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Puerto Rico
Puerto Rico ; Amtssprache · Spanisch und Englisch ; Hauptstadt · San Juan ; Staats- und Regierungsform, Nichtinkorporiertes Außengebiet der Vereinigten Staaten.
Inhalt6 Abschnitte
Überblick, Lage und Naturraum
Puerto Rico, offiziell Estado Libre Asociado de Puerto Rico beziehungsweise Commonwealth of Puerto Rico, ist ein nichtinkorporiertes Außengebiet der Vereinigten Staaten und deren größtes und einwohnerreichstes Außengebiet. Es umfasst auch die Spanischen Jungferninseln. Hauptstadt und größte Stadt ist San Juan; Amtssprachen sind Spanisch und Englisch, wobei für 95 % der Bevölkerung Spanisch die Muttersprache ist. Die Fläche beträgt 9.104 km², die geschätzte Einwohnerzahl 2023 3.205.691. Bezahlt wird mit dem US-Dollar.
Das Gebiet liegt in der Karibik und besteht aus der Hauptinsel Puerto Rico sowie Vieques, Culebra, Culebrita, Desecheo, Palomino, Mona, Caja de Muertos und Monito. Es ist die östlichste und kleinste der vier Hauptinseln der Großen Antillen. Rund 150 km westlich liegt Hispaniola, östlich die Jungferninseln und etwa 800 km südlich Südamerika. Im Norden liegt im Atlantik der Puerto-Rico-Graben mit dem etwa 8.400 m tiefen Milwaukeetief, im Süden das 5.649 m tiefe Venezolanische Becken der Karibik.
Etwa 60 % der Hauptinsel sind gebirgig; daneben gibt es Regenwälder und Wüsten. Der höchste Berg ist der Cerro La Punta mit 1.338 m, der längste Fluss der Río de la Plata mit 97 km. Das tropische Klima hat Durchschnittstemperaturen von etwa 28 °C. Nordküste und Hochland sind niederschlagsreicher als der Süden. Warmes Meerwasser macht Puerto Rico anfällig für Hurrikane: Die Katastrophe von 2017 kostete tausende Menschen das Leben, und „Fiona“ verursachte 2022 schwere Schäden.
Tierwelt und Bevölkerung
Die Tierwelt weist viele endemische Arten auf, also Arten, die nur dort vorkommen, aber eine geringe Alpha-Diversität, das heißt eine vergleichsweise geringe Vielfalt innerhalb einzelner Lebensräume. Fledermäuse sind die einzigen noch lebenden einheimischen Landsäugetiere; Katzen, kleine Mungos, Ziegen und Schafe wurden eingeführt. Im Meer leben Delphine, Rundschwanzseekühe und Wale. Von 349 Vogelarten brüten etwa 120 im Archipel, 47,5 % sind Irrgäste oder selten. Besonders bekannt ist der endemische Höhlen-Pfeiffrosch Coquí (Eleutherodactylus coqui). In Süßgewässern gibt es keine einheimischen Fische. Jagd, Zerstörung von Lebensräumen und eingeführte Arten dezimierten oder vernichteten heimische Arten. 2002 gab es 21 gefährdete Arten, darunter zwei Säugetiere, acht brütende Vögel, acht Reptilien und drei Amphibien.
2023 lebten rund 3,2 Millionen Menschen in Puerto Rico; die Bevölkerung sank um 0,5 %. Die Geburtenziffer lag bei 5,8, die Sterbeziffer bei 10,7 je 1.000 Einwohner. Die statistische Kinderzahl betrug 0,9 je Frau, gegenüber 1,8 in Lateinamerika und der Karibik. Die Lebenserwartung lag bei 81,7 Jahren, für Frauen bei 85,2 und für Männer bei 78 Jahren. 2023 waren 12,0 % jünger als 15 Jahre und 24,2 % älter als 64 Jahre. Seit dem Höchststand von 3.797.000 Einwohnern im Jahr 2000 sank die Zahl deutlich; besonders junge Menschen wanderten wegen der wirtschaftlichen Lage in die USA aus. Insgesamt zogen 1.744.000 in Puerto Rico geborene US-Amerikaner in das Kernland der Vereinigten Staaten.
