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Sklavenhandel

Sklavenhandel bezeichnet den Handel mit Sklaven, das heißt den Kauf und Verkauf von Menschen als Ware. Verkürzend sind oft die Versklavung von …

Inhalt6 Abschnitte
  1. 1. Begriff und Sklavenhandel im Altertum
  2. 2. Mittelalterliche und arabomuslimische Handelsräume
  3. 3. Atlantischer Sklavenhandel und Dreieckshandel
  4. 4. Beteiligte Länder und Regionen
  5. 5. Mittelmeer, Indischer Ozean und Widerstand
  6. 6. Abschaffung und heutige Situation

Begriff und Sklavenhandel im Altertum

Sklavenhandel bezeichnet den Kauf und Verkauf von Menschen als Ware. Er ist von Versklavung und Sklavenhaltung zu unterscheiden: Menschen werden zunächst versklavt und anschließend gehandelt oder gehalten. Sklavenhandel existierte seit dem Altertum in vielen Teilen der Welt.

In der europäischen Antike galt Sklaverei als normaler Bestandteil der Gesellschaft. Verlässliche Statistiken fehlen; die Forschung stützt sich auf literarische, epigraphische und archäologische Quellen. Menschen konnten durch Kriegsgefangenschaft, Menschen- und Kindesraub, Schuldknechtschaft, Gesetze oder Gerichtsurteile, den Verkauf früherer Höriger oder eigener Kinder sowie durch Geburt in die Sklaverei zu Sklaven werden.

Griechen und Römer versklavten unterworfene Bevölkerungen. Beispiele sind die Heloten in Sparta und die Klaroten auf Kreta. Menschenraub und Piraterie waren wichtige Beschaffungsquellen. Große Sklavenmärkte entstanden spätestens um 600 v. Chr.; als erster wird häufig der Markt auf Chios genannt. Im Peloponnesischen Krieg wurden ganze Stadtbevölkerungen verkauft.

Das alte Ägypten importierte schwarze Sklaven aus Nubien. Griechen bezogen Sklaven vor allem aus Thrakien, Kleinasien, Syrien und Armenien, die Römer später besonders aus Griechenland, dem Balkan und Gallien. Mit zunehmender Kriegsgewalt nahm der Handel in der hellenistischen Welt zu. Nach den Punischen Kriegen stieg außerdem die Nachfrage Roms und Karthagos. Im Römischen Reich wurden auch ganze Städte versklavt; männliche Sklaven waren etwa dreimal so häufig wie weibliche.

Wichtige Zentren waren Delos und Ephesos. Delos entwickelte sich zum Hauptumschlagplatz der alten Welt; nach Strabon wurden dort täglich Zehntausende Sklaven aufgenommen und weiterverkauft. Der Handel war rechtlich geregelt. Ägyptische Kaufverträge sind überliefert, und römische Händler mussten Krankheiten und Verfehlungen der angebotenen Sklaven angeben. Preise hingen von Zeit, Ort, Qualifikation sowie Angebot und Nachfrage ab; ihre genaue Höhe ist in der Forschung teilweise umstritten.

Mittelalterliche und arabomuslimische Handelsräume

Im frühen europäischen Mittelalter nahm der Handel mit Sklaven trotz der Christianisierung zu. Franken verkauften Menschen aus nicht christianisierten Gebieten, darunter Sachsen, nach Byzanz und Al-Andalus. Seit Mitte des 8. Jahrhunderts beteiligten sich venezianische Händler; die Adria wurde zu einer Drehscheibe. Franken, jüdische Händler und südslawische Piraten beschafften Menschen vor allem in Ost- und Südosteuropa. Europäische Sklaven erzielten auf muslimischen Märkten das Drei- bis Vierfache ihres Einkaufswertes.

Nachdem die sächsischen Gebiete christianisiert waren, richteten sich Sklavenjagden zunehmend gegen slawische Stämme. Zwischen Heinrich I. und dem 12. Jahrhundert fanden unter den Elbslawen regelrechte Sklavenjagden statt. Prag war ein bedeutender Umschlagplatz. Im hohen Mittelalter verlagerte sich der Handel nach Süden. Genua und Venedig transportierten über Handelsniederlassungen im östlichen Mittelmeer und Schwarzen Meer vor allem Menschen tatarischer und kaukasischer Herkunft nach Südwesteuropa und in das Ägypten der Mamluken. Auch provenzalische, katalanische und später osmanische Händler waren beteiligt. Der Handel bestand trotz theoretischer Debatten über seine Rechtmäßigkeit fort; Papst Nikolaus V. legitimierte ihn 1452 erneut in der Bulle Divino amore communiti.

