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Honduras

Geographie ; Guatemala Guatemala, 256 km ; El Salvador El Salvador, 342 km ; Nicaragua Nicaragua, 922 km ; Karibik-Küste, 644 km.

Inhalt6 Abschnitte
  1. 1. Staat und geografische Grundlagen
  2. 2. Bevölkerung, soziale Lage und Bildung
  3. 3. Geschichtliche Entwicklung und politische Einschnitte
  4. 4. Staatsordnung, Menschenrechte und Außenpolitik
  5. 5. Wirtschaft, Arbeitsmarkt und Infrastruktur
  6. 6. Kultur, Medien und Alltag

Staat und geografische Grundlagen

Honduras, offiziell Republik Honduras (spanisch: República de Honduras), ist ein Staat in Zentralamerika. Es grenzt an Guatemala, El Salvador und Nicaragua, im Norden an das Karibische Meer und im Süden mit einem kleinen Küstenabschnitt an den Pazifik. Die Hauptstadt ist Tegucigalpa. Honduras ist eine präsidentielle Republik; Amtssprache ist Spanisch, die Währung der Lempira. Die Unabhängigkeit von Spanien wird am 15. September 1821 begangen. Das Land umfasst 112.090 km², hatte 2023 10,6 Millionen Einwohner und eine Bevölkerungsdichte von 92 Einwohnern je km².

Honduras liegt an der breitesten Stelle der mittelamerikanischen Landbrücke. Der größte Teil des Landes ist gebirgig. Von Ost nach West verläuft ein von Flüssen durchzogenes Bergmassiv; die höchste Erhebung ist der Cerro Las Minas mit 2870 Metern. Das karibische Küstentiefland reicht bis zu 70 Kilometer ins Landesinnere und ist von Flüssen, Sümpfen und Lagunen geprägt. Im Golf von Fonseca liegen zahlreiche vulkanische Inseln, die gemeinsam von Honduras, El Salvador und Nicaragua genutzt werden.

Das Klima ist tropisch, in höheren Lagen gemäßigt. Im immerfeuchten karibischen Tiefland beträgt die durchschnittliche Jahrestemperatur rund 26 °C, im wintertrockenen pazifischen Raum etwa 31 °C und in gemäßigten Hochlagen circa 20 °C. Die Trockenzeit dauert normalerweise von November bis Mai, die Regenzeit von etwa Mai bis Oktober. An der Karibikküste regnet es ganzjährig. Die Niederschlagsmenge reicht von durchschnittlich 1016 Millimetern in Gebirgstälern bis zu 2540 Millimetern an der Nordküste. Der Hurrikan Mitch verursachte im November 1998 schwere Schäden.

Die meisten Flüsse fließen in den Atlantik. Beim Río Patuca nennt der Artikel unterschiedliche Längen: einmal 320 Kilometer, in einer Übersicht etwa 500 Kilometer; der Río Ulúa ist dort mit 240 Kilometern angegeben. Der Lago de Yojoa ist mit etwa 80 km² der größte See und das größte Trinkwasserreservoir des Landes.

Honduras besitzt große Naturreichtümer. Im Nordosten liegt die Mosquitia mit dem größten zusammenhängenden Regenwald Zentralamerikas. Das etwa 5000 km² große Biosphärenreservat Río Plátano wurde 1982 UNESCO-Weltnaturerbe; insgesamt stehen ungefähr zehn Prozent der Landesfläche unter Naturschutz. Wälder bedecken 48,1 Prozent des Landes (2000), jährlich werden jedoch etwa 3000 km² Wald zerstört. Gefährdet sind außerdem die Korallenriffe um die Islas de la Bahía durch Überfischung, Meeresverschmutzung und zunehmenden Tauchertourismus. In Städten treten Wassermangel, Erosion, fehlende Abwasserentsorgung, illegale Müllplätze und unkontrollierte Bautätigkeit auf.

