Wikipedia · einfach zusammengefasst · Stand
Sinti und Roma
Sinti und Roma ist in Deutschland der Oberbegriff für die beiden Volksgruppen Sinti und Roma, die historisch als „Zigeuner“ bezeichnet wurden.
Inhalt6 Abschnitte
Grundbegriff und Gruppen
„Sinti und Roma“ ist in Deutschland der Oberbegriff für zwei Volksgruppen, die früher diskriminierend als „Zigeuner“ bezeichnet wurden. Der Begriff ist wichtig, weil er eine abwertende Fremdbezeichnung ersetzt und die Eigenbezeichnungen der Gruppen stärker berücksichtigt.
Sinti sind eine eigenständige Gruppe, die seit Jahrhunderten vor allem in Deutschland, Österreich und anderen deutschsprachigen Regionen lebt. Roma sind eine vielfältige Gruppe mit zahlreichen Untergruppen, die vor allem in Ost- und Südosteuropa beheimatet sind. Beide Gruppen haben eigene kulturelle und religiöse Traditionen.
Entwicklung der Bezeichnung
Die Bürgerrechtsbewegung der Roma in Europa entstand in den 1970er Jahren. Ihr Ziel war es, Diskriminierung zu bekämpfen und abwertende Fremdbezeichnungen wie „Gypsy“ oder „Zigeuner“ abzuschaffen.
1978 wurde bei einem Treffen in Genf beschlossen, solche Fremdbezeichnungen durch die Eigenbezeichnung „Roma“ zu ersetzen. „Roma“ stammt aus der Romani-Sprache. Zunächst wurde „Roma“ auch als Bezeichnung für die Minderheit in Deutschland übernommen.
Seit den frühen 1980er Jahren hat sich in der Bundesrepublik Deutschland der politische Begriff „Sinti und Roma“ etabliert. Der Zentralrat Deutscher Sinti und Roma verwendet die Bezeichnung „deutsche Sinti und Roma“. In Österreich stehen dagegen oft die Roma an erster Stelle. Die Reihenfolge hängt mit der jeweiligen Größe und dem Einfluss der Teilgruppen innerhalb der Minderheit zusammen. Die Eigenbezeichnungen „Roma“ und „Sinti“ sind seit Anfang beziehungsweise Ende des 18. Jahrhunderts nachweisbar. Auch in Italien ist in wissenschaftlichen Zusammenhängen „Sinti e Rom“ gebräuchlich.
Verwendung und Kritik
In Medien und Politik wird „Sinti und Roma“ häufig als allgemeiner Oberbegriff verwendet, auch wenn Sinti bei einem konkreten Thema keine Rolle spielen. Als Beispiele nennt der Artikel Formulierungen wie „Sinti und Roma zieht es ins Revier“ oder „Sinti und Roma in Albanien“.
Einige Sinti lehnen diese allgemeine Verwendung ab. Inzwischen ist auch die Selbstbezeichnung „Sinti:zze und Rom:nja“ als Ersatz für „Sinti und Roma“ verbreitet.
Historische Erfahrungen
Im deutschsprachigen Raum gibt es seit etwa 600 Jahren Sinti und Manusch. Roma wanderten im 19. Jahrhundert aus Osteuropa in das Deutsche Reich ein.
Sinti und Roma haben unterschiedliche historische, kulturelle und soziale Hintergründe. Eine zentrale gemeinsame Erfahrung ist jedoch die Verfolgung, besonders während des Nationalsozialismus. In dieser Zeit wurden beide Gruppen Opfer des Völkermords an den Sinti und Roma.
Migration und Aufenthaltsfragen
Anfang der 1990er Jahre unterstützte der Zentralrat Deutscher Sinti und Roma staatliche Bemühungen, die Lebensbedingungen in den ehemals jugoslawischen Herkunftsländern für Roma-Migranten so zu verbessern, dass eine Rückkehr möglich wurde.
In den 2000er Jahren sprach sich der Vorsitzende des Zentralrats dagegen aus, Minderheitenangehörige in den Kosovo abzuschieben, solange der Kosovo für Rückkehrer unsicher sei. Das Rückführungsabkommen solle ausgesetzt werden. Kosovo-Roma, die bereits lange in Deutschland lebten, sollten einen dauerhafteren Aufenthalt erhalten.
Erinnerungsorte
In München gibt es seit 2002 im Stadtbezirk Schwanthalerhöhe einen Sinti-Roma-Platz.
Im Echelmeyerpark in Saarbrücken wurde 2024 der Gedenkort „Nachhall“ eingeweiht. Er wurde von der Saarbrücker Bildhauerin und Klangkünstlerin Frauke Eckhardt geschaffen und erinnert an die Opfer der Verfolgung von Sinti und Roma in der Zeit des Nationalsozialismus.