Wikipedia · einfach zusammengefasst · Stand
Mexiko-Stadt
Die Stadt ist politischer, wirtschaftlicher, sozialer und kultureller Mittelpunkt sowie größter Verkehrsknotenpunkt des Landes. Die Vereinigung dieser …
Inhalt6 Abschnitte
Hauptstadt und Metropole
Mexiko-Stadt, spanisch Ciudad de México und kurz CDMX, ist die Hauptstadt Mexikos sowie dessen politischer, wirtschaftlicher, sozialer, kultureller und verkehrlicher Mittelpunkt. Weil sich diese zentralen Funktionen dort konzentrieren, gilt sie als Primatstadt des Landes. Sie gehört keinem Bundesstaat an, sondern bildet eine eigene Gebietskörperschaft. Bis 2016 hieß sie offiziell México, Distrito Federal, kurz México D.F.
2020 lebten auf 1.496,96 km² 9.209.944 Menschen; die Bevölkerungsdichte betrug etwa 6.160 Einwohner je km². Zur Metropolregion Zona Metropolitana del Valle de México gehören außerdem angrenzende Gebiete der Bundesstaaten México und Hidalgo. Sie hat über 21 Millionen Einwohner und zählt damit zu den größten Ballungsräumen der Erde. Das Stadtgebiet besteht aus 16 Stadtbezirken, den demarcaciones territoriales, die weiter in colonias und barrios gegliedert sind.
Das historische Zentrum mit den Resten der Aztekenhauptstadt Tenochtitlan und die Wassergärten von Xochimilco gehören seit 1987 zum UNESCO-Weltkulturerbe. Der zentrale Campus der Universidad Nacional Autónoma de México wurde 2007 aufgenommen.
Naturraum und Umweltprobleme
Mexiko-Stadt liegt am südlichen Ende des Tals von Mexiko auf durchschnittlich 2.310 m Höhe. Das Becken ist von Gebirgen und Vulkanen umgeben, darunter Popocatépetl und Iztaccíhuatl. Die geschützte Beckenlage behindert den Luftaustausch und begünstigt zusammen mit den Emissionen von Verkehr und Industrie die Entstehung von Smog.
Die Stadt liegt in einem Erdbebengebiet. Am 19. September 1985 verursachte ein Beben der Stärke 8,0 offiziell 10.000 Todesopfer; Rettungsmannschaften nannten bis zu 45.000. Rund 250.000 Menschen wurden obdachlos. Der weiche Untergrund verstärkte die Erschütterungen. Am 19. September 2017 tötete ein Beben der Stärke 7,1 insgesamt 369 Menschen.
Ursprünglich war das abflusslose Becken von Seen und Sümpfen geprägt. Die Azteken nutzten Deiche, Aquädukte und Chinampas, künstlich angelegte Anbauflächen im flachen Wasser. Nach der spanischen Eroberung verfielen viele Anlagen. Später wurden die Seen entwässert und Grundwasser aus Tiefbrunnen gewonnen. Dadurch schrumpfen die wasserhaltigen Tonschichten: Teile der Innenstadt sanken zwischen 1891 und 1970 um bis zu 8,50 m, bis 1998 um bis zu 9,10 m. Dies beschädigt Gebäude, Trinkwasserleitungen und Kanalisation. Der von 2008 bis 2019 gebaute Abwassertunnel Túnel Emisor Oriente kann bis zu 150 m³ Abwasser pro Sekunde ableiten.
Das Höhenklima gehört zu den Kalttropen. Die mittlere Jahrestemperatur beträgt 15,9 °C, der Jahresniederschlag 816,2 mm. Von Oktober bis Mai herrscht Trockenzeit, von Juni bis September Regenzeit. Im Winter erreichen die Tage meist 20 bis 25 °C, während es nachts stellenweise friert.
Etwa 1,3 Millionen Einwohner hatten 2020 keinen direkten Zugang zu Trinkwasser. 2018 lag der Verbrauch bei durchschnittlich 314 Litern pro Person und Tag; zugleich gingen 41,4 % des Trinkwassers durch undichte Leitungen verloren. Übernutztes Grundwasser, verunreinigte Leitungen, Dürren und möglicherweise sinkende Niederschläge verschärfen die Krise. Ein Bericht von 20 Fachleuten forderte 2024 Investitionen von mindestens 5,3 Milliarden Euro über 15 Jahre. Auch die Luftverschmutzung bleibt ein Gesundheitsrisiko. Hauptquellen sind Millionen Fahrzeuge und die Industrie; bei Inversionswetterlagen staut sich belastete Luft über der Stadt. Gegenmaßnahmen umfassen Fahrverbote, schadstoffärmere Kraftstoffe, Katalysatoren und strengere Regeln für Industriebetriebe.
