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Nordamerika
Für die Kordillerenregion ist in weiten Teilen ein Hochgebirgsklima charakteristisch. Sie hat einen entscheidenden Einfluss auf die klimatische …
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Überblick und räumliche Gliederung
Nordamerika ist der nördliche Teil des amerikanischen Doppelkontinents und nach Asien und Afrika der drittgrößte Kontinent der Erde. Einschließlich Grönlands, der zentralamerikanischen Landbrücke und der Karibik umfasst es 24.930.000 km². Im Norden grenzt es an den Arktischen Ozean, im Osten an den Atlantik, im Süden an das Karibische Meer und im Westen an den Pazifik. Die Landenge von Panama verbindet Nord- und Südamerika. Zentralamerika gilt nach herrschender Meinung nicht als eigener Kontinent, sondern als Region Nordamerikas.
Zum Kontinent gehören Kanada, die USA, Mexiko, die Staaten Zentralamerikas, die karibischen Inselstaaten und Grönland, das ein weitgehend autonomer Bestandteil des Königreichs Dänemark ist. Insgesamt werden 23 Staaten genannt. Auf Kanada, die USA und Mexiko entfallen mehr als 85 Prozent der Gesamtfläche. Hinzu kommen abhängige Gebiete, darunter Bermuda, Saint-Pierre und Miquelon, Puerto Rico sowie mehrere britische, französische, niederländische und US-amerikanische Inselgebiete. Panama wird wegen seiner Lage am Isthmus sowohl Nord- als auch Südamerika zugerechnet. Aruba, Bonaire, Curaçao sowie Trinidad und Tobago liegen geografisch in Südamerika, werden aber aus historischen und kulturellen Gründen häufig Nordamerika zugeordnet.
Auch der Begriff Nordamerika wird unterschiedlich verwendet: In Kanada und den USA meint er im Alltag oft nur diese beiden Staaten. Mexiko versteht sich dagegen ebenfalls als nordamerikanisches Land; dies entspricht überwiegend dem Gebrauch in der deutschsprachigen Wissenschaft und im internationalen Vertragswesen. Die englischsprachig geprägten Teile Amerikas werden als Angloamerika bezeichnet, während viele andere amerikanische Staaten unter Lateinamerika oder Iberoamerika zusammengefasst werden.
Naturraum und Geologie
Fast die gesamte Fläche liegt auf der Nordamerikanischen Platte. Teile Niederkaliforniens und der kalifornische Küstenstreifen von San Diego bis nördlich von San Francisco befinden sich dagegen auf der Pazifischen Platte. Ihre Grenze ist der San-Andreas-Graben. Beide Platten bewegen sich nach Norden, die Pazifische Platte jedoch schneller. Weil sie nicht gleichmäßig aneinander vorbeigleiten, verhaken sie sich stellenweise; dadurch entstehen Erdbeben. Der Süden der mittelamerikanischen Landbrücke liegt auf der Karibischen Platte. An deren Subduktionszone, also dem Bereich, in dem eine Erdplatte unter eine andere abtaucht, liegen die Kleinen Antillen.
Im Westen verlaufen die Alaskakette, die Rocky Mountains, die westlichen Kordilleren und die Sierra Madre Occidental. Sie entstanden hauptsächlich vor etwa 80 Millionen Jahren durch den Druck der Pazifischen auf die Nordamerikanische Platte. Der Denali, auch Mount McKinley genannt, ist mit 6190 m der höchste Gipfel Nordamerikas. Im Osten liegen die ungefähr 400 Millionen Jahre alten Appalachen. Zwischen ihnen und den Rocky Mountains erstrecken sich die Great Plains, eine zentrale Tiefebene, durch die Missouri und Mississippi fließen. Das Mississippital wird wegen der dort auftretenden Wirbelstürme auch Tornado Alley genannt.
Grönland ist großflächig von Inlandeis bedeckt. Die Großen Seen zwischen Kanada und den USA sind Hinterlassenschaften der letzten Eiszeit. Zu ihnen gehört der etwa 82.000 km² große Obere See, nach dem Kaspischen Meer der zweitgrößte See der Welt. Seit 1931 gilt Rugby in North Dakota als geografischer Mittelpunkt Nordamerikas; dort wurde ein 4,5 m hoher Steinobelisk aufgestellt.
Geologisch waren Nord- und Südamerika ursprünglich getrennt und wurden erst relativ spät durch die mittelamerikanische Landbrücke verbunden. Nordamerika war Teil des Urkontinents Laurasia, Südamerika gehörte zusammen mit Afrika und Indien zu Gondwana. Durch die Kontinentaldrift öffnete sich der Atlantik und trennte Nordamerika von Europa sowie Südamerika von Afrika. Unter rein geologischen Gesichtspunkten werden auch ein Teil Islands und Ostsibirien bis zum Tscherskigebirge Nordamerika zugerechnet.
