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Konquistador
Der über ein Jahrhundert andauernde Prozess der Eroberung und Erschließung des mittel- und südamerikanischen Festlandes wird als Conquista (‚Eroberung') …
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Begriff und historische Einordnung
Konquistadoren waren Soldaten, Entdecker und Abenteurer, die im 16. und 17. Jahrhundert große Teile Nord-, Mittel- und Südamerikas sowie die Philippinen und andere Inseln als Kolonien eroberten. Der Sammelbegriff bedeutet auf Spanisch und Portugiesisch „Eroberer“.
Als Conquista wird der mehr als ein Jahrhundert dauernde Prozess der Eroberung und Erschließung des mittel- und südamerikanischen Festlandes bezeichnet. Viele Spanier der Zeit sahen ihn als Fortsetzung der 1492 beendeten Reconquista, also der Rückeroberung der Iberischen Halbinsel von den Mauren. Zu den besonders bekannten Eroberern zählen Hernán Cortés, der das Aztekenreich 1519–1521 eroberte, und Francisco Pizarro, der das Inkareich 1531–1535 eroberte.
Organisation, Ziele und Herrschaft
Grundsätzlich konnte jeder Konquistador werden, der Geldgeber fand. Er schloss mit der Casa de Contratación einen Vertrag, eine capitulación oder einen asiento. Diese Lizenz beziehungsweise dieses Monopol regelte das Unternehmen. Der Lizenznehmer sollte eine Provincia, also ein begrenztes Gebiet, erschließen, Siedlungen und Städte bauen und die indigene Bevölkerung zum Christentum bekehren. Er durfte die höchsten zivilen und militärischen Vertreter bestimmen: den Gouverneur (Adelantado) und den Generalkapitän (Capitán General).
Die Mannschaften bestanden meist aus mittellosen Spaniern oder Veteranen der Reconquista, nicht aus offiziellen Soldaten. Sie waren freie Bürger, mussten Waffen, Rüstung und Pferde selbst finanzieren und waren am Gewinn beteiligt. Besonders nachgeborene Söhne sahen darin eine Möglichkeit zu Besitz und gesellschaftlichem Aufstieg. Ein Fünftel aller Erträge musste als Quinto Real („königliches Fünftel“) an die Krone gehen.
Die Expeditionen hießen armada de rescate („bewaffneter Beutezug“), jornada („Reise“) oder entrada („Eingang“). Zunächst ging es vor allem darum, einheimische Völker zu unterwerfen und Gold sowie Silber zu gewinnen, nicht um Siedlungsgründungen. Dabei gingen die Konquistadoren meist mit großer Brutalität vor. Das 1513 eingeführte Requerimiento lieferte ihnen und Missionaren eine pseudooffizielle Rechtfertigung.
Nach Beutegewinnen benachteiligten viele Konquistadoren Staat, Gefolgsleute und Geldgeber. Rivalen kämpften um dieselben Gebiete; neue Züge in unbekannte Regionen wurden auch durch Gerüchte wie den Mythos von El Dorado ausgelöst. Zunächst herrschten Konquistadoren in eroberten Gebieten weitgehend uneingeschränkt. Später übernahm die Krone durch Gouverneure und Beamte die Kontrolle und gründete die Vizekönigreiche Neuspanien und Peru. Im letzten Drittel des 16. Jahrhunderts endete ihre Zeit mit der Konsolidierung dieser Vizekönigreiche.
Gründe für die Eroberungserfolge
Bei der Eroberung der Azteken und Inkas standen sehr wenige Spanier oft einer großen Zahl indigener Kämpfer gegenüber. In der Schlacht von Cajamarca standen beispielsweise 170 Spanier ungefähr 4000 bis 7000 Inkas gegenüber. Die Azteken und Inkas unterschätzten jedoch die waffentechnische sowie die taktisch-strategische Überlegenheit der Konquistadoren. Die Spanier hatten in der Reconquista über Jahrhunderte Kampftaktiken entwickelt, oft gegen zahlenmäßig überlegene Gegner.
Die zahlenmäßige Überlegenheit der indigenen Reiche erschwerte es ihren Herrschern, die Gefahr der kleinen fremden Truppen richtig einzuschätzen. Fehlende Kenntnisse über die Ziele und den kulturellen Hintergrund der Spanier sowie religiöse Vorstellungen erschwerten Entscheidungen. Naturereignisse deuteten Priester häufig als schlimme Vorzeichen der Götter, was die politische Führung lähmen konnte.