Die Bevölkerung lebt in 78 Gemeinden und stammt überwiegend von Spaniern, indigenen Taíno und afrikanischen Sklaven ab. Genetische Untersuchungen ergaben 65 % europäisches, 20 % schwarzafrikanisches und 12 % indianisches Erbgut. Laut US-Zensus 2011 bezeichneten sich 75,4 % als weiß, 12,4 % als schwarz, 8,5 % als sonstige und 3,3 % als gemischt. Mehr als 70 % sind römisch-katholisch, praktiziert von etwa 55 %; 25 % sind protestantisch.
Geschichtliche Entwicklung
Die Besiedlung begann durch die Ortoiroiden zwischen 3000 und 2000 v. Chr. Igneri und Arawak folgten zwischen 120 und 1000 n. Chr.; bei der Ankunft von Christoph Kolumbus waren die Taíno die dominante einheimische Kultur. Sie starben in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts durch Ausbeutung, Krieg und von Spaniern eingeschleppte Krankheiten aus.
Wegen seiner Lage im Nordosten der Karibik war Puerto Rico vom 16. bis zum 18. Jahrhundert ein wichtiger Militärstützpunkt des spanischen Imperiums und ein Zwischenstopp auf den Wegen von Europa nach Kuba, Mexiko, Mittelamerika und in den Norden Südamerikas. Bis zum Ende des Spanisch-Amerikanischen Krieges gehörte es zusammen mit Kuba zu den letzten spanischen Kolonien in der Neuen Welt.
1898 besetzten und annektierten die USA Puerto Rico. Der Foraker Act von 1900 schuf eine zivile Regierung und freien Handel mit den USA. Der Jones-Shafroth Act von 1917 machte Puerto Rico zu einem organisierten, aber nichtinkorporierten US-Territorium und verlieh allen Puerto-Ricanern die US-Staatsbürgerschaft. Das Wahlrecht für Männer war darin bereits anerkannt. Frauen mit Lese- und Schreibkenntnissen erhielten durch ein 1929 beschlossenes, 1932 wirksam werdendes Gesetz ein eingeschränktes Wahlrecht; 1935 wurde das allgemeine Wahlrecht garantiert. Die ersten demokratischen Wahlen nach der Verfassung Puerto Ricos fanden 1952 statt. Der politische Status ist weiterhin umstritten.
Selbstverwaltung und Verhältnis zu den USA
Puerto Rico hat ein Zweikammerparlament mit 54 Mitgliedern im Repräsentantenhaus und 28 im Senat. Der Gouverneur wird alle vier Jahre direkt gewählt; der Secretary of State ist sein Stellvertreter. Puerto Rico besitzt eine eigene Polizei sowie National- und Staatsgarde unter dem Oberbefehl des Gouverneurs. Es ist in 78 Gemeinden (municipios) gegliedert, die jeweils ein Bürgermeister leitet; sie sind in Barrios ohne politische Autorität unterteilt.
Als nichtinkorporiertes US-Gebiet ist Puerto Rico weder selbst Bundesstaat noch Teil eines solchen. Seine Einwohner haben die Grundrechte, aber nicht sämtliche in der US-Verfassung festgeschriebenen Rechte. Puerto Rico führt keine eigene Außenpolitik. Puerto-Ricaner sind seit 1917 US-Staatsbürger, dürfen bei US-Präsidentenwahlen jedoch nur wählen, wenn sie in einem der 50 Bundesstaaten wohnen. Im US-Repräsentantenhaus vertritt ein Delegierter ohne Stimmrecht Puerto Rico; laut Artikel ist dies Pablo Hernández Rivera. Die Einwohner zahlen im Wesentlichen US-Bundessteuern, mit der Einkommensteuer als grundlegender Ausnahme, und zahlen in die sozialen Sicherungssysteme ein.
Die wichtigsten Parteien richten sich nach der Statusfrage: Die PIP fordert Unabhängigkeit, die PNP den Status eines vollwertigen US-Bundesstaats und die PPD die Beibehaltung des assoziierten Status. In Referenden stimmten 2012 54,00 % gegen den Status quo; 61,14 % im zweiten Schritt für einen Bundesstaat. 2017 votierten bei 23 % Beteiligung 97,2 % für diesen Status, wobei die Opposition boykottierte. 2020 waren es 52 %. Bei der Abstimmung vom 5. November 2024 entfielen 57 % auf Bundesstaatlichkeit, 31 % auf Unabhängigkeit und 12 % auf einen frei assoziierten Staat.
