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Spanische Eroberung Mexikos
Die spanische Eroberung Mexikos unter Hernán Cortés in den Jahren von 1519 bis 1521 führte zum Untergang des Reiches der Azteken und begründete die Herrschaft …
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Kern und Quellenlage
Die spanische Eroberung Mexikos unter Hernán Cortés dauerte von 1519 bis 1521. Sie führte zum Untergang des Aztekenreiches und begründete die spanische Herrschaft über Mesoamerika. Nach der Eroberung entstand das Vizekönigreich Neuspanien. Viele Spanier kamen als Siedler nach Zentralmexiko; die Religion der Azteken wurde durch das Christentum verdrängt, und ein großer Teil der indigenen Kultur wurde zerstört.
Entscheidend für den Erfolg der Spanier waren mehrere Faktoren: ihre überlegene Waffentechnik, die Anfälligkeit der indigenen Bevölkerung für eingeschleppte Krankheiten wie Pocken, Masern, Grippe und besonders Salmonelleninfektionen, sowie die Ausnutzung politischer Schwächen des aztekischen Reiches.
Eine vollkommen objektive Darstellung ist nicht mehr möglich. Es gibt nur zwei spanische Augenzeugenberichte sowie die unter Bernardino de Sahagún von aztekischen Schreibern auf Nahuatl verfasste Historia general de las cosas de Nueva España, die auch die aztekische Sicht schildert. Die Forschung kann diese Lücken nur teilweise ausgleichen, da das präkolumbische Tenochtitlán nach der Niederlage fast völlig zerstört wurde.
Ausgangslage in Zentralmexiko und Spanien
Zu Beginn des 16. Jahrhunderts bestand das Becken von Mexiko aus vielen Stadtstaaten. Der Aztekische Dreibund aus Tenochtitlán, Texcoco und Tlacopán war die stärkste Macht im Tal von Mexiko. Besiegte Staaten wurden meist nicht direkt eingegliedert, sondern mussten Tribute zahlen. Tenochtitlán lag auf Inseln im Texcoco-See und war die mächtigste Stadt des Bundes. Ihr Herrscher hatte die militärische Befehlsgewalt über die beiden anderen Städte.
Seit 1502 regierte Moctezuma II. Tenochtitlán. Unter ihm nahmen soziale Spannungen zu, weil die Unterschiede zwischen Arm und Reich wuchsen. Auch Texcoco war als Bündnispartner unsicher geworden, nachdem Moctezuma 1515 in einen Thronfolgestreit eingegriffen hatte. Dennoch blieb der Dreibund sehr stark. Wichtige Gegner waren das Reich der Tarasken im Westen und ein Bündnis von vier Städten im Osten, dessen stärkstes Mitglied Tlaxcala war. Technologisch waren die Staaten Zentralmexikos den Kulturen Eurasiens deutlich unterlegen; ihnen waren etwa Eisenverarbeitung, eine ausgearbeitete Schrift und der Einsatz des Rades zu Transportzwecken unbekannt.
Spanien hatte nach 1492 mehrere Karibikinseln besetzt. Auf Hispaniola, Puerto Rico, Jamaika und Kuba wurden indigene Bevölkerungen nach militärischen Niederlagen zur Zwangsarbeit gezwungen. Die spanische Krone achtete wenig auf die Kolonien, wodurch Konquistadoren großen Handlungsspielraum hatten. Viele waren jüngere Söhne von Hidalgos, die kein Erbe erhielten. Goldsuche, Auswanderungsdruck durch wirtschaftliche Krisen und der christliche Missionsauftrag verstärkten die Expansion. Um 1520 lebten vermutlich nur etwa 27.000 Spanier in den Kolonien, die meisten auf Hispaniola.
Erste Kontakte und Cortés’ Aufbruch
Schon um 1502 verbreiteten sich in Zentralmexiko Gerüchte über bärtige, hellhäutige Männer, denen große Grausamkeit zugeschrieben wurde. Woher diese Gerüchte stammten, ist unsicher. Mögliche Quellen waren frühere Expeditionen, Berichte aus Darién oder Kontakte zwischen Karibikinseln und Yucatán.