Von Tenochtitlan zur modernen Hauptstadt
Das Gebiet ist seit Jahrtausenden besiedelt. Teotihuacán wurde in der klassischen präkolumbischen Epoche zum wichtigsten Zentrum des Beckens. Nach seinem Niedergang entstanden neue Orte; im 14. Jahrhundert erreichten die Méxica, heute meist Azteken genannt, die Region. Ihren Aufzeichnungen zufolge gründeten sie 1345 Tenochtitlan auf einer Insel im Texcoco-See. Dämme, Kanäle und Chinampas ermöglichten Schutz, Verkehr und Versorgung. Innerhalb eines Jahrhunderts wurde die Stadt zum Zentrum eines großen, tributpflichtigen Reiches.
1519 zog Hernán Cortés mit 300 Spaniern, 800 Totonaken und weiteren indigenen Verbündeten gegen Tenochtitlan. Die Spanier erreichten die Hauptstadt am 9. November und nahmen Herrscher Moctezuma II. später gefangen. Nach einem Aufstand wurden sie am 30. Juni 1520 in der Noche Triste vertrieben. Cortés kehrte jedoch zurück und belagerte die Stadt ab Mai 1521. Kämpfe und eine Pockenepidemie forderten Tausende Opfer. Am 13. August 1521 fiel Tenochtitlan und wurde weitgehend zerstört.
Cortés ließ die Stadt als Hauptstadt Neuspaniens wiederaufbauen. 1535 entstand das Vizekönigreich. Am heutigen Zócalo wurden Kathedrale, Vizekönigspalast und Verwaltungsgebäude errichtet. Die Stadt war Handels-, Kirchen- und Machtzentrum, wurde aber wiederholt von schweren Überschwemmungen getroffen. Entwässerungsprojekte sollten das Problem lösen und veränderten dauerhaft die Seenlandschaft. 1551 eröffnete die erste Universität des Landes.
Am 27. September 1821 zog nach dem Unabhängigkeitskrieg die Armee der drei Garantien in die Stadt ein. 1824 wurde ein Bundesdistrikt als Sitz der Bundesbehörden geschaffen. Das 19. Jahrhundert brachte innere Machtkämpfe, französische und US-amerikanische Besetzungen sowie Reformen zur Trennung von Kirche und Staat. Unter Porfirio Díaz, der von 1876 bis 1911 herrschte, erhielt die Stadt moderne Straßen, Schulen, Verkehrs- und Versorgungssysteme. Paris diente als städtebauliches Vorbild; zugleich konzentrierten sich Wohlstand und Ressourcen stark in der Hauptstadt.
Nach der Mexikanischen Revolution wuchs die Stadt durch Zuwanderung rasant: von 1,8 Millionen Einwohnern 1940 auf 6,9 Millionen 1970. Wohnungen und Infrastruktur hielten nicht Schritt, sodass große informelle Siedlungen entstanden. Am 2. Oktober 1968 schlugen Truppen auf der Plaza de las Tres Culturas Studentenproteste nieder. Offiziell starben 30 Menschen, nach Angaben der Studenten mehr als 500; die widersprüchlichen Zahlen sind bis heute Teil der Darstellung des Massakers von Tlatelolco.
Politik, Bevölkerung und Wirtschaft
Seit 1997 wählen die Einwohner den Regierungschef und das Stadtparlament direkt; damit ist Mexiko-Stadt politisch weitgehend den Bundesstaaten gleichgestellt. Die 16 Bezirke werden von gewählten Alcaldes geleitet. Die Stadt ist sozial und räumlich stark gegliedert: Wohlhabende Wohn- und Geschäftsgebiete liegen besonders im Westen und Süden, Industrie- und Arbeiterviertel vor allem im Norden. Im Osten befinden sich zahlreiche sozial schwächere und teilweise informelle Siedlungen, denen wichtige Infrastruktur fehlt.
Die Bevölkerung der eigentlichen Stadt stieg von 3.050.442 im Jahr 1950 auf 8.831.079 im Jahr 1980 und 9.209.944 im Jahr 2020. Noch stärker wuchs das Umland: Die Metropolregion hatte 1950 rund 3,365 Millionen und 2018 etwa 21,581 Millionen Einwohner. Für 2035 werden 25,4 Millionen erwartet.
Die weitere Stadtregion erzeugte laut einer Studie 2014 ein Bruttoinlandsprodukt von 404 Milliarden US-Dollar in Kaufkraftparität und lag damit weltweit auf Rang 19 der leistungsstärksten Metropolregionen. In Stadt und Umgebung entsteht mehr als die Hälfte der mexikanischen Industrieproduktion, darunter Arzneimittel, Chemikalien, Textilien, Elektronik, Stahl, Fahrzeuge, Nahrungsmittel und andere Konsumgüter. Mexiko-Stadt ist außerdem Finanzzentrum mit den Börsen Bolsa Mexicana de Valores und Bolsa Institucional de Valores. Trotz ihrer Wirtschaftskraft sind Einkommen ungleich verteilt; etwa ein Drittel der Bevölkerung lebt laut Artikel unter der Armutsgrenze.
