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Sequenz (Musik)

Sequenz (lat. sequentia, „Folge“) bezeichnet in der musikalischen Satzlehre eine zeitliche Folge von gleichartigen musikalischen Abschnitten auf …

Inhalt5 Abschnitte
  1. 1. Grundbegriff und Aufbau
  2. 2. Arten von Sequenzen
  3. 3. Beispiele für tonale und reale Sequenzierung
  4. 4. Quintfall- und Quintanstiegssequenzen
  5. 5. Musikalische Verwendung

Grundbegriff und Aufbau

Eine Sequenz ist in der musikalischen Satzlehre eine zeitliche Folge gleichartiger musikalischer Abschnitte auf verschiedenen Tonstufen. Sie besteht aus mehreren Sequenzgliedern. Am Anfang steht das melodische und/oder harmonische Sequenzmodell, also ein Motiv oder eine Figur. Dieses Modell wird anschließend auf anderen Tonstufen wörtlich oder leicht verändert wiederholt. Dieser Vorgang heißt Sequenzierung; auch die auf das Modell folgenden Glieder werden als Sequenzierungen bezeichnet.

Eine n-gliedrige Sequenz besteht aus dem Modell und n – 1 Sequenzierungen. Im engeren Sinne spricht man erst von einer Sequenz, wenn das Modell mindestens zweimal sequenziert wird. Entstehen durch nur eine Sequenzierung insgesamt zwei Glieder, heißt dies Halbsequenz oder Versetzung. Die häufige Wiederholung kurzer Motive oder Figuren wird Kettensequenz beziehungsweise Sequenzkette genannt.

Sequenzen machen musikalische Abläufe verständlich und vorhersehbar. Werden längere Abschnitte mehr als dreimal sequenziert, kann die Wirkung jedoch monoton erscheinen. Entscheidend ist deshalb ein angemessenes Verhältnis zwischen erkennbarer Wiederholung und musikalischer Abwechslung.

Arten von Sequenzen

Sequenzen lassen sich nach mehreren Merkmalen unterscheiden:

• Nach dem Modell gibt es melodische Sequenzen, die motivisch oder figurativ sein können, und harmonische Sequenzen. Häufig treten beide Arten gemeinsam auf.

• Nach der Bewegungsrichtung unterscheidet man steigende und fallende Sequenzen.

• Nach dem Versetzungsprinzip gibt es diatonische, chromatische und akkordische Sequenzen. Diatonische Sequenzen schreiten in den natürlichen Stufen der jeweiligen Tonart fort. Chromatische Sequenzen bewegen sich in Halbtonschritten. Akkordische Sequenzen versetzen das Modell innerhalb einer Harmonie.

• Nach dem Versetzungsintervall spricht man vor allem von Sekund- und Terzsequenzen, seltener von Quart- und Quintsequenzen.

• Nach dem Verhältnis zur Tonart unterscheidet man tonale und reale Sequenzen. Bei einer tonalen Sequenz bleibt die Musik innerhalb der Tonart. Deshalb können sich die genauen Intervallgrößen verändern, etwa kleine und große Sekunden oder kleine und große Terzen. Bei einer realen Sequenz wird die musikalische Gestalt dagegen mit allen Intervallen identisch versetzt; dadurch ändert sich die Tonart, die Sequenz moduliert also.

Beispiele für tonale und reale Sequenzierung

In Johann Sebastian Bachs Fuge G-Dur BWV 860, Takt 17–19, erscheint im Zwischenspiel eine tonale Sequenz. In allen drei Stimmen führt sie in Sekundschritten abwärts, wobei jeder Takt ein Sequenzglied bildet. Die eingekreisten Töne der Bassstimme ergeben zugleich eine Quintfallsequenz.

Ein Beispiel für eine reale Sequenz steht in Frédéric Chopins Nocturne op. 37,2, Takt 129 ff. Ein musikalischer Abschnitt wird dreimal intervallgetreu jeweils im Abstand einer kleinen Terz aufwärts wiederholt. Zusammen mit dem Modell entsteht damit eine viergliedrige Sequenz. Die Wiederholungen bewirken eine „schweifende“ Modulation; die hervorgehobenen Basstöne durchlaufen dabei nahezu den gesamten Quintenzirkel abwärts.

