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Sparta

Die fragmentarische antike Überlieferungslage und dominante Sparta-Bilder in der Populärkultur erschweren einen differenzierten Blick auf das antike Sparta.

Inhalt6 Abschnitte
  1. 1. Stadt, Staat und historische Bedeutung
  2. 2. Verfassung und politische Institutionen
  3. 3. Gesellschaft, Frauen und Erziehung
  4. 4. Militärische Ordnung
  5. 5. Religion, Kulte und Feste
  6. 6. Quellenlage und archäologische Zeugnisse

Stadt, Staat und historische Bedeutung

Sparta war eine antike Stadt (Polis) im Süden der Peloponnes am Fluss Eurotas. Im weiteren Sinn bezeichnet der Name den Staat der Lakedaimonier, der in archaischer und klassischer Zeit Lakonien und Messenien beherrschte. Sparta galt lange als stärkste Militärmacht Griechenlands und war der wichtigste Gegenspieler Athens.

Die Stadt lag in einer fruchtbaren, aber nur rund 500 km² landwirtschaftlich nutzbaren Ebene zwischen den Gebirgen Taygetos und Parnon. Diese Lage bot natürlichen Schutz. Sparta entstand aus mehreren Dörfern und bestand später aus vier weitläufigen, gartenreichen Quartieren. Für etwa 600 v. Chr. werden in der Stadt ungefähr 40.000 bis 50.000 Einwohner angenommen.

Die Geschichte Spartas begann am Anfang des 1. Jahrtausends v. Chr. In archaischer Zeit dehnte es seine Herrschaft über Lakonien und Messenien aus; die Einzelheiten dieser Expansion sind wegen der lückenhaften Quellen unsicher. In den Perserkriegen führte König Leonidas 480 v. Chr. bei den Thermopylen unter anderem 300 Spartiaten gegen das Heer des Xerxes. Sein Nachfolger Pausanias führte die Griechen 479 v. Chr. bei Plataiai zum Sieg. Danach konkurrierte Sparta mit Athen um die Vorherrschaft in Griechenland. Im Peloponnesischen Krieg von 431 bis 404 v. Chr. siegte Sparta, konnte seine Vormachtstellung jedoch nicht dauerhaft behaupten. Nach der Niederlage gegen Theben bei Leuktra 371 v. Chr. verlor es Messenien; dieses gehörte ab 369 v. Chr. nicht mehr zum spartanischen Staat. Im 2. Jahrhundert v. Chr. geriet Sparta unter römische Herrschaft, blieb aber nominell bis ins 3. Jahrhundert n. Chr. eine freie Stadt. Die Anlage von Mystras westlich Spartas führte später zur Verödung der antiken Stadt.

Verfassung und politische Institutionen

Die Entstehung der spartanischen Verfassung lässt sich nicht lückenlos rekonstruieren. Antike Autoren führten sie auf den legendären Gesetzgeber Lykurg und die Große Rhetra zurück. Lykurg ist historisch nicht sicher greifbar; unterschiedliche Datierungen setzen ihn zwischen dem 11. und 8. Jahrhundert v. Chr. an. Die Große Rhetra, möglicherweise um 650 v. Chr. entstanden, ist bei Plutarch als delphischer Orakelspruch überliefert, wurde aber wohl in einem längeren Prozess entwickelt. Ihre Datierung ist umstritten; vorgeschlagen wurden Zeiten vom 9. bis zum 4. Jahrhundert v. Chr.

Spartas Ordnung wird seit Aristoteles als Mischverfassung aus monarchischen, oligarchischen und demokratischen Elementen beschrieben, wobei die oligarchisch-aristokratischen Elemente überwogen. Politisch beteiligt war nur die kleine Minderheit der männlichen Vollbürger, der Spartiaten.

Das Doppelkönigtum bestand aus zwei erblichen Herrschern der Familien der Agiaden und Eurypontiden. Sie waren theoretisch gleichrangig, Mitglieder der Gerusia und vor allem Heerführer sowie Priester. Seit 505 v. Chr. führte nur noch ein zuvor vom Volk gewählter König einen Feldzug. Die Gerusia kontrollierte die Könige und konnte über sie Gericht halten. Der letzte spartanische König war Nabis (207–192 v. Chr.).

Die Gerusia war der Ältestenrat. Ihr gehörten 28 mindestens 60-jährige männliche Bürger und die beiden Könige an, insgesamt also 30 Mitglieder. Sie entschied, welche Anträge der Volksversammlung vorgelegt wurden, und erfüllte Aufgaben in der Rechtsprechung.

Die Apella war die Volksversammlung der wehrfähigen Spartiaten über 30 Jahre. Sie konnte Vorlagen annehmen oder ablehnen, aber gewöhnliche Bürger durften keine eigenen Anträge stellen und nur mit Zustimmung der Ephoren sprechen. Abgestimmt wurde durch lautes Zurufen, die Akklamation. Die Apella entschied unter anderem über Krieg und Frieden, Gesetze, Befehlshaber und strittige Thronfolgen; außerdem wählte sie Geronten und Ephoren.

