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Christoph Kolumbus
Die ersten Entdecker Amerikas waren die Vorfahren der indigenen Bevölkerung Amerikas, die gesicherten Erkenntnissen zufolge vor mehr als 20.000 Jahren von Asien …
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Bedeutung und Grundidee
Christoph Kolumbus (* um 1451 in der Republik Genua; † 20. Mai 1506 in Valladolid) war ein italienischer Seefahrer in kastilischen Diensten. Er wollte im Wettlauf mit Portugal einen westlichen Seeweg nach Indien finden. Im Oktober 1492 erreichte er eine Insel der Bahamas und danach weitere Karibikinseln. Dies gilt im Allgemeinen als die europäische Entdeckung Amerikas 1492, obwohl der Kontinent schon lange von indigenen Bevölkerungen bewohnt war und etwa 500 Jahre zuvor auch Wikinger unter Leif Eriksson Nordamerika besucht hatten.
Kolumbus unternahm zwischen 1492 und 1504 vier Reisen über den Atlantik. Er steuerte vor allem die Großen Antillen an, besonders Hispaniola, wo erste spanische Kolonien entstanden. Erst auf der vierten Reise betrat er im heutigen Honduras amerikanisches Festland. Kolumbus erkannte offenbar zeitlebens nicht, dass er einen den Europäern bis dahin unbekannten Kontinent erreicht hatte. Er hielt die entdeckten Gebiete für Teile Asiens beziehungsweise für Inseln vor China und Japan. Die spätere Bezeichnung Amerika geht auf Amerigo Vespucci zurück, der die Neue Welt als eigenen Kontinent deutete.
Herkunft und frühes Leben
Kolumbus selbst schrieb, er sei in Genua geboren worden. Auch mehrere Chronisten und Quellen stützen diese Herkunft; ein königliches Protokoll von 1491 nennt zusätzlich Savona. Die Forschung neigt weiterhin zu der Annahme, dass Kolumbus 1451 in Genua geboren wurde. Dennoch sind Geburtszeitpunkt, Herkunft und frühe Lebensstationen umstritten.
Als Vater wird der Genueser Wollweber Domenico Colombo genannt, als Mutter Susanna Fontanarossa. Kolumbus hatte mehrere Geschwister, darunter Bartolomeo und Giacomo, spanisch Diego. Nach eigenen Angaben fuhr er schon mit 14 Jahren zur See. Er kannte sich gut in Latein, Mathematik, Kosmographie und Kartographie aus. In den 1470er Jahren kam er in den Atlantikraum. 1476 rettete er sich nach einer Seeschlacht vor Kap St. Vincent an die portugiesische Küste und lebte ab 1477 in Lissabon. Dort arbeitete er vermutlich als Kaufmann oder Zeichner; sein Bruder Bartolomeo war Kartograf. 1482–1483 begleitete Kolumbus eine Expedition entlang der westafrikanischen Küste bis São Jorge da Mina, dem heutigen Elmina in Ghana.
In Portugal heiratete er Filipa de Perestrelo e Moniz. Ihr Sohn Diego wurde um 1480 auf Porto Santo bei Madeira geboren. Auf Porto Santo studierte Kolumbus Seekarten, Logbücher und Papiere aus dem Nachlass seines Schwiegervaters. In dieser Zeit beschäftigte er sich intensiv mit einer westlichen Seeroute nach Süd- und Ostasien.
Plan und Unterstützung
Kolumbus’ Plan beruhte auf der Idee, Ostasien auf dem Seeweg nach Westen zu erreichen. China und Indien waren für Europa wichtig, weil von dort Luxusgüter wie Seide und Gewürze kamen. Der Handel lief über Zwischenhändler und war teuer. Portugal suchte deshalb eine Route um Afrika herum; Vasco da Gama erreichte auf diesem Weg 1498 Indien.
Kolumbus stützte sich auf ältere Vorstellungen von Aristoteles, Pierre d’Ailly, Roger Bacon und Paolo dal Pozzo Toscanelli. Toscanelli hatte ihm 1474 geschrieben, der Westkurs nach Quinsay in China sei „nicht nur möglich, sondern wahr und sicher“. Entscheidend war jedoch ein Rechenfehler: Kolumbus übernahm zu große Werte für die Ausdehnung Eurasiens und zu kleine Werte für Entfernungen zwischen Längengraden. Dadurch schätzte er den Abstand zwischen den Kanaren und Japan auf unter 4.500 km; tatsächlich beträgt er fast 20.000 km. Die Kugelgestalt der Erde war unter Gelehrten bekannt und war nicht das Hauptproblem seines Plans.
