaften, Gefühlsausbrüche und inneren Spannungen der Figuren. Obwohl das Stück den Namen der Epoche trägt, gilt es im Artikel nicht als exemplarisches Sturm-und-Drang-Drama, sondern eher als eine extreme und eigenwillige Mischung aus komischen und tragischen Elementen.
Figuren und Ausgangslage
Die zentralen Figuren sind Wild, der in Wahrheit Karl beziehungsweise Carl Bushy heißt, seine Freunde La Feu und Blasius, Lord Berkley und dessen Tochter Jenny Caroline. Dazu kommen Lady Kathrin, Lord Berkleys Schwester, Louise, die Nichte von Lady Kathrin und Lord Berkley, der Schiffskapitän Boyet, der sich später als Harry Berkley herausstellt, sowie Lord Bushy, Wilds Vater.
Wild ist ein abenteuersüchtiger junger Mann und steht für den archetypischen Kraftkerl. La Feu ist leidenschaftlich und schwärmerisch; sein Name erinnert an „le feu“, also Brand, Flamme, Hitze und Glut. Blasius wirkt schläfrig, missmutig und gleichgültig; sein Name verweist auf „blasé“, also unempfänglich oder angeekelt.
Der Konflikt beruht auf der Feindschaft zwischen den Familien Berkley und Bushy. Lord Berkley glaubt, sein früherer Freund Lord Bushy habe ihn um Haus und Einfluss gebracht. Außerdem gilt Berkleys Sohn Harry seit einem Überfall auf das Berkley-Anwesen vor zehn Jahren als vermisst. Gleichzeitig besteht zwischen Wild, dem Sohn Lord Bushys, und Jenny Caroline, der Tochter Lord Berkleys, eine alte Liebe.
Handlung
Wild hat seine Freunde La Feu und Blasius gegen ihren Willen nach Amerika verschleppt, weil er am Amerikanischen Unabhängigkeitskrieg teilnehmen möchte, vermutlich auf Seiten der Kolonisten. In einem Gasthof trifft die Gruppe auf Lord Berkley und Jenny Caroline. Wild und Caroline erkennen einander wieder und lieben sich. Wild verrät Caroline, dass er eigentlich Lord Bushys Sohn ist, verschweigt dies aber zunächst vor Lord Berkley. Dieser verschafft ihm ahnungslos einen Posten in der Armee.
Die Lage verschärft sich, als der Schiffskapitän Boyet erscheint. Lord Berkley erkennt in ihm seinen lange vermissten Sohn Harry. Boyet beziehungsweise Harry Berkley hasst Wild, mit dem er sich bereits in Holland duelliert hat. Außerdem erzählt er, er habe den alten Lord Bushy auf hoher See in einem kleinen Boot ausgesetzt und damit wahrscheinlich dem Tod überlassen. Wild fordert ihn daraufhin zum Duell. Kurz danach erfährt Lord Berkley durch Lady Kathrin, dass Wild in Wahrheit Carl Bushy ist.
Vor dem Duell müssen Wild und Boyet gemeinsam in die Schlacht. Boyet wird an der Wade verwundet und erkennt Wilds Tapferkeit widerwillig an. Danach erfährt Wild vom Sklavenjungen des Kapitäns, dass Lord Bushy heimlich wieder an Bord geholt wurde und noch lebt. Lord Bushy erscheint tatsächlich, erklärt seine Unschuld an der Verschwörung gegen Berkley und vergibt seinen Gegnern. Den wahren Schuldigen nennt er nicht, da dieser bereits verstorben sei.
Am Ende kommt es zur Versöhnung der Familien, wenn auch zunächst nur zögerlich, weil der Hass lange gewachsen ist. Wild und Caroline werden ein Paar. La Feu und Lady Kathrin finden ebenfalls zusammen und wollen ein romantisches Leben als Schäfer und Schäferin führen. Blasius, dessen Griesgrämigkeit Louise abschreckt, entscheidet sich für ein Leben als Eremit.
