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Der atlantische Sklavenhandel | EINFACH ERKLÄRT

StudioEinfach - Wissen, das Klick macht! 7:07 776 Aufrufe veröffentlicht Auf YouTube

Das Wichtigste aus dem Video

Tipp auf eine Zeit – das Video springt genau dorthin.

Transkriptautomatisch erstellt · 48 Zeilen
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  1. Hallo und willkommen. Wir schauen uns heute eines der dunkelsten Kapitel der Menschheitsgeschichte an. Das ist wirklich ein schweres Thema, keine
  2. Frage, aber es ist unglaublich wichtig, es zu verstehen. Lasst uns direkt loslegen. Und das ist jetzt keine ausgedachte Horrorgeschichte. Für
  3. Millionen von Menschen war genau das der Alltag. Eine Realität so brutal, dass wir sie uns heute kaum noch vorstellen können. Okay, um das Ganze mal irgendwie
  4. greifbar zu machen, fangen wir am besten mit den reinen Zahlen an. Und ich sag's gleich vorweg, die sind einfach nur erschütternd. Zwischen den Jahren und
  5. 1880, also über einen Zeitraum von fast 400 Jahren, wurden schätzungsweise, haltet euch fest, 10 bis 12 Millionen Menschen aus Afrika gewaltsam
  6. verschleppt, einfach aus ihrer Heimat gerissen und über den Atlantik gebracht. Und jetzt kommt eine der vielleicht schlimmsten Zahlen von allen. Von diesen
  7. Millionen Menschen sind ungefähr 15%, also weit über eine Million Männer, Frauen und Kinder, schon allein auf der Überfahrt gestorben, auf diesen
  8. grausamen monatelangen Reisen über den Ozean. Das muss man sich mal bildlich vorstellen. Die Menschen wurden da reingepfercht wie eine beliebige Fracht,
  9. aneinander gekettet, im eigenen Dreck liegend. Jeder hatte im Schnitt so viel Platz wie in einem Sarg. Weniger als einen halben Quadratmeter.
  10. Unvorstellbar. So, und diese Grafik hier, die ist super interessant, denn sie räumt mit einer ziemlich verbreiteten Vorstellung auf.
  11. Wenn wir an Sklaverei denken, denken viele sofort an die USA, oder? Aber schaut mal, die absolute Mehrheit, fast 90% wurde in die Karibik und nach
  12. Brasilien verschleppt, dorthin, wo die brutale Arbeit auf den Zuckerplantagen wartete. Nur ein ganz kleiner Teil landete direkt in den heutigen
  13. Vereinigten Staaten. Und das führt uns direkt zum nächsten ganz wichtigen Punkt. Das war alles keine willkürliche, sinnlose Grausamkeit. Dahinter steckte
  14. ein System, ein knallhartes globales Geschäft. Tja, und was war der Motor für dieses Geschäft? Letztendlich war es die Nachfrage bei uns in Europa. Eine neue
  15. Konsumkultur. Es ging um Produkte wie Zucker, Kaffee, Tabak, also im Grunde Luxusgüter. Dinge, die niemand wirklich zum Überleben brauchte, aber die immer
  16. mehr Leute für ihren Genuss haben wollten. Aber wie hat dieser Handel genau funktioniert? Das ist wichtig zu verstehen. Es war nicht so, dass
  17. Europäer einfach ins Landesinnere von Afrika marschiert sind und wahllos Menschen gefangen haben. Nein, es war ein Tauschgeschäft. Afrikanische Händler
  18. und Herrscher haben andere Afrikaner gefangen genommen und sie dann an die Europäer verkauft. Im Tausch bekamen sie dafür Waren, Werkzeuge, Stoffe und vor
  19. allem Waffen. Für diese Verkäufer waren die versklavten Menschen eine Art privater Besitz, eine Form von Reichtum. Das Ganze war also ein komplexes System,
  20. an dem viele verschiedene Gruppen beteiligt waren. Und was passierte mit den Menschen, die die Überfrat überlebten? Ihr Leben war, um es ganz
  21. klar zu sagen, die Hölle auf Erden, besonders auf den Zuckerplantagen. Stellt euch vor, ihr tragt 40 kg schwere Körbe mit Mist zum Düngen und dann zur
  22. Erntezeit arbeitet ihr 48 Stunden am Stück ohne Schlaf in dieser brutalen, feuchten Hitze. Und überall lauert die Gefahr. Ein falscher Griff in die
