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Roma
In Berlin wurde 2012 das von Dani Karavan entworfene Denkmal für die im Nationalsozialismus ermordeten Sinti und Roma Europas eingeweiht. Österreich.
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Begriff und Bedeutung
Roma ist ein Oberbegriff für Bevölkerungsgruppen, denen die Sprache Romanes gemeinsam ist. Sie stammen mutmaßlich vom indischen Subkontinent und leben seit mindestens 700 Jahren in Europa. In ihren jeweiligen Heimatländern gehören sie meist zu Minderheiten; zusammen bilden sie die größte ethnische Minderheit Europas.
Die frühere deutschsprachige Bezeichnung „Zigeuner“ gilt heute als diskriminierend. „Roma“ ist eine Eigenbezeichnung aus dem Romanes. Die Formen lauten: „Rom“ für einen Mann, „Roma“ für mehrere Männer oder gemischte Gruppen, „Romni“ für eine Frau und „Romnja“ für mehrere Frauen. Seit dem ersten Weltromakongress 1971 wird „Roma“ international als Oberbegriff empfohlen. Im deutschsprachigen Raum wird auch das Wortpaar „Sinti und Roma“ verwendet, besonders für Gruppen in Deutschland, Österreich, den Niederlanden, Frankreich, Norditalien und Südosteuropa.
Sprache, Herkunft und Gruppen
Romanes oder Romani ist eine vor allem mündlich überlieferte Sprache. Die Linguistik ordnet sie den neuindischen Sprachen innerhalb der indoarischen Sprachengruppe zu. Romanes ist keine Amtssprache, wird aber nach vorsichtiger Schätzung von weit mehr als 3,5 Millionen Menschen gesprochen. Durch Kontakt mit anderen Sprachen entstanden etwa 60 Dialekte und Para-Romani-Sprachen. Regionale Sinti-Dialekte werden auch Sintitikes genannt.
Sprachwissenschaftliche Untersuchungen seit dem 18. Jahrhundert und genetische Studien von 2012 weisen auf Nordindien beziehungsweise Zentralindien als Herkunftsregion der Vorfahren europäischer Roma hin. Herkunft, Zeitpunkt und Gründe der Abwanderung sind jedoch umstritten. Die frühe Geschichte bleibt lückenhaft, weil gesicherte Belege fehlen. Vermutlich leben Roma spätestens seit dem 14. Jahrhundert in Südosteuropa, nachdem sie Kleinasien durchquerten.
Es gibt viele Roma-Kulturen und Untergruppen. Selbstbeschreibungen können sich auf frühere Berufe beziehen, etwa Kalderasch als Kupferschmiede oder Lovara als Pferdehändler, auf Religion wie Xoraxane für muslimische Roma, auf Sprache oder auf geografische Herkunft. Gitanos ist die spanische Bezeichnung für iberische, besonders südspanische Roma; ihre Vorfahren sind seit 1425 im Gebiet des heutigen Spanien dokumentiert.
Verfolgung und Diskriminierung
Die Geschichte der Roma in Europa ist stark von Antiziganismus geprägt. Antiziganismus bezeichnet Feindschaft, Ausgrenzung und Vorurteile gegen Roma und verwandte Gruppen. Roma waren über Jahrhunderte Diskriminierung, Versklavung und Verfolgung ausgesetzt.
In den Donaufürstentümern Moldau und Walachei wurden Roma bis Mitte des 19. Jahrhunderts als Sklaven gehalten, verkauft oder getauscht. Durch Gesetze wurden 1855/56 etwa 250.000 Roma in die Freiheit entlassen, allerdings meist ohne Besitz. Ihre früheren Besitzer erhielten Entschädigungen von 4 bis 10 Goldstücken; für Neugeborene und Kranke wurde keine Entschädigung gezahlt.
Während des Nationalsozialismus wurde eine unbekannte Zahl von Roma Opfer des Völkermords an den Sinti und Roma. Auch in jüngerer Zeit kam es in Südosteuropa zu Gewalt und Vertreibungen, etwa im Kosovo-Krieg gegen Roma, Aschkali und Balkan-Ägypter. In mehreren europäischen Ländern wird bis heute über Ausschluss und Abschiebung von Roma diskutiert, meist bezogen auf Roma aus Osteuropa. In ihren Herkunftsländern sind viele osteuropäische Roma weiterhin von Benachteiligung, Armut und antiziganistischen Haltungen betroffen.
Bevölkerung und Lebensformen
In keinem Land der Welt stellen Roma die Bevölkerungsmehrheit. Die größten Gemeinschaften leben in Europa, besonders in Südosteuropa, Ostmitteleuropa, Südwesteuropa und Russland. Außerhalb Europas leben Roma vor allem in den USA, Brasilien und der Türkei. Schätzungen zur weltweiten Roma-Bevölkerung reichen von zwei bis zwölf Millionen; zuverlässige Zahlen sind schwierig, weil ethnische Zugehörigkeit oft nicht erfasst wird und viele Roma assimiliert sind.