Die ersten Spanier an der heutigen mexikanischen Küste gehörten zur Expedition von Francisco Hernández de Córdoba, die am 8. Februar 1517 von Santiago de Cuba aufbrach. Sie erreichte Yucatán, geriet bei Champotón in einen Hinterhalt und verlor die Hälfte ihrer Männer. Hernández de Córdoba starb später an seinen Verwundungen. 1518 folgte eine Expedition unter Juan de Grijalva. Sie erreichte unter anderem Cozumel, Champotón und San Juan de Ulúa nahe dem heutigen Veracruz. Dort trafen die Spanier auf die Totonaken, die den Azteken tributpflichtig waren, und erstmals auf Gesandte Moctezumas.
Nach Grijalvas Rückkehr beauftragte Diego Velázquez de Cuéllar Hernán Cortés mit einer dritten Expedition. Velázquez fürchtete jedoch, Cortés könne sich seiner Kontrolle entziehen. Cortés kam einer Absetzung zuvor und stach am 10. Februar 1519 mit 400 bis 600 Mann in See. Auf Cozumel schloss sich ihm Gerónimo de Aguilar an, der bei den Maya gelebt hatte und ihre Sprache beherrschte. Nach Kämpfen bei Potonchán erhielt Cortés zwanzig Sklavinnen, darunter Malinche, auch Doña Marina genannt. Sie sprach Maya und Nahuatl und wurde Cortés’ wichtigste Dolmetscherin. Zusammen mit Aguilar ermöglichte sie die Verständigung zwischen Spaniern, Maya und Nahuatl sprechenden Gruppen.
Marsch nach Tenochtitlán und Macht über Moctezuma
Cortés landete bei Grijalvas früherem Landeplatz. Aztekische Gesandte brachten Geschenke, doch Cortés blieb. Mit den Totonaken, einem aztekischen Vasallenvolk, schloss er ein Bündnis. Obwohl sein Auftrag eigentlich nur Erkundung war, gründete er Villa Rica de la Vera Cruz, setzte einen Stadtrat ein und ließ sich zum Kapitängeneral ernennen. Damit stellte er sich direkt unter die spanische Krone und entzog sich Velázquez. Aus Angst vor Desertionen machte er die übrigen Schiffe unbrauchbar. Dann zog er mit etwa 300 spanischen Soldaten und vielen Totonaken ins Landesinnere.
In Tlaxcala, einem mächtigen Gegner der Azteken, wurden die Spanier zunächst mehrfach angegriffen. Ihre Waffen verhinderten eine Niederlage. Schließlich kam es auf Betreiben Xicoténcatls des Älteren zum Frieden und zu einem Bündnis. Tlaxcala hatte viele Kämpfer, aber allein zu wenig Kraft gegen die Azteken; die Spanier hatten Feuerkraft, brauchten aber indigene Unterstützung.
Nach einem Aufenthalt in Tlaxcala zogen die Spanier nach Cholula. Dort wurde ein großer Teil der Führungsschicht beseitigt, vermutlich auf Betreiben der Tlaxcalteken, und ein loyaler Marionettenkönig eingesetzt. Am 8. November 1519 erreichten Cortés und seine Verbündeten Tenochtitlán. Moctezuma II. empfing sie mit reichen Geschenken. Die Vorstellung, Moctezuma habe Cortés für den Gott Quetzalcoatl gehalten und ihm die Herrschaft übergeben, gilt in der neueren Forschung als spanisch konstruierter Geschichtsmythos.
Cortés erkannte, dass seine Lage in der Inselstadt gefährlich war. Er brachte Moctezuma durch Druck dazu, in den Palast zu ziehen, den dieser den Spaniern als Unterkunft gegeben hatte. So herrschte Cortés etwa acht Monate lang indirekt über das Aztekenreich, indem er Moctezuma faktisch unter Hausarrest hielt. Spannungen entstanden, als die Spanier eine Kapelle bauten, Schätze übernahmen und auf dem Großen Tempel christliche Zeichen aufstellten.
Aufstand, Noche Triste und Belagerung
Im Mai 1520 erfuhr Cortés, dass Pánfilo de Narváez mit mehr als tausend Soldaten nach Veracruz geschickt worden war, um ihn festzunehmen. Cortés ließ Pedro de Alvarado in Tenochtitlán zurück, besiegte Narváez überraschend und übernahm dessen Soldaten. Währenddessen wuchs in Tenochtitlán die Unruhe. Alvarado ließ örtliche Häuptlinge töten. Während eines aztekischen Festes töteten die Spanier im Hof des Großen Tempels zahlreiche Adelige und Priester; die Quellen nennen mindestens sechshundert, möglicherweise acht- bis zehntausend Menschen. Daraufhin erhob sich die Bevölkerung. Cortés kehrte am 24. Juni zurück, wurde aber nach dem Hochziehen der Brücken eingeschlossen.