In islamisierten Gebieten des Nahen Ostens wurden Sklaven vor allem aus Subsahara-Afrika über die Sahara, das Rote Meer und den Indischen Ozean gebracht. Die Praxis war seit der arabischen Eroberung Ägyptens ab 639 verankert, obwohl Muslime grundsätzlich nicht versklavt werden sollten. Herkunftsgebiete waren zunächst Nubien und Äthiopien, später auch die Sudanregion. Verwendung fanden Sklaven als Hauspersonal, Soldaten und Arbeitskräfte, unter anderem in Mesopotamien sowie auf den Mittelmeerinseln Sizilien, den Balearen, Kreta, Zypern und Rhodos.

Die Opferzahl dieses arabomuslimischen Handels ist unbekannt. Sie wird ungenau auf mindestens 6 Millionen Menschen geschätzt; Tidiane N’Diaye nennt 17 Millionen, wobei Menschen, die bei der Zerstörung ganzer Dörfer getötet wurden, noch nicht mitgerechnet seien.

Atlantischer Sklavenhandel und Dreieckshandel

Mit der europäischen Expansion und der Entdeckung Amerikas erhielt der Sklavenhandel eine neue Dimension. Spanische und portugiesische Kolonialherren setzten zunächst die indigene Bevölkerung in Plantagen und Bergwerken zur Zwangsarbeit ein. Viele Menschen starben an der Arbeit und an eingeschleppten Infektionskrankheiten. Ab etwa 1512 stieg die Nachfrage nach Arbeitskräften; zunehmend wurden Afrikaner nach Amerika verschleppt, weil sie als widerstandsfähiger galten.

Das traditionelle Modell des Dreieckshandels beschreibt drei Etappen: Europäische Händler tauschten an der afrikanischen Küste Manufakturwaren wie Werkzeuge, Waffen und Textilien gegen Menschen. Diese wurden über den Atlantik nach Amerika gebracht und dort für Plantagen und Bergwerke eingesetzt. Die Plantagen produzierten unter anderem Zuckerrohr, Baumwolle, Kaffee, Kakao und Tabak. Kolonialwaren sollten anschließend nach Europa zurücktransportiert werden.

Dieses Modell gilt heute als zu schematisch, weil es den innerafrikanischen Handel und direkte Verbindungen zwischen Afrika und Amerika ausblendet. Eine Untersuchung von 195 niederländischen Sklavenschiffen des 18. Jahrhunderts ergab, dass nur 69 auf der Rückfahrt Kolonialwaren geladen hatten; 65 fuhren nur mit Ballast zurück, 52 hatten eine geringe Fracht. Sklavenschiffe hatten wegen ihrer Bauweise weniger Ladekapazität, aber mit 30 bis 40 Mann etwa doppelt so viele Besatzungsmitglieder wie gewöhnliche Handelsschiffe vergleichbarer Größe. Dies verweist auf die besondere Organisation und hohe Rentabilität des Menschenhandels.

Die meisten Menschen wurden von lokalen Herrschern und Händlern an der afrikanischen Küste verkauft; teilweise wurden Kriege gezielt zur Beschaffung von Sklaven geführt. Die Überfahrt nach Amerika wurde als Middle Passage bezeichnet. Curaçao wurde zum bedeutendsten Sklavenmarkt der Welt.

In einer Datenbank von 1998 sind etwa 27.000 transatlantische Transporte erfasst. Zwischen 1519 und 1867 wurden etwa 11,06 Millionen Afrikaner nach Amerika verschleppt, darunter 3,9 Millionen nach Brasilien. Ältere Schätzungen von 15 Millionen liegen wahrscheinlich an der Obergrenze des Realistischen. Die Zahl der Menschen, die schon beim Sklavenfang, bei innerafrikanischen Transporten oder in den Sklavenforts starben, ist darin nicht enthalten. Für die Todesfälle während der Atlantiküberfahrt werden bis zu 1,5 Millionen Menschen geschätzt.