Auch die Großreiche selbst waren instabil. Sie waren durch Eroberungskriege entstanden; unterworfene Völker zahlten Tribut und waren häufig nicht integriert. In ihnen lebten verschiedene Völker mit unterschiedlichen Sprachen und Religionen. Außer im Inkareich gab es keine einheitliche Verwaltung, keine einheitliche Rechtsprechung und kein stehendes Heer zur dauernden Besetzung unterworfener Regionen. Die Konquistadoren nutzten deshalb die Unzufriedenheit unterworfener Völker und gewannen sie als Verbündete gegen die Herrscher.
Bevölkerungsverluste und Krankheiten
Schon während der Eroberungen erlitt die indigene Bevölkerung hohe Verluste, sowohl unter den Verteidigern als auch unter den Verbündeten der Konquistadoren. Der eigentliche demographische Kollaps begann danach durch Epidemien mit extrem hohen Todesraten.
Eingeschleppte Pocken trafen Menschen, die keine Immunabwehr dagegen entwickelt hatten, und verursachten Bevölkerungsverluste von 30 bis 50 Prozent. Die Ausbrüche von Cocoliztli, einem hämorrhagischen Fieber, in den Jahren 1545 und 1576 verursachten mehrere Millionen Tote. Dadurch sank die indigene Bevölkerung Neuspaniens von über 20 Millionen auf weniger als zwei Millionen Menschen bis 1600.
Ausrüstung und Kampfweise
Zur üblichen Grundausstattung gehörten eine spanische Rüstung, ein Helm und ein Degen. Die Reiter trugen Rapier und leichte Lanze sowie leichte Rüstung mit Halsberge, Helm, Stahlschienen und Knieschützern. Pferde waren in Amerika unbekannt; viele Indigene hielten Pferd und Reiter zunächst für ein einziges Wesen. Der wesentliche Vorteil der Kavallerie war ihre Geschwindigkeit. Reiter griffen meist in Gruppen von drei oder vier Mann an, unterstützten einander und verfolgten fliehende Gegner. Häufig warteten sie nach Salven von Armbrustschützen und Arkebusieren auf eine Lücke in den gegnerischen Reihen.
Die Hauptlast der Kämpfe trug jedoch die Infanterie: Lanzenträger, Hellebardenträger, Schwertkämpfer (Rodeleros), Armbrustschützen und Arkebusiere. Sie schützte sich mit Stahlhelm, Halsschutz, Brustpanzer und Unterleibsschutz; diese Rüstung hieß Dreiviertel-Rüstung. Manche trugen Lederpanzer mit Stahlplatten. In Neuspanien tauschten viele Soldaten, auch Hernán Cortés, den schweren Panzer gegen eine zwei Finger dicke, gepolsterte Baumwollrüstung nach aztekischem Vorbild aus.
Spanier konnten in enger Formation mit Hellebarden einer großen Übermacht standhalten, weil die Indigenen eher individuell als mit Gruppentaktiken kämpften. Armbrustschützen schossen gezielt auf Anführer; ihre Bolzen durchschlugen Holzschilde sowie Rüstungen aus Baumwolle oder Leder. Im Nahkampf boten Rapier und Degen Vorteile gegenüber Obsidianschwertern und Keulen, die als Hiebwaffen eingesetzt wurden: Ein Stoß ist schneller als ein Hieb, und die leichteren Degen ermüdeten weniger schnell.
Die Arkebuse wirkte vor allem durch Lärm und Feuerblitze psychologisch, war nicht immer zuverlässig und wohl nicht entscheidend effektiv. Ihre wirksamste Schussweite betrug etwa fünfzig Meter; empfohlen wurde, erst bei etwa fünfzehn Metern zu schießen. Meist arbeiteten Arkebusiere zu zweit: Einer lud, während der andere feuerte. Die Artillerie nutzte vor allem die bronzene Feldschlange, die Geschosse von acht bis dreizehn Kilogramm verschoss. Wenig genaue Schüsse konnten dennoch Breschen und schwere Verwüstungen verursachen. Daneben gab es Bombarden zum Durchbrechen von Mauern und Falkonetts auf Brustwehren und Wasserfahrzeugen. Kriegshunde mit Lederkollern erschreckten die Indigenen ebenfalls, weil diese zuvor nur deutlich kleinere Hunderassen kannten.