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Menschheitsgeschichte

Die Menschheitsgeschichte umfasst die Geschichte der Menschheit von der Steinzeit bis in die Gegenwart. Mehr als 90 Prozent davon liegen im Zeitraum vom …

Inhalt6 Abschnitte
  1. 1. Gegenstand und zentrale Entwicklungslinien
  2. 2. Menschwerdung, Feuer und Jagd
  3. 3. Sesshaftigkeit und neolithische Revolution
  4. 4. Hochkulturen, Religionen und antike Reiche
  5. 5. Mittelalterliche Vernetzungen und Pest
  6. 6. Neuzeit, Industrialisierung und globale Gegenwart

Gegenstand und zentrale Entwicklungslinien

Die Menschheitsgeschichte umfasst die Geschichte der Menschheit von der Steinzeit bis zur Gegenwart. Mehr als 90 Prozent dieses Zeitraums liegen zwischen dem ersten Steingerät und dem Ende des Altpaläolithikums. Eine einheitliche Periodisierung ist schwierig, weil sich menschliche Gesellschaften zeitlich, räumlich und kulturell unterschiedlich entwickelten.

Wegweisende Stationen sind die fortgeschrittene Beherrschung des Feuers, der Übergang vom Jagen und Sammeln zur Sesshaftigkeit und Landwirtschaft, die Entstehung von Städten und Hochkulturen, neuzeitliche Entdeckungen und Umwälzungen, die industrielle Revolution und der Kolonialismus sowie die Weltkriege und die beschleunigte Globalisierung. Die heutige Welt ist multipolar und vielfältig vernetzt. Deshalb werden eurozentrische Darstellungen zunehmend hinterfragt. Der Begriff Anthropozän bezeichnet das Zeitalter der menschlichen Beeinflussung des Planeten.

Menschwerdung, Feuer und Jagd

Vor etwa zwei Millionen Jahren entstanden in Ostafrika Homo habilis beziehungsweise Homo rudolfensis und später Homo erectus. Noch vor rund 100.000 Jahren lebten mehrere Menschenarten gleichzeitig. Frühmenschen unterschieden sich von Tieren dadurch, dass sie Form und Eigenschaften von Werkzeugen gezielt veränderten. Neben Steinen wurden Knochen, Horn und Holz verwendet. Die wichtigsten Nahrungsmittel waren zunächst Früchte, Wurzeln und Kleingetier. In der Spätphase des Homo erectus wurden Höhlen als Wohnstätten genutzt und gegen wilde Tiere verteidigt.

Die Beherrschung des Feuers durch Homo erectus gilt als gesichert. In einer südafrikanischen Höhle ist Feuernutzung in Acheuléen-Schichten bereits vor 1,7 Millionen Jahren nachgewiesen. Feuer machte Fleisch durch Räuchern haltbarer und erweiterte durch Kochen und Braten die Nahrungsverwertung. Hitze tötete Bakterien und Parasiten; Nahrung wurde leichter kau- und verdaubar. Dadurch wuchs die Bandbreite genießbarer Lebensmittel. Kleinere Zähne und kürzere Därme wurden möglich, wodurch Energie eingespart werden konnte, die der Entwicklung großer Gehirne zugutekam. Feuer bot außerdem Schutz vor Insekten und konnte bei Treibjagden eingesetzt werden.

Die Spezialisierung der Jagd erforderte komplexe Kooperation und sprachliche Koordination. Die Domestikation des Hundes begann vor über 30.000 Jahren. Die Speerschleuder, eine der ältesten Maschinen der Menschheit, ermöglichte Abwurfgeschwindigkeiten von über 100 km/h. Das Zerteilen und Haltbarmachen der Beute, Hüttenbau und Feuerwache förderten Arbeitsteilung und kooperative Beziehungen. Knochennadeln verbesserten Kleidung und Behausungen; annähernd gleichzeitig entstanden frühe Formen von Malerei, plastischer Kunst und Musik.

Die Ausbreitung des Menschen in kältere Klimazonen und schließlich auf alle Erdteile ging mit einer zunehmenden Vorherrschaft über die übrige Fauna und einem Massenaussterben einher. Von 200 Säugetierarten mit mehr als 50 Kilogramm Gewicht war zu Beginn der landwirtschaftlichen Revolution nur noch etwa die Hälfte übrig.

Sesshaftigkeit und neolithische Revolution

Zum Ende der letzten Eiszeit veränderten sich die Lebensbedingungen tiefgreifend. Der Meeresspiegel stieg in der Ostsee um 25 Meter. In Mitteleuropa breiteten sich Birken-, Kiefern- und Mischwälder aus; spezialisierte Jäger-, Fischer- und Sammlergemeinschaften konzentrierten sich im Mesolithikum an Flüssen, Seen und Meeresküsten.