Klima und Niederschläge
Wegen der großen Nord-Süd-Ausdehnung besitzt Nordamerika stark gegensätzliche Klimazonen. Auf den nordkanadischen Inseln und an der Hudson Bay herrscht polares Tundrenklima; südlich und westlich folgt die boreale Zone. Die Hudson Bay, auch „America’s icebox“ genannt, und der kalte Labradorstrom lassen das polare Klima an der Ostküste besonders weit nach Süden reichen. Weiter südlich folgen gemäßigte Klimate mit kontinentalen Steppen und Prärien sowie feuchten kontinentalen Gebieten im Nordosten. Im Südwesten liegen Wüstenklimate, im Südosten feuchte subtropische Klimate.
Die Kordilleren besitzen überwiegend Hochgebirgsklima und wirken als Niederschlagsbarriere. Auf der westlichen Luv-Seite, also der dem Wind zugewandten Seite, herrscht im Südwesten Kanadas und Nordwesten der USA ein ozeanisches Klima mit intensiven Winterregen und trockenen, kühlen Sommern. In Kalifornien und Südkalifornien reicht das Klima von mediterran bis wüstenhaft. Auf der Lee-Seite, der windabgewandten Seite, gelangt weniger Feuchtigkeit an; deshalb ist das Klima dort arid, also trocken, und in den südwestlichen USA teilweise trocken-heiß.
Im Inneren steigt die Durchschnittstemperatur im Allgemeinen von Norden nach Süden. Hudson Bay, Große Seen und Gebirge verursachen Abweichungen. Das kontinentale Klima führt besonders in Nordkanada zu großen Unterschieden zwischen Sommer- und Wintertemperaturen von bis zu 45 K. An der Pazifikküste verringert der maritime Einfluss diese Jahresamplitude, also die Differenz im Jahresverlauf: Sie beträgt in Vancouver 14,2 K und in San Francisco 7,6 K. Die Ostküste ist trotz Atlantiknähe überwiegend kontinental geprägt. Ursachen sind der kalte Labradorstrom, der bis 35° nördlicher Breite niedrige Wintertemperaturen fördert, und die Lage in der Westwindzone.
An der Pazifikküste fallen besonders an der Luv-Seite der Kordilleren British Columbias hohe Niederschläge. Nach Süden nehmen sie stark ab und erreichen im semiariden, also halbtrockenen, Südkalifornien ein relatives Minimum. Außerhalb der Kordilleren ist der Westen meist niederschlagsarm; das Spektrum reicht von Wüstengebieten bis zu Steppen und zur borealen Zone Kanadas mit höchstens 500 mm Jahresniederschlag. Im Osten sind die Jahressummen höher und nehmen nach Süden zu. An der Küste des Golfs von Mexiko sind mehr als 1000 mm üblich. Im Gebiet der Großen Seen entsteht durch deren Größe ein maritimer Einfluss, der sogenannte lake effect.
Windsysteme und Klimaextreme
Nordamerika liegt in der Westwindzone, deren Hauptachse ungefähr dem 48. Breitengrad folgt. Die Kordilleren lenken Luftmassen zum Aleuten-Tief im Norden und zum pazifischen Hoch im Süden. Im Osten wirken Island-Tief und Azoren-Hoch. Weil keine durchgehende Gebirgsbarriere in West-Ost-Richtung existiert, können sich Luftmassen ungehindert in Nord-Süd-Richtung austauschen. Treffen feuchte, tropisch-warme und polar-kalte Luftmassen aufeinander, entstehen Zyklonen, also großräumige Tiefdruckwirbel, die meist von Westen nach Osten ziehen. Dieser Luftmassenaustausch ist eine Hauptursache der zahlreichen klimatischen Gefahren.
Die Extremereignisse treten jahreszeitlich gehäuft auf: Im Frühjahr kommen in den zentralen USA Tornados und Fernwirkungen von El-Niño-Ereignissen vor. Im Sommer treten Schwüle, Hitzewellen, Trockenheit und Starkregen auf, im Spätsommer und Herbst Hurrikans. Für den Winter sind Blizzards, starke Schneefälle und Frosteinbrüche typisch. Betroffen sind vor allem die USA; Hurrikans gefährden außerdem die gesamte Karibik und Zentralamerika, während der Süden Kanadas nur ausnahmsweise betroffen ist.
Zwischen 1975 und 1998 verursachten klimatische Gefahren in den USA durchschnittlich 10,47 Milliarden US-Dollar Schaden pro Jahr und forderten insgesamt etwa 8200 Menschenleben. Einzelereignisse können diese Mittelwerte weit übersteigen: Der Tri-State-Tornado vom 18. März 1925 tötete 695 Menschen, die Johnstown Flash Flood im Mai 1889 etwa 2200 und Hurrikan Katrina 1833; Katrina verursachte zudem Schäden von über 100 Milliarden US-Dollar. Schadens- und Opferzahlen sind jedoch unsicher, besonders bei großräumigen Dürren, Überschwemmungen, Hurrikans, Kältewellen und Hitzewellen. Insgesamt gelten Überflutungen als finanziell schadensträchtigste Folge, gefolgt von Hurrikans und Tornados. Von 1975 bis 1998 waren Blitzschläge überraschenderweise das zweitgefährlichste Wetterereignis für Leib und Leben.