Die Preise stiegen nach 1670 deutlich. Ein Afrikaner von der Sklavenküste kostete durchschnittlich 17,8 englische Pfund zwischen 1676 und 1680, 34,4 Pfund zwischen 1736 und 1740, 67,5 Pfund zwischen 1786 und 1790 und wegen Versorgungsengpässen 85,2 Pfund zwischen 1806 und 1810. Als „Stück“ galt gewöhnlich eine Person im Alter von 30 bis 35 Jahren, 5 Fuß 11 Zoll beziehungsweise etwa 180 cm groß und ohne körperlichen Defekt.

Beteiligte Länder und Regionen

Am atlantischen Sklavenhandel waren zahlreiche europäische Staaten sowie amerikanische Kolonien beteiligt.

  • Brandenburg beteiligte sich seit 1683 mit 0,14 Prozent. Die Brandenburgisch-Afrikanische Compagnie verkaufte schätzungsweise 17.000 Afrikaner in die Karibik. Sie wurde 1711 bankrott erklärt; Fort Groß Friedrichsburg wurde anschließend an die Niederländische Westindien-Kompanie verkauft.
  • Dänemark war zwischen 1671 und 1802 beteiligt. Von Forts an der Goldküste, darunter Christiansborg, wurden schätzungsweise 100.000 Afrikaner auf die dänischen Jungferninseln verschifft. Heinrich Carl von Schimmelmann besaß eigene Schiffe und vier Plantagen mit 1000 Sklaven.
  • England beziehungsweise Großbritannien besaß die größte Sklavenschiffsflotte. Liverpool beherrschte vier Fünftel des englischen Sklavenmarktes; sein Anteil am atlantischen Handel betrug gegen Ende des 18. Jahrhunderts 40 Prozent. 1799 wurden durch Liverpooler Schiffe mehr als 45.000 Menschen aus Afrika verschleppt.
  • Frankreich transportierte von 1713 bis 1792/93 schätzungsweise 1,1 bis 1,2 Millionen versklavte Afrikaner nach Amerika. Hauptsitz war Nantes. Die Sterblichkeitsrate sank von 18 Prozent zwischen 1713 und 1722 auf 12 Prozent zwischen 1763 und 1777.
  • Die Niederländische Westindien-Kompanie setzte zwischen 1674 und 1740 383 Sklavenschiffe ein. Die Niederländische Ostindien-Kompanie handelte auch im Indischen Ozean mit Sklaven.
  • Portugal begann im 15. Jahrhundert mit Verschleppungen an der westafrikanischen Küste. Das 1482 errichtete Fort São Jorge da Mina in Elmina wurde ein wichtiger Handels- und Militärstützpunkt. Zwischen 1710 und 1830 wurden allein über Luanda etwa 1,2 Millionen Afrikaner verschleppt.
  • Schweizer Kaufleute und Finanziers waren zwischen 1773 und 1830 direkt oder indirekt beteiligt. Mit Schweizer Unterstützung wurden schätzungsweise 172.000 Afrikaner deportiert.
  • Spanien erhielt 1518 das Recht, 4000 Sklaven direkt nach Amerika zu verschiffen. Über die Hälfte der etwa 12 Millionen Verschleppungen nach Amerika wurde durch iberische Händler durchgeführt; der spanische Anteil sank jedoch ab dem 17. Jahrhundert.
  • In den USA gab es bei der Unabhängigkeit mehr als 460.000 Sklaven. Die Zahl in den Südstaaten stieg von 697.897 im Jahr 1790 auf 3.949.557 im Jahr 1860 und bis 1865 auf mehr als vier Millionen. Die Sklaverei endete dort 1865 mit der Niederlage der Konföderation und dem 13. Zusatzartikel zur Verfassung.

Mittelmeer, Indischer Ozean und Widerstand

In den islamischen Barbareskenstaaten Nordafrikas entwickelte sich zwischen dem 16. und 18. Jahrhundert ein Menschenhandel, der häufig der Lösegelderpressung diente. Von Algier aus wurden europäische Schiffe und Küstenstädte angegriffen. Zwischen 1530 und 1780 wurden in den Gebieten zwischen Ägypten und Marokko nach modernen Schätzungen etwa 1,25 Millionen Menschen versklavt, überwiegend durch Kaperungen und Küstenraubzüge. Schwarze Haussklavinnen blieben in Europa vielerorts bis ins 18. Jahrhundert verbreitet.