Als die Vorräte knapp wurden, ließ Cortés Moctezuma zur Menge sprechen. Dieser wurde von seinen Untertanen mit Steinen angegriffen und starb wenige Tage später. Wegen widersprüchlicher Quellen bleibt ungeklärt, ob er an den Verletzungen starb oder von den Spaniern getötet wurde. In der Nacht vom 30. Juni 1520 versuchten die Spanier zu fliehen. Die Flucht wurde entdeckt und endete in einer schweren Niederlage, der Noche triste. Fast drei Viertel der mit Beute beladenen Spanier und mindestens eintausend Tlaxcalteken starben oder ertranken. Etwa 270 weitere Spanier wurden später gefangen und den Göttern geopfert.
Am 14. Juli 1520 stellten sich den Überlebenden bei Otumba große aztekische Truppen entgegen. Durch den Einsatz der verbliebenen Kavallerie und die Tötung aztekischer Anführer konnten die Spanier gewinnen und nach Tlaxcala gelangen. Nur etwa 440 Spanier hatten überlebt. Eine Pockenepidemie schwächte die indigene Bevölkerung schwer; innerhalb eines Jahres starben vierzig Prozent. Auch der neue aztekische König Cuitláuac starb nach nur 80 Tagen Herrschaft. Sein Nachfolger wurde Cuauhtémoc.
Cortés sammelte in Tlaxcala neue Kräfte, ließ dreizehn Brigantinen bauen und zog mit neuen spanischen Soldaten und etwa zehntausend Tlaxcalteken nach Texcoco. Dort nutzte Ixtlilxochitl einen Thronstreit, verbündete sich mit den Spaniern und vertrieb Cacama. Die Brigantinen wurden am Texcoco-See zusammengebaut. Ab dem 28. April 1521 blockierten sie Tenochtitlán vom Wasser aus. Gleichzeitig unterwarfen spanische Führer Städte am Ufer, darunter Tlacopán. So wurde Tenochtitlán politisch und militärisch isoliert.
Fall Tenochtitláns und Folgen
Die Azteken verteidigten Tenochtitlán mit Barrikaden, zerstörten Dammabschnitte und versuchten, die Spanier an den Lücken einzukesseln. Am 30. Juni 1521 hätten sie Cortés beinahe getötet; Cristóbal de Olid verhinderte dies und starb dabei. Trotz erbitterter Häuserkämpfe war die Stadt durch Hunger, Blockade und militärischen Druck nicht mehr zu halten. Am 13. August 1521 durchbrachen Spanier und Tlaxcalteken im Stadtteil Tlatelolco die letzten Verteidigungslinien. Danach wurde Tenochtitlán vier Tage lang geplündert, und Tausende Einwohner wurden getötet.
Cuauhtémoc, der letzte Herrscher der Azteken, wurde am Tag des Falls gefangen genommen. Zunächst blieb er am Leben, wurde aber am 28. Februar 1525 hingerichtet, nachdem man ihn einer Verschwörung gegen Cortés beschuldigt hatte. Auf den Trümmern Tenochtitláns entstand eine neue spanische Siedlung. Wasserleitungen wurden repariert, einige Einheimische durften nach zwei Monaten zurückkehren, aber das alte Zentrum blieb in spanischer Hand. Aus aztekischen Gebäuderesten entstanden neue spanische Gebäude; auf Tempelruinen wurden Kirchen gebaut. 1535 wurde Tenochtitlán in Mexiko-Stadt umbenannt und Verwaltungssitz des Vizekönigreichs Neuspanien.
In den folgenden Jahren und Jahrzehnten wurden auch andere Völker Mexikos von den Spaniern unterworfen. Überlebende indigene Menschen wurden christianisiert und zur Arbeit gezwungen. Viele litten unter Krankheiten und schwerer körperlicher Arbeit. Die Tlaxcalteken erhielten als Verbündete der Spanier gewisse Privilegien. Schätzungen zufolge sank die indigene Bevölkerung Mexikos zwischen 1519 und 1565 von 25 Millionen auf 2,5 Millionen, vor allem wegen eingeschleppter Krankheiten, verstärkt durch Zwangsarbeit in Encomienda-Latifundien und Minen. Dennoch verschwand die einheimische Kultur nicht völlig: Nahuatl blieb lebendig, und das aztekische Erbe wird in Mexiko heute allgemein hochgehalten.