Wirtschaft, Infrastruktur und Bildung
Puerto Rico hatte 2024 ein nominales Bruttoinlandsprodukt von 126 Milliarden USD und ein nominales BIP je Einwohner von 39.612 USD. Nach diesem Pro-Kopf-Einkommen ist es laut Artikel das reichste Gebiet Lateinamerikas und gehört nach der Weltbank zu den Staaten und Territorien mit hohem Einkommen. Zugleich schrumpfte das BIP von 2006 bis 2016 jedes Jahr; 2015 konnte Puerto Rico erstmals seine Schulden nicht mehr bedienen. Das BIP je Einwohner nach Kaufkraftparität betrug 2024 50.647 USD, das reale Wachstum 3,2 % und die Staatsverschuldung 17 % des BIP.
Wichtige Produkte sind Zuckerrohr, Bananen, Kaffee, Ananas, Ingwer und Tabak; auch Fischfang, Nahrungsmittel-, Textil-, Pharmazie- und Zementindustrie sowie Maschinenbau sind bedeutsam. Tourismus ist ein wichtiger Wirtschaftszweig. Die Insel ist auf hohe US-Subventionen angewiesen. Die Arbeitslosenquote lag 2017 bei 11,5 %. Das Stromnetz ist unzuverlässig und wurde 2017 durch Hurrikan „Maria“ schwer beschädigt; im April 2022 fiel es für mehr als eine Million Menschen aus, und bei „Fiona“ brach es im September 2022 vollständig zusammen.
2015 betrugen die Staatsschulden 72 Milliarden USD. Am 3. Mai 2017 beantragte Puerto Rico gerichtlichen Gläubigerschutz; damals standen 123 Milliarden USD aus Krediten und Pensionsverpflichtungen aus. San Juan besitzt einen der größten Seehäfen Lateinamerikas. Die zwei größten internationalen Flughäfen sind der Flughafen San Juan und der Rafael Hernández Airport in Aguadilla.
Schulpflicht besteht vom 5. bis zum 18. Lebensjahr. Öffentliche und private Elementar- und Sekundarschulen werden vom Erziehungsministerium überwacht. Die größte Hochschule ist die öffentliche Universität von Puerto Rico mit mehr als zehn Standorten; insgesamt gibt es etwa 250.000 Studierende. Das Arecibo-Observatorium, das drittgrößte Radioteleskop der Welt, wurde 2020 stillgelegt und stürzte am 1. Dezember 2020 unkontrolliert ein.
Kultur, Sport und Medien
Baseball ist die führende Sportart. Die Liga de Béisbol Profesional de Puerto Rico hat fünf Vereine; das Estadio Hiram Bithorn in San Juan-Santurce fasst rund 18.000 Personen. Puerto Rico gewann bislang zehn olympische Medaillen. Gold errangen Mónica Puig im Tennis-Einzel in Rio de Janeiro 2016 und Jasmine Camacho-Quinn über 100 m Hürden in Tokio 2021; die übrigen Silber- und Bronzemedaillen wurden überwiegend im Boxen gewonnen. Weitere beliebte Sportarten sind Basketball, Volleyball und Wellenreiten.
Im Basketball besiegte die puerto-ricanische Nationalmannschaft bei den Olympischen Spielen 2004 in Athen die USA in der Vorrunde mit 92:73, schied aber im Viertelfinale gegen Italien aus. Puerto Rico kann trotz seiner politischen Zugehörigkeit zu den USA eigene Mannschaften etwa bei Olympischen Spielen und Fußballweltmeisterschaften stellen.
Ein öffentlich-rechtliches Rundfunksystem gibt es nicht. Stattdessen bestehen kommerzielle Radio- und Fernsehsender; Zeitungen erscheinen auf Englisch oder Spanisch. Aus Puerto Rico stammende Musiker des Reggaetón wurden zunächst in Lateinamerika und später weltweit bekannt. Das Video zu „Despacito“ von Luis Fonsi und Daddy Yankee war 2017 das erste YouTube-Video mit mehr als drei Milliarden Aufrufen.