Bevölkerung, soziale Lage und Bildung

Honduras hatte 2023 10,6 Millionen Einwohner; das jährliche Bevölkerungswachstum lag bei 1,5 Prozent. Die Geburtenziffer betrug 20,9, die Sterbeziffer 5,4 je 1000 Einwohner. 2022 lag die durchschnittliche Kinderzahl je Frau bei 2,3, die Lebenserwartung bei 70,7 Jahren. Der Median des Alters betrug 2021 23,4 Jahre. 2023 waren 29,7 Prozent der Bevölkerung jünger als 15 Jahre und 4,4 Prozent älter als 64 Jahre. Im Jahr 2023 lebten 60 Prozent der Bevölkerung in Städten. Tegucigalpa hatte 2017 etwa 1.051.600 Einwohner, San Pedro Sula 640.200.

Etwa 90 Prozent der Bevölkerung sind Mestizen, also Nachfahren europäischer Kolonisten und indigener Einwohner. Daneben werden sieben Prozent Indigene, zwei Prozent Schwarze und ein Prozent Europäer genannt. Die Garífuna haben indianische und schwarzafrikanische Vorfahren, leben vor allem in Dörfern an der Karibikküste und bewahren eine eigenständige Kultur sowie die zur Arawak-Sprachfamilie gehörende Garífuna-Sprache. Kleine indigene Gruppen leben im Landesinneren und in der Mosquitia teilweise in schwer zugänglichen Gebieten und sind dort nur unzureichend an Bildungswesen, Gesundheitsversorgung und Politik angebunden.

Spanisch ist die Amtssprache. Verbreitet sind außerdem unter anderem Miskito und Tawahka an der Miskitoküste, Kekchí und Chortí im Westen sowie kreolisch geprägtes Englisch an der Atlantikküste und auf den Inseln. Religiös gehören 47 Prozent der Bevölkerung der römisch-katholischen Kirche und 41 Prozent protestantischen oder evangelikalen Richtungen an. In abgelegenen indigenen Regionen bestehen außerdem traditionelle mesoamerikanische Religionen, die christliche und afrikanisch-religiöse Elemente aufgenommen haben.

Honduras zählt neben Haiti zu den ärmsten Ländern Mittelamerikas. Angaben zur Armut unterscheiden sich je nach Quelle und Armutsgrenze: 61,9 Prozent lebten unter der nationalen Armutsgrenze, während 17,2 Prozent unter der internationalen Grenze von 1,90 US-Dollar nach Kaufkraftparität (2011 PPP) lagen. Nach Angaben des Nationalen Instituts für Statistik von Honduras waren 73 Prozent arm und 53 Prozent extrem arm; an anderer Stelle wird angegeben, dass 80 Prozent an oder unter der absoluten Armutsgrenze leben. Landflucht, Unter- und Fehlernährung, geringe Bildungs- und Ausbildungsstände sowie eine mangelhafte ländliche medizinische Versorgung sind zentrale soziale Probleme. Rund 720.000 Honduraner leben im Ausland, davon etwa 600.000 in den Vereinigten Staaten.

Für Bildung werden nahezu 20 Prozent des Staatshaushalts aufgewendet. Etwa 60.000 Lehrkräfte betreuen rund eine Million Grundschüler und 700.000 Schüler weiterführender Schulen. Schulpflicht und kostenloser Schulbesuch gelten für Kinder von sieben bis zwölf Jahren. Trotzdem erreichen rund 50 Prozent der Kinder keinen Grundschulabschluss; Gründe sind fehlende Lehrmittel, Lehrermangel und große Mehrklassen in abgelegenen Gebieten. Die Analphabetismusquote wird mit 11,5 Prozent angegeben, auf dem Land liegt der Anteil jedoch weiterhin bei über 50 Prozent. Nach der Pflichtschule kann der plan basico absolviert werden. Danach führt ein sechsjähriger Bildungsgang am colegio über Grundkurs und Spezialisierung zum Fachabitur; wer studieren möchte, erwirbt das bachillerato.

