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Mittelsteinzeit

Die Menschen mussten lernen, anstelle des verschwindenden Großwildes der Kältesteppen nun in den Wäldern Standwild zu jagen und die Fischerei zu verstärken.

Inhalt6 Abschnitte
  1. 1. Einordnung und zeitliche Gliederung
  2. 2. Klima, Landschaft und Anpassung
  3. 3. Geräte und organische Funde
  4. 4. Wohnplätze und Ernährung
  5. 5. Bestattungen
  6. 6. Kunst

Einordnung und zeitliche Gliederung

Die Mittelsteinzeit oder das Mesolithikum bezeichnet in Europa die Zeit nach der jüngeren Altsteinzeit (Jungpaläolithikum) und vor der Jungsteinzeit (Neolithikum). Sie gehört in die Nacheiszeit und ist vor allem durch die Anpassung von Jägern, Fischern und Sammlern an neue Umweltbedingungen geprägt. Ihr Beginn wird in Mitteleuropa mit der Wiederbewaldung zu Beginn des Holozäns um etwa 9700 v. Chr. verbunden. Ihr Ende trat regional unterschiedlich ein, als sich die erzeugende Wirtschaftsweise mit Ackerbau und Viehzucht ausbreitete: im südosteuropäischen Raum etwa 5800 v. Chr., im nordwesteuropäischen Raum erst etwa 4300 v. Chr.

Der Begriff wird vorwiegend für Mittel- und Nordeuropa verwendet. Im mediterranen Raum ist auch „Epipaläolithikum“ gebräuchlich; in Nordafrika fasst dieser Begriff europäisches Mesolithikum und Jungpaläolithikum zusammen. Für räumlich übergreifende Darstellungen dient Mesolithikum eher zur zeitlichen Einordnung, da der dafür typische europäische Lebensstil nicht überall vorlag. Die Kulturen der Archaischen Periode in den Amerikas sind mit dem Mesolithikum Eurasiens vergleichbar.

In Mitteleuropa gliedert man die Epoche vor allem anhand von Mikrolithen, kleinen Feuersteingeräten: Das Frühmesolithikum dauerte von 9600 bis 7000/6500 v. Chr. und ist durch Dreiecksmikrolithe gekennzeichnet. Das Spätmesolithikum dauerte etwa von 7000/6500 bis 5500/4500 v. Chr.; typisch sind Trapezmikrolithe und gedrückte Makroklingen. Regional gibt es eigene Kulturgruppen, etwa das Beuronien in Süddeutschland, die Duvensee- und Oldesloer Gruppe in der Norddeutschen Tiefebene sowie Maglemose-, Kongemose- und Ertebølle-Kultur in Dänemark. Auf den Britischen Inseln fehlen Trapeze; dort kommen auch später großformatige Geräteindustrien vor.

Der Übergang zur Jungsteinzeit zeigt sich am Auftreten erster bäuerlicher Kulturen: um 5800 v. Chr. etwa La-Hoguette-Gruppe, Alföld-Linearkeramik und Körös-Kultur, um 5500–4900 v. Chr. die Linearbandkeramische Kultur und um 4100 v. Chr. im nördlichen Mitteleuropa beziehungsweise um 4000/3900 v. Chr. in Südskandinavien die Trichterbecherkultur.

Klima, Landschaft und Anpassung

Das Mesolithikum war von der Erwärmung nach der Weichsel-Kaltzeit geprägt. Das Eis wich in Nordeuropa zurück; im Präboreal stiegen die Temperaturen rasch. Aus den ehemaligen eiszeitlichen Tundren entstanden zunächst lichte, später dichtere Wälder. Auf den Kiefern-Birkenmischwald des Boreals folgten mit wärmeliebenden Arten Haselwälder und schließlich der Eichenmischwald des Atlantikums. Die Besiedlungsgrenze verlagerte sich nach Norden. Zwischen 9600 und 5000 v. Chr. stieg der Meeresspiegel nahezu 100 m.

Diese Veränderung der Vegetation grenzte die Mittelsteinzeit vom Jungpaläolithikum ab und veränderte die Lebensweise. Die Großwildherden der Kältesteppen verschwanden oder wanderten ab. Menschen jagten nun vor allem Standwild, also Tiere, die dauerhaft in einem Gebiet leben, und verstärkten Fischerei und Sammeln.

Geräte und organische Funde

Kennzeichnend sind Mikrolithen: winzige Projektile aus Feuerstein oder anderen Rohstoffen. Mikrolithen konnten aus besonders kleinen Klingen, den Mikroklingen, bestehen. Geometrische Mikrolithen entstanden dagegen, indem größere Klingen gezielt zerbrochen und anschließend retuschiert, also durch Nachbearbeiten ihrer Kanten geformt wurden. In Nordeuropa verwendete man geschäftete Feuersteinbeile, die Kern- und Scheibenbeile.

Aus dem Mesolithikum stammen die ersten erhaltenen Dolche mit organischen Schäftungen. Am Fundplatz Nischneje Veretije in Nordrussland wurde ein mit Bast umwickelter Dolch aus einer beidseitig spitz retuschierten großen Feuersteinklinge gefunden; die Fundschicht datiert um etwa 8000 v. Chr. Aus Olenij Ostrov in Karelien stammt ein etwa gleich alter Knochendolch mit eingeklebten Feuersteinklingen.

