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Sklavenschiff
Überwiegend wurden im Sklavenhandel ältere Schiffe eingesetzt, die vor dem Antritt ihrer Reise in den europäischen Häfen der sklavenhandelnden Nationen umgebaut …
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Begriff und Bauweise
Sklavenschiffe waren Schiffe, die versklavte Menschen transportierten. Der Begriff bezeichnet meist die im atlantischen Sklavenhandel eingesetzten Schiffe, vor allem Briggs oder Schoner. Sie brachten Menschen aus Afrika in die europäischen Kolonien der Neuen Welt.
Meist verwendeten Sklavenhändler ältere Handelsschiffe, die in europäischen Häfen umgebaut und für den Transport ausgerüstet wurden. Speziell entworfene Sklavenschiffe waren selten: Die Reisen belasteten die Schiffe stark, und wegen der Gefahr eines Totalverlustes durch Schiffbruch erschien ein Neubau häufig nicht wirtschaftlich.
Transport über den Atlantik
Um den Gewinn zu steigern, ließen die Eigentümer zusätzliche Zwischendecks in die Schiffsrümpfe einbauen. So konnten sie mehrere hundert Menschen gleichzeitig transportieren. Die Gefangenen lagen auf engen Massenpritschen und waren oft während der wochenlangen Überfahrt angekettet. Die Überfüllung führte zu äußerst unhygienischen Verhältnissen und einer hohen Todesrate. Vor allem widerstandsfähige Menschen überlebten, sodass der Transport eine starke Selektion bewirkte. Sank ein überladenes Schiff, wurden die angeketteten Menschen häufig mit in die Tiefe gerissen.
Ein Beispiel ist die „Henrietta Marie“: Sie konnte auf einer Passage bis zu 400 versklavte Menschen auf zwei Decks befördern. Jedem Menschen stand dabei nur etwa ein halber Quadratmeter zur Verfügung.
Der atlantische Menschenhandel wurde bereits wenige Jahrzehnte nach der Entdeckung Amerikas zu einem profitablen Geschäft. Die indigene Bevölkerung der Karibik war durch eingeschleppte europäische Krankheiten stark dezimiert worden. Besonders im 17. und 18. Jahrhundert wurden zahlreiche Sklavenschiffe eingesetzt, weil in Südamerika und im Süden der englischen Kolonien Nordamerikas große Plantagen entstanden, unter anderem für Zuckerrohr und Baumwolle.
Weitere Handelsräume und frühe Transporte
Sklaventransporte auf Schiffen gab es nicht nur über den Atlantik. Im ostafrikanischen Sklavenhandel waren Bandar-Abbas, Basra und Kairo in unterschiedlichen Jahrhunderten bedeutende Zentren. Die versklavten Menschen wurden auf Daus transportiert. Eine Dau ist ein traditionelles Segelschiff, das hier in der Golfregion, im Osmanischen Reich, in Persien und in Südindien eingesetzt wurde.
Bereits im Mittelalter befuhren chasarische und später warägische Sklavenschiffe den Dnjepr.
Bekannte Sklavenschiffe
Die überlieferten Schiffe zeigen die zeitliche und geografische Ausdehnung des Sklavenhandels sowie seine hohen Opferzahlen. Die „Jesus von Lübeck“ war ein um 1540 in Lübeck erbautes englisches Sklavenschiff. Die „Leusden“, ein Schiff der Niederländischen Westindien-Kompanie, forderte bei ihrem Untergang 702 Todesopfer. Die dänische „Kron-Printzen“ sank 1706 mit 820 versklavten Menschen an Bord.
Mehrere Schiffe wurden durch Revolten oder Piraterie bekannt: Die kurbrandenburgische „Braunfisch“ ging 1688 bei einer Sklavenrevolte verloren. Auf der „La Amistad“ ereignete sich 1839 ebenfalls eine Sklavenrevolte. Die „Whydah“ wurde 1717 vom Piraten Sam Bellamy gekapert; im selben Jahr eroberte Blackbeard das französische Sklavenschiff „La Concorde“ und machte es unter dem Namen „Queen Anne’s Revenge“ bekannt.
Die „Zong“ steht für die besondere Grausamkeit der Transporte: 1781 wurden auf der Fahrt nach Jamaika etwa 142 versklavte Menschen über Bord geworfen. Die portugiesische „São José Paquete Africa“ sank 1794 vor der Küste Kapstadts auf dem Weg von Mosambik nach Brasilien; 200 versklavte Menschen starben.
Die „Clotilda“, manchmal fälschlich „Clotilde“ genannt, war das letzte bekannte Schiff, mit dem 1860 illegal versklavte Menschen aus Afrika nach Mobile in Alabama geschmuggelt wurden. Zur Vertuschung wurde sie angezündet und versenkt. Ihr Wrack gilt als das am besten erhaltene Wrack eines Sklavenschiffs.