2021 entsprachen die Gesundheitsausgaben 9,2 Prozent des Bruttoinlandsprodukts. 2020 kamen 4,9 Ärztinnen und Ärzte auf 10.000 Einwohner. Die Sterblichkeit von Kindern unter fünf Jahren betrug 2022 16,0 je 1000 Lebendgeburten. Honduras gilt besonders in Städten als stark von Gewalt betroffen. Die Mordrate stieg von über 50 je 100.000 Einwohner im Jahr 2007 auf weit über 80 in den Jahren 2011/2012 und sank bis 2017 auf unter 50. Für 2015 nennt UNODC 63,7 Tötungsdelikte je 100.000 Einwohner; San Pedro Sula erreichte 2014 171,2 je 100.000.

Geschichtliche Entwicklung und politische Einschnitte

Siedlungen der Maya sind in Honduras seit mindestens 1000 v. Chr. nachgewiesen. Zentren bestanden unter anderem in Copán und El Puente; wie viele Maya-Stadtstaaten wurden sie um etwa 900 n. Chr. verlassen. In der Postklassik wird Hueitapalan als städtisches Zentrum genannt.

Christoph Kolumbus betrat 1502 bei Trujillo erstmals das amerikanische Festland und bezeichnete das Gebiet nach der großen Wassertiefe vor der Karibikküste als „Honduras“. 1523 nahm Cristóbal de Olid das Land im Auftrag Hernán Cortés’ für die spanische Krone in Besitz. Die spanische Eroberung stieß auf Widerstand verschiedener indigener Gruppen, darunter Lenca, Pipil, Chorotega, Jicaques und Paya. 1540 gründeten die Spanier Comayagua als Hauptstadt und gliederten die Provinz in das Generalkapitanat Guatemala ein. Tegucigalpa entstand 1578 in der Nähe von Gold- und Silberminen. Kriege, Zwangsarbeit und eingeschleppte Krankheiten verringerten die indigene Bevölkerung laut Artikel von über 1,2 Millionen auf etwa 88.000 im Jahr 1778.

1821 schloss sich Honduras der Erhebung der zentralamerikanischen Provinzen gegen Spanien an. Nach einer zweijährigen Anbindung an das Kaiserreich Mexiko gehörte es zu den Vereinigten Provinzen von Zentralamerika. Der honduranische Politiker Francisco Morazán war eine wichtige Führungsfigur dieses Staatenbundes, dessen Zerfall 1839 er jedoch nicht verhindern konnte. Von 1821 bis 1876 wechselten sich 85 Regierungen ab. Ab 1876 leitete Präsident Marco Aurelio Soto eine liberale Wende ein: Er säkularisierte Kirchenbesitz, führte die Zivilehe und ein staatliches Bildungswesen ein. Daraus entwickelten sich die bis heute wichtigen Nationale Partei und Liberale Partei.

Die Öffnung zum Weltmarkt und großzügige Konzessionen führten zu einer starken Stellung US-amerikanischer Unternehmen, besonders im Bananenanbau. Diktatoren wie Tiburcio Carías Andino und Juan Manuel Gálvez unterstützten die United Fruit Company. Ein Streik von etwa 25.000 Beschäftigten auf US-amerikanischen Bananenplantagen im Jahr 1954 begrenzte deren Macht. 1969 kam es zum „Fußballkrieg“ mit El Salvador. Der Krieg forderte etwa 3000 Tote und 6000 Verletzte; der Konflikt wurde erst 1980 durch ein Friedensabkommen beigelegt.

Bei den Wahlen von 1981 kehrte Honduras zur Demokratie zurück. Roberto Suazo Córdova wurde Präsident, musste sich aber mit Wirtschaftskrise, Putschgerüchten und dem starken US-Einfluss auseinandersetzen. Honduras diente bis zum Abzug der nicaraguanischen Contras 1989 als US-amerikanischer Brückenkopf im Konflikt gegen Nicaragua. Der Hurrikan Mitch verwüstete 1998 große Teile des Landes und beschädigte besonders die Bananenwirtschaft.