Im östlichen Mittelmeerraum ermöglichte das milde Klima des Alleröd-Interstadials (ca. 12. bis 11. vorchristliches Jahrtausend) eine große Artenvielfalt. Menschen konnten ihre Schweifgebiete verkleinern und länger an einem Ort bleiben. Spätestens um 11.000 v. Chr. nutzten sie Wildgetreide, um saisonale Engpässe auszugleichen. Der Kälteeinbruch der jüngeren Dryaszeit verringerte die Nahrungsressourcen. Da die Menschen ihre Sesshaftigkeit nicht aufgaben, intensivierten sie die produzierende Wirtschaftsweise. Organisierte Landwirtschaft und ortsfeste Siedlungen wurden dadurch eng miteinander verbunden.

Kultivierte Nutzpflanzen sind ab 9500 v. Chr. nachgewiesen; dies gilt als frühester Beginn der Jungsteinzeit. Um 8500 bis 8000 v. Chr. wurden im fruchtbaren Halbmond Schafe, Ziegen und Rinder domestiziert. Agrargesellschaften entstanden unabhängig voneinander im fruchtbaren Halbmond, später in Südostasien und in den südamerikanischen Anden. Im Vorderen Orient wurden vor allem Weizen, Gerste, Erbsen, Oliven, Wein und Obstbäume angebaut; Südostasien wurde zum Zentrum des Anbaus unterirdischer Knollenfrüchte; in China verbanden sich Reisanbau und Knollenfrüchte. Das Pflügen ab etwa 6500 v. Chr. wird als „zweite agrarkulturelle Revolution“ bezeichnet. Gefäßkeramik zur Vorratshaltung entwickelte sich im Vorderen Orient und in China seit etwa 7.000 v. Chr.

Die „neolithische Revolution“ war kein kurzfristiger weltweiter Umbruch, sondern eine jahrtausendelange Entwicklung. Nomadisierende Gruppen bestanden weiterhin. Mischformen gab es etwa bei Wandergartenbauern in Papua-Neuguinea und Amazonien. Auch die Bewertung des Wandels ist umstritten: Yuval Noah Harari betont, dass Jäger und Sammler gesünder, weniger hungrig und weniger monoton beschäftigt gewesen seien. Nach heutiger wissenschaftlicher Auffassung wurde der Feldbau vor allem intensiviert, um die bereits etablierte Sesshaftigkeit zu erhalten. Die steigende Nahrungsenergie pro Fläche führte zu starkem Bevölkerungswachstum.

Hochkulturen, Religionen und antike Reiche

Sesshaftigkeit führte zunächst nicht automatisch zu Städten oder Staaten. In Mesopotamien entstanden seit dem Übergang vom 7. zum 6. Jahrtausend v. Chr. Bewässerungssysteme. Mit dem Bevölkerungswachstum entwickelten sich befestigte Zentralorte, Arbeitsteilung, Institutionen, technische Neuerungen und Fernhandel. Rad und Wagen sowie Pferde verbesserten im späten 4. und 3. Jahrtausend den Transport. Erste staatliche Gebilde entstanden im 4. Jahrtausend v. Chr. in Mesopotamien, Ägypten und an der südamerikanischen Pazifikküste. Bronze förderte seit dem 3. Jahrtausend v. Chr. Fernhandelsnetze, weil Zinn aus entfernten Regionen wie Afghanistan importiert werden musste.

Schriftliche Quellen gibt es für Mesopotamien und Ägypten etwa ab 3100 v. Chr., für die Indus-Kultur ab ca. 2600 v. Chr. und am Gelben Fluss ab 1523 v. Chr. Die sumerische Schrift verwendete Zahlenzeichen in einem auf der Zahl 6 basierenden Sexagesimalsystem, das den 24 Stunden eines Tages und den 360 Grad eines Kreises zugrunde liegt. Andere Zeichen bezeichneten unter anderem Menschen, Tiere und Waren. Tontafeln ermöglichten die Speicherung großer Datenmengen. Hochkulturen waren durch Städte, Staatlichkeit, Bürokratie, Priestertum, Theokratie, Anfänge von Wissenschaft und Technik, Kalender, Geldwirtschaft, Handel, Kriegsführung und Reichsbildung gekennzeichnet. Maya, Azteken und Inka entwickelten sich später und unabhängig davon ab 1000 v. Chr.

