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Entdeckung Amerikas 1492

Die sogenannte „Entdeckung“ Amerikas 1492 erfolgte durch kastilische Seefahrer unter Führung des aus Genua stammenden Christoph Kolumbus, die auf der Suche …

Inhalt5 Abschnitte
  1. 1. Kern des Ereignisses
  2. 2. Gründe und Vorbereitung
  3. 3. Die Atlantiküberquerung
  4. 4. Inseln und erste Kontakte
  5. 5. Rückkehr und historische Bewertung

Kern des Ereignisses

Die sogenannte „Entdeckung“ Amerikas bezeichnet die erste Atlantiküberquerung von kastilischen Seefahrern unter Führung des aus Genua stammenden Christoph Kolumbus im Jahr 1492. Kolumbus suchte einen westlichen Seeweg nach Indien und zu den Gewürzinseln. Nach dem von Bartolomé de Las Casas wiedergegebenen Bordbuch erreichte die Expedition am 12. Oktober 1492 erstmals Land. Die Insel wurde von ihren karibischen Bewohnern Guanahani genannt und wahrscheinlich mit San Salvador auf den Bahamas identifiziert; diese Zuordnung ist jedoch nicht restlos geklärt.

Kolumbus glaubte bis zu seinem Tod, Ostasien erreicht zu haben. Seine Reise war die erste von insgesamt vier Atlantiküberquerungen. Sie leitete die spanische Kolonisierung Amerikas ein und hatte weitreichende Folgen für die indigenen Gesellschaften und Kulturen. Zahlreiche präkolumbische Kulturen gingen unter. Zugleich erweiterten sich das Weltbild und der europäische Einflussbereich um die sogenannte Neue Welt. Amerigo Vespucci beschrieb diese später als eigenständigen Kontinent; nach ihm wurde Amerika benannt. In Europa gilt Kolumbus’ Reise häufig als Schlüsselereignis des Zeitalters der Entdeckungen und als mögliche Epochengrenze zwischen Mittelalter und Neuzeit.

Gründe und Vorbereitung

Europäische Mächte suchten im 15. Jahrhundert nach einem direkten Seeweg nach Indien, weil muslimische Mächte den lukrativen Indienhandel auf dem Landweg kontrollierten. Portugal versuchte deshalb bereits seit Anfang des 15. Jahrhunderts, Indien auf einem Weg um Afrika zu erreichen. Bartolomeu Diaz umfuhr 1488 das Kap der Guten Hoffnung. Damit rückte Indien für Portugal in erreichbare Nähe; 1498 führte die Expedition Vasco da Gamas schließlich zum Erfolg.

Kolumbus verfolgte einen anderen Ansatz. Aufgrund einer falschen Berechnung schätzte er den Erdumfang zu niedrig ein und hielt einen westlichen Seeweg über den Atlantik für die schnellere Verbindung nach Indien. Die portugiesische Krone unterstützte seinen Plan nicht, da sie von realistischeren Berechnungen ausging und nach Diaz’ Reise wusste, dass Afrika umfahren werden konnte.

Daraufhin wandte sich Kolumbus an Isabella von Kastilien und Ferdinand von Aragon. Die katholischen Könige hofften, mit der vermeintlich kürzeren Westroute Portugals Vorsprung im Gewürzhandel mit Indien auszugleichen. Kurz nach der Eroberung Granadas, mit der die christliche Reconquista in Spanien endete, stimmten sie dem Vorhaben zu und stellten die notwendigen Mittel bereit.

Die Atlantiküberquerung

Nach dem julianischen Kalender brach Kolumbus am 3. August 1492 von Palos de la Frontera auf. Seine drei Schiffe waren die Santa María, die Pinta und die Niña; jedes war nur gut 20 Meter lang. Zunächst segelte die Expedition zu den Kanarischen Inseln. Auf Gomera ließ Kolumbus die Schiffe überholen und Proviant aufnehmen. Am 6. September setzte er von den Kanaren aus westwärts in unbekannte Gewässer über.

Die Passatwinde waren günstig, sodass die Schiffe schnell vorankamen. Nach etwa zehn Tagen entdeckte die Besatzung in der Sargassosee Tangkraut und Vogelschwärme und vermutete Land in der Nähe. Diese Annahme erwies sich als falsch. Auch eine vermeintliche Landsichtung durch den Kommandanten der Pinta war nur eine tief hängende Wolkenbank. Der Wind drehte, und die Besatzung wurde zunehmend unruhig. Immer mehr Seeleute verlangten die Umkehr.

Am 7. Oktober änderte Kolumbus den Kurs auf Südwest. Am 10. Oktober war eine Meuterei offenbar kaum noch zu verhindern. Seit dem Verlassen der Kanaren war mehr als ein Monat vergangen, ohne dass Land gesichtet worden war. Kolumbus handelte eine Frist von drei Tagen aus: Wenn bis dahin kein Land entdeckt würde, sollten die Schiffe umkehren.

Am 11. Oktober trieben Blütenzweige, Schilfrohr und ein von Menschen bearbeiteter Stab an den Schiffen vorbei. Dadurch wuchs die Hoffnung auf eine nahe Küste. Kolumbus befahl, die Nachtwachen besonders aufmerksam zu halten, und versprach demjenigen, der zuerst Land sehen würde, eine besondere Prämie. Am 12. Oktober 1492 um zwei Uhr morgens sichtete der Matrose Rodrigo de Triana vom Vorschiff der Pinta aus Land. Eine Kanone gab den anderen die Nachricht bekannt.