Laut Statista-Schätzungen für 2025 leben besonders viele Roma in Rumänien mit 1.950.000, Bulgarien mit 750.000, Spanien mit 700.000, Ungarn mit 600.000, der Slowakei und Serbien mit je 500.000. Für Deutschland werden 120.000 genannt, für Österreich 37.500. In Nachfolgestaaten der Sowjetunion werden über 400.000 Roma in der Ukraine, etwa 250.000 in Russland, etwa 7.000 in Belarus und etwa 25.000 in Moldau geschätzt.
Migration ist kein besonderes Merkmal der Roma, sondern kommt in der Geschichte vieler Bevölkerungsgruppen vor. Die meisten Roma in Europa leben seit vielen Generationen sesshaft, besonders in Osteuropa und Spanien. Bereits 1893 zeigten Zählungen in Ungarn und der Slowakei nur 3,3 % Menschen ohne festen Wohnsitz. Heute wird geschätzt, dass höchstens fünf Prozent der Roma weltweit saisonal oder dauerhaft migrieren. Seit den 1960er Jahren kamen viele Roma aus Süd- und Südosteuropa als Arbeitsmigranten nach West-, Mittel- und Nordeuropa; nach den Umbrüchen der 1990er Jahre flohen viele wegen Arbeitslosigkeit, Armut und Krieg.
Gesellschaft, Religion und Politik
Traditionell beruhte der Zusammenhalt vieler Roma-Gemeinschaften auf großfamiliären verwandtschaftlichen Beziehungen. Ob diese Strukturen heute noch in ähnlicher Form bestehen, ist unklar. Einige ältere Beschreibungen nennen die kumpania als wirtschaftlichen, sozialen und politischen Zusammenschluss, doch ihre heutige Bedeutung wird unterschiedlich bewertet und eher einzelnen Gruppen wie den Kalderasch zugeschrieben.
Viele Roma in Europa sind sozial stark benachteiligt. In Ländern wie Bulgarien oder Serbien gehören sie zu den am stärksten marginalisierten Bevölkerungsgruppen. Häufige Probleme sind Armut, niedriges Ausbildungs- und Erwerbsniveau und soziale Stigmatisierung. Roma-Frauen sind nach dem Artikel besonders betroffen, weil soziale Perspektivlosigkeit und patriarchale Familienstrukturen zusammenwirken können.
Die Religionszugehörigkeit der Roma entspricht oft der Mehrheitsreligion ihrer Umgebung: Im europäischen Südosten sind viele muslimisch oder orthodox, in Mitteleuropa katholisch oder protestantisch. Xoraxane-Roma in der Türkei, Albanien und ehemals osmanischen Teilen des Balkans sind Muslime. Manche traditionalistische Roma unterscheiden rituelle Reinheit und Unreinheit; bei muslimischen Roma kann die Beschneidung für die rituelle Reinheit eine wichtige Rolle spielen.
Seit 1967 entstanden internationale politische Organisationen. 1971 wurden beim ersten Weltromakongress in London der Begriff Roma, die Flagge, die Hymne „Gelem, Gelem“ und der Internationale Tag der Roma am 8. April eingeführt. 1978 entstand die International Romani Union; daneben gibt es den Roma National Congress. In Europa vertritt seit 2005 das European Roma and Travellers Forum Roma und auch andere Gruppen in ähnlichen sozialen Problemlagen.
Deutschland und Österreich
In Deutschland entstand nach der Erschießung des Sinto Anton Lehmann durch einen Polizisten 1972 der Verband deutscher Sinti. 1982 schlossen sich Landes- und Ortsverbände zum Zentralrat deutscher Sinti und Roma mit Sitz in Heidelberg zusammen. Er ist die älteste politische Interessenvertretung der Sinti und Roma deutscher Staatsbürgerschaft. Weitere Organisationen vertreten unter anderem migrierte Roma und setzen sich für Bleibe- und Asylrechte ein.
Seit Ende der 1990er Jahre sind in Deutschland vier nationale Minderheiten anerkannt: Dänen, Friesen, Sorben sowie die deutschen Sinti und Roma. Der Schutz gilt nur für Sinti und Roma deutscher Staatsangehörigkeit und nach Abstammungsprinzip für „Alteingesessene“. Roma deutscher Staatsangehörigkeit mit Herkunft aus Südosteuropa oder Spanien sind davon ausgeschlossen. In der Erinnerungskultur spielt der NS-Völkermord an Sinti und Roma zunehmend eine Rolle. 2012 wurde in Berlin das Denkmal für die im Nationalsozialismus ermordeten Sinti und Roma Europas eingeweiht.
In Österreich sind Roma seit 1993 als nationale Minderheit im Sinne des Volksgruppengesetzes anerkannt. Die lokale Sprachvarietät Roman ist anerkannte Minderheitensprache. Der Schutz betrifft vor allem Burgenland-Roma, Sinti und Lovara, die schon lange vor Gründung der Republik auf dem Gebiet des heutigen Österreichs lebten. Die Zahl aller Roma in Österreich wird auf etwa 40.000 geschätzt, bei einer Spannweite von 25.000 bis 50.000. 1995 ermordete der Rechtsextremist Franz Fuchs in Oberwart vier Roma. 2011 wurden Roman, die Sprache der Burgenland-Roma, und die Lieder der Lovara in das österreichische Verzeichnis des nationalen immateriellen Kulturerbes aufgenommen.
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