Zum Inhalt springen
L

Wikipedia · einfach zusammengefasst · Stand

Drei Aristotelische Einheiten

Die drei Aristotelischen Einheiten von Zeit, Raum und Handlung sind Prinzipien zur Konstruktion von Dramen, die nach dem griechischen Philosophen …

Inhalt3 Abschnitte
  1. 1. Grundidee der drei Einheiten
  2. 2. Aristoteles’ Aussagen zu Zeit und Handlung
  3. 3. Strenge Regeln und die Einheit des Orts

Grundidee der drei Einheiten

Die drei Aristotelischen Einheiten von Zeit, Raum und Handlung sind Prinzipien für den Aufbau eines Dramas. Sie heißen so, weil sie sich auf Aussagen in Aristoteles’ Poetik stützen. Die Bezeichnung „drei Einheiten“ entstand jedoch erst in der Renaissance; erstmals erwähnte sie Lodovico Castelvetro in La poetica di Aristotele vulgarizzata (1570).

Ein Drama soll nach dieser Regel Zeit, Raum und Handlung einheitlich halten. Zeitsprünge, Ortswechsel und Nebenhandlungen sind damit ausgeschlossen. Volker Klotz bezeichnet diese Form als geschlossenes Drama.

Aristoteles’ Aussagen zu Zeit und Handlung

Aristoteles grenzte das Drama vom Epos ab. Das Epos muss sich zumindest nicht an die Einheit der Zeit halten. Für die Tragödie schrieb er: „Die Tragödie versucht, sich nach Möglichkeit innerhalb eines einzigen Sonnenumlaufs zu halten oder nur wenig darüber hinauszugehen“ (Poetik, 5). Ein Sonnenumlauf meint hier ungefähr einen Tag.

Für die Einheit der Handlung forderte Aristoteles eine „gute und in sich geschlossene Handlung von bestimmter Größe“ (Poetik, 6). Die Handlung soll eine einzige, ganze Handlung mit Anfang, Mitte und Ende bilden (Poetik, 23). Eine Einheit des Orts verlangte Aristoteles dagegen nicht ausdrücklich. Streng genommen gibt es daher nur zwei aristotelische Einheiten. Auch klassische Tragödien, die vor Aristoteles entstanden, etwa frühe Dramen von Aischylos, folgen nicht immer solchen Regeln.

Strenge Regeln und die Einheit des Orts

In Renaissance und Barock des 16. und 17. Jahrhunderts wurden die Einheiten strenger ausgelegt als bei Aristoteles. Besonders die französische Klassik hielt sie im Regeldrama ein. Shakespeares Dramen, die keine der Einheiten beachten, wurden deshalb zeitweise geringer geschätzt. Im frühen 18. Jahrhundert setzte sich Johann Christoph Gottsched im deutschsprachigen Raum im Zuge einer Theaterreform für die drei Einheiten ein, da sie als vornehmer galten als Aufführungen der Wanderbühnen.

Die Einheit des Orts wurde erst später ergänzt. Sie ist zuerst bei Castelvetro belegt, geht aber auf Julius Caesar Scaliger zurück und wurde von Jean Chapelain und François Hédelin übernommen. Sie hing mit der Kulissenbühne des Barocktheaters zusammen: Proszenium, Soffitten und einschiebbare Kulissen erschwerten schnelle Dekorationswechsel. Ein Ortswechsel verursachte daher erhebliche bühnentechnische Probleme.

Pierre Corneille erklärte 1660 in Discours sur les trois unités, weder bei Aristoteles noch bei Horaz eine Vorschrift zur Einheit des Orts gefunden zu haben, hielt sie aber dennoch für notwendig. Zwei Orte seien nur möglich, wenn sie in verschiedenen Akten liegen und keine unterschiedlichen Dekorationen benötigen. Bei Jakob Michael Reinhold Lenz ersetzt die Identität der Hauptperson die drei Einheiten; Ort und Zeit seien unwichtig.

Weiterlesen