Die fünf Ephoren waren für jeweils ein Jahr gewählte Aufseher. Sie überwachten Erziehung und Lebensführung, führten Versammlungen und Wahlen durch, verwalteten Finanzen, empfingen Gesandte, organisierten die Mobilmachung und besaßen weitreichende Gerichts- und Kontrollrechte. Ein monatlicher Eid band Könige und Ephoren aneinander: Die Könige versprachen Gesetzestreue, die Ephoren die Bewahrung des Königtums. Trotz ihres Einflusses konnten die Ephoren in der Apella überstimmt werden und mussten ihren Nachfolgern Rechenschaft ablegen.

Zu den Grundlagen des Bürgerlebens gehörten außerdem die Syssitien, obligatorische tägliche Mahlgemeinschaften der Vollbürger. Die nur bei Xenophon erwähnte Mikra Ekklesia oder „Kleine Versammlung“ ist in Zusammensetzung und Funktion ungeklärt.

Gesellschaft, Frauen und Erziehung

Die lakedaimonische Gesellschaft war deutlich gegliedert. Die Spartiaten waren Vollbürger und besaßen allein politische Rechte. Die Periöken lebten als freie Bewohner in eigenen Städten Lakoniens und Messeniens. Sie galten ebenfalls als Lakedaimonier, durften aber politisch nicht mitentscheiden und mussten Heeresfolge leisten. Hypomeiones standen zwischen beiden Gruppen: Sie konnten aus den Reihen der Spartiaten abgestiegen oder aus denen der Periöken aufgestiegen sein. Die Heloten bildeten die unterste Gruppe. Sie waren keine Bürger, sondern Staatsbesitz, bewirtschafteten die Landlose der Spartiaten und hatten einen sklavenähnlichen Status. Im 5. Jahrhundert v. Chr. entstand mit den Neodamoden eine weitere Gruppe: für militärische Dienste freier gewordene Heloten, die ständig zum Waffendienst bereitstehen mussten.

Die Gesellschaft war patriarchalisch, doch Spartiatinnen verfügten im Vergleich zu Frauen in anderen griechischen Poleis über mehr wirtschaftliche Selbstständigkeit. Mädchen erhielten eine staatlich beaufsichtigte Ausbildung, ausreichende Ernährung und nahmen öffentlich an sportlichen und religiösen Wettbewerben teil. Zwischen 18 und 20 Jahren galt die Ehe als erwünschter Status. Weil Männer Militärdienst leisteten, führten Frauen häufig Haushalt und Wirtschaft, beaufsichtigten Bedienstete und erzogen die Kinder, bis der Staat zumindest die Jungen mit etwa sieben Jahren übernahm. Spartiatinnen konnten Land erben und als Witwen Eigentum selbst besitzen und verwalten. Bürgerrechte und formale politische Macht erhielten sie jedoch nicht.

Das staatliche Erziehungssystem der Jungen hieß Agoge. Mit sieben oder acht Jahren verließen sie den elterlichen Haushalt und lebten in Altersgruppen. Kampfspiele, körperliche Abhärtung und Disziplin sollten sie auf den Militärdienst vorbereiten; zugleich lernten sie Lesen, Schreiben und gesellschaftliche Umgangsformen. Die knappe Ernährung sollte sie an Hunger gewöhnen und dazu bringen, Nahrung selbst zu beschaffen, auch durch Stehlen. Mit 20 Jahren traten sie ins Heer ein, lebten bis 30 in Männergruppen und galten danach als Vollbürger. Zur Initiation gehörte die Krypteia, eine rituelle Jagd auf Heloten. Auch Mädchen wurden staatlich ausgebildet, allerdings etwas weniger stark körperlich trainiert.

Militärische Ordnung

Das spartanische Heer galt seit archaischer Zeit als beste Bürgertruppe Griechenlands. Seine Stärke beruhte auf der ständigen Ausbildung, der Befreiung der Spartiaten von Erwerbsarbeit und einem auf militärische Pflichten ausgerichteten Bürgerethos. Die Spartiaten bildeten als Elitekämpfer das Rückgrat des Heeres. Hinzu kamen Periöken, später bewaffnete Heloten und Söldner. Zusammen mit den Truppen des Peloponnesischen Bundes konnte Sparta bis 370 v. Chr. die größte Armee Griechenlands aufstellen.

Die Streitkräfte umfassten unterschiedlich ausgerüstete Einheiten. Soldaten kämpften gerüstet oder ungerüstet mit Speeren, Schwertern, Schilden und Steinschleudern. Form und Größe der Verbände veränderten sich im Laufe der Zeit; später kam eine Kavallerie hinzu. Wegen der abnehmenden Zahl wehrfähiger Bürger wurde das Heer vermutlich mindestens zweimal neu organisiert. Trotz der großen Bedeutung des Militärs ist die konkrete Praxis nur lückenhaft überliefert. Wichtige Berichte stammen von Herodot und Xenophon, spartanische Texte vor allem vom Dichter Tyrtaios.