Der Sklavenhandel im Indischen Ozean ist für die Zeit vor dem 19. Jahrhundert noch unzureichend erforscht. Arabomuslimische Händler brachten vor allem Menschen aus Ostafrika in verschiedene Länder. In Südostasien handelten zunächst chinesische und malaiische, ab dem 17. Jahrhundert auch portugiesische und niederländische Händler. Die Sklaven stammten dort häufig aus Konflikten zwischen Kleinreichen und Stämmen. Portugiesen kauften seit 1543 auch in Japan Sklaven für asiatische Kolonien und Portugal; die Zahl lag bei einigen hundert. Toyotomi Hideyoshi protestierte gegen diesen Handel, beteiligte sich aber selbst am Verkauf koreanischer Kriegsgefangener.

Versklavte Menschen leisteten Widerstand. Entlaufene Sklaven bildeten Maroon-Gemeinschaften, die teilweise über Jahrhunderte autarke Ökonomien entwickelten und sich mit indigenen Widerstandsgruppen verbündeten. In Jamaika wurden solche Gemeinschaften 1738 nach langen Kämpfen gegen die englische Armee offiziell anerkannt. Auch Piraten kaperten Sklavenschiffe; manche befreiten die Afrikaner und nahmen sie in ihre Mannschaften auf, andere verkauften sie weiter.

Abschaffung und heutige Situation

Abolitionistische Bewegungen konzentrierten sich im 18. Jahrhundert zunächst auf das Verbot des Sklavenhandels, weil dieses politisch leichter durchzusetzen war und der Sklavenhaltung ohne Nachschub die Grundlage entzogen werden sollte. Dänemark verbot als erste Sklavenhandelsnation 1792 den transatlantischen Handel mit Wirkung zum 1. Januar 1803. Großbritannien untersagte ihn 1807 durch den Slave Trade Act. Die USA folgten 1808, setzten das Verbot besonders im Süden aber nur unzureichend durch.

Auf dem Wiener Kongress wurde am 8. Februar 1815 ein grundsätzliches Verbot des afrikanischen Sklavenhandels beschlossen. Der Quintupelvertrag vom 20. Dezember 1841 erlaubte gegenseitige Anhalte- und Durchsuchungsrechte gegen Sklavenschiffe in einem bestimmten Seegebiet um Afrika. Nach und nach verboten die beteiligten Staaten zunächst den Handel und später die Sklaverei. Brasilien schaffte als letzter am atlantischen Sklavenhandel beteiligter Staat am 13. Mai 1888 die Sklaverei ab.

Auch der Handel an der ostafrikanischen Küste und im Indischen Ozean wurde zurückgedrängt. Die europäische Kolonisierung Afrikas rechtfertigte Interventionen teilweise mit der Abschaffung des Sklavenhandels. Beide Handelsströme bestanden jedoch noch einige Zeit verborgen weiter; in Saudi-Arabien wurde die Sklaverei erst 1968 offiziell verboten. Der Sklavenhandel zur See ist heute durch das Seerechtsübereinkommen der Vereinten Nationen verboten; jeder auf einem Schiff angetroffene Sklave ist ipso facto frei.

Sklaverei und sklavenähnliche Formen der Unfreiheit existieren weiterhin. Genannt werden die Sklaverei im Sudan und Kinderhandel in Westafrika, wo laut UNICEF 200.000 Kinder in Sklaverei leben. Ein UNODC-Bericht von 2010 schätzte rund 140.000 Sklaven in Europa und weltweit mehrere Millionen. Menschen werden teilweise unter dem Vorwand von Arbeitsmöglichkeiten ins Ausland gelockt und anschließend zu Prostitution oder Zwangsarbeit gezwungen. Der Begriff „Sklaverei“ wird dabei nicht immer eindeutig von ähnlichen Formen der Unfreiheit unterschieden. Seit 1998 erinnert der Internationale Tag zur Erinnerung an den Sklavenhandel und an seine Abschaffung am 23. August an dieses Thema.

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