Die Hauptstadt ist ein wichtiges Bildungszentrum. Die 1551 gegründete Universidad Nacional Autónoma de México hatte 286.484 Studierende und wird als älteste und größte Universität des amerikanischen Kontinents bezeichnet. Daneben bestehen zahlreiche öffentliche und private Hochschulen sowie Forschungsinstitute. Im Gesundheitswesen gibt es erhebliche Versorgungslücken: Eine Dokumentation von 2019 berichtete von lediglich 45 Krankenwagen für 9 Millionen Einwohner und von privaten, teilweise nicht zugelassenen Notfallambulanzen.
Verkehr und Versorgung der Metropole
Mexiko-Stadt ist der größte Verkehrsknoten Mexikos. Autobahnen verbinden die Hauptstadt mit allen wichtigen Landesteilen. Der Anillo Periférico bildet einen inzwischen vollständig ausgebauten Ring, doch die Siedlungsfläche ist längst über ihn hinausgewachsen. Ehemalige Flussbetten wurden zu Schnellstraßen umgebaut. Der Personenfernverkehr auf der Eisenbahn wurde bis 1999 eingestellt; laut Artikel soll er voraussichtlich 2027 nach Santiago de Querétaro und Pachuca zurückkehren. Güterzüge verkehren weiterhin.
Der internationale Flughafen östlich des Zentrums gehört zu den verkehrsreichsten Lateinamerikas, hat aber seine Kapazitätsgrenze erreicht. Ein neuer Flughafen im Texcoco-Seegebiet wurde begonnen, 2018 jedoch gestoppt. Der 2022 eröffnete Flughafen Felipe Ángeles ergänzt seither den bisherigen Flughafen. Vier große Busbahnhöfe bedienen Fernziele im Norden, Osten, Süden und Westen.
Die 1969 eröffnete Metro besitzt zwölf Linien mit insgesamt 200,9 km und 195 Stationen. Farbige Bildsymbole erleichtern die Orientierung. Das Netz ist häufig überfüllt und wuchs nicht im gleichen Maß wie die Bevölkerung. Beim Einsturz einer Metrobrücke am 3. Mai 2021 starben mindestens 23 Menschen, rund 70 wurden verletzt. Ergänzt wird das Netz durch Stadtbahn, Vorortzüge, Busse, Metrobús-Schnellbusse, Kleinbusse und Oberleitungsbusse. Seit 2022 gibt es mit dem Trolebús Elevado auch kreuzungsfreie Obusstrecken auf Viadukten.
Der Straßenverkehr ist besonders zu den Hauptzeiten stark überlastet. Das Programm hoy no circula schränkt die Nutzung privater Fahrzeuge ein. Seit Dezember 2015 gilt grundsätzlich eine Höchstgeschwindigkeit von 50 km/h; zusätzlich wurden Tempo-30-Zonen eingeführt.
Kultur, Bauwerke und Freizeit
Das kulturelle Zentrum ist der Zócalo am früheren Zeremonialbezirk Tenochtitlans. Dort stehen die von 1573 bis 1667 errichtete Kathedrale, der Nationalpalast mit Wandbildern Diego Riveras und Gebäude der Stadtregierung. Nördlich liegen die Überreste des Templo Mayor. Der Paseo de la Reforma verbindet wichtige Plätze, Geschäftsviertel und den Chapultepec-Park; zu seinen Wahrzeichen gehört die 45 m hohe Säule El Ángel de la Independencia.
Der Palacio de Bellas Artes, gebaut von 1904 bis 1934, dient Theater, Tanz, Oper, Konzerten und Ausstellungen. Bedeutende Museen sind das Museo Nacional de Antropología mit einer weltweit wichtigen Sammlung präkolumbischen Kulturerbes, das Museo Nacional de Arte, das Museo de Arte Moderno, das Museo Rufino Tamayo und das in Frida Kahlos Casa Azul eingerichtete Museo Frida Kahlo.
Der vier km² große Chapultepec-Park ist die „grüne Lunge“ der Hauptstadt und umfasst Museen, Zoo, Seen und das Schloss Chapultepec. Xochimilco bewahrt mit seinen Kanälen und Chinampas Teile der historischen Wasserlandschaft; geschmückte Boote, Märkte und Musik machen es zu einem beliebten Ausflugsziel. Etwa 50 km nordöstlich liegt Teotihuacán. Die 23 km² große Ruinenstadt besitzt die 70 m hohe Sonnenpyramide, die Mondpyramide und die Straße der Toten; sie gehört seit 1987 zum UNESCO-Weltkulturerbe.
Fußball ist die beliebteste Sportart. Das Aztekenstadion fasst 87.000 Zuschauer; daneben sind Lucha libre und Stierkampf wichtige Zuschauersportarten. Typische Speisen sind Antojitos auf Basis von Maisteig, darunter Tacos, Tostadas und Tamales. Märkte wie La Merced, Tepito und Mercado de Sonora prägen den Handel; daneben bestehen Kunsthandwerksmärkte und moderne Einkaufszentren.