In Torfmooren blieben organische Gegenstände besonders gut erhalten. Belegt sind Bast-Fischernetze aus Friesack, Pfeilschäfte aus Kiefern- und Haselholz sowie Reusen, Birkenrindengefäße, Rindenböden und Netzschwimmer, unter anderem aus Duvensee. Angelhaken bestanden aus Hirschgeweih oder Knochen. Einbäume, Paddel und Bogen aus Nadelhölzern sind mehrfach nachgewiesen. „Wächterbogen“ waren fest installierte Bogenfallen.

Wohnplätze und Ernährung

Die Sesshaftigkeit nahm in der Mittelsteinzeit etwas zu, obwohl die Gruppen saisonal mehrere Wohnplätze nutzten. Ein verkleinertes Schweifgebiet der Jäger und Sammler lässt sich an der Herkunft des Feuersteinrohmaterials erkennen. Pfostenlöcher auf Fundplätzen weisen auf Windschirme und Hütten. In Mount Sandel in Irland (etwa 6960–6440 v. Chr.) deuten zahlreiche Pfostenlöcher auf ein solides Gebäude; Morton in Schottland (4700–4300 v. Chr.) war vermutlich wiederholt bewohnt.

Im Norden sind auch festere Häuser belegt. In Norwegen fanden sich Steinwälle und fundamentartige Steinsetzungen; auf Træna wurde ein 6000–4000 Jahre altes Haus mit Pfostenlöchern und zentraler Feuerstelle entdeckt. Das etwa 8500 Jahre alte Tingby-Haus in Schweden gilt als Skandinaviens ältestes Haus. Auf Plätzen der Maglemose-Kultur in Dänemark und Norddeutschland blieben Hüttenböden aus verflochtenen Rindenstreifen und gespaltenen Baumstämmen erhalten. Die Hütten von Ulkestrup Øst I hatten rechteckige oder trapezförmige Grundrisse von 6,25 bis 24 m²; Wände und Dächer bestanden aus Birkenreisig und/oder Schilf.

Die Ernährung beruhte auf Jagd, Fischerei und Sammeln. Gejagt wurden vor allem Waldtiere wie Rothirsch, Reh und Wildschwein, daneben Fische, Vögel und Kleintiere. An den Küsten Nordmitteleuropas entstanden in der Kongemose-Kultur (6000–5200 v. Chr.) die ersten Køkkenmøddinger, Küchenabfallhaufen. Haselnüsse waren schon im Frühmesolithikum wichtig. Nussschalenlager, Röstplätze und Nussknacker aus Duvensee zeigen ihre intensive Nutzung; die Erträge könnten die des frühen Ackerbaus noch übertroffen haben. Ob die schnelle Ausbreitung der Hasel mit einer ersten Kultivierung durch Menschen zusammenhing, ist nicht nachweisbar. Ein etwa 5700 Jahre alter Birkenpech-Kaugummi weist Ente und Haselnuss als Bestandteile der Ernährung in Nordeuropa nach.

Bestattungen

Derzeit sind 280 mesolithische Bestattungen aus 25 europäischen Ländern mit etwa 2400 Individuen bekannt. Später nennt der Artikel für Aussagen zur Körperhaltung etwa 2100 Personen; die Angaben zur Gesamtzahl unterscheiden sich somit. Aus dem Frühmesolithikum stammen unter anderem Menschenreste aus der Blätterhöhle bei Hagen und ein Kindergrab bei Albenga in Ligurien. Dieses lag in einer ovalen Grube, enthielt 66 durchlöcherte Schalen der Meeresschnecke Columbella rustica und datiert auf 10.211 bis 9.910 Jahre cal BP.

Eine 2022 am Rand des Duvenseer Moors entdeckte Brandbestattung ist etwa 10.500 Jahre alt. Sie gilt als älteste bekannte Bestattung Schleswig-Holsteins. Zusammen mit einem ähnlich alten Leichenbrandfund aus Hammelev in Jütland deutet sie darauf hin, dass Brandbestattungen zu Beginn des Mesolithikums in dieser Region möglicherweise vorherrschten.

Aus dem Spätmesolithikum sind besonders aus Dänemark und Südschweden Gräberfelder bekannt, etwa Skateholm und Vedbaek-Bogebakken. Auf Île d’Hœdic und Île Téviec in Frankreich dienten Steinplatten als Grabeinfassungen. Charakteristisch sind außerdem Schädelbestattungen, beispielsweise in der Großen Ofnet-Höhle, im Hohlenstein-Stadel und in der Höhlenruine „Hexenküche“.

Auf dem Weinberg bei Groß Fredenwalde wurden sechs Individuen gefunden: drei Erwachsene und drei Kinder. Eine 2014 entdeckte, etwa 7000 Jahre alte Bestattung zeigt einen etwa 1,60 m großen jungen Mann, der bis zu den Knien aufrecht stehend in einer Grube lag; nach dem Zerfall des Oberkörpers wurde die Bestattung mit einer Feuerstelle versiegelt. Die mehreren Bestattungen sprechen dafür, dass dort möglicherweise das älteste Gräberfeld im nördlichen Mitteleuropa angelegt wurde. Mehr als 74 von etwa 2100 Personen wurden sitzend oder halb sitzend bestattet; weitere 31 Gräber könnten solche Bestattungen enthalten haben.

Kunst

Erhalten sind Felsbilder sowie Kleinkunst, vor allem reich verzierte Geräte aus Knochen und Geweih. Menschenfiguren und Elchzepter aus Geweih stammen vom Gräberfeld Olenij Ostrov in Karelien. Insgesamt ist das Mesolithikum auffallend arm an Menschendarstellungen.

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