  23. Zuckerpresse und dein Arm war weg. Der wurde dann oft direkt vor Ort mit einem Beil amputiert, das genau für solche Fälle bereit lag. Einfach nur grausam.
  24. Kein Wunder also, dass die durchschnittliche Lebenserwartung für einen Sklaven auf einer brasilianischen Zuckerplantage im späten 18. Jahrhundert
  25. gerade mal 23 Jahre betrug. 23. Im Grunde war es ein Todesurteil. So, jetzt denkst du vielleicht, Moment mal, Sklaverei gab's das nicht schon immer
  26. und überall in der Geschichte? Und ja, das stinkt. Aber und das ist der entscheidende Punkt, die atlantische Sklaverei war anders. Sie war auf eine
  27. ganz neue und besonders perfide Art und Weise unmenschlich. Und hier ist der Kern des Ganzen. Ein versklavter Mensch galt rechtlich nicht mehr als Mensch. Er
  28. war eine Ware, ein Gegenstand. Der Fachbegriff dafür lautet Chettle Slavery. Chattle ist ein altes Wort für Besitz oder Ware. Das bedeutete, eine
  29. Person wurde zum persönlichen Eigentum einer anderen. Du konntest sie kaufen, verkaufen, Brandmarken, wie du wolltest. Sie hatten keinerlei Rechte. Und das
  30. Schlimmste, dieser Status als Ware wurde automatisch an ihre Kinder vererbt. Wie tief diese Entmenschlichung ging, sieht man sogar in der Sprache. Das englische
  31. Wort Chettel, also Besitz, hat exakt dieselbe lateinische Wurzel wie Kettle, also Vieh. Menschen wurden also nicht nur rechtlich, sondern sogar sprachlich
  32. auf die Stufe von Nutztieren gestellt. Das muss man sich mal klar machen. Der Soziologe Orlando Petterson hat dafür einen Begriff geprägt, der soziale Tod.
  33. Das bedeutet, ein Mensch wurde nicht nur körperlich versklavt, sondern man hat ihm alles genommen, was ihn ausmacht. Seine Familie, seine Kultur, seine
  34. Heimat, sogar seinen Namen. Er wurde zu einem Niemand komplett entwurzelt und der totalen Willkür seines Herrn ausgeliefert. Jetzt fragt man sich
  35. natürlich, wie konnte es soweit kommen? Wie kann eine so schreckliche Idee, dass man einen Menschen wie eine Sache behandeln darf, überhaupt entstehen?
  36. Na ja, die Wahrheit ist, so etwas entsteht nicht von heute auf morgen. Die Wurzeln dafür reichen Jahrtausende zurück. Das war quasi ein tragischer
  37. Dominoeffekt über die Jahrhunderte. Fangen wir mal im antiken Griechenland an. Da hatte schon Aristoteles die Idee vom natürlichen Sklaven, also dass
  38. manche Menschen von Natur aus zur Sklaverei bestimmt sein. Die Römer haben das dann perfektioniert und das System der riesigen Plantagen mit
  39. Massensklaverei erfunden. Später wurde dann sogar die Bibel falsch ausgelegt, um mit dem Fluch Hamms eine erbliche Sklaverei zu rechtfertigen. In der
  40. arabischen Welt wurde dann zum ersten Mal eine direkte Verbindung zwischen Sklaverei und der dunklen Hautfarbe von Menschen aus Subsahara Afrika
  41. hergestellt. Tja, und all diese Puzzleteilen, diese schrecklichen Ideen haben dann die Portugiesen und Schwalier genommen und daraus das System gebaut,
  42. dass wir heute als atlantischen Sklavenhandel kennen. Und das ist das Fazit, dass man daraus ziehen muss. Das war keine Erfindung von nur einer
  43. einzigen Gruppe oder Nation. Es war der furchtbare Höhepunkt einer Idee, die über Jahrtausende gewachsen ist. Die Idee, dass man Menschen ihre
  44. Menschlichkeit absprechen kann, umgesetzt in einem globalen System, von dem unglaublich viele Menschen auf der ganzen Welt profitiert haben. Eine
  45. Tragödie, an der quasi die ganze Welt beteiligt war. Der atlantische Sklavenhandel, der ist zum Glück Geschichte, aber die grundlegende Idee
  46. dahinter, die Idee, dass manche Menschen weniger wert sind als andere, die ist es leider nicht. Und das ist vielleicht das Wichtigste, was wir aus dieser ganzen
  47. Geschichte mitnehmen müssen. Deshalb zum Schluss eine Frage an dich. Wo siehst du heute noch die Folgen dieser schrecklichen Idee? Wo begegnet sie uns
  48. im Alltag?