2005 wurde Manuel Zelaya Rosales Präsident. Sein geplantes Referendum über eine Verfassungsänderung, die eine Wiederwahl ermöglichen sollte, widersprach nach Auffassung der zuständigen Institutionen der Verfassung. Am 28. Juni 2009 wurde Zelaya vom Militär gestürzt und nach Costa Rica ausgeflogen. Roberto Micheletti übernahm als Interimspräsident; der Machtwechsel löste Proteste und internationale Isolation aus. Zelaya kehrte am 21. September 2009 zurück und fand vorübergehend in der brasilianischen Botschaft Asyl. Bei der Wahl im November 2009 wurde Porfirio Lobo Sosa Präsident. 2013 folgte Juan Orlando Hernández; nach umstrittenen Wahlen 2017 kam es zu Protesten. Die Präsidentschaftswahl vom 28. November 2021 gewann Xiomara Castro. 2023 wurde Honduras weiterhin stark von Bandenkriminalität und Binnenvertreibung geprägt; etwa 400.000 Menschen galten als Binnenvertriebene.

Staatsordnung, Menschenrechte und Außenpolitik

Nach der Verfassung von 1982 ist Honduras ein demokratischer Rechtsstaat mit Gewaltenteilung und unabhängiger Justiz. Der direkt gewählte Präsident ist zugleich Staats- und Regierungschef, verfügt traditionell über weitreichende Befugnisse und wird für vier Jahre ohne Möglichkeit der Wiederwahl gewählt. Der Einkammer-Nationalkongress hat 128 Abgeordnete. Der Oberste Gerichtshof besteht aus neun gemeinsam von Regierung und Parlament benannten Richtern mit siebenjähriger Amtszeit. Ein nationaler Rechnungshof und ein Oberstes Wahlgericht ergänzen die staatlichen Institutionen.

Das Mehr-Parteien-System wird durch Korruption, institutionelle Schwäche und Gewalt belastet. Im Demokratieindex 2024 erreichte Honduras 4,98 von 10 Punkten und wurde als Hybridregime eingestuft. Der Fragile States Index 2024 wies 78,1 von 120 Punkten und eine „erhöhte Warnung“ aus. Im Freedom in the World Index 2024 galt Honduras mit 48 von 100 Punkten als teilweise frei. Der Korruptionswahrnehmungsindex nannte 2025 22 von 100 Punkten und Rang 157 von 181.

Die Menschenrechtslage verbesserte sich nach der Demokratisierung, bleibt aber durch Übergriffe von Polizei und Sicherheitsorganen, institutionelle Mängel und Straffreiheit für frühere Menschenrechtsverletzungen belastet. Besonders gefährdet sind indigene und afro-honduranische Gruppen, Straßenkinder und andere sozial benachteiligte Menschen. Haftanstalten gelten als problematisch: Bei einem Brand im Gefängnis von San Pedro Sula starben 2004 mehr als 100 Menschen, beim Brand im Gefängnis von Comayagua am 14. Februar 2012 insgesamt 358 Insassen; die Anstalt war für 400 Personen ausgelegt, aber mit 820 belegt. Nach dem Putsch von 2009 berichteten Menschenrechtsorganisationen außerdem über Morde, Folter, Vergewaltigungen und Entführungen politischer Gegner.

1995 wurde die allgemeine Wehrpflicht abgeschafft und eine Freiwilligenarmee aufgebaut. Seit einer Verfassungsänderung von 1999 unterstehen die Streitkräfte dem Präsidenten. 2019 verfügten sie über 15.500 Soldaten, darunter 7500 im Heer, 1500 in der Marine, 2500 in der Luftwaffe und 4000 in der Militärpolizei.

Honduras ist an regionaler wirtschaftlicher Zusammenarbeit und zentralamerikanischer Integration interessiert und aktives Mitglied des Zentralamerikanischen Integrationssystems. Grenzstreitigkeiten mit Nicaragua und El Salvador wurden teilweise dem Internationalen Gerichtshof in Den Haag vorgelegt. Honduras ist Gründungsmitglied der Vereinten Nationen und der Organisation Amerikanischer Staaten; die OAS-Mitgliedschaft wurde 2009 vorübergehend suspendiert. 2001 trat ein Freihandelsvertrag mit Mexiko sowie El Salvador und Guatemala in Kraft. Zu Kuba wurden 2002 die diplomatischen Beziehungen wiederhergestellt. 2023 kündigte die Präsidentin an, anstelle Taiwans diplomatische Beziehungen zur Volksrepublik China aufzunehmen.