Nach dem Zusammenbruch bronzezeitlicher Fernhandelsnetze um 1250 v. Chr. und zunehmendem Zinnmangel verbreitete sich Eisen. Es wurde um 1500 v. Chr. von den Hethitern, um 1300 v. Chr. in Indien, nach 1000 v. Chr. in Griechenland und seit etwa 800 v. Chr. in Mitteleuropa verwendet. In China wurde Eisen seit ca. 550 v. Chr. im Hochofen verhüttet und gegossen. Im subsaharischen Afrika ist Eisenverarbeitung seit etwa 500 v. Chr. in der Tschadregion belegt.

Aus frühen Hochkulturen gingen Zoroastrismus, Hinduismus, Buddhismus, Judentum, Christentum und Islam hervor. Die Zeit um 500 v. Chr. gilt als „Achsenzeit“. Konfuzius, Buddha und Zarathustra boten neue Orientierungen; ionische Naturphilosophen legten Grundlagen westlicher Philosophie und Naturwissenschaft.

Die griechische Antike prägte Demokratie, Politik, Philosophie, Kritik, Mathematik, Naturwissenschaften, Technik, Literatur, Kunst und Theater. Alexander der Große legte durch die Eroberung östlicher Gebiete Grundlagen der Hellenisierung. Das Römische Reich übernahm griechisches Bildungsgut, verlieh vielen Unterworfenen das Bürgerrecht und verbreitete das Römische Recht. Nach der größten Ausdehnung unter Trajan verlagerte sich der Schwerpunkt mit der Gründung Konstantinopels zu Beginn des 4. Jahrhunderts nach Osten. Im 5. Jahrhundert führten Klimaveränderungen, Dürren, Wanderungen und der Druck der Hunnen zum Niedergang des Weströmischen Reiches; dort gingen Alphabetisierung, Steinbau, Fernhandel und Eisengewinnung stark zurück.

Mittelalterliche Vernetzungen und Pest

Der Begriff Mittelalter bezeichnet in der westlichen Geschichtsschreibung den Zeitraum zwischen dem Niedergang des antiken Römischen Reiches und der europäischen Entdeckung und Eroberung Amerikas. Auf andere Kontinente ist dieses Schema nur eingeschränkt anwendbar. Auch in Japan, Indien und Afrika gab es Formen einer frühen Feudalisierung.

Die Christenmission verbreitete sich entlang asiatischer Handelswege. Im 7. Jahrhundert entstand mit dem Islam eine dritte große monotheistische Religion. Die islamische Expansion verband Ägypten und Mesopotamien in einem Machtgebiet, das im 8. Jahrhundert vom Himalaya bis zum Atlantik reichte. Im 9. Jahrhundert entstanden entlang von Oder, Newa, Wolga und Dnepr Handelsstationen der Rus. Der Handel erstreckte sich über 5.000 Kilometer.

Im Ersten Kreuzzug eroberten westliche Christen 1099 Jerusalem. Die Kreuzfahrerstaaten förderten den Aufstieg Genuas, Pisas und vor allem Venedigs. Der Vierte Kreuzzug richtete sich 1204 gegen Konstantinopel, das eingenommen und geplündert wurde. In Europa blieb die politische Ordnung durch konkurrierende Feudalmächte zersplittert. Renaissance und Reformation stellten kirchliche Dogmen zunehmend infrage und führten langfristig zur religiös-weltanschaulichen Selbstbestimmung als Menschenrecht.

China war unter der Tang-Dynastie politisch stabil; die Mongolen herrschten 1279–1368 über China. Das Mongolenreich garantierte etwa 1220–1335 die Sicherheit des Fernhandels über die Seidenstraße, obwohl Eroberungen teilweise durch äußerst brutale Gewalt erfolgten. Unter der Ming-Dynastie erreichte China im 15. Jahrhundert mit großen Seeexpeditionen, darunter Fahrten Zheng Hes zwischen 1417 und 1422 bis nach Mosambik, eine herausragende Seemachtstellung. Danach führten Krisen und Pest zu konservativer Selbstbeschränkung und Isolationismus. 1453 eroberten türkische Herrscher Konstantinopel.

Südlich der Sahara verbreiteten sich durch die Bantuwanderung Bauerntum und seit dem 6. Jahrhundert Eisentechnologie. In vielen afrikanischen Reichen war die Herrschaft über Menschen wichtiger als der Besitz von Boden. Sklaverei, Sklavenjagd und Sklavenhandel waren seit der Antike verbreitet.

Die Pest des 14. Jahrhunderts, später Schwarzer Tod genannt, entstand in der eurasischen Steppe. Der durch Flöhe übertragene Erreger war Yersinia pestis. 1346 wurde das genuesische Caffa belagert; die Seuche gelangte anschließend über europäische Handelswege weiter. Gegen Ende der 1340er Jahre erreichte sie Europa. Als sie Anfang der 1350er Jahre nachließ, war mindestens ein Drittel der europäischen Gesamtbevölkerung gestorben. Arbeitskräftemangel und steigende Löhne förderten Schafzucht, Gewerbe, Lohnarbeit und in England die Abschaffung der Leibeigenschaft.