Inseln und erste Kontakte

Das gesichtete Land gehörte zu den Bahamas und war von Tainos bewohnt. Kolumbus gab Guanahani den Namen San Salvador. Die Bewohner beobachteten die Ankömmlinge zunächst mit Scheu und Neugier. Als Geschenke hatten die Spanier Messingglöckchen, bunte Mützen und Glasperlen mitgebracht. Die Insulaner tauschten dagegen Gold, Wurfspiele, Baumwollfäden und gezähmte Papageien. Kolumbus schrieb in seinem Bordbuch, die Indígenas – also die Einheimischen – ließen sich leicht versklaven und zum Christentum bekehren. Er nahm sechs von ihnen mit, um sie dem spanischen Königspaar zu präsentieren und ihnen Spanisch beizubringen.

Am 14. Oktober segelte Kolumbus weiter in südwestlicher Richtung, nachdem er von weiteren Inseln in der Umgebung erfahren hatte. Er umrundete zunächst Guanahani und erreichte am folgenden Tag eine Insel, die er Santa María de la Concepción nannte. Samuel E. Morison identifizierte sie 1946 mit Rum Cay. Danach gelangte Kolumbus zum heutigen Long Island, das er zu Ehren König Ferdinands Fernandina nannte. Die Bewohner versorgten die Seefahrer mit Frischwasser. In einem Eintrag vom 17. Oktober 1492 bezeichnete Kolumbus sie erstmals als Indios; daraus entstand die Bezeichnung „Indianer“ für die Ureinwohner Amerikas.

Am 21. Oktober glaubte Kolumbus, südlich von Cipango, also Japan, zu sein. Er wollte westwärts die chinesische Stadt Quinsay, das heutige Hangzhou, erreichen und dort dem „großen Khan“ die Briefe der spanischen Könige übergeben. Auf der weiteren Fahrt entdeckte er Kuba und Hispaniola, die größten Inseln der Antillen.

Vor Hispaniola wurde Kolumbus von König Guacanagari empfangen. Am 25. Dezember lief die Santa María auf eine Untiefe. Aus ihren Überresten entstand die Festung La Navidad, die erste spanische Festung in der Neuen Welt. Hispaniola, auch La Isla Española genannt, wurde die erste Kolonie des Königreichs in der Neuen Welt. Kolumbus wurde ihr Gouverneur und Vizekönig. Die ersten Kontakte mit dem indigenen Volk der Arawak verliefen laut Logbuch friedlich. Sie boten unter anderem Baumwolle an und tauschten Waren gegen Glasperlen. Kolumbus beschrieb sie als naiv und großzügig, betrachtete sie aber zugleich als zukünftige Untertanen der spanischen Krone.

Rückkehr und historische Bewertung

Am 16. Januar 1493 trat Kolumbus mit der Niña und der Pinta die Rückreise nach Europa an. Wegen des Schiffbruchs ließ er einen Teil seiner Mannschaft in La Navidad zurück. Die Zurückgebliebenen gerieten bald in Streit, verteilten sich über Hispaniola, versklavten und töteten zahlreiche Indigene und wurden schließlich vermutlich durch Gegenwehr der Einheimischen und eigene Auseinandersetzungen getötet.

Im Gebiet der Azoren geriet Kolumbus in einen schweren Sturm und verlor den Kontakt zur Pinta. Weil er den Untergang seines Schiffes befürchtete, schrieb er seine Entdeckungen auf eine Pergamentrolle, verschloss sie in einer Tonne und warf diese ins Meer. Am 4. März 1493 erreichte er mit der Niña Lissabon und fuhr anschließend nach Palos weiter. Dort kam er am 15. März an; zufällig lief auch die Pinta an diesem Tag in den Hafen ein.

Kolumbus wurde in Spanien auf einem Triumphzug gefeiert, obwohl er die erwarteten Reichtümer Asiens, besonders Gold und Gewürze, nicht gefunden hatte. Das Königspaar gewährte ihm die vor der Abreise versprochenen Privilegien. Papst Alexander VI. bestätigte mit der Bulle Inter caetera Kastiliens Anspruch auf entdeckte und noch zu entdeckende Gebiete jenseits eines Längengrades 100 spanische Meilen westlich der Kapverden. 1494 wurde diese Aufteilung im Vertrag von Tordesillas verändert und von Portugal anerkannt. Kolumbus bereitete bald eine zweite Expedition vor, um die Gebiete für Kastilien zu sichern und weiter nach dem erhofften Goldland zu suchen.

Im strengen Sinn kann nicht von einer Entdeckung Amerikas durch Kolumbus gesprochen werden, da der Kontinent mindestens 15.000 Jahre zuvor vom Homo sapiens besiedelt worden war. Außerdem waren rund 500 Jahre vor Kolumbus bereits die Wikinger Leif Eriksson und Bjarni Herjúlfsson nach Nordamerika gelangt; ihre Besiedlung Amerikas und Grönlands blieb jedoch ohne dauerhafte Wirkung. Im 19. Jahrhundert wurde Kolumbus’ Reise noch mit großen Feiern gewürdigt, etwa 1892 und 1893. Anlässlich der 500-Jahr-Feier 1992 kritisierten Historiker und indigene Aktivisten den Begriff „Entdeckung“ wegen der tiefgreifenden sozialen, ökonomischen, biologischen und ökologischen Folgen. Offizielle Stellen verwendeten daher zunehmend „Begegnung“ statt „Entdeckung“.

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