Wirtschaft, Arbeitsmarkt und Infrastruktur

Honduras gehört zu den ärmsten Ländern Mittelamerikas und weist eine hohe Ungleichheit, Arbeitslosigkeit und Auslandsverschuldung auf. Die Angaben zur Armut reichen von 61,9 Prozent unterhalb der nationalen Armutsgrenze über 73 Prozent arme und 53 Prozent extrem arme Menschen nach Angaben des INE bis zu 80 Prozent an oder unter der absoluten Armutsgrenze. 2025 verdienten laut INE die reichsten Haushalte 101-mal mehr als die ärmsten.

Das Bruttoinlandsprodukt nach Kaufkraftparität stieg von 37,3 Milliarden US-Dollar 2010 auf 81,2 Milliarden US-Dollar 2024; das BIP pro Kopf erreichte 2024 7614 US-Dollar. Das reale BIP-Wachstum betrug 2024 3,6 Prozent, die Inflation 4,6 Prozent und die Staatsverschuldung 47 Prozent des BIP. 2020 sank das Wachstum auf −9,0 Prozent, 2021 folgte ein Anstieg von 12,6 Prozent. Der Staatshaushalt 2016 umfasste Ausgaben von 4,38 Milliarden und Einnahmen von 3,98 Milliarden US-Dollar; das Defizit betrug 1,9 Prozent des BIP.

Die Wirtschaftspolitik setzt auf Freihandel, Investitionserleichterungen, Freihäfen, Zoll- und Steuervergünstigungen sowie freien Kapitaltransfer. Maquiladoras, also Betriebe der Lohnveredelung, zogen besonders Investoren aus den USA, Taiwan und Südkorea an. 2025 machten Rücküberweisungen aus dem Ausland 27 Prozent des BIP aus. In der Landwirtschaft entstehen 15 Prozent des BIP, vor allem durch Kaffee, Krustentiere und Bananen; Kleinbetriebe bauen Mais und Bohnen überwiegend für den Eigenbedarf an. Ein Drittel der Landesfläche wäre landwirtschaftlich nutzbar, tatsächlich werden etwa 12 Prozent genutzt. Die Forstwirtschaft ist bedeutend, verursacht aber erhebliche Schäden an den Regenwäldern. Die Fischerei konzentriert sich vor allem auf Schalentiere. Handel und andere Dienstleistungen erzeugen etwa 50 Prozent des BIP; Tourismus profitiert besonders von Copán und den Islas de la Bahía. Die schwach entwickelte Industrie verarbeitet vor allem Agrarprodukte. Der Bergbau verfügt über Vorkommen von Silber, Zink und Blei sowie bislang größtenteils ungenutzte Lagerstätten von Eisenerz, Kohle, Kupfer und Antimon.

Die reale Arbeitslosigkeit wird mit 40 Prozent angegeben, während die offizielle Quote 2017 bei 5,9 Prozent lag; die Unterbeschäftigung wird auf ein Drittel geschätzt. Etwa 70 Prozent arbeiten im informellen Sektor ohne Arbeitsvertrag und sozialen Schutz. Der gesetzliche Mindestlohn lag je nach Tätigkeit bei 4055 bis 5500 Lempira beziehungsweise etwa 160 bis 220 Euro monatlich. Wichtige Gewerkschaftsdachverbände sind die Confederación de Trabajadores de Honduras, die Confederación General de Trabajadores und die Confederación Unitaria de Trabajadores de Honduras.