Aufbau und dramatische Wirkung
Das Stück spielt in einem Gasthof in Amerika, doch der Schauplatz bleibt unbestimmt. Die Angabe „Die Scene Amerika“ ist laut Artikel irreführend, weil der Gasthof ebenso gut auf einem anderen Erdteil stehen könnte, solange dort Krieg herrscht. Der Amerikanische Unabhängigkeitskrieg bildet nur den Hintergrund. Er erscheint nicht als politisches oder humanes Problem, sondern als Gelegenheit, Kraft und Mut zu erproben.
Die Handlung folgt keiner strengen Wahrscheinlichkeit. Figuren handeln oft nicht folgerichtig, Absichten bleiben unklar, und viele Wendungen wirken unmotiviert. Auch die Wiedererkennungsszene am Schluss und die Versöhnung sind dramaturgisch nur schwach vorbereitet. Trotzdem haben diese Ereignisse eine Funktion: Sie schaffen Anlässe für starke Gefühlsäußerungen.
Klinger selbst beschrieb sein Stück im September 1776 mit den Worten: „Ich hab die tollsten Originale zusammengetrieben. Und das tiefste tragische Gefühl wechselt immer mit Lachen und Wiehern“. Das Drama mischt also bewusst Komisches und Tragisches. Es zeigt einen „Drang ohne Ziel“ und einen „Sturm der Leidenschaften um ihrer selbst willen“. Im Artikel wird es auch als Vorbote der Romantik gedeutet, weil es Zerrissenheit, schwermütige Untätigkeit, Totalitätsanspruch und Naturschwärmerei verbindet.
Sprache und Stil
Die Sprache ist ein zentrales Merkmal des Stücks. Sie wirkt eigenwillig, aufgedreht und stark verdichtet. Klinger benutzt dynamische Verben wie herumfahren, entgegenbrüllen, toben und spannen, ausdrucksstarke Adjektive wie wild und toll sowie Substantive wie Tumult, Lärmen, Sturm, Herz und Wirrwarr. Dazu kommen ungewöhnliche Vergleiche, Bilder und scheinbar widersprüchliche Formulierungen wie „labe dich im Wirrwarr“.
Die Figuren erhalten durch ihre Sprache eigene Konturen. Wild und der Kapitän verwenden Kraftausdrücke und sinnliche Bilder. La Feu und Lady Kathrin sprechen eher in formelhaften poetischen Wendungen. Louise macht gern Witze, Caroline klingt schwermütig und empfindsam. Berkley formuliert im Spannungsfeld von Liebe und Hass. Blasius bevorzugt melancholische und selbsterniedrigende Aussagen.
Auffällig ist auch eine Technik der Wiederholung und Häufung. Bestimmte Begriffe und Aussagen kehren immer wieder. Dadurch entsteht weniger eine klare Handlungseinheit als eine Einheit über Sprache, Motive und Gegensätze zwischen Szenen und Figuren.
Zeitgenössische Kritik
Die zeitgenössische Rezeption war überwiegend kritisch. Schon 1778 bemängelte ein anonymer Rezensent, dass wichtige Fragen unbeantwortet bleiben: Wo, wie, wann und warum Lord Berkley seinen Sohn verloren habe, wie dieser gerettet worden und Schiffskapitän geworden sei, oder wie Wild und Berkleys Tochter einander früher begegnet seien, werde im Stück nicht erklärt.
Auch andere Kritiker reagierten bissig. Zwar wurde vereinzelt ein „Geniefunken“ erwähnt, häufiger aber war von einer „Portion Narrheit“, einem „Schreckensstück“, „überspannter Phantasie“ und „wilden Auswüchsen“ die Rede. Das Berliner Literarische Wochenblatt wünschte Klinger „mehr kühles Blut“ und mehr Herrschaft des Verstandes über die Einbildungskraft.
Der Artikel hält diese Kritik für nachvollziehbar, weil vieles konstruiert und aufgesetzt wirkt und manches fehlt. Zugleich erklärt er, dass das Stück seine Einheit nicht durch eine zielgerichtete, logisch aufgebaute Handlung gewinnt, sondern durch innere Bezüge: Sprache, Motive, Kontraste und die Vielfalt der Charaktere. Klinger lehnt damit die traditionelle Handlungseinheit des klassischen Dramas ab.
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