Bevölkerung und indigene Völker
Nordamerika hat rund 605 Millionen Einwohner; die angegebene Bevölkerungsdichte beträgt 21 Einwohner je km². Mit einem Stadtbevölkerungsanteil von 81 Prozent im Jahr 2014 war es der am stärksten urbanisierte Erdteil. Bedeutende Metropolen sind Mexiko-Stadt, New York City, Los Angeles, Chicago und Toronto. Die Bevölkerung der Karibik sowie Zentral- und Nordamerikas stieg von 216 Millionen im Jahr 1950 auf 262 Millionen 1960, 313 Millionen 1970, 366 Millionen 1980, 418 Millionen 1990, 483 Millionen 2000, 540 Millionen 2010 und 593 Millionen 2020.
Schon vor der europäischen Eroberung lebten zahlreiche indigene Ethnien in Nordamerika. Ihre Vorfahren waren nach dem Ende der letzten Eiszeit in mehreren Wellen aus Asien eingewandert. Die Nachkommen der letzten Einwanderungswelle, die sich im hohen Norden niederließen, werden im Artikel als Eskimos und Aleuten bezeichnet; für andere Gruppen ist weiterhin der Sammelbegriff Indianer verbreitet. In Kanada wird für die indigenen Völker des Landes auch die Bezeichnung First Nations verwendet.
Vom frühen 16. bis zum späten 19. Jahrhundert ließen Kriege und Assimilationsmaßnahmen, teilweise verbunden mit Geno- und Ethnoziden, ihre Bevölkerungszahlen drastisch sinken. Seit Beginn des 20. Jahrhunderts nahmen sie fast überall wieder zu. In dicht besiedelten Regionen ist ihr Anteil heute meist gering, ausgenommen einige Gebiete Mexikos und Mittelamerikas. Hohe Anteile bis hin zu Bevölkerungsmehrheiten bestehen vor allem in Reservaten und sehr dünn besiedelten Wildnisgebieten.
Geschichte und Wirtschaft
Bei der Ankunft der Europäer waren viele indigene Völker sesshaft und betrieben Ackerbau und Viehzucht; andere lebten als Jäger und Sammler. Durch eingeschleppte Krankheiten, gegen die ihnen die Widerstandsfähigkeit fehlte, und durch Massaker sank die indigene Bevölkerung um etwa 90 Prozent. Viele Gruppen gründeten als Reaktion auf die europäische Besiedlung neue Stämme und Bündnisse.
Als erste Europäer erreichten nach heutigem Wissen die Grænlendingar um das Jahr 1000 Neufundland, das sie Vinland nannten. Von ihren Siedlungen blieben nur wenige Spuren, etwa in L’Anse aux Meadows. Nach der Fahrt von Christoph Kolumbus 1492 setzten sich zunächst die Spanier im südlichen Nordamerika fest. Sie kontrollierten bald die großen karibischen Inseln, besiegten die Azteken und beherrschten Zentralamerika und Mexiko. Giovanni Caboto, auch John Cabot, erreichte 1497 im englischen Auftrag das spätere Kanada. Später wurde der Kontinent hauptsächlich zwischen Spanien, Frankreich und England aufgeteilt; die Niederlande und Schweden besaßen kleinere Gebiete. Zu den ersten englischen Siedlungen gehörten Jamestown und Plymouth Rock, zu den ersten französischen Port Royal und Québec.
Die heutige Wirtschaft umfasst über eine halbe Milliarde Menschen in 23 Staaten und ist durch große Unterschiede geprägt. Kanada und die USA gehören zu den wohlhabendsten Staaten der Welt, während viele Länder Zentralamerikas und der Karibik arm sind. Mexiko, die Bahamas und Costa Rica liegen dazwischen. Mexiko ist trotz seiner Mitgliedschaft in NAFTA und OECD deutlich ärmer als Kanada und die USA.
Wichtige Handelsverbünde sind die Asia-Pacific Economic Cooperation mit 21 Mitgliedstaaten, darunter Kanada, Mexiko und die USA, die Karibische Gemeinschaft CARICOM mit 15 karibischen Staaten sowie CAFTA beziehungsweise DR-CAFTA. Letzteres verbindet Costa Rica, die Dominikanische Republik, El Salvador, Guatemala, Honduras und Nicaragua mit den USA. NAFTA bildet eine Freihandelszone zwischen Kanada, den USA und Mexiko.
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