Um 1484 legte Kolumbus seine Pläne dem portugiesischen König Johann II. vor. Dessen Experten lehnten sie ab, weil sie die Entfernung richtigerweise für viel größer hielten. Danach wandte sich Kolumbus an Ferdinand II. von Aragón und Isabella I. von Kastilien. Auch dort wurden seine Pläne zunächst abgelehnt oder aufgeschoben, weil das Königspaar noch im Krieg gegen das Emirat Granada stand. Nach der Kapitulation Granadas am 2. Januar 1492 wurden die Verhandlungen wieder aufgenommen. Kolumbus verlangte hohe Rechte: den erblichen Titel eines Admirals des Ozeans, die Vizekönigswürde über entdeckte Gebiete und ein Zehntel der erwarteten Einnahmen. Am 17. April 1492 wurde die Kapitulation von Santa Fe unterzeichnet. Sie sicherte Kolumbus unter anderem zehn Prozent der Gewinne, Statthalterschaft über gefundene Ländereien und den Titel Admiral der Weltmeere zu.
Die vier Reisen
Die erste Reise dauerte von August 1492 bis März 1493. Kolumbus brach am 3. August 1492 mit der Santa Maria, der Niña und der Pinta von Palos de la Frontera auf. Nach einem Aufenthalt auf La Gomera segelte die Flotte am 6. September weiter. Am 12. Oktober 1492 erreichte sie eine Bahamasinsel, die die Einheimischen Guanahani nannten und die Kolumbus San Salvador nannte. Später erreichte er Kuba und Hispaniola. Vor Hispaniola strandete die Santa Maria am 25. Dezember. Aus ihren Resten ließ Kolumbus die Festung La Navidad bauen. Die ersten Begegnungen mit den Arawak verliefen friedlich; Kolumbus betrachtete sie aber bereits als zukünftige Untertanen. Am 15. März 1493 erreichten Niña und Pinta wieder Palos.
Die zweite Reise von September 1493 bis Juni 1496 hatte bereits den Charakter von Besiedlung und Eroberung. Kolumbus fuhr mit 17 Schiffen und etwa 1500 Personen los. Er erreichte Inseln der Kleinen Antillen, darunter Guadeloupe, Montserrat, Antigua und Nevis, und fand La Navidad zerstört vor. Auf Hispaniola gründete er La Isabela. Die Siedlung geriet in Konflikte; schlechte Behandlung machte die zunächst freundliche indigene Bevölkerung zu Feinden. Kolumbus führte einen Feldzug gegen die Taíno und verschiffte 550 versklavte Menschen nach Spanien. Fast die Hälfte starb auf der Überfahrt; die Überlebenden wurden auf Betreiben Königin Isabellas freigelassen und zurückgebracht.
Die dritte Reise begann am 30. Mai 1498. Kolumbus wählte eine südlichere Route, entdeckte Trinidad und Tobago und sichtete am Orinoco erstmals den südamerikanischen Kontinent. Zunächst schrieb er von einer in Europa unbekannten Neuen Welt, deutete das Gebiet später aber wieder als Teil Asiens. Auf Hispaniola fand er Rebellionen und Streit vor. Er verteilte Pflanzland und teilte Indios einzelnen spanischen Siedlern zu; daraus entwickelte sich ab 1503 das Encomienda-System, das praktisch zu einer Form der Sklaverei wurde. Wegen Beschwerden aus der Kolonie wurde Kolumbus 1499 als Gouverneur abgesetzt. Francisco de Bobadilla ließ ihn und seinen Bruder in Ketten nach Spanien bringen. Das Königspaar begnadigte sie, gab Kolumbus seine Ämter aber nicht zurück.
Die vierte Reise dauerte von Mai 1502 bis November 1504. Kolumbus fuhr mit vier Karavellen und seinem Sohn Fernando. Er erkundete die mittelamerikanische Küste zwischen Honduras, Panama und dem Golf von Darién. Am 14. August 1502 betrat er bei Kap Honduras erstmals amerikanisches Festland. Er suchte weiter nach einer Passage nach China. Wegen beschädigter Schiffe, Kämpfen mit Indigenen und einer Meuterei strandete er auf Jamaika und blieb dort ungefähr ein Jahr, bevor er krank nach Spanien zurückkehrte.