Das Straßennetz umfasst rund 13.603 Kilometer, davon etwa 2775 Kilometer befestigte Straßen. Die Panamericana verläuft auf 160 Kilometern durch Honduras. Das Eisenbahnnetz an der Nordküste wurde hauptsächlich für den Bananentransport gebaut und umfasst fast 700 Kilometer; seit 2007 war die letzte Touristenstrecke außer Betrieb, ein Wiederaufbau begann ab 2010. Drei internationale Flughäfen und mehr als 100 kleinere Flugplätze verbinden auch abgelegene Regionen. 465 Kilometer Wasserstraßen sind schiffbar. 2022 nutzten 59,7 Prozent der Einwohner das Internet; das staatliche Unternehmen Hondutel betreibt das Festnetz.

Kultur, Medien und Alltag

Die Kultur ist überwiegend spanisch geprägt, enthält aber starke indigene und afrokaribische Elemente. In Tegucigalpa und Comayagua stehen koloniale Bauten; besonders bedeutend ist die barocke Kathedrale von Comayagua aus dem 18. Jahrhundert. Das wichtigste indigene Kulturerbe ist der Ruinenkomplex von Copán aus der spätklassischen Maya-Epoche.

Zu den Feiertagen gehören Neujahr, der Tag der amerikanischen Länder am 14. April, der Tag der Arbeit, der Unabhängigkeitstag am 15. September, der Geburtstag Morazáns am 3. Oktober, der Kolumbustag, der Tag der bewaffneten Truppen und Weihnachten. Während der Karwoche schließen Geschäfte von Mittwoch bis Sonntag. Orte feiern zusätzlich ihre Schutzheiligen; ein regional bekanntes Fest ist der Karneval von La Ceiba im Mai.

Die Musik verbindet spanisch- und englischsprachigen Pop und Rock mit Merengue, Salsa, Reggaeton und Bachata. Bei Festen sind traditionelle Stile wichtig, besonders die schnelle, trommelbetonte Puntamusik der Garífuna. Die Marimba gilt als populärstes Musikinstrument und wird vor allem im nördlichen Küstengebiet sowie bei Festen im Hochland gespielt.

Die Literatur entwickelte sich im Vergleich zu anderen lateinamerikanischen Ländern häufig verzögert. Gründe sind der niedrige Bildungsstand, die kleine gebildete Mittelschicht und ein für viele unerschwinglicher Buchmarkt. Frühere Werke standen unter dem Einfluss von Aufklärung und Romantik. Im 20. Jahrhundert wurde der soziale Realismus wichtig: Ramón Amaya Amadors Roman Prisión Verde schildert das Elend der Arbeiter auf Bananenplantagen. Spätere Autoren behandelten unter anderem Exil, Hurrikane, Bandenkriminalität, die Verbrechen der Diktatur, das Schicksal Verschwundener und die Folgen der US-amerikanischen Bananenkonzerne. Feministische und afro-honduranische Literatur ergänzen diese Themen.

Honduranische Maler sind international wenig bekannt; eine Ausnahme bilden einige Vertreter der naiven Kunst und der politisch engagierte Muralismus. Der Film No amanece igual para Todos durfte 2011 im Land nicht gezeigt werden; Morazán von 2017 behandelt den Verrat am Reformpräsidenten Francisco Morazán. Grundnahrungsmittel sind Mais, Reis und Bohnen. Typisch sind Tortillas, Bohnenmus, Eier, Kochbananen, gefüllte Pupusas, Anafre, sopa de mondongo, sopa de caracol und an der Nordküste Gerichte mit Kokos. Die Garífuna-Spezialität casabe wird aus Maniok hergestellt.

Honduras besitzt etwa 100 private Radiosender und neun private Fernsehsender. Medienbesitz und Politik sind eng verbunden; Journalisten werden durch Korruption und Repressalien beeinflusst. Nach Einschätzung von Reporter ohne Grenzen verschlechterte sich die Pressefreiheit nach dem Putsch von 2009, weil Journalisten von staatlichen Stellen und Verbrecherkartellen bedroht werden. Fußball ist der Nationalsport. Die Nationalmannschaft qualifizierte sich 1982, 2010 und 2014 für die Endrunde einer Weltmeisterschaft; außerdem sind Baseball, Basketball, Boxen und Bowling beliebt.

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