Quintfall- und Quintanstiegssequenzen

Die Quintfallsequenz, auch fallende Quintschrittsequenz oder Dominantkette genannt, ist ein besonders verbreiteter Sequenztyp der tonalen Musik. Ihre Akkordgrundtöne schreiten in Quinten abwärts. Liegen die Akkorde in Grundstellung, bewegt sich der Bass gewöhnlich abwechselnd durch Quintfälle und Quartsprünge aufwärts; insgesamt ergibt sich dadurch eine stufenweise Abwärtsbewegung. Die denkbare Bezeichnung „Quartanstiegssequenz“ ist nicht üblich. Die umgekehrte Quintanstiegssequenz kommt seltener vor, gehörte aber ebenfalls zu den Satzmodellen, die vom 17. bis zum 19. Jahrhundert in der Musikerausbildung gelehrt wurden.

Eine Quintfallsequenz ist nicht dasselbe wie eine Quintsequenz. Der erste Ausdruck beschreibt Quintschritte zwischen den Harmoniegrundtönen innerhalb eines Sequenzglieds. „Quintsequenz“ bedeutet dagegen, dass das gesamte Sequenzglied mit allen Stimmen jeweils um eine Quinte versetzt wird. Entsprechend kann eine Folge Quartschritte der Grundtöne eine in Sekundschritten absteigende diatonische Sequenz bilden, ohne selbst eine Quartsequenz zu sein.

In einer tonalen Quintfallsequenz in a-Moll kann jeder Ton der Tonleiter einmal als Akkordgrundton auftreten; zwischen dem 5. und 6. Basston liegt dabei ein verminderter Quintschritt. Die es-Moll-Passage aus Franz Schuberts Impromptu Es-Dur op. 90,2 besitzt denselben harmonischen Ablauf, ersetzt aber die abwärts gerichteten Quintschritte durch aufwärts gerichtete Quartschritte. Sie bildet eine viergliedrige, in Sekundschritten diatonisch absteigende Sequenz. Ihre Glieder sind keine exakten Abbilder des Modells, weil sich ihre Intervallstruktur geringfügig ändert.

Ein C-Dur-Beispiel umfasst vierzehn Schritte und durchläuft den Oktavraum zweimal. Zwischen dem 2. und 3. Basston entsteht eine übermäßige Quarte, zwischen dem 9. und 10. eine verminderte Quinte. Diese Tritonusschritte lassen sich vermeiden, indem Dreiklänge abwechselnd in Grundstellung und als Sextakkorde gesetzt werden. Beim Dreiklang der VII. Stufe, dem 3. und 10. Akkord, wird dabei der Leitton verdoppelt. Das ist normalerweise nicht erlaubt, wird in einer solchen Sequenz aber ausnahmsweise zugelassen.

Bei der realen Quintfallsequenz werden ausschließlich reine Quintschritte abwärts und Quartschritte aufwärts verwendet. Sie führt modulierend durch den Quintenzirkel abwärts. In dem genannten Beispiel wird im vierten Takt Ges-Dur enharmonisch als Fis-Dur umgedeutet.

Musikalische Verwendung

Quintschrittsequenzen und besonders Quintfallsequenzen werden seit mehr als 300 Jahren verwendet. Sie eignen sich zur Modulation, also zum Wechsel der Tonart, und zur Durchwanderung einer Tonart. Simon Sechter (1788–1867), der Lehrer Franz Schuberts, behandelte sie besonders deutlich; daher werden Quintfallsequenzen auch „Sechter-Sequenz“ genannt.

Besonders häufig kommen sie in der Musik des 17. und 18. Jahrhunderts sowie in Barock und Klassik vor. Im Barock werden fast sämtliche Modulationen über Quintfallsequenzen vorgenommen. Ausgedehnte Beispiele finden sich bei Claudio Monteverdi und Heinrich Schütz, modulierende Formen in fast allen Werken Johann Sebastian Bachs. Der charakteristische Bass bleibt allerdings nur bei Sequenzen mit Akkorden in Grundstellung erhalten.

Auch die Jazz-Harmonik wird stark von Quintfallsequenzen geprägt. Beispiele sind die Jazz-Standards „Autumn Leaves“ und „Fly Me to the Moon“; in „Fly Me to the Moon“ erscheint gleich am Anfang eine Quintfallsequenz mit Septakkorden in a-Moll. In Rock- und Popmusik tritt das Modell unter anderem in „Still Got The Blues“ von Gary Moore mit der Akkordfolge Dm – G – Cmaj7 – Fmaj7 – Hmb5 – E7 – Am, in Gloria Gaynors „I Will Survive“ und in Santanas „Europa“ mit Fm – B – Esmaj7 – Asmaj7 … auf. Auch die Taizé-Lieder „Nada te turbe“ und „Miserere domini“ enthalten Quintfallsequenzen.

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