Letzte Jahre und offene Fragen
Kolumbus verlor auf seinen vier Reisen insgesamt neun Schiffe. Nach seiner Rückkehr verbrachte er die letzten Jahre zurückgezogen und ohne großen öffentlichen Einfluss. Obwohl er relativ wohlhabend war, versuchte er erfolglos, die in der Kapitulation von Santa Fe zugesicherten Privilegien und finanziellen Ansprüche wiederzuerlangen. Er starb am 20. Mai 1506 in Valladolid im Alter von etwa 55 Jahren. Eine genaue Todesursache ist nicht gesichert; moderne Ärzte vermuten statt Gicht eher reaktive Arthritis.
Seine Grabstätte ist umstritten. Seine Gebeine wurden mehrfach verlegt, unter anderem nach Santo Domingo, Kuba und Sevilla. DNA-Untersuchungen bestätigten 2006, dass die in Sevilla befindlichen Überreste von Christoph Kolumbus stammen. Da dort nur wenige Skelettreste vorhanden sind, bleibt möglich, dass weitere Überreste anderswo liegen. Eine in Santo Domingo gefundene Urne wurde bislang nicht per DNA untersucht.
Auch seine Herkunft blieb Gegenstand von Debatten. Neben der weiterhin bevorzugten genuesischen Herkunft gibt es Hypothesen zu korsischer, mallorquinischer, katalanischer, schottisch-genuesischer oder jüdischer Herkunft. Für eine jüdische Herkunft wurden unter anderem der zeitliche Zusammenhang mit dem Alhambra-Dekret vom 31. März 1492, seine Unterstützer aus Converso-Kreisen und Namen in seiner Familie angeführt. Spanische Forschende präsentierten 2024 in einem Dokumentarfilm den Anspruch, eine jüdische Herkunft nachgewiesen zu haben; wissenschaftliche Fachpublikationen wurden für Frühjahr 2025 erwartet.
Bewertung und Erinnerung
Die Bewertung von Kolumbus ist stark umstritten. Einerseits wird sein Mut betont, unbekannte Gewässer zu befahren, und seine Reisen hatten enorme weltgeschichtliche Folgen. Andererseits begann mit ihnen die dauerhafte europäische Kolonisierung Amerikas, verbunden mit Versklavung, Gewalt, Ausbeutung und Missionierung der indigenen Bevölkerung.
Die Kolonisation der Karibik löste zusammen mit anderen Ursachen, besonders eingeschleppten Krankheiten, eine demografische Katastrophe aus. Die Bevölkerung Hispaniolas sank von geschätzten 400.000 bis 1 Million zur Zeit der ersten Reise auf etwa 100.000 im Jahr 1504, auf 22.000 bis 1514 und laut Bartolomé de Las Casas bis 1542 auf „kaum noch 200“. Für den gesamten karibischen Raum nennt der Artikel vor Kolumbus bis zu 15 Millionen Einwohner.
Kolumbus’ eigene Aufzeichnungen zeigen, dass seine Motive nicht nur Entdeckerdrang waren. Er suchte vor allem Edelmetalle und betrachtete Menschen und Natur zunehmend nach ihrer Verwertbarkeit. Heute wird diskutiert, ob er als Wegbereiter eines Genozids an den Indios gelten müsse. Einige indigene Politiker und der britische Autor Roger Crowley vertreten diese Sicht. Andere Historiker wie Borja de Riquer, Carlos Martínez Shaw, Pablo Emilio Pérez-Mallaína und Steve Hackel halten sie für nicht zutreffend oder überzogen, auch wenn sie Kolumbus als skrupellosen Sklavenjäger sehen, weil ihm die Absicht gefehlt habe, eine ganze Ethnie auszulöschen.
Kolumbus blieb dennoch eine wichtige Erinnerungsfigur. Nach ihm wurden unter anderem Kolumbien, Columbus in Ohio, der District of Columbia und der Columbia River benannt. Der Columbus Day am 12. Oktober wurde in den USA und mehreren lateinamerikanischen Ländern begangen, in vielen Ländern aber wegen der Kritik an Kolonisierung und Gewalt umgewidmet oder abgeschafft. In den letzten Jahren wurden mehrere Kolumbus-Denkmäler entfernt oder beschädigt, weil er aus heutiger Sicht besonders mit Sklaverei, Ausbeutung und den Folgen der europäischen Eroberung verbunden wird.
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