Religion, Kulte und Feste

Religion prägte in Sparta Politik, Gesellschaft, Erziehung und Privatleben. Verehrt wurden die zwölf Hauptgötter der Griechen sowie örtliche Gottheiten, Heroen und Familiengötter. Besonders wichtig waren Zeus, Athene, Artemis Orthia und Apollon. Die Könige dienten als Priester des Zeus Lakedaimonios und Zeus Uranios. Athene Chalkioikos galt als Wächterin der Stadt. Die Dioskuren Kastor und Polydeikes verkörperten als Rossezähmer und Kämpfer spartanische Tugenden. Menelaos und Helena wurden im Menelaion bei Therapne verehrt.

Vor Feldzügen opferte der König Zeus. Nur bei günstigem Ergebnis zog das Heer mit dem Altarfeuer bis zur Grenze, wo erneut Zeus und Athene geopfert wurde. Auch während des Feldzuges wurden die Opfer fortgesetzt. Religiöse Pflichten konnten militärische Entscheidungen verzögern: Wegen der Karneia erschienen die Spartaner verspätet zur Schlacht bei Marathon.

Die drei wichtigsten Apollonfeste waren Hyakinthia, Gymnopaidia und Karneia. Die Hyakinthia fand jährlich Ende Mai oder Anfang Juni in Amyklai statt. Eine erste Phase mit Trauer und Verzicht erinnerte an den Tod des Hyakinthos, eine zweite feierte mit Gesang, Tanz und Prozessionen das Leben. Die Gymnopaidia wurde Ende Juli mindestens drei Tage lang auf der Agora gefeiert. Knaben, Jünglinge und ältere Männer traten bei anstrengenden Chorwettbewerben an. Die neuntägige Karneia im August ahmte soldatisches Leben nach und verband Erntebitten, Musik- und Sportwettbewerbe sowie ein Verfolgungsrennen: Wurde der fliehende junge Mann von den „Weinrebenläufern“ gefangen, galt dies als gutes Omen.

Im Heiligtum der Artemis Orthia war die Initiation der Jugend besonders wichtig. Knaben versuchten nach einer Überlieferung, Käse vom Altar zu rauben; spätere Quellen schildern vor allem die jährliche Geißelung der Epheben. Dabei galt es als ehrenvoll, möglichst viele Schläge standhaft zu ertragen. Das Ritual sollte Abhärtung und Fruchtbarkeit fördern. In römischer Zeit wurde gegenüber dem Tempel um 250 n. Chr. ein Theater errichtet, in dem solche Handlungen für Besucher nachgeahmt wurden.

Quellenlage und archäologische Zeugnisse

Das Wissen über Sparta ist unsicher, weil nur wenige Texte von Lakedaimoniern selbst erhalten sind. Tyrtaios und Alkman schrieben im 7. Jahrhundert v. Chr. über Militär und Feste. Genauere historische Berichte beginnen im 5. Jahrhundert v. Chr. mit Herodot. Viele weitere Darstellungen stammen von Autoren anderer Poleis, besonders aus Athen, und idealisieren Sparta oder lehnen es ab. Auch Thukydides prägte das Bild eines verschlossenen, landorientierten Staates. Neuere Forschung verweist dagegen auf Kolonialbeziehungen im Mittelmeerraum, etwa die Gründung von Taras in Süditalien, und warnt vor einem einseitigen Sparta-Bild.

Archäologisch erhalten sind vor allem das Theater aus der frühen römischen Kaiserzeit, Reste der Akropolis, eines Tores, der Stadtmauer und einer Stoa sowie Heiligtümer. Das Heiligtum der Athene Poliachos wurde im 8. Jahrhundert v. Chr. gegründet und Mitte des 6. Jahrhunderts neu gebaut; wegen seiner Bronzeausstattung hieß der Tempel Chalkioikos. Nachgewiesen sind außerdem das Menelaion in Therapne und das Heiligtum der Artemis Orthia am Eurotas.

Das Artemis-Heiligtum besaß drei Bauphasen vom späten 9. bis zur ersten Hälfte des 6. Jahrhunderts v. Chr. Überschwemmungen machten um 600 v. Chr. massive Sandaufschüttungen nötig. Rund 100.000 gefundene Leder- und Bleifiguren sowie Schnitzereien aus Elfenbein und Knochen belegen die breite Beliebtheit des Kultes. Eine durchgehende Stadtmauer erhielt Sparta erst unter dem Tyrannen Nabis; sie wurde von den Achaiern zerstört, auf römischen Befehl wiederhergestellt und noch in der Spätantike erneuert.

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