Neuzeit, Industrialisierung und globale Gegenwart

Seit dem 13. Jahrhundert schufen Venedig und Genua mit Kolonien, verbesserten Navigationsmethoden, Warenlagern und Plantagen Grundlagen europäischer Vorherrschaft im Welthandel. Portugiesen und Spanier verbesserten Schiffbau und Navigation. Ihre Entdeckungsfahrten führten zur Errichtung europäischer Handelsstützpunkte, Kolonien und Kolonialreiche. Krankheitserreger wie Pocken, Masern, Grippe und Typhus reduzierten die indigene Bevölkerung Amerikas innerhalb der ersten beiden Jahrhunderte nach Kolumbus um 95 %. Der mexikanische Silberpeso wurde zur ersten global akzeptierten Währung; der Silberexport führte in Spanien jedoch zu Inflation und wirtschaftlichem Niedergang.

Die Weltbevölkerung stieg von etwa 600 Millionen im Jahr 1700 auf 1 Milliarde um 1804. In Europa und China verdoppelte sie sich auf fast 200 beziehungsweise etwa 300 Millionen Menschen. Verbesserungen der Landwirtschaft, Fruchtwechselwirtschaft, Kartoffelanbau und Winterstallfütterung verringerten Hungersnöte. Gleichzeitig führten koloniale Handelsbeziehungen zur Teilkolonialisierung und zu wirtschaftlicher Stagnation in vielen abhängigen Regionen. Im Amerikanischen Unabhängigkeitskrieg entstanden die Vereinigten Staaten; die Französische Revolution von 1789 zielte auf Menschenrechte und Gewaltenteilung. Die nordamerikanischen Sklaven erlangten ihre persönliche Freiheit erst infolge des Bürgerkriegs nach 1860.

Großbritannien war Vorreiter der Industriellen Revolution. Kohle, Eisen, Eisenbahnen, Indien als Baumwollkolonie und große Absatzmärkte ermöglichten maschinengetriebene Fabrikproduktion. Diese breitete sich nach West- und Mitteleuropa, in die USA, an den Ural, nach Indien und Japan aus. Der Gegensatz zwischen kapitalistischem Wirtschaftsbürgertum und lohnabhängiger Fabrikarbeiterschaft verschärfte sich. Gewerkschaften und staatliche Sozialreformen reagierten auf die soziale Frage; Friedrich Engels und Karl Marx forderten im Kommunistischen Manifest eine proletarische Revolution und eine Diktatur des Proletariats.

Der Imperialismus verband industrielle Konkurrenz mit dem Streben nach Rohstoffen und Absatzmärkten. Auf der Berliner Kongokonferenz 1884 wurde Afrika ohne Mitwirkung der Betroffenen aufgeteilt. Kolonial kontrollierte Gebiete wuchsen von 25 Millionen Quadratkilometern 1880 auf 53 Millionen Quadratkilometer 1913. Rassenlehren und sozialdarwinistische Argumente dienten der Rechtfertigung.

Der Erste Weltkrieg dauerte 1914–1918, setzte etwa 70 Millionen Menschen unter Waffen und kostete etwa 17 Millionen das Leben. Die Russische Revolution von 1917 führte zum Systemgegensatz zwischen kommunistischer Sowjetunion und kapitalistischen westlichen Industrieländern. Der Zweite Weltkrieg entstand unter anderem aus Weltwirtschaftskrise, Nationalsozialismus und deutscher Eroberungspolitik. Die Kriegstotenzahl wird auf 60–70 Millionen geschätzt; Holocaust und Atombombenabwürfe auf Hiroshima und Nagasaki prägten das Geschehen. Völkerbund (1920) und Vereinte Nationen (1945) sollten Frieden und Menschenrechte sichern. Nach 1945 folgten Dekolonisation, Kalter Krieg und Blockbildung. Seit dem Fall des Eisernen Vorhangs entstand eine zunehmend multipolare Weltordnung.

Computer, Internet, mobile Kommunikation, künstliche Intelligenz, Robotik, Internet der Dinge, 3D-Druck und autonome Mobilität verstärken weltweite Verflechtungen. Gleichzeitig bestehen Finanzkrisen, Schuldenkrisen, Nationalismus, religiöser Fundamentalismus, Kriege und Fluchtbewegungen. Das Anthropozän verbindet Menschheits- und Erdgeschichte. Paul Crutzen prägte den Begriff 2000; die Anthropocene Working Group schlug vor, die Mitte des 20. Jahrhunderts als Beginn des